Sie reden vom Netz wie Blinde vom Licht

Archiv für Juni, 2012

Breitband

Breitbandverbindungen gibt es europaweit inzwischen fast flächendeckend, meldet der „Fortschrittsbericht“ zur Digitalen Agenda. 95 Prozent aller Europäer haben Zugang zu einem Breitband-Festnetzanschluss. […] Deutschland liegt in diesem Bereich nur ganz knapp über dem EU-Durchschnitt.

Heise Netze vom 18. Juni 2012: 95 Prozent der EU-Bürger haben Breitbandzugang

Robert Wieland, Geschäftsführer von TNS Infratest, sagte, ein Leben ohne Breitbandanschluss sei noch Realität für 43 Prozent der Deutschen, auch wenn „wir hier 4,6 Prozentpunkte nach vorne gekommen sind“.

Heise News vom 26. Juni 2012: Kaum neue Internetnutzer in Deutschland

Beide Artikel stammen vom gleichen „Autor“.

Manchmal wünsche ich mir die Zeit zurück, in der Journalismus in mehr bestand als in der Übernahme von Pressemitteilungen in den „redaktionellen“ Teil. Und dann denke ich wieder, dass es diese Zeit vermutlich nie gegeben hat, dass es erst durch das Internet möglich geworden ist, im Strom der industriell erstellten „News“ nicht einfach unterzugehen, sondern die Meldung von heute kurz mit der inhaltlich völlig anderslautenden Meldung aus der letzten Woche zu vergleichen. Im Zeitalter der alleinigen Papierzeitung lag diese eine Woche „alte“ Meldung ja schon auf dem wachsenden Müllberg vor den Städten oder im Vogelkäfig als Unterlage und wirkte nur noch psychologisch nach. Wenn es noch einen Journalismus im Zeitalter des Internet geben kann, dann muss er von deutlich anderer Beschaffenheit als der Einweg- und Wegwerfjournalismus der etablierten Presseverleger sein.


Internet? Das ist doch dieses Facebook…

Während gewöhnliche „Qualitätsjournalisten“ lediglich Probleme haben, das Internet nicht mit dem Internet-Dienst World Wide Web zu verwechseln, geht die Inkompetenz bei der DPA und beim zitierenden Focus Online noch ein bisschen weiter. Denn dort…

Internet: Lehrer und Erzieher sollen für Facebook fit gemacht werden -- Der Umgang mit dem Internet soll künftig fester Bestandteil der Ausbildung von Lehrern und Erziehern sein -- mit dieser Empfehlung billigte die Enquete-Kommission Internet und Digitale Gesellschaft ein Paket von Handlungsempfehlungen für die Bildungs- und Forschungspolitik.

…verwechselt man das Internet mit der börsennotierten, Menschen ausspionierenden, spammenden, Kommunikation fälschenden und ohne seriöses Geschäftsmodell agierenden AG hinter der Website „Facebook“.

Da bleibt nur zu hoffen, dass demnächst jeder Schüler aufgeklärter als derartige „Qualitätsjournalisten“ ist.

Hallo, DPA, hat F*cebook für diesen Schwachsinn etwa bezahlt?!


Zierckes Stasi-2.0-Propaganda „untragbarer Zustand“

Kurzkommentar

Die ausgesprochen dickfellige Art, in der Herr Ziercke darauf baut, dass die alten News über den so genannten „Nationalsozialistischen Untergrund“ — der jetzt wohl auch „Zwickauer Terrorzelle“ heißt, damit das Erinnern noch ein wenig schwerer fällt — durch acht Monate in die Aufmerksamkeit geströmte neue News vergessen gemacht wurden, ist zynisch und in ihrer politischen Instrumentalisierung eine miese Verachtung der Mordopfer und ihrer Freunde und Angehörigen, die einen tiefen Schatten auf den Eindruck der charakterlichen Eignung dieses Menschen für das von ihm ausgeübte Amt als Chef einer BRD-Polizeibehörde wirft.

Warum der von Herrn Ziercke postulierte „untragbare Zustand“ der fehlenden Datenbestände aus einer anlasslosen Totalüberwachung der Kommunikation sämtlicher Menschen in der BRD — übrigens ganz sicher mit bewusstem Wissen auf Seiten Herrn Zierckes — keinerlei entscheidende Bedeutung für die Polizeiarbeit in dieser Mordserie hat, habe ich bereits am 17. November des letzten Jahres in der Dokumentation der gleichen menschenverachtenden Propaganda durch Beate Merk und Hans-Peter Uhl beschrieben. Dem Vergessen, auf das Herr Ziercke in gnadenloser Schamlosigkeit seine „Argumentation“ aufbaut, sollte keine Chance gegeben werden — denn es machte auch ein tödliches und sich über elf Jahre erstreckendes Versagen bundesdeutscher Inlandsgeheimdienste und Kriminalpolizeien vergessen.

Die mit einer Zwangsabgabe finanzierten „Qualitätsjournalisten“ vom Zweiten Deutschen Fernsehen scheinen keine Probleme mit diesem Vergessen zu haben.


„Faire Balance“: Keine Freude durch Kraft

Wir setzen uns für ein modernes Urheberrecht ein, das eine faire Balance schafft zwischen den Interessen der Nutzerinnen und Nutzer und der Urheberinnen und Urheber. Daher wollen wir auch das immer stärker um sich greifende Abmahnwesen eindämmen und faire und für Verbraucherinnen und Verbraucher nachvollziehbare Nutzungsbedingungen schaffen.

Aus dem Wahlprogramm der SPD Nordrhein-Westfalen
Bitte bei den Ruhrbaronen weiterlesen

Anstelle eines Kommentares komme die SPD selbst zu Worte

Liebe Genossinnen und Genossen,
wir möchten Euch darauf hinweisen, dass am kommenden Montag (23. Juni 2012) [sic!] die Nutzungsfrist für das Wahlkampfauftakt-Plakat „NRW im Herzen“ abläuft!
Bitte entfernt das Motiv bis dahin von Euren Webseiten und aus den sozialen Netzwerken. Auch für den Printbereich darf das Bild dann nicht mehr verwendet werden. Andernfalls droht eine Abmahnung

Hannelore Kraft: NRW im Herzen? Nein! Abmahnungen im Internet

Anmerkung

Die bei einem Wahlkampf verwendeten Werbemittel werden von den politischen Parteien erstellt, die sich damit ihres so genannten Verfassungsauftrag der „politischen Willensbildung“ entledigen. Es handelt sich folglich um Zeugnisse der Zeitgeschichte. Derartige Materialien über das Hebelwerk des „Geistigen Eigentumes“ aus dem Internet und damit aus der nachträglich reflektierenden öffentlichen Wahrnehmung entfernen zu wollen, zeugt von einem Verständnis der Politik und der Gesellschaft, das in meinen Augen die Erfüllung dieses so genannten Verfassungsauftrages noch endgültiger ad absurdum führt, als es die hohlen, ausschließlich an die psychische Bedingtheit und faktisch nicht an die höheren Verstandesleistungen des Wahlvolkes appellierenden Politslogans der Reklameabteilungen von BRD-Parteien schon seit viel zu langer Zeit tun. Unabhängig davon steht die nach der Wahl praktizierte Drohung mit Abmahnungen im geradezu lächerlichen Widerspruch zum oben auszugsweise zitierten, vor der Wahl propagierten Programm der SPD und ist eine offene Verachtung der Wahlberechtigten, die gezielt über die Absichten irregeführt wurden — und angesichts der Tatsache, dass hier SPD-Mitgliedern mit einer Abmahnung gedroht wird, wenn sie das Wahlkampfmaterial, dessen Präsenz im Internet vor der Wahl ja so brennend erwünscht war, nicht zum festgesetzten Zeitpunkt nach der Wahl wieder aus dem Internet entfernen, ist es darüber hinaus eine Verachtung der Mitglieder durch jene Organe der Partei, die für derartige Vorgehensweisen verantwortlich sind.

Die oben stehende satirische Verfremdung des SPD-Plakates aus dem jüngsten nordrhein-westfälischen Wahlkampf dient der Illustration dieses Vorganges und soll es ermöglichen, das in der Dokumentation dieses Vorganges gemeinte Plakat wiederzuerkennen.


Brötchen

Wir brauchen ein neues Bewusstsein für den Wert geistigen Eigentums. Dessen Diebstahl darf nicht länger von Gesellschaft und Politik toleriert werden […] Niemand geht mit gutem Gewissen in eine Bäckerei und nimmt seine Brötchen mit, ohne sie zu bezahlen

Peter Stefan Herbst, Chefredakteur der Saarbrücker Zeitung
DAPD-Meldung, zitiert aus Welt Online

Ganz kurz nur, Herr Herbst…

…ein Grund dafür, dass sich ein „Bewusstsein für den Wert geistigen Eigentums“ nicht bilden will, könnte an einem Propagandageschwätz wie dem Ihrigen liegen, bei dem auch Menschen mit schwachem Denkmuskel aus unmittelbarer Anschauung heraus bemerken, dass es falsch, verlogen, unsinnig, idiotisch ist. Der Unterschied zwischen der Anfertigung einer Kopie und der Mitnahme einer beweglichen Sache ist erheblich und unmittelbar erfahrbar. Ihre brotdumme (und übrigens der Wirklichkeit weder sachlich noch juristisch entsprechende und somit journalistisch vollends wertlose) Brötchenmetapher, Herr Chefredakteur, verrät nur, dass sie vom Internet reden wie… ach, so heißt das Blog schon.

Vielleicht, Herr Chefredakteur, würde sich eher ein „Bewusstsein“ bilden, wenn sie…

  1. …den sehr durchschaubaren Kampfbegriff „Geistiges Eigentum“ vermieden, und
  2. …statt auf der unsinnigen und unsinnlichen Diebstahlmetapher zu beharren, darauf hinwiesen, wie es mit Immaterialgüterrechten und den Nutzungformen urheberrechtlich geschützter Werke wirklich aussieht und welche Probleme aus ihrer Sicht mit den jüngsten technischen Entwicklungen einhergehen.

Ach, an einer Versachlichung der Diskussion sind sie gar nicht interessiert, Herr Chefredakteur? Und deshalb geben sie lieber wider besseres Wissen und im vollen Bewusstsein der Lüge so einen Strunz von sich? Na, das habe (wohl nicht nur) ich mir doch gleich gedacht.


Anlasslose Totalüberwachung wegen @PiratenOnline

In einem Gespräch mit unserer Zeitung kritisierte Friedrich: „Der Fall Özil zeigt nur die Spitze des Eisbergs.“ Die Verwahrlosung der Umgangsformen im Internet sei „erschreckend“. Skeptisch äußerte er sich über die Chance, Twitter-Täter [Bingo!] zu stellen. „Es gibt grundsätzlich Möglichkeiten, da die Täter im Netz Spuren hinterlassen. In vielen Fällen ist die Fahndung aber mangels Vorratsdatenspeicherung derzeit nicht Erfolg versprechend“, sagte der Minister.

Osnabrücker Zeitung — Solidarität echter Fans gefordert — Innenminister: Özil-Hetze ist widerwärtig

Kommentar

Das sind also nach Meinung des Herrn Bundesinnenministers die „schweren Straftaten“, um deretwillen das Kommunikationsverhalten aller Menschen in der Bundesrepublik Deutschland permanent und anlasslos überwacht werden soll: Rassistisch motivierte Beleidigungen gegen einen türkischstämmigen Spieler in der DFB-Auswahl. Mit welcher lächerlichen Behändigkeit sich dieser Fürsprecher einer Totalüberwachung auch auf jedes Thema stürzt, wenn da nur ein bisschen emotionaler Power dranhängt — und sei es Fußball! Eine ganz schlimme „Verwahrlosung der Umgangsformen im Netz“ diktiert dieses Arschloch (ich darf doch mal meine verwahrlosten Umgangsformen offenbaren) in das Journalistenmikrofon, ganz so, als sei er noch niemals einer Horde von „Fußballfans“ begegnet, die offen und von Polizisten aus der BRD beschützt menschenverachtende und auch immer wieder rassistische Parolen in die Welt brüllen. Oder sind das für Herr Friedrich etwa weniger erschreckende Umgangsformen?

Die Umgangsformen, die Herr Friedrich scheinbar nicht bemerkt hat und die ihm offenbar auch niemand von seinem Zuarbeiterstab mitteilte, konnten hingegen viele auf Twitter wahrnehmen, die irgendwie mit diesem Idioten konfrontiert wurden, der sich @PiratenOnline nannte, obwohl er mit der gleichnamigen Partei (nach Aussagen aus der Piratenpartei) nichts zu tun hat. Immer wieder wurde der im Ton völlig inakzeptable Missbrauch des Twitterkontos zur Verunglimpfung von Türken und gleichzeitig der Piratenpartei von Twitter-Nutzern an Twitter gemeldet, so dass es sich für diesen Schwachkopf ganz schnell „ausgezwitischert“ hatte, weil sein Account gesperrt wurde. Hätte es sich hingegen um einen „Fußballfan“ außerhalb des Internet gehandelt, dann hätte er sogar noch Polizeischutz für sein rassistisches Gebrüll bekommen, damit er auch ja kein negatives soziales Feedback von Betroffenen seiner Stammtischagitation erhält.

Was Herr Friedrich in seinem Idiotengelaber in ein Journaillemikrofon nicht erklärt, ist, wieso es im Privatrecht immer wieder möglich ist, Zugriff auf Logfiles zu erhalten und einen Anschlussinhaber zu ermitteln, um ihn kostenpflichtig abzumahnen, während das für die Strafverfolger gar nicht möglich sein soll.

Dank auch an die „Osnabrücker Zeitung“, die eine dermaßen schwachsinnige und plumpe Argumentation ohne jede Relativierung und frei von jeder Hintergrundinformation abdruckt. Damit auch jeder bemerke, was die Journaille unter „politischer Meinungsbildung“ versteht.

Satirische Zusammenfassung der politischen Agitation

„Wer gegen Vorratsdatenspeicherung ist, hilft Kinderschändern“ — merde!, hat nicht geklappt.

„Wer gegen Vorratsdatenspeicherung ist, ist ein Nazi“ — merde!, das klappt auch nicht.

Na gut, dann mache ich eben den dritten Versuch: „Wer gegen Vorratsdatenspeicherung ist, der ist ein Nazi und gegen Fußball“…

Fußnotenhafter Hinweis an Fußballfans

Ich bitte Fußballfans um Beachtung, dass ich „Fußballfan“ in Anführungszeichen gesetzt habe. Die meisten von euch werden wissen, was ich meine und was ich nicht meine. Wer sich trotzdem ungerecht behandelt und als Angehöriger einer Gruppe verunglimpft fühlt, kann daran vielleicht nachfühlen, wie es Nutzern und Gestaltern des Internet unter der laufenden Agitation aus Glotze, Journaille und Politik jeden Tag ergeht. Die Tweets habe ich nur aus dokumentarischen Gründen verlinkt, und sie klingen wie das dumme Geprolle eines pubertären Jungen, beinahe harmlos, wenn ich sie mit dem vergleiche, was mir von „Fußballfans“ manchmal in die wehrlosen Ohren gebrüllt wird.

Nachtrag

Weiterlesen im Lawblog.


EU gegen Internetbombenleger

Abgesehen von dem Euro und dem zollfreien Zugang zu 500 Millionen europäischer Kunden bietet die EU noch zahlreiche weitere Vorteile. Viele unserer aktuellen Probleme, von der Energieversorgung und Umweltschutz, über die Regulierung der Finanzmärkte, die Terrorismus- und Kriminalitätsbekämpfung (z.B. im Internet), bis hin zur Lebensmittelsicherheit und den Herausforderungen des demographischen Wandels in Deutschland, lassen sich allein auf nationalstaatlicher Ebene nicht effektiv lösen

Norbert Geiß, CSU, Rechtsanwalt

Kurzkommentar

Wofür wir die EU — und, um an die beantwortete Frage zu erinnern: eine ordentliche, als „Fiskalpakt“ verschleierte, indirekte Garantiezahlung von Steuergeldern an privatwirtschaftliche Kreditinstitute, die sich verzockt haben — benötigen: Natürlich für die „Terrorismusbekämpfung im Internet“, denn da werden immer ganz viele Bomben gelegt. Ja, dafür brauchen wir die EU!

Hach, dieses Internetdingens ist in der politischen „Argumentation“ immer so praktisch…


Was ist ein Domainname?

Die Antwort auf diese Frage gaben Bungartz & Kreutzer, Patentanwälte im April 2002 auf ihrer Website:

Eigentlich kein gewerbliches Schutzrecht, jedoch wird die Reservierung des Domain-Namens im Internet immer wichtiger. Die Reservierung erfolgt entweder automatisch durch Aufnahme der Benutzung über einen Provider oder durch eigene Reservierung für eine künftige Benutzung. Voraussetzung ist derzeit eine sogenannte DNS-Nummer, also eine Adresse eines physikalischen Speicherplatzes im Internet, unter dem beispielsweise ein Baustellen-Symbol abgelegt sein kann.

Wer eine Stunde Zeit und einen robusten Schädel (oder eine Familienpackung Kopfschmerztabletten hat), kann noch viel mehr von diesen grandiosen Erklärungen lesen: DAUFAQ — Juristen erklären das Internet


Mail-Profitipp von Qualitätsjournalisten

Wer im kostenlosen Mailprogramm Thunderbird seine E-Mails signiert, sollte dafür HTML verwenden – nur so bleibt die gewünschte Schriftart erhalten

sueddeutsche.de — Computer – Internet: Mailprogramm Thunderbird: In Signatur HTML verwenden

Ergänzender Profitipp: Verwenden sie ausschließlich Schriftarten, die auf den Rechnern der Empfänger mit einer hohen Wahrscheinlichkeit nicht installiert sind und streben sie nach einem exakten Layout, als handele es sich um ein Printprodukt. Schließlich gibt es ganz viele Mailausdrucker, und die finden den Stil allesamt wichtiger als den Inhalt. Stören sie sich auch nicht daran, dass HTML-Mail ansonsten wegen der damit einhergehenden Möglichkeiten zum Tracking oder zum Verschleiern eines Linkzieles vor allem von kriminellen Spammern eingesetzt wird, so dass alle ernsthafte Kommunikation zwischen Menschen mit reinen Textmails stattfindet. Die gelegentliche Erkennung der eigenen Mail als Spam ist ein angemessener Preis für das Streben nach größtmöglicher Exzellenz im Design der Mail. Glauben sie einfach den Profis im Baumbestempeln von der Süddeutschen Zeitung, die kennen sich auch mit E-Mail und dem Internetdingens aus! Huch, jetzt sind sie in das Aquarium mit den Blindfischen gefallen…


Suchmaschinen: Die Diebe des Internet

Wir versprechen uns keine großen Einnahmen von diesem Leistungsschutzrecht. Das ist jetzt auch gar nicht unser Ziel. Uns geht es dabei darum: Das ist unser geistiges Eigentum und unser Anspruch. Und wir wollen einfach gerne vorher gefragt werden. Und wichtig ist auch, dass große Martkteilnehmer wie Guggel nicht einseitig den Preis auf null festsetzen. Das wäre so, als wenn ich selber in den Supermarkt gehen würde und würde mir da was rausholen. Da ist ja auch keine Schranke vor dem Supermarkt. Da kann ich ja auch reingehen einfach. Da ist auch nicht alles ausgezeichnet, das vergisst die Verkäuferin ab und zu mal. Und trotzdem würde ich nie auf die Idee kommen, mir die Spreewaldgurken umsonst rauszunehmen. Sondern ich würde dann hingehen und fragen: „Was kosten die, bitte?“, und dann würde ich das bezahlen

Dietrich von Klaeden, Leiter für Regierungsbeziehungen bei der Axel Springer AG, zitiert aus der Transkription von Stefan Niggemeier

Kurzkommentar

Nein, Herr von Klaeden, die Arbeit einer Suchmaschine ist mitnichten ein Diebstahl in einem Supermarkt (deshalb verschwindet ja auch nirgends etwas), sondern sie ist sinnbildlich so, als würden sie in den Supermarkt gehen, nichts kaufen und nichts mitnehmen, die Produkte dort stehenlassen, aber sich diese genau anschauen und sich anschließend hinstellen und potenziell interessierten Kunden sagen, welche Produkte es im Supermarkt gibt und welche Eigenschaften diese haben. Dies hülfe interessierten Kunden, die für sie besten Produkte zu finden. Ihre Idee, dass jemand für diesen Dienst, der vor allem dem Supermarkt und seinen Kunden nützt, Geld an den Supermarkt bezahlen soll, ist schlechterdings gehirnverrottet. Wenn Supermärkte — die in ihrer merkwürdigen Parabel, Herr von Klaeden, ausgerechnet dasjenige Verlegergewerbe repräsentieren, dessen Interessen sie klandestin in den von Presse und Öffentlichkeit unbeobachteten Berliner Mauschelstuben vertreten — nicht in Wirklichkeit darum bemüht wären, ihren Kunden immer wieder einmal für sie nachteilhafte, also minderqualitative und/oder überteuerte Produkte, anzubieten, dann würden sich sogar die Supermärkte selbst um einen derartigen Dienst bemühen, der ja dann auch für die Supermärkte nur Vorteile hätte.

Aber dafür, Herr von Klaeden, dass ihre Parabel so ein billiger rhetorischer Trick ist, der schon beim leichten Klopfen ganz hohl klingt, dafür ist wenigstens ihre vorsätzlich kriminalisierende Rhetorik gegenüber Gestaltern des Internet eine Offenbarung ihres ausgesprochen unerfreulichen Charakters. In gewöhnlicher Umgangssprache würde ein Mensch mit einem Charakter wie dem ihrigen, Herr von Klaeden, durch die derbe Benennung einer wenig appetitlichen Körperöffnung bezeichnet werden.


Der Webbrowser von 1987

Die Hervorhebung im folgenden Zitat ist von mir:

Das Bildformat GIF (Graphics Interchange Format) wird fünfundzwanzig: Am 15. Juni 1987 führte der US-Provider CompuServe das Bildformat ein […] Bereits die erste GIF-Version 87a enthielt viele Feinheiten: So ließen sich Bilder interlaced abspeichern, damit Webbrowser schon während des Ladens ein grobes Bild darstellen können, das mit Fortschreiten der Übertragung immer feiner auflöst — zu Modemzeiten ein nicht zu verachtender Vorteil.

Heise Online: 25 Jahre GIF

Kurzkommentar

Auch wenn es dem Schreibernachwuchs in der Karl-Wiechert-Allee unvorstellbar erscheinen mag: Im Jahr 1987 gab es noch keine Webbrowser. Tatsächlich wurde die Idee des World Wide Web erst im März 1989 von Tim Berners-Lee vorgestellt, der erste Webbrowser war WorldWideWeb für NeXT OS und der erste Webserver wurde am 6. August 1991 gestartet — dies alles ebenfalls von Tim Berners-Lee entworfen und programmiert. Eine beachtliche Pionierarbeit!

Man möchte fast denken, dass ausgerechnet bei Heise Online Leute als Autoren beschäftigt werden, die das Internet mit dem World Wide Web verwechseln und sich gar nicht mehr vorstellen können, dass es auch andere Protokolle im Internet gibt — eine andere Erklärung für diesen Fauxpas habe ich nicht. Das ist für einen Fachverlag ausgesprochen schwach.


Das eine Prozent

Es sei zu bedenken, dass 90 Prozent der Internetmeinungsäußerungen von einem Prozent der Nutzer stammten.

Frank-Walter Steinmeier, Vorsitzender der SPD-Fraktion im Bundestage, indirekt zitiert im Artikel „SPD auf der Suche nach der ‚guten Netzpolitik‘ [sic!]“ auf Heise Online

Übrigens, Herr Steinmeier

Dieses eine Prozent, das für neunzig Prozent der Meinungsäußerungen im Internet verantwortlich ist — die anderen 65 Prozent der Bevölkerung der Bundesrepublik Deutschland posten ja nach Meinung des Spezialexperten Frank-Walter Steinmeier nur Katzenfotos auf Facebook und äußern dabei niemals eine Meinung — also, dieses angeblich eine Prozent findet es seinerseits bedenkenswert, dass 100 Prozent der politischen Gestaltung in der Bundesrepublik Deutschland von nicht einmal einen zehntel Promille der Bevölkerung stammen.

Die von ihnen, Herr Steinmeier, im gleichen Zug beklagte „Misstrauensgesellschaft“ in der Internetöffentlichkeit der BRD wurzelt übrigens in diesen billigen und jeden intelligenten Zuhörer beleidigenden rhetorischen Taschenspielkünsten, mit denen sie und andere Menschen aus der classe politique ihre jeweiligen Beglückungsideen begleiten.


Angebliche Unwissenheit

Berlin (dpa/tmn) – Dumm stellen nützt nichts: Seiten wie kino.to sind offensichtlich rechtswidrig. Und wer im Internet illegal Filme oder Songs runterlädt, kann nicht so tun, als habe er das nicht gewusst.

Angebliche Unwissenheit schützt vor Strafe nicht – das gilt auch im Falle illegal heruntergeladener Dateien aus dem Internet. Denn die Justiz sagt: Bei bestimmten Webseiten muss Verbrauchern vorher klar sein, dass es sich um eine offensichtlich rechtswidrige Quelle handelt.

Sueddeutsche.de — Internet — Computer: Raubkopien aus dem Netz — Unwissenheit ist keine Ausrede

Ganz kurz nur, DPA und Süddeutsche

„Angebliches“ Unwissen ist im Falle des Streamings ein ganz schön vorsätzlich kriminalisierendes Wort.

Ich biete euch Zeitungsschmierern ein Experiment an: Macht mal eine Umfrage in eurer eigenen Redaktion, in der ja lauter gut ausgebildete „Qualitätsjornalisten“ sitzen, die sich demnächst durch das standesdünkelhafte Unrecht eines Leistungsschutzrechtes mit einer absurden Internetsteuer subventionieren lassen wollen! Lasst jeden eurer „Qualitätsjournalisten“ ein YouTube-Video schauen und fragt ihn anschließend, ob er etwas heruntergeladen hat! Und dann werft den vielen Menschen, die ihre technischen Kenntnisse vor allem aus Meldungen der Süddeutschen Zeitung und aus dem NITF-Stream der DPA haben mal schön — und nach diesem einfachen Experiment: wider besseres Wissen — vor, dass sie nur „angeblich“ unwissend sind — nur, weil sie noch nicht einmal wissen, wo denn jetzt das heruntergeladene Flash- oder MP4-Video auf ihrer Platte liegt. Ach, das weiß bei euch bei der Süddeutschen Zeitung kein einziger? Na dann…

Genau das ist nämlich das Problem bei der Beurteilung des Streamings. Es kommt aus Nutzersicht zu keinem Download. Dass technisch sehr wohl ein Download stattfindet, setzt bereits ein Verständnis voraus, das über das Wissen der meisten Anwender hinaus gehen wird — leider. Wenn sie jetzt diese Seite lesen, ist ihnen auch nicht in dem Maße klar, dass es sich um einen Download handelt, wie es ihnen klar wird, wenn sie diese Seite speichern, in einem Dateiauswahldialog einen Ordner im Dateisystem auswählen und diese Seite unter einem bestimmten Dateinamen ablegen. Dennoch befindet sich eine Kopie dieser Seite im Cache ihres Browsers — und sie fänden es sicher sehr deplatziert, wenn in diesem Zusammenhang von einer „angeblichen Unwissenheit“ die Rede wäre, einhergehend mit dem Vorwurf aus der Überschrift, dass eine „Raubkopie“ angefertigt wurde und mit einer in der Luft hängenden Drohung juristischer Konsequenzen. Der Ablauf beim Streaming ist bestechend ähnlich.

Wahr ist allerdings, dass jedem Menschen mit normaler Lebenserfahrung durch bloßes Hinschauen klar sein muss, dass Anbieter der Geschmacksrichtung kino (punkt) to illegal sind. Das macht aber niemanden zu einem „Raubkopierer“, auch nicht, wenn er mit seiner gar nicht „angeblichen“ Unwissenheit ein derartiges Angebot nutzt. Ob es sich beim Streaming um die Anfertigung einer Kopie im Sinne des Urheberrechts handelt, ist eine Frage, über die noch so mancher staubtrockene juristische Text verfasst werden wird — mit zurzeit eher offenem Ergebnis. Kriminalisierende Hirnfick- und Propagandaworte der Contentindustrie wie dieses unsägliche und in jeder Hinsicht falsche¹ Wort „Raubkopie“ werden darin allerdings nicht vorkommen.

¹Warum in jeder Hinsicht falsch? Was ich darüber schon geschrieben habe, will ich hier nicht in seiner ganzen Breite wiederholen.


Wolfgang Wieland ist ein Lügner

Screenshot aus der Website der Partei Bündnis 90 / Die Grünen -- Wolfgang Wieland, Sprecher für Innere Sicherheit der Bundestagsfraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, sagte, es dürfe keine Vorratsdatenspeicherung geben. Die Bürgerinnen und Bürger müssten als unschuldig behandelt werden, solange sie sich nichts zu Schulden kommen lassen. Die Menschen sollten nicht als potentielles Gefährdungsrisiko gesehen werden, deren Bewegung, Kommunikationsverhalten und möglicherweise auch finanzielle Transaktionen auf Vorrat irgendwo gespeichert werden.

Quelle des Screenshots: Website der Partei Bündnis90 / Die Grünen
Es handelt sich um das sechste Bild der Fotostrecke

Ein verlinktes Zitat anstelle eines Kommentares

Überraschend plädierte auch der innenpolitische Sprecher der Grünen Wolfgang Wieland für eine Umsetzung der Vorratsdatenspeicherung in Deutschland […]


Offener Brief an Sabine Leutheusser-Schnarrenberger

Wir wollen zum Beispiel die Möglichkeiten für Rechteinhaber erleichtern, an die Mail-Adressen von illegalen Downloadern zu kommen, um ihre Ansprüche geltend zu machen

Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, FDP, Rechtsanwältin, Bundesministerin der Justiz

Offener Brief an Sabine Leutheusser-Schnarrenberger

Werte Frau Leutheusser-Schnarrenberger,

wie wollen sie denn bitte die Mailadresse ermitteln lassen?

Mit Verlaub, Frau Ministerin: Holen sie bitte mal kurz Luft bei ihrem Versuch, ACTA doch noch irgendwie (und sei es jetzt nur noch zu Gunsten der Pharmaindustrie) durchzubekommen, und erinnern sie sich kurz an die technischen Grundlagen und daran, auf welchem gesellschaftlichen Hintergrund es überhaupt zu illegalen Downloads kommt. Es setzt sich ja niemand hin und sagt sich „ich will jetzt unbedingt was Illegales tun“.

Das spielt sich völlig anders ab.

Wenn jemand — sagen wir ruhig einmal: ich¹ — also, wenn ich auf die Idee käme, dass ich wegen eines bestimmten Musikstückes (ein derartiger Wunsch kommt ja aus dem unmittelbaren Erleben und aus nichts anderem) das Album „Mindstrip“ von Suicide Commando haben möchte, das man in meiner hübschen Heimatstadt Hannover zurzeit von exakt null Händlern bekommt; wenn ich anschließend mit gebremster Freunde feststellen müsste, dass ich dieses Album zwar im Webshop des Projektes als komplette materielle CD für 12 Euro kaufen kann, ich dort aber absurderweise nicht die Möglichkeit habe, das eine Stück „Comatose Delusion“ zu einem akzeptalen Preis als Einzelkauf zu erwerben, was mir als eine geradezu natürliche Vermarktungsform im Internet erscheint; und wenn ich mir dann sage:

Nein, ich will ja eigentlich nur dieses eine Stück. Und wenn schon Vertrieb über das Internet, dann ist doch der Umweg über eine mit der Sackpost versandten CD, die ich eigens rippen muss, um sie auf meinen MP3-Player zu überspielen (wenn es sich nicht gar um eine dieser kopiergeschützten, also ab Werk kaputten CDs handelt) und bei der ich außerdem sehr viel mehr bekomme und vor allem bezahle, als ich gerade haben möchte, ein bisschen deppert und umständlich.

Das sind alles Gedanken, Frau Justizministerin, die gewiss nicht in meinem Kopf zum ersten Male aufgekommen sind, Gedanken, die vor mir schon ganz viele Leute gedacht haben, und die nach mir noch ganz viele Leute denken werden. Alben komplett im Internet verkaufen zu wollen, ist ungefähr so weit neben den technischen Möglichkeiten des Netzes, als versuchte man, Hörspiele ohne Bild im Fernsehen zu senden.

Dann kann es schon einmal passieren, dass ich bei einer dieser berüchtigten, oft zensierten und gern kriminalisierten Torrent-Suchmaschinen lande, um mir über einen digitalen Weg digital vermarktete Güter in einer angemessenen digitalen Form zu besorgen, ohne zuviel dafür zu bezahlen.

Sehen sie, dann bin ich ein illegaler Downloader.

Welche Spuren hinterlasse ich dabei, Frau Justizministerin?

Richtig, ich hinterlasse nur bei den jeweiligen Seedern eine IP-Adresse, mit der ich diese digitalen Güter herunterlade.

Und? Frau Justizministerin? Wie kommt man nun von der IP-Adresse auf die Mailadresse?

Es ist natürlich möglich, die „irgendwie“ ermittelte IP-Adresse² mit den gespeicherten Verbindungsdaten des Zugangsproviders abzugleichen, um an die Stammdaten des Kunden des Zugangsproviders zu gelangen. Was man dabei erhält, ist nicht etwa eine Mailadresse, sondern die Identität (Name und ladungsfähige Anschrift) eines Anschlussinhabers. Dies geschieht bereits jeden Tag, und dahin geht dann auch die in der Regel gesalzen kostenpflichtige Abmahnung, die dann in einem — hören sie genau, Frau Justizministerin, denn es handelt sich hier um ihr eigentliches Ressort! — systematischen und zuweilen gar gewerbsmäßigen Missbrauch dieses an sich sinnvollen Rechtsmittels zur „Abschreckung“ und — im gewerbsmäßigen Falle — zur Erzielung eines pekuinären Gewinnes versandt wird.

Die Mailadresse, von der sie reden, wie ein Blinder vom Lichte redet, sie kommt in dieser Kette nirgends ins Spiel. Weder gibt es eine Zuordnung von IP-Adressen zu Mailadressen, noch ist im Regelfalle dem Zugangsprovider die verwendete Mailadresse bekannt. Sie lässt sich ebensowenig erschließen, wie sich aus einem Kfz-Kennzeichen der Name der Hauskatze erschließen ließe.

Ich kann jetzt natürlich nur darüber spekulieren, warum sie von einer Mailadresse reden, werte Frau Justizministerin.

Die für sie vorteilhaftere Annahme ist, dass sie schlicht keine technischen Kenntnisse haben, und unbeleckt von den dazu erforderlichen fachlichen Kenntnissen ihre Ideen zur juristischen Regulierung des Internet zum Besten gegeben haben. Obwohl das dumm wäre, ist es die vorteilhaftere Annahme.

Denn die andere mögliche Annahme ist, dass sie bewusst gelogen haben, um über das Wort „Mailadresse“ einen Eindruck von relativer Harmlosigkeit zu erwecken, der mit der ladungsfähigen Anschrift eines Anschlussinhabers in der real existierenden Bananenrepublik Abmahnistan nun einmal nicht verbunden ist. Bei einer solchen Lüge hätten sie fest darauf gebaut, dass der Mehrzahl der „Politikgenießer“ in der Bundesrepublik die technischen Zusammenhänge fremd sind und hätten nach Rücksprache mit ihren PR- und Technik-Beratern diese Unkenntnis gezielt zur Erweckung eines unzutreffenden Eindruckes eingespannt.

Und das, Frau Ministerin, ist ein Eindruck, den sie doch wirklich nicht zu erwecken beabsichtigen, oder? Aus mir bekommen sie diesen Eindruck jedenfalls nicht mehr so leicht heraus — nicht trotz, sondern wegen ihrer überwiegend kompetenten und von einem gewissen Weitblick geprägten Politik.

Mit Grüßen, die gerade noch so freundlich bleiben, wie man es von jemandem erwarten kann, dem man so offen und durchschaubar ins Gesicht lügt und damit unterschwellig mittelt, dass man ihm für einen Idioten hält

Ihr Nachtwächter.

Fußnoten

¹Und ja, werte Frau Justizministerin: Ich gestehe offen ein, dass ich schon illegale Downloads gemacht habe. Ich gehe davon aus, damit nicht zu einer kleinen Minderheit zu gehören, die auch ansonsten eher kriminelle Ambitionen hat, also zu so etwas wie zu Menschen, die Wohnungseinbrüche machen. Ich gehe sogar noch weiter in diesem Geständnis und gebe genau so offen zu, dass ich es jederzeit wieder machen würde, wenn der legale Erwerb bedeutete, dass ich überzogen viel Geld dafür bezahlen soll, digitale Güter auf einem materiellen Medium über den Postweg zu beziehen und bei dieser Produktbündelung auch für digitale Güter mitbezahlen soll, die ich gar nicht erwerben will. Meine „kriminelle Energie“ in dieser Sache geht noch weiter: Ich käme mir ziemlich dumm vor, wenn ich mich für ein legales Angebot mit derartigen Zumutungen „ausnehmen lassen“ würde. Und auch hier gehe ich davon aus, nicht zu einer kleinen Minderheit… ach, ich wiederhole mich. Seit ich etwas genauer weiß, wie wenig von diesem Geld bei den eigentlichen Künstlern ankommt, ist meine Bereitschaft, legal zu verfahren, sogar noch weiter gesunken und ich würde einiges an Aufwand in Kauf nehmen, um erstens derartige Güter illegal zu beziehen und zweitens den Künstlern auf andere Weise Geld zukommen zu lassen. „Suicide Commando“ war live übrigens durchaus eindrucksvoll, und die T-Shirts gefallen mir richtig gut.

²Es gibt exakt eine Möglichkeit, die IP-Adresse eines BitTorrent-Nutzers oder eines anderen Filesharers zu ermitteln: Indem man die Güter selbst zum Download anbietet. Diese Geste einzunehmen und hinterher den Downloader zu kriminalisieren, ist mehr als nur ein bisschen schizophren. Diese schizophrene Geste wird von dubiosen Rechteverwertern in der Bundesrepublik Deutschland unentwegt eingenommen. Sie, Frau Justizministerin, scheinen mit dieser anderen Seite des ermittelten Downloaders zumindest im Moment noch kein Problem zu haben. Deshalb kann ich ihnen nur empfehlen, auch darüber einmal nachzudenken. Wenn ich mich öffentlich hinstelle und ein begehrtes Gut wie freie 5-Euro-Banknoten anpriese, wäre es doch bis an die Grenze zur offenen Geisteskrankheit absurd, wenn ich hinterher wegen des mir weggenommenen Geldes einen Strafantrag wegen Diebstahls stellte, oder?


Die zugängliche Website

Ein Kandidat für den Blindfisch des Jahres — mögen erblindete oder blindgeborene Menschen mir das bitte nicht als Beleidigung zurechnen — ist Áder János, Präsident Ungarns. Er hat sich von sicherlich ganz besonders extrakompetenten Spezialexperten eine für Behinderte zugänglichere Website auf bemerkenswerte Weise gestalten lassen: Indem er Texte in Braille-Schrift darauf abbilden ließ:

Möge ihm ein Licht aufgehen!


Gestohlen? Verschwunden?

Die beiden US-Unternehmen [LinkedIn und eHarmony, meine Anmerkung] bestätigten am Mittwochabend einen millionenfachen Diebstahl von Passwörtern. Sicherheitsexperten raten den Nutzern zur sofortigen Änderung ihrer Zugangsdaten.

Welt Online — Internet: Hacker greifen soziale Netzwerke LinkedIn und eHarmony an

Gar nicht korinthenkackerischer Kurzkommentar

Nein, „Welt Online“ (und alle anderen Produkte von „Qualitätsjournalisten“), die Passwörter wurden nicht gestohlen. Das lässt sich allein daran erkennen, dass diese Passwörter weiterhin in den Datenbanken von LinkedIn und eHarmony existieren, dass es also nicht zur Wegnahme einer fremden beweglichen Sache kam. Die Passwörter wurden mutmaßlich nach Ausnutzung einer angreifbaren Programmierung kopiert und sind so in die Hände von Kriminellen gelangt. Sie erfüllen nun nicht mehr ihren Zweck, einen Menschen gegenüber einer Webanwendung zuverlässig zu authentifizieren und ermöglichen es Verbrechern, im Namen anderer Menschen aufzutreten. Mit Diebstahl hat das gar nichts zu tun, es ist ein fundamental anderer Vorgang, der übrigens auch juristisch völlig anders betrachtet wird (etwa nach §202a oder §202b StGB).

Es wäre auch für die Nutzer „qualitätsjournalistischer“ Produkte mit geringer Neigung, sich selbstständig aus offenen Quellen im Internet zu informieren, sehr hilfreich, wenn sie auch in Internetangelegenheiten seriös und korrekt über Sachverhalte aufgeklärt würden — zumal das erst einen Beitrag zu einer sinnvollen politischen Willensbildung in Fragen der Behandlung von Interneterscheinungen schafft. Dass es für den Teaser einer solchen Meldung eines knackigen, kurzen Wortes an Stelle einer langatmigen, aber juristisch korrekten Ausdrucksweise bedarf, sehe ich ein. Aber dass das Verb „stehlen“ ein in jeder Hinsicht falsches Wort ist, solltet ihr einsehen. Endlich einsehen. Und auf Grundlage dieser Einsicht schreiben.

Und bevor jemand glaubt, ich sei hier einseitig: Nein, bei Heise Online…

Passwortdiebstahl auch bei Last.fm

…wird — wider besseres technisches Wissen — genau die gleiche hirnverkäste Ausdrucksweise verwendet. Aber das ist nichts gegen den vollständigen Denkverzicht Golems beim Vermelden…

…dass die Daten von last.fm „verschwunden“ seien. Diese ist eines ganz dicken Blindfisches würdig. Willkommen im Aquarium, Golem! Wenn ihr euch da unbehaglich fühlt, dann lasst Artikel für eure „IT-News für Profis“ bitte fortan auch von Profis schreiben und nicht von Idioten.


Wer steht denn da direkt am Tatort?

Wie überhaupt der ganze Diskurs über das Netz und seine User einen hohen Ton an­schlägt und damit die Banalität von Rechtsverstößen kaschiert oder gar zum Frei­heitsakt hochjazzt. Die Grundrechte der Urheber bzw. der von ihnen beauftragten Rechteinhaber aber werden dagegen marginalisiert: Zum Beispiel das Grundrecht auf geistiges Eigentum.

Aus dem Offenen Brief von 51 Tatort-Autoren an die „lieben Grünen, lieben Piraten, lieben Linken und die liebe Netzgemeinde“

Ganz kurz nur…

…um diese großtönenden Worte ein wenig zu relativieren, sei hier verlinkt, wie ausgerechnet im Rahmen der Tatort-Produktion in mindestens einem Fall mit Immaterialgüterrechten umgegangen wird. Die Aufklärung, aus welcher Quelle die Tatort-Macher das Werk bezogen haben, gibt es im Beitrag von joerg-s. Wir brauchen ein Bild für diese Szene mit dem Overheadprojektor, haben sich die Macher gesagt, und dann haben sie ihren Browser aufgemacht, Googles Bildsuche verwendet und einfach einen der ersten Treffer genommen und nach trivialer (und übrigens für einen Schaltplan auch technisch falscher) Nachbearbeitung verwendet. Nicht aus Freude am Teilen, sondern um ein Geschäft damit zu machen, also Geld zu verdienen.

So, und nach diesem kleinen Hinweis möchte ich, der ich weder grün, noch Pirat, noch links und schon gar nicht Mitglied irgendeiner Gemeinde bin, den einundfünfzig Propagandagehilfen Tatort-Autoren nur eines erwidern: Wenn ihr mit einem Finger auf andere zeigt, weisen drei Finger auf euch selbst zurück. Eine Antwort in Form eines offenen Briefes ist da gar nicht nötig, und sie wäre übrigens auch eine Verschwendung beschränkter Lebenszeit. Das von euch für den Rest der Welt als Getränk angebotene Wasser steht deutlich genug im Widerspruch zum von euch gesoffenen Weine, um seine eigene und allgemein verständliche Sprache zu sprechen.

Oder anders gesagt, ihr wenig lieben mit GEZ-Zwangsgebühren Alimentierten, Staatsfernsehabhängigen und Mitglieder der heiligen Kirche der totalen Volksentrechtung und Kulturvermarktung unter dem wehenden Banner des „geistigen Eigentums“ namens Urs Aebersold, Feo Aladag, Miguel Alexandre, Friedrich Ani, Knut Boeser, Katrin Bühlig, Fred Breinersdorfer, Leonie-Claire Breinersdorfer, Stefan Cantz + Jan Hinter, Orkun Ertener, Christoph Fromm, Klaus Gietinger, Axel Götz, Dinah Marte Golch, Jochen Greve, Harry Göckeritz, Michael Gutmann, Peter Hemmer, Peter Henning, Felix Huby, Stefanie Kremser, Wolfgang Limmer, Petra Lüschow, Daniela Mohr, Martina Mouchot, Clemens Murath, Carolin Otto, Henriette Piper, Claudia Prietzel, Peter Probst, Gerhard J. Rekel, Pim G. Richter, Johannes Rotter, Heike Rübbert, Peter Scheibler, Hartmann Schmige, Holger Karsten Schmidt, Simone Schneider, Susanne Schneider, Dorothee Schön, Thomas Schwank, Xaõ Seffcheque, Markus Stromiedel, Uwe Wilhelm, Michael Wogh, Daniel Wolf, Gerlinde Wolf, Eva Zahn, Volker A. Zahn, Peter Zingler: Ihr widert mich an und ihr könnt mich mal am Arsche lecken! Und vermutlich nicht nur mich.


Wie Autokennzeichen

Die nach dem neuen Internetprotokoll IPv6 vergebenen Internetadressen haben das Potential, zu Autokennzeichen für jeden Internetnutzer zu werden und zwar unabhängig davon, wie viele Geräte der Einzelne im Internet verwendet.

Peter Schaar, Bundesbeauftragter für den Datenschutz und die Informationsfreiheit

Es ist gar nicht so schlimm, aber zwei Dinge nur…

Erstens finde ich es immer wieder erstaunlich, wann so ein staatlich besoldeter Datenschützer in der Bundesrepublik Deutschland blind ist: Wenn es um staatliche Datensammlungen geht. Eine besondere Kritik an der Vorratsdatenspeicherung oder sogar weitergehenden „Beglückungsideen“ der classe politique wird aus dem Munde eines solchen Datenschützers niemals hörbar. Dabei erfüllt die anlasslose Speicherung und Aufbawahrung aller Verbindungsdaten beabsichtigerweise genau die von Herrn Schaar angemäkelte Funktion, jeden Netznutzer persönlich identifizierbar zu machen. Dass es sich nicht — wie von den Lügnern aus der classe politique immer wieder behauptet wird — um eine Datensammlung handelt, auf die nur zur Verfolgung „schwerer“ (ein sehr dehnbares Wort) Straftaten zugegriffen wird, sollte Herrn Schaar bekannt sein. Oder ist an ihm bislang vorbeigegangen, dass entsprechende Auskünfte aus gespeicherten Datenbeständen der Provider schon für verhältnismäßig kleine Vergehen mit richterlicher Anordnung erzwungen werden, etwa fürs Weitergeben einer nicht-lizenzierten Kopie eines urheberrechtsgeschützten Werkes? Der Aufwand zum Zugriff auf derart gespeicherte Daten ist also nicht sehr hoch. Aber so etwas misst der Herr Datenschützer mit ganz anderem Maß als die kommenden technischen Entwicklungen — was wohl auch daran liegt, dass die classe politique, die sich mit solchen datenschützenden Feigenblättchen wie Herrn Schaar dekoriert, an eben diesem technischen Fortschritt keinen Anteil hat.

Zweitens finde ich als Mensch, der das Gras manchmal besonders laut wachsen hört, es sehr interessant, was Herr Schaar hier zum Vergleich genommen hat: Die Kfz-Kennzeichen. Diese werden seit fast zwanzig Jahren in einer maschinenlesbaren Schriftart ausgeführt. Wenn Herr Schaar in seiner Position als Bundesbeauftragter für das Datenschutzfeigenblatt und die Informationsfreiheit der Herrschenden und Besitzenden die Überwachungsmöglichkeit von IPv6 mit einem Kfz-Kennzeichen vergleicht, schwingt darin zwischen den Zeilen mit, dass ihm bereits von systematischen automatisierten Überwachungen der maschinenlesbaren Kennzeichen Kenntnis zuteil geworden ist, vielleicht sogar nach dem 11. März 2008. Wie sonst sollte er auf so einen Vergleich kommen? Dass er nicht auf die Idee kommt, dass maschinenlesbare Kfz-Kennzeichen eine Beeinträchtigung des Datenschutzes sein könnten, ist allerdings naheliegend. Hier handelt es sich schließlich nicht um allgemeinen technischen Fortschritt, sondern um eine Idee der bundesdeutschen classe politique, die 1994 Rechtskraft als Verordnung erhielt. Und so etwas ist für die Schaars dieser Welt, die vom Staate bezahlt werden, jenseits jeder Möglichkeit des Hinterfragens.


Browser mit Zertifikat für Sicherheit

Mit einem Zertifikat der TÜV Trust IT GmbH setzt Microsoft seine PR-Kampagne um die Sicherheit des Internet Explorer fort. Die Tochter des österreichischen TÜV bescheinigt der von der britischen Organisation Privacy Online betriebenen Tracking-Schutzliste für den IE 9, „die Privatsphäre der Nutzer nachhaltig und umfassend“ zu schützen

Heise Online — TÜV zertifiziert Tracking-Schutzliste für Microsofts Browser

Ganz kurz nur

Das Unternehmen „TÜV Trust IT GmbH“ zertifiziert allen Ernstes, dass eine von einem Privatunternehmen verwaltete Liste von Domainnamen ihrem Nutzer einen wirkungsvollen Schutz seiner Privatsphäre gewähren solle. Auf Seiten der diversen Firmen, die Surfer tracken, reicht ein neuer Eintrag im Nameserver hin, um diesen „Schutz“ zu umgehen. Das Konzept ist von seiner „Wirksamkeit“ her mit der „Stoppschild-Idee“ einer Ursula von der Leyen zu vergleichen; es ist nicht einmal eine erwägenswerte Alternative zu Browser-Addons wie NoScript und Adblock Plus… die es allerdings für den Internet Explorer auch nicht gibt. Dafür hat Microsoft ja auch kein Geld ausgegeben, um sie vom TÜV zertifizieren zu lassen.

Sicherheit und Privatsphäre im Internet entstehen nicht durch eine Blacklist und volle Schnüffelmöglichkeiten für jede Website, die nicht in dieser Liste aufscheint; Sicherheit und Privatsphäre entstehen durch das genaue Gegenteil dieser Vorgehensweise, durch eine generelle Sperre gewisser technischer Möglichkeiten, die dann vom Benutzer in eigener Verantwortung freigeschaltet werden, wenn er es für angemessen hält, anonymen Gegenübers im Web das Privileg einzuräumen, Code auf seinem Rechner in seinem Browser auszuführen. So, wie NoScript dies vorzüglich und benutzerfreundlich für den Firefox umgesetzt hat.

Der Einordnung von Heise Online, dass es sich um den Teil einer „PR-Kampagne“ handelt, habe ich nichts hinzuzufügen. Der Idee, dass ein Zertifikat eines TÜV „Sicherheit“ bedeuten könne, kann ich nur einen kleinen, unvollständigen Rückblick auf TÜV-zertifizierte Angebote hinzufügen, der für sich selbst spricht: Amazon, Libri, SchülerVZ

Das Geld für die gefühlte „Sicherheit“ der Zertifikate wäre in allen diesen Fällen besser für Leute ausgegeben worden, die sich mit Sicherheit auskennen.


Das Medienkonzentrationsrecht

Mit Sorge sehe der einstige Medienpolitiker die Marktmacht, die Online-Konzerne mit dem Gang an die Börsen erlangt hätten. Im Zeitalter des Internets bräuchte es „mehr koordinierte europäische Technologiepolitik“, aber auch eine Regulierung in Deutschland. „Denken Sie an Google mit seinem Dienst Youtube“, sagte Stoiber. „Müssten wir da nicht das Medienkonzentrationsrecht verändern?“

Welt Online: Internet — „Viele Politiker verstehen das Internet nicht“

Anmerkung

So zitiert die Online-Ausgabe der springerschen „Welt“ die Bedenken des ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber (CSU). Zum Beitrag mit diesem Zitat bettet die Online-Ausgabe der springerschen „Welt“ zehn verschiedene JavaScript-Fetzen großer Internetkonzerne ein, die zur Verfügung gestellt werden, um Benutzer zu tracken und große Datensammlungen über das Verhalten der Menschen im Web anzulegen, nämlich:

  1. Ein JavaScript-Schnippsel des dänischen Reklamevermarkters Emediate Ad Serving Solutions
  2. Ein JavaScript-Schnippsel für den Login mithilfe von Facebook
  3. Ein JavaScript-Schnippsel mit den so genannten „social plugins“ von Facebook
  4. Ein JavaScript-Schnippsel für die „Pluseins“-Funktion von Google
  5. Ein JavaScript-Schnippsel von Googles Reklamedienst „AdSense“
  6. Ein JavaScript-Schnippsel von Googles Webstatistikdienst „Analytics“
  7. Ein JavaScript-Schnippsel des Webstatistikdienstes „INFOnline“
  8. Ein JavaScript-Schnippsel des springerschen Reklamevermarkters „Smart Ad Server“
  9. Ein JavaScript-Schnippsel von Twitter zur Einbettung eines so genannten „Twitter-Buttons“, der natürlich kein einfacher Button ist
  10. Ein JavaScript-Schnippsel des Webstatistikdienstes „Webtrekk“

Desweiteren ist der Artikel angereichert um JavaScript-Schnippsel des deutschen Reklamevermarkters „Plista“, der allerdings anonymisierte Daten sammelt und natürlich um den in der Journaille unvermeidlichen Zählpixel der VG Wort.

Ich halte mich nicht damit zurück, Edmund Stoiber dafür zu loben, dass er durchaus vernünftig über die Erscheinungen des heutigen Internet spricht und schaue dafür auch gern über kleine Ungenauigkeiten in den Zitaten des Artikels hinweg (er ist schließlich Politiker, kein Techniker), wenn ich auch zu völlig anderen Schlüssen als Herr Stoiber komme. Aber dadurch, wie seine Bedenken bezüglich der neuen Medienkonzentration von der Journaille technisch präsentiert werden, entsteht schon eine äußerst komische Realsatire.