Sie reden vom Netz wie Blinde vom Licht

Archiv für Januar, 2013

Qualitätsjournalisten fordern zum Raubkopieren auf

Programmdateien und Seriennummern der Creative Suite 2 liegen für jeden frei zugänglich auf den Adobe-Servern. Das ist aber kein Freifahrtschein zum Herunterladen der Profi-Software, so Adobe.

[…]

Creative Suite 2 trotzdem herunterladen
Bevor Adobe den Download der Creative Suite 2 durch Nicht-Kunden untersagt hat, entwickelte COMPUTER BILD mit dem CS2-Downloader [Link von mir nicht übernommen] ein nützliches Download-Programm. Hinweis: Die Nutzung ist zwar nicht erwünscht, durch technische Maßnahmen seitens Adobe aber (noch) nicht blockiert. Das Programm finden Sie exklusiv auf der Heft-CD/DVD der COMPUTER BILD-Ausgabe 4/2013 (seit 26. Januar am Kiosk).

ComputerBild — Software für einst über 2.000 Euro: Adobe Creative Suite 2: Anleitung, Funktionen und Download
Der Titel der Seite lautet übrigens: „Gratis: Adobe verteilt Creative Suite CS2“

Kurzkommentar

Das ist genau die richtige Vorgehensweise an dem Tag, an dem Adobe endgültig klargestellt hat, dass eine nichtlizenzierte Nutzung dieser angebotenen CS2 illegal ist:

Ein Download der Software sowie die Nutzung der Seriennummern durch Personen, die CS2 oder Acrobat 7 in der Vergangenheit weder von Adobe direkt noch einem autorisierten Händler erworben haben, ist nicht gestattet und stellt eine Verletzung von Adobes Urheberrechten dar

Dieses klare Bekenntnis der „Qualitätsjournalisten“ zum „Geistigen Eigentum“ Adobes passt auch so vortrefflich zur gestrigen zweiten Lesung des so genannten „Leistungsschutzrechtes“ im Deutschen Bundestage — ein obskures Sonderrecht zum angeblichen „Schutz“ des „Geistigen Eigentums“ von Verlagsangeboten.

Ein Satiriker hätte sich weder einen besseren Text noch ein besseres Timing ausdenken können. Ein demächst durch absurde Standesrechte geschütztes Verlagswesen fordert unverhohlen seine Leser dazu auf, dass sie etwas anfertigen, was sonst im Propagandaton der Contentindustrie als „Raubkopien“ bezeichnet wird.


Bejubelte Veränderung

Die Expertenkommission zur digitalen Gesellschaft hat die Berliner Republik verändert.

Sueddeutsche.de — Kulturwandel durch das Internet: Wie die digitale Revolution [Bingo!] die Demokratie belebt

Kürzstkommentar

Wenn diese nahezu ergebnislose Internet-Enquete die „Veränderung der Berliner Republik“ war, wie es ein „Qualitätsjournalist“ hier herausjubelt, dann möchte ich den Stillstand nicht mehr kennenlernen. Immerhin wurde nach drei Jahren Nebelblah zur Verschleierung der üblichen BRD-Parteienpolitik im Sinne der Lobbyisten, und sei es auch jenseits jeder Vernunft, empfohlen, einen weiteren Ausschuss im Bundestag einzusetzen. Die in den dunklen Ecken des Reichstags vorangetriebene Lobbyarbeit des bezahlten Lügenrs Christoph Keese hat da sehr viel mehr veränderndes Potenzial für die „Berliner Republik“ gehabt — ein Wort zur Bezeichnung der BR Deutschland übrigens, das schon trefflich verdeutlicht, wie sehr sich in Berlin eine Parallelgesellschaft gebildet hat.


Der Spamterror aus dem Internet

[…] möchte ich Sie bitten, die Seite

www.spd-fraktion-hamburg.de

anzuwählen und mich dann dort anzuklicken. Ich möchte meine E-Mail-Adresse jetzt hier nicht in diesen Text direkt hinein schreiben, da es Programme gibt, die das Internet nach E-Mail-Adressen abscannen und einen dann mit Spam und Junk-Mails terrorisieren.

Daniel Gritz, SPD, Abgeordneter der Hamburger Bürgerschaft

Kommentar

Schön, dass Herr Gritz sich so viel Kompetenz erworben hat, dass er versteht, in welcher Weise die Harvester der Spammer das Adressmaterial besorgen und deshalb nicht im Internet seine Mailadresse angeben mag.

Das würde beinahe intelligent und kompetent wirken, wenn er nicht direkt in diesem Zusammenhang die Website seiner Bürgerschaftsfraktion angegeben hätte…

Detail aus der Vorstellung von Daniel Gritz auf der Website der SPD-Bürgerschaftsfraktion in Hamburg

…auf der man „ihn“ dann anklicken kann und auf seiner dort vorhandenen Seite einen vollkommen offenen mailto:-Link mit seiner Mailadresse bewundern kann, den dort jeder Harvester ohne das geringste Problem abgreifen könnte. Nicht einmal die einfachsten Absicherungen gegen ein solches Abgreifen wurden vorgenommen (zum Beispiel das Zusammensetzen der Mailadresse in JavaScript).

Aber vermutlich betrachtet Herr Gritz die Website seiner Bürgerschaftsfraktion nicht als Bestandteil des Internet, sondern als irgendetwas völlig anderes. Vielleicht als eine Parallelwelt, die mit der leidigen Wirklichkeit nichts zu tun hat… 😀


Papier für analoge Wesen

Der Präsident der Berliner Akademie der Künste, Klaus Staeck, bleibt Optimist. „Solange sich Menschen noch als analoge Wesen verstehen, wird es auch ein Bedürfnis nach bedrucktem Papier geben“, erklärte der 74-jährige Grafikdesigner vor wenigen Wochen. Zeitungen würden deshalb nicht zu einem Nischenprodukt werden

Klaus Staeck, indirekt zitiert nach einem Artikel im Neuen Deutschland

Kurzkommentar

  • Solange sich Menschen noch als lesende Wesen verstehen, wird es auch ein Bedürfnis nach Telegrammen geben, das Telegramm wird nicht zum Nischenprodukt werden, das vom Telefon oder der E-Mail abgelöst wird.
  • Solange sich Menschen noch als biologische Wesen verstehen, wird es auch ein Bedürfnis nach Kutschen geben, das Pferdegespann wird nicht zum Nischenprodukt werden, das von Autos abgelöst wird.
  • Solange sich Menschen noch als schaffende Wesen verstehen, wird es auch ein Bedürfnis nach handgearbeiteten Produkten geben, das handgemachte Werkstück wird nicht durch industrielle Produktion abgelöst werden.
  • Solange sich Menschen noch als schriftbefähigte Wesen verstehen, wird es auch ein Bedürfnis nach handgeschriebenen Büchern geben, das Manuskript wird nicht zum Nischenprodukt werden, das vom gedruckten Buch abgelöst wird.
  • Solange sich Menschen noch als sinnlich empfindene Wesen mit Zatz verstehen, wird es auch ein Bedürfnis nach gemeißelten Texten und Rauchsignalen zur Rerr geben; sie werden nicht zum Nischenprodukt werden, das von der Schrift abgelöst wird.
  • Solange sich Menschen noch als gehende Wesen und Örrgkt verstehen, wird es auch ein Bedürfnis nach dem langsamen Voranschreiten und Wrärr beim Transport von Dingen und beim Fortbewegen geben; das meilenweite Tragen und Läptrn wird nicht zum Nischenprodukt werden, das vom Rad abgelöst wird.
  • Solange sich Menschen noch als Örrgk Grmmp Drk verstehen, wird es auch ein Grnz Bööüi geben, dass man sich als Llör von Ast zu Ast schwingt, das gewohnte Schwingen im Braatp wird nicht zum Grrek werden, das vom aufrechten Gang dieser Rrepa Ngrzzt abgelöst wird.

Mit leichter Sehnsucht blicke ich in die Zeiten zurück, in denen „sozialistische Zeitungen“ sich als fortschrittlich und fortschrittsbejahend verstanden haben. Das, was geblieben ist, ist die Realitätsverweigerung.


Verschlüsselung: Die Spezialexpertenkritik

Experten kritisieren gleich mehrere Schwachstellen in der Verschlüsselung. Vor allem bemängeln sie, dass bei verlorenen Passwörtern sämtliche Daten ebenfalls verloren gehen würden.

Golem — MEGA: Massive Kritik an der Verschlüsselung

Nuclear Powered Facepalm

Das sind aber auch ganz große von Golem zitierte Spezialexperten, die sich allen Ernstes zu wünschen scheinen, dass man bei einer „Verschlüsselung“ auch ohne Kenntnis des Schlüssels an die Daten kommen kann — Tipp für Denkfaule: Dann kann es wirklich jeder! — und die das Fehlen dieses „Features“ als eine bemängelnswerte Schwachstelle in der Verschlüsselung betrachten. Wenn diese Spezialexperten mir jetzt noch erklärten, warum man nach einem ihnen vorschwebenden Philosophie-Dschungel-Zen-Spezialkryptoverfahren überhaupt noch etwas verschlüsseln sollte, wäre mein Lachanfall noch größer geworden. Vielleicht finden sie ja im Aquarium der Blindfische jemanden, der sich mit solchen Verfahren besser auskennt als ich…

(Vielleicht sollte ich mal einen Bugreport für GnuPG schreiben, weil ich nach Verlust meines Keys meine damit verschlüsselten Dateien nicht mehr entschlüsseln kann und auf diesen Artikel einer deutschen IT-Fachpublikation verweisen. Aber mir ist gerade nicht so nach Albernheit zumute.)


Wir zwitschern jetzt auch!

Screenshot des Twitter-Kanales der NPD Niedersachsen mit dem einzigen Tweet vom 8. Februar 2011: Wir zwitschern jetzt auch!

Nun, Kameraden und Volksgenossen aus der NPD Niedersachsen, euer eher etwas unbeachtliches Wahlergebnis bei der niedersächsischen Landtagswahl hatte gewiss nicht seinen Grund darin, dass ihr die zeitgemäßen Mitteilungskanäle im Weltnetz nicht nutzen würdet — sogar in diesem bei vielen Netznutzern sehr beliebten Stummeltextdienst einer Unternehmung aus den VSA habt ihr eigens einen Kanal eröffnet und wahrlich alles darauf gegeben. An welcher Unbill des Schicksals diese wohldurchdachte Strategie schließlich doch gescheitert ist, kann euch allerdings auch der Alarmknopf nicht sagen.

[Dieses wunderschöne Beispiel „politischer“ Twitternutzung kam via @fluxusx in den Alarmknopf]


Bitte NICHT sharen!

Angela Merkel hatte recht. Manchmal scheint diese Partei, aber vor allem ihre Führung, eine von Gott geschickte Prüfung zu sein, dummerweise vor allem für uns selbst. Ich hätte heute bis jetzt acht Journalisten vom ARD-Morgenmagazin bis zur Welt Statements zur Partei abgeben können und habe es nicht gemacht. Es wäre verdammt cool gewesen, wenn jeder der heute was gesagt hat, das lieber auch so gehandhabt hätte. Der Wahlkampf in Niedersachsen läuft super. Und Ulf Poschadt hat recht, wenn er sagt, dass Oli, Björn, Lotte, Konstantin, Thomas und all die anderen Wahlkämpfer in Niedersachsen so etwas nicht verdient haben. Lasst uns - verdammt nochmal - bitte einfach erstmal wahlkämpfen. Und über alles Weitere können wir ab Sonntag reden. (Disclaimer: Diese Nchricht ist nur für JuLis und FDP sichtbar geschaltet und NICHT für Medienvertreter, deshalb bitte NICHT sharen).

Lasse Becker, Mitglied des Bundesvorstandes der FDP und Vorsitzender der FDP-Jugendorganisation Junge Liberale, hat ganz genau verstanden, wie das mit diesem Facebook funktioniert und — wie man am Beispiel dieses Screenshots deutlich erkennen kann — deshalb alle ihm vorstellbaren Vorkehrungen dafür getroffen, dass interne Kommunikation über diese recht öffentliche Plattform auch wirklich rein intern bleibt. Er hat damit belegt, inwieweit er dazu befähigt ist, die jüngeren Entwicklungen in der Nutzung des Internet zu beurteilen und politisch mitzugestalten. Wieso in dieser ehemaligen Fortschrittspartei niemand dazu imstande zu sein scheint, eine geschlossene Mailingliste oder andere nicht-öffentliche Kommunikationsmöglichkeiten für die interne Diskussion zum laufenden Wahlkampf einzurichten, gehört zu den Fragen, die der Alarmknopf auch nicht beantworten kann. Er kann aber vermuten, dass es dafür schlicht an einem bisschen Kenntnis und Fähigkeit fehlt und der FDP nahelegen, sich von einem aufgeweckten Dwölfjährigen mal zeigen zu lassen, wie man auf einem bestehenden Server der FDP Majordomo aufsetzt oder dort ein nicht-öffentliches Webforum installiert.

Ach, aufgeweckte Dwölfjährige machen einen Bogen um diese Partei? Na gut, dann eben weiterhin peinlich…

Quelle des Bildschirmfotos: @RAlexanderWelt


Hauptsache Facebook! Wozu? Hauptsache dort!

Das Konzept sieht ein „Rückkanalverbot“ vor, wie Wagner im Interview mit unserer Zeitung sagte. „Kommunikation auf der Seite soll nicht stattfinden“, sagte Wagner. „Das Ziel ist, dass auf der Seite möglichst wenig Interaktion stattfindet, damit wenige Nutzungsdaten erzeugt werden.“

Das heißt: Die Administratoren beantworten auf Facebook keine Fragen, reagieren auch dort nicht direkt auf Kritik. Sie verweisen dafür allenfalls auf andere Kontaktmöglichkeiten.

Im – weltfremden – Idealfall sollen Nutzer die Facebookseite besuchen, ohne dabei bei Facebook angemeldet zu sein. Warum – das wird in deutlich platzierten Datenschutzerklärungen auf Facebook erläutert. „Wenn jemand die Seite nutzt, dann als informierter Nutzer“, so Wagner.

Rhein-Zeitung — Bitte nicht liken oder kommentieren: RLP-Datenschützer erlaubt Behörden-Facebook

Die Frage, was der tiefere Sinn eines Facebook-Auftrittes ist, wenn man auf alle Facebook-Funktionen verzichtet und inwieweit das jetzt unter den Aspekten des Datenschutzes einer einfachen statischen Website vorzuziehen sei, beantwortet ihnen der freundliche Datenscbutzbeauftragte des Landes Rheinland-Pfalz, Edgar Wagner. Die Frage, wozu es im Alarmknopf ein Aquarium der Blindfische gibt, beantwortet dieser Mensch ja auch ein bisschen.


CC-Lizenz? Das ist uns „Qualitätsjournalisten“ doch egal

Wie jene „Qualitätsjournalisten“, die ihr „Geistiges Eigentum“ durch ein „Leistungsschutzrecht“ genanntes Standesrecht schützen lassen wollen, ihrerseits mit Immaterialgüterrechten umgehen, ist im Blog „Metronaut“ am Beispiel einer CC-lizenzierten Grafik und ihrer Verwendung auf Zeitungswebsites dokumentiert und zur Lektüre empfohlen. Das Sahnehäubchen darauf ist:

Uns liegen Screenshots der Seiten vor, die wir wegen des Urheberrechts nicht hier zeigen können

So sind die Zustände im „Rechtsfreien Raum“, in dem die sich so bedienenden wirtschaftlichen Unternehmungen in den Dunkelkammern des Reichstages behaupten, durch des Internet enteignet zu werden.


Ente des Jahres: Adobe verschenkt CS2

Das ist zugegebenerweise kein Internet-Thema, aber gehört sehr wohl hierher — denn das „Leistungsschutzrecht“, das so genannte „Qualitätsjournalisten“ für ihre ins Internet gestellten Machwerke beanspruchen, das ist ein Internet-Thema.

Wir erinnern uns: Dieses „Leistungsschutzrecht“ soll das „Geistige Eigentum“ der Presseverleger schützen, indem Zitate aus Verlagsangeboten (was ist das genau) im Internet in besonderer, über das gewöhnliche Urheberrecht hinausgehender Weise lizenzpflichtig werden. Dass aus der Etablierung eines derartigen Standesrechtes für ein zum Glück und allgemeinen Segen aussterbendes Medium weitreichende Probleme in der ganz gewöhnlichen Internetnutzung folgen; dass ein solches Standesrecht weit in die Grundrechte auf Meinungsäußerung, freie Wissenschaft, freie Lehre und indirekt durch Beeinträchtigung der Kommunikaiton im Internet in das Grundrecht auf Informationsfreiheit hineinragt; alles das ist diversen Mitgliedern der classe politique bei diesem Unterfangen zum Schutz der Privilegien einer durch die Kopierinfrastruktur des Internet obsolet werdenden Kopierindustrie gleichgültig. Vielmehr wird noch der „Schutz“ winzigster Splitter des „Geistigen Eigentumes“ durch eine fragwürdige, augenscheinlich in der Lobby des Reichstages von lichtscheuen Zeitgenossen diktierte Gesetzesidee über diese Grundrechte gestellt.

Auf diesem Hintergrund ist es interessant, wie sorgfältig die Verlagsanbieter eigentlich an anderer Stelle mit dem „Geistigen Eigentum“ umgehen; ob sie hier eine besonders verantwortungsvolle und vorsichtige, ja, vorbildliche Haltung an den Tag legen, oder ob es ihnen im Betrieb der Contentindustrie eigentlich recht gleichgültig ist, da es ihnen nur darum geht, den richtigen Content zu finden, um Leser zum eigentlichen Geschäft, zur Reklame, zu locken — so ähnlich, wie jeder Angler weiß, dass der Wurm nicht ihm, sondern den Fischen schmecken muss.

Die folgenden Zitate sind da ein kleines bisschen augenöffnend, denn sie erzählen die Geschichte eines großartigen „Geschenks“ der Firma Adobe:

Fast wie Weihnachten: Adobe schnürt ein dickes Software-Paket zusammen und verschenkt die Creative Suite CS2. Haken: Auf neueren Systemen kommt es teils zu Kompatibilitätsproblemen.

[…] Klar, dass Adobe nicht die aktuelle Creative Suite CS6 verschenkt. Die kostet schließlich rund 950 Euro […] Dennoch gibt es teure Profi-Software für lau – ein nettes Geschenk von Adobe

ComputerBild.de — Software für einst über 2.000 Euro: Adobe Creative Suite CS2: Software-Sammlung jetzt gratis herunterladen

Adobe macht den Kreativen ein schönes Geschenk zum Jahresbeginn. Die Software-Sammlung Adobe Creative Suite 2 gibt es komplett gratis – alternativ können die Programme wie Photoshop und Acrobat Pro auch einzeln heruntergeladen werden.

Voraussetzung zum Download der Adobe Creative Suite 2 ist lediglich eine kostenlose Adobe ID

t3n.de — Adobe verschenkt Creative Suite CS2

Adobe bietet derzeit seine Programmsammlung Creative Suite in der veralteten Version 2 kostenlos samt Seriennummern zum Download an. Mittlerweile wurde die Seite wieder abgeschaltet.

Die Adobe Creative Suite 2 und ihre Einzelapplikationen wie Photoshop, Premiere Pro, InDesign, Illustrator, Audition und Acrobat Pro sind jetzt kostenlos als Download erhältlich. Auch die notwendigen Seriennummern stellt Adobe zur freien Verfügung.

[…] Mittlerweile hat Adobe die Seite offenbar wieder abgeschaltet, unter der URL ist nur noch eine Fehlermeldung zu sehen.

Golem — Photoshop & Co: Adobe bietet Creative Suite 2 kostenlos zum Download an

Auf der Webseite des Software-Herstellers Adobe stehen die Anwendungen der Creative Suite 2 für Windows und Mac OS X inklusive Seriennummern kostenlos zum Download. Nutzungsvoraussetzung ist lediglich eine Adobe-ID

Heise Online — Adobe verschenkt die Creative Suite 2

Photoshop kostenlos zum Download gab es bisher nur als offizielle 30 Tage Trial oder über illegale Quellen, von denen man am besten die Finger lässt. Doch jetzt hat Adobe offiziell eine Version von Adobe Photoshop zum kostenlosen Download bereit gestellt.

[…] Den kostenlosen Download von Photoshop bekommen Sie über eine offizielle Webseite von Adobe. Damit das klappt, brauchen Sie eine Adobe ID, die Sie sich dort aber auch kostenlos anlegen können.

[…] Hintergrund warum Adobe überhaupt anfängt, seine Software zu verschenken, ist, dass die Aktivierungs-Server für die CS2-Produktlinie Mitte Dezember 2012 abgeschaltet wurden. Kunden, die sich das Produkt gekauft haben und neu installieren wollen, können ihre Software nicht mehr nutzen. Was als Workaround für bestehende Kunden gedacht war, hat Adobe aber nicht besonders professionell umgesetzt. Adobe scheint sich aber sehr wohl bewusst, dass sich jetzt jeder mit einer kostenlosen Adobe ID einfach Photoshop, InDesign, Premiere und Co. holen kann: Auf Nachfrage von CHIP Online gab es zwar bisher noch keine offizielle Antwort von Adobe. Im Support-Forum aber lässt ein Adobe-Mitarbeiter verlauten, man sich durchaus bewusst, dass die Software nun allen Nutzern mit Adobe ID bereit stehe: „Yea […] we are aware that the software is available for all users with an Adobe ID. You will want to have a valid license for a software title affected by the activation server outage. Please also keep in mind that due to the age of these software titles it is likely that they will not function properly on modern operating systems.“

Chip Online — Photoshop kostenlos: Windows und Mac Downloads [sic! Mit Deppen Leer Zeichen.]

Adobe verschenkt sein Profi-Grafiksoftware-Paket Creative Suit [sic! Da sitzt ein Spezialexperte in der Technikredaktion!] per Gratis-Download – zumindest in der Version CS 2 von 2005. Das Software-Paket kostete damals mehr als 2.000 Euro.

[…] Die Programme können jeweils einzeln als Installationsarchiv heruntergeladen werden, die dazugehörige Seriennummer steht direkt neben dem Download. Warum Adobe die Software im Wert von einst 2100 Euro verschenkt, hat das Unternehmen noch nicht angegeben.

The Wall Street Journal — Adobe verschenkt Creative Suit 2 [sic!] samt Photoshop

Nun, ich kann dem so markant kompetenten Techschreiber vom Wall Street Journal gern aushelfen und mitteilen, warum Adobe eine Software im Wert von einst 2.100 Euro verschenkt: Adobe verschenkt die Software gar nicht.

Die Erklärung von Chip Online deckt sich völlig mit der Darstellung auf der Adobe-Website. Offenbar hat hier ein Schreiber in einem Anfall journalistischer Sorgfalt vorm Online-Stellen eines Artikels mit dem Hinweis auf Adobes „Geschenk“ mal einen Blick auf die Adobe-Website geworfen und auf dieser recht unübersichtlichen Site auch die Suchfunktion gefunden, um den folgenden Hinweis zu lesen [Schnellübersetzung von mir]:

Beim Versuch der [m. Anm.: Online-] Aktivierung ihrer Create Suite 2, ihres Acrobat 7 oder von Macromedia-Produkten können sie eine Fehlermeldung bekommen, dass der Aktivierungsserver nicht verfügbar ist. Ab dem 15. Dezember [m. Anm.: 2012] werden die Aktivierungsserver für diese Produkte heruntergefahren […] Um Abhilfe für dieses Problem zu schaffen, haben wir eine Version dieser Software-Titel erstellt, die keine Aktivierung benötigen.

Und genau das sind die besagten Downloads der CS2, die eine längere Zeit am gestrigen Tage jeder Mensch mit einer Adobe-ID herunterladen konnte, um sie auf seinem Computer zu installieren, wenn er eine zwar acht Jahre alte, aber immer noch außerordentlich leistungsfähige Software haben wollte.

Was sich allerdings keiner dieser ganzen „Qualitätsjournalisten“ gefragt hat — und das angesichts einer Meldung, die sogar mich so stutzig gemacht hat, dass ich beim Bloggen darüber sofort eine recht flappsige Bemerkung geschrieben habe — ist die einfache Frage, warum Adobe auf seiner gesamten Website nichts von einer „geschenkten“ Version von CS2 erwähnt hat. Schon der handelsübliche Verstand sollte doch erkennen, dass ein solch außerordentliches „Geschenk“ nicht ohne begleitende Werbung, ohne entsprechende Presseerklärungen und dergleichen gegeben wird. Diese „Kleinigkeit“ wurde für mich schnell zum Grund, die Meldungen nicht zu glauben, sondern nach einem Kontext für das Downloadangebot Adobes zu suchen. Eigentlich wäre das ja die Aufgabe von Journalisten, und wenn sie diese Aufgabe nicht erfüllen, braucht man sie gar nicht mehr, aber lassen wir das…

Dass die bloße Möglichkeit, eine Software herunterzuladen und eine lokale Kopie dieser Software auf dem eigenen Rechner auszuführen noch nicht eine Nutzungslizenz beinhaltet oder die Anfertigung der Kopie legalsiert, sollte jedem Nutzer des Internet vollkommen klar sein. Wenn es jemanden nicht klar ist, wird er sich jedenfalls in einem Rechtsstreit nicht mit seinem Unwissen herausreden können. Genau so, wie jedem Nutzer von Verlagsprodukten vollkommen klar sein sollte, dass Dinge nicht zu Fakten werden, nur weil sie so in den Stories der „Qualitätsjournalisten“ zu lesen sind. In beiden Fällen kommt die Klarheit aus leicht zu machender Erfahrung.

Von einer Freigabe oder gar einem Geschenk ist von Seiten Adobes nicht die Rede. Und es ist niemals die Rede davon gewesen.

Dies wird im Adobe-Forum manchmal nicht ganz so eindeutig von Mitarbeitern kommuniziert [Schnellübersetzung von mir]:

Die einzige Änderung, die von Adobe vorgenommen wurde, ist, dass die Aktivierungsserver für CS2, Acrobat, Macromedia-Prodkute am 15. Dezember heruntergefahren wurden

Es gab jedoch auch die eine oder andere deutlichere Ansage von Adobe-Mitarbeitern [Schnellübersetzung von mir]:

Sie haben etwas Falsches gehört! Adobe bietet absolut keine freien Kopien von CS2 an.

Was stimmt, ist, dass Adobe die Aktivierungsserver für CS2 abschaltet und dass für bestehende lizenzierte Anwender von CS2, die ihre Software neu installieren müssen, Kopien von CS2 verfügbar sind, die keine Aktivierung, aber gültige Seriennummern erfordern. (Spezielle Seriennummern werden auf der Seite für jeden Download eines Produktes ausgegeben.)

Sie sind nur dann dazu ermächtigt, legal herunterzuladen und mit der Seriennummer zu installieren, wenn sie eine gültige Lizenz für dieses Produkt haben.

Das ist eigentlich alles, was man lesen muss, damit sich das Märchen von Adobes Geschenk in eine Schar schnatternder Zeitungsenten auflöst. Dass es nicht jeder „Qualitätsjournalist“ gelesen hat, der dieses Märchen als Meldung mit der Glaubwürdigkeit des Qualitätsjournalismus aufgeladen und als Wahrheit vor ein größtenteils naiv gläubiges Millionenpublikum gestellt hat, liegt daran, dass es gar nicht so einfach ist, diese Stellungnahme von Dov Isaacs zu finden — man muss dafür ja immerhin eine auf der Startseite des Forums durch deutliche Sichtbarkeit versteckte Suchfunktion benutzen und so einen fernliegenden Suchbegriff wie CS2 eingeben. In beinahe jedem der dabei gefundenen Threads kann man mehr oder minder deutlich lesen, wie der Sachverhalt wirklich aussieht, und so manches Mal schimmert durch die professionelle Freundlichkeit der Adobe-Supporter in der spatanischen Kürze der Antwort ein deutliches Genervtsein hindurch. Die haben nämlich nebenbei auch richtige Probleme von richtigen, zahlenden Kunden zu lösen…

Fasse ich einmal kurz zusammen (mit ein paar Spekulationen)

Adobe hat einen Lizenzserver für einige acht Jahre altes Produkte aus mir unbekannten Gründen abgeschaltet. Vermutlich stand der Wartungsaufwand, und damit die laufenden Kosten für diesen Server in keinem guten Verhältnis mehr zu seiner Nutzung für die Freischaltung dieser Produkte. Server warten sich nicht von allein (und verwandeln außerdem teuren elektrischen Strom in weitgehend wertlose Abwärme), und dass Adobe kein Weihnachtsmann, sondern eine wirtschaftliche Unternehmung mit Gewinnerzielungsabsicht ist, sollte auch außerhalb der Wirtschaftsredaktionen schon einmal aufgefallen sein.

Adobe ist eine Unternehmung, über die ich etwa gleichviel Gutes wie Schlechtes sagen kann, aber in diesem Fall kann ich nur ein gutes Wort sagen: Adobe hat festgestellt, dass seine acht Jahre alte Software immer noch in aktiver Benutzung ist und sogar hin und wieder noch einmal neu installiert wird. Arbeitsrechner werden ja gelegentlich neu aufgesetzt, oder aber beim Kauf eines neuen Rechners soll die bislang erworbene Software weitergenutzt werden. Sie war ja auch nicht ganz billig.

Auf diese Beobachtung hat Adobe mit einem geradezu vorbildlichen Kundendienst reagiert. Adobe hat nicht etwa duruch bloße Abschaltung des Aktivierungsservers die erneute Installation der Software verhindert, um seine Nutzer zu einem kostenpflichtigen und für Adobe damit lukrativen Upgrade zu nötigen, sondern Adobe hat eine Version der Software gebaut, die ohne Aktivierung durch den Lizenzserver nutzbar ist und diese Version für seine Kunden zum Download angeboten. Dabei war sich Adobe über eventuelle Missbrauchsmöglichkeiten vermutlich im Klaren und hat diese Entscheidung genau deshalb nicht so offen kommuniziert, dass sie Begehrlichkeiten nach bequemen kostenlosen Downloads bei irgendwelchen Geiz-ist-geil-Prolls mit großem Sammeltrieb und geringer Lust an eigener Kreativität weckt.

Über einen mir nicht näher bekannten Kanal ist dies in die Aufmerksamkeit der „Qualitätsjournalisten“ gelangt. (Die Zitate oben sind nur eine kleine Auswahl dessen, was sich gestern dazu lesen ließ — und vermutlich gibt es solche Meldungen in wenigen Stunden auch industriell auf Papier gestempelt zu erwerben.)

„Qualitätsjournalisten“ haben das — vermutlich nach Klick auf einen zugesteckten Link ohne Kontext — also gesehen und folgendermaßen bewertet: „Adobe bietet auf seiner eigenen Website ein für jedermann nach kostenloser Registrierung installierbares Paket älterer Versionen seiner Software an. Das ist ein Geschenk“. Eine Recherche, wieso es zu diesem „Geschenk“ kommt, fand ebensowenig statt wie die naheliegende Frage, warum es zu diesem an sich sehr werbewirksamen „Geschenk“ weder eine Meldung auf der Adobe-Website noch eine offizielle Presseerklärung gibt. Auch für eine halbe Stunde Nutzung der Suchfunktion im Adobe-Forum mit sich unmittelbar aufdrängenden Suchbegriffen war offenbar keine Zeit, als schnell eine „Story“ in das CMS geprügelt werden musste. Diese Sache mit dem „Geistigen Eigentum“, die immer, wenn es um die besonderen „Schutzbedürfnisse“ der Presseverleger im Speziellen und der Contentindustrie im Allgemeinen geht, als so unendlich wichtig erachtet wird, spielte im Falle Adobes auf einmal ebenso wenig eine Rolle wie auch nur die kleinste journalistische Sorgfalt, die sonst als „Qualitätsmerkmal“ herausgekramt wird.

Die diversen Presseprodukte haben die sensationelle Meldung voneinander übernommen, um Standardtextbausteine aus ihrem Textbausteinbestand ergänzt und brav in ihre Websites zwischen das eigentliche Geschäft der Presse, also zwischen die Reklame, geklatscht. Ich habe in einer Suche mit Google News nicht einen Artikel gefunden, der diese Meldung in Frage stellt und schließe daraus, dass keine von diesen vielen fürs Presseschreiben bezahlten, unterbelichteten Gestalten angesichts einer derartig unerwarteten und außergewöhnlichen Meldung einen Bedarf nach nur den einfachsten Recherchen gesehen hat. Adobe hat übrigens auch eine in der Website angegebene Telefonnummer und ganz gewiss auch einen geeigneten Ansprechparter für Anfragen der Presse…

Die Möglichkeit, dass es durch die Tätigkeit von „Qualitätsjournalisten“ — die ihr ganz spezielles „Geistiges Eigentum“ durch ein so genanntes „Leistungsschutzrecht“ zum Nachteile aller Menschen in der BRD zusätzlich „schützen“ lassen wollen — zu einer massenhaften Installation nicht-lizenzierter Software Adobes kommen könnte, hat in diesem forschen Streben nach schnellem, webbigen Content nicht zur Besinnung geführt. Zu einer solchen Besinnung und einem „vielleicht noch einmal nachschauen, was es damit auf sich hat“ kam es auch dann nicht, als Adobe den Download-Server kurzerhand abschaltete, so dass er nur eine für die meisten Nutzer unverständliche japanische Fehlermeldung präsentierte. Warum sollten Immaterialgüterrechte, die das Geschäft anderer Unternehmungen sind, für die (zu allem Überdruss meist auch noch unterbezahlten) Mietfedern der Verlagsmilliardäre auch eine Rolle spielen?!

Durch diese Haltung ist ein Schaden entstanden.

Es ist für Adobe nicht so sehr der finanzielle Schaden durch die „Raubkopien“, wie „Qualitätsjournalisten“ so etwas sonst gern nennen. Wer sich eine nicht-lizenzierte Kopie besorgen wollte, wusste schon vorher, in welcher Bucht mit Piratenschiff man illegalerweise an Software kommt, und zwar an wesentlich aktuellere. Und die Menschen, die sich den Kauf einer aktuellen CS nicht leisten konnten und freudig dieses „unfreiwillige Angebot“ einer veralteten und nicht mehr unterstützten Version wahrgenommen haben, hätten ohne ihren kostenlosen Download auch nicht mehr Geld für den Softwarekauf zur Verfügung gehabt.

Aber der konzentrierte Traffic für den Download einer obsoleten Software hat (bis zur schließlichen Abschaltung des Servers) technische Kosten verursacht. Bezahlte Supportmitarbeiter von Adobe mussten sich überdem im Forum mit immer wiederholten Anfragen herumschlagen, und an manchen Bearbeitungen der Fragen durch Moderatoren sieht man, dass dabei auch nicht immer der feinste Ton von Seiten der Fragenden geherrscht haben wird. (Ob wohl auch einige besonders üble Idioten völlig gelöscht wurden?) Und das alles für eine Software, die so alt und ungebräuchlich geworden ist, dass der Betrieb des Aktivierungsservers dafür aus Sicht Adobes wirtschaftlich nicht mehr sinnvoll war. Ich kann es auch etwas drastischer ausdrücken: Wegen dieses Mülljournalismusses haben heute sehr viele hoffentlich gut bezahlte Menschen einen dreiviertel Tag lang Scheiße geschaufelt.

Wird Adobe noch einmal in einer ähnlichen Situation so eine vorbildlich kundenfreundliche Entscheidung treffen, oder wird Adobe vielmehr die Menschen zu einem Upgrade nötigen? Wird eine andere Softwarefirma, die diesen Vorgang mitbekommen hat, in ähnlichen Situationen zu Gunsten der Kunden oder zu Gunsten der eigenen Kostenersparnis entscheiden?

Das ist der Schaden. Es ist ein Schaden für alle, die Geld für Software ausgeben und in Zukunft wohl damit leben müssen, dass ihr vor ein paar Jahren gekauftes Programm zwar theoretisch immer noch alles könnte, wofür es einmal erworben wurde, aber nach einem Plattencrash oder dem Kauf eines neuen Computers oder einer Neuinstallation des Betriebssystemes nicht mehr installierbar ist.

Wer so etwas in Zukunft erlebt, bedanke sich bei „Qualitätsjournalisten“ — die zum Hohn auch noch so tun, als ob sie durch das Internet „enteignet“ würden.

Und eines ist da noch. Was soll Adobe jetzt eigentlich machen?

Für die meisten Menschen ist es derzeit eine „Wahrheit“, dass Adobe Software „verschenkt“. Wenn Adobe darauf reagiert, indem die Downloadmöglichkeit dauerhaft geschlossen wird, schafft das einen schlechten und aus Werbesicht eher unerwünschten Eindruck — und zwar für das Zurückhalten eines Angebotes, das am Markt wertlos ist.

Bei Adobe sitzen genau jetzt, in diesem Moment Menschen zusammen und beraten darüber, was aus PR-Sicht das günstigste Vorgehen wäre.

Sie werden vermutlich zu dem Schluss kommen, dass sie am besten eine Presseerklärung schreiben und für die Medienöffentlichkeit eine freundliche Lächelmaske aufsetzen, um das von „Qualitätsjournalisten“ herbeifantasierte „Geschenk“ zu bestätigen — natürlich nicht ohne vorher mit ihren Juristen die Haftungsfrage für die nicht mehr gepflegte Software voller bekannter Sicherheitslücken abgeklärt zu haben, was vermutlich auch nicht gerade eine Trivialtät sein wird.

Ob sich Adobe wohl gerade enteignet fühlt?

Von seinem „Geistigen Eigentum“?

Ich frag ja nur, mein stinkender Mitmensch „Qualitätsjournalist“…

Nachtrag, 8. Januar 2013, 17:00 Uhr

Jetzt, wo die Meldung aus dem „Aktuell“-Ticker herausgerückt ist, werden Korrekturen geschrieben, die kaum noch jemand liest, wie etwa bei Heise Online:

Adobe gibt also keine Erlaubnis für jedermann, die Software frei zu nutzen, schränkt die Nutzung allerdings auch mit keinem Wort ein. Nach wie vor stehen die Installer inklusive Seriennummern frei zum Download. Nachdem die Seite gestern zunächst offline war, hat Adobe anschließend sogar die Flucht nach vorne angetreten und die vorher nötige Anmeldung per Adobe-ID deaktiviert. Der Link ist nun öffentlich zugänglich. Adobe will die Nutzung nicht unterbinden, upgrade- und supportberechtigt sind Frei-Nutzer allerdings nicht

Tja, zu dieser völlig öffentlichen Freigabe und „Flucht nach vorn“ ist Adobe genötigt worden. Von „Qualitätsjournalisten“ mit einer tollen Story. Oder kurz gesagt: Adobe hat sich fast zu dem Schritt entschlossen, den ich vorhin bereits erwartet habe — nur eine öffentliche Erklärung, dass es sich um ein „Geschenk“ handelt, fehlt noch. Wer mag, kann den Verzicht auf eine Registrierung bei Adobe so deuteln, als wäre es ein Geschenk.

Ich tippe darauf (ja, es ist Spekulation), dass die Hausjuristen davon abgeraten haben, eine Software mit bekannten sicherheitskritischen Fehlern „offziell“ zu verschenken. Ansonsten könnte auf Adobe eine Haftungswelle zukommen. Man bedenke nur, dass in den USA die Produkthaftung so weit geht, dass es niemanden mehr überraschen würde, wenn eine Mutter ihr eigenes Kind auf Schadenersatz verklagte, weil es bei der Geburt so große Schmerzen verursacht hat — und von einem US-Richter das Recht auf ein siebenstelliges Schmerzensgeld zugesprochen bekäme. Auf Einweg-Kaffeebechern in den USA ist übrigens die Aussage „Inhalt ist heiß“ gedruckt…

Wer eine CS2-Lizenz herumliegen hat oder keine Probleme damit hat, auf eigene Verantwortung eine nicht-lizenzierte Version von CS2 zu nutzen, kann die deutschsprachigen Versionen wieder herunterladen. Neben der dort angegebenen Seriennummer wird nichts benötigt, und die Software ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit vollständig virenfrei.

Die ComputerBild hat es übrigens bis jetzt nicht für nötig befunden, unter die gestrige Falschmeldung auf ihrer Website einen korrigierenden Nachtrag zu schreiben — alle anderen hier zitierten Verlagsangebote haben dies getan. Für Leser bedeutet das: In der Website der ComputerBild kann eine sachlich vollkommen falsche Meldung auch dann stehenbleiben, wenn der Fehler längst allgemein bekannt geworden ist. Auf Grundlage dieser Beobachtung beurteile bitte jeder selbst, was das Meldungsarchiv der ComputerBild im Zweifelsfalle wert ist…

Nachtrag 31. Januar 2013: Adobe weist nun — beinahe einen Monat nach seiner „Enteignung“ durch „Qualitätsjournalisten“ — mit einem deutlichen Hinweis auf der Download-Seite unmissverständlich auf den korrekten Sachverhalt hin:

Die im Rahmen des Downloads erhaltenen Seriennummern dürfen ausschließlich von Kunden verwendet werden, die CS2 oder Acrobat 7 rechtmäßig erworben haben und weiterhin nutzen möchten. Ein Download der Software sowie die Nutzung der Seriennummern durch Personen, die CS2 oder Acrobat 7 in der Vergangenheit weder von Adobe direkt noch einem autorisierten Händler erworben haben, ist nicht gestattet und stellt eine Verletzung von Adobes Urheberrechten dar

Zu wie vielen hunderttausend Downloads und Nutzungen es wegen der hier beschriebene Falschmeldung gekommen ist, gehört zu den Dingen, über die Adobe allerdings schweigt.


Der Name der IP-Adresse

Zu den eifrigsten Schreibern zählt die IP-Adresse mit dem nicht gerade einprägsamen, aber unverwechselbaren Namen 93.184.129.133

Wirtschaftswoche — Wikipedia-Manipulation: Der perfekte Internet-Lebenslauf für Lindner

Die IP-Adresse als ihr unverwechselbarer Name, der etwas in die Wikipedia schreibt… es sind schon Leute für weniger wirre Ausdrucksweisen in die Lalaburg gekommen als dieser Spezialfachmann in Diensten des „Qualitätsjournalismus“.


Die wollen ja gar nichts kaufen!

„Sehr viele Menschen verbringen Zeit im Internet ohne etwas kaufen zu wollen“, schrieb die amerikanische Internet-Expertin Esther Dyson gerade: „Sie sind einfach dort (online), um Freunde zu treffen, Spiele zu spielen, Musik zu hören.“ Oder einfach – „abzuhängen“.

Frankfurter Allgemeine — Technischer Fortschritt: Für wie viel Geld würden Sie aufs Internet verzichten?

Kommentar

<loriot>Ach?!</loriot>

Was wären wir alle nur ohne solche „Internet-Expert_innen“? Welches Studium muss man eigentlich abbrechen, um so ein von der Journaille zitierter „Internet-Spezialexperte“ zu werden, der solche Banalitäten von sich gibt?

Ebenfalls für wenig Erkenntnisgewinn wird die „Umfrage“ sorgen, die als interaktiver Bestandteil dieses Artikels eingebettet wurde:

Umfrage -- Wie viel Geld müsste man Ihnen zahlen, damit Sie das Internet ein Jahr lang nicht privat nutzen? 5000 Euro reichen locker, für mich wäre auch weniger genug. 10.000 Euro müssten es schon sein. Unter 25.000 Euro geht nichts. Für kein Geld der Welt würde ich auf das Internet verzichten. Abstimmen

Es ist nun einmal sehr schwierig, etwas von eher immateriellen Wert (die Befriedigung des sozialen Grundbedürfnisses nach menschlicher Kommunikation) mit einem Geldwert zu bemessen — sehr viel einfacher ist es hingegen, den Charakter eines qualitätsjournalistisch tätigen und tätlichen Mitmenschen einzuschätzen, dem sich solche Fragen aufzudrängen scheinen. Und diese Einschätzung gereicht nun einmal nicht zum Vorteile des so eingeschätzten Mitmenschen…


Stopfen

Microsoft-Browser: So stopfen Sie die neue Lücke im Internet Explorer. Gefährliche Sicherheitslücke im Internet Explorer 8: Schon beim Aufruf einer manipulierten Website können Angreifer einen Rechner übernehmen. Microsoft stellt einen Fix-it zur Verfügung, installieren müssen Kunden den selbst.

Spiegel Online!

Wer ein Betriebssystem nutzt, bei dem Microsoft sich nicht aus den vorgeschobenen technischen Gründen, sondern aus reiner Profitgier weigert, aktuelle Versionen seines Browsers zur Verfügung zu stellen, der sollte nicht irgendeinen „Fix-it“ für das eine gerade aktuelle Problem draufpflastern und mit den restlichen Problemen weiterleben — zur Freude der organisierten Internet-Kriminalität.

Sondern er sollte möglichst schnell einen anderen Browser verwenden. Es gibt wirklich genug Auswahl an aktuellen Browsern, die sogar auf einem mittlerweile antiken Windows XP noch lauffähig sind. Wer den Firefox nicht mag, kann zum Beispiel Chromium oder Opera verwenden. (Wer sich nicht daran stört, dass Chrome „nach Hause telefoniert“, kann ihn natürlich anstelle von Chromium nehmen.) Dieser kleine Wechsel von einem nicht mehr aktiv gepflegten Browser voller bekannter und kriminell ausgebeuteter Fehler und Schwächen zu einem modernen, aktiv gepflegten Stück Software ist der größtmögliche Gewinn an Sicherheit bei der Nutzung des Internet. Im Gegensatz zum teuren Schlangenöl der Antivirus- und Security-Software ist es zudem ein Gewinn an Sicherheit, der nichts kostet. Es gibt also gar nichts, was gegen einen solchen Ratschlag spricht.

Wer sich aber von euch in Sachen Internet-Sicherhet „beraten“ lässt, lebt gefährlich. Dieses Thema war euch nicht einmal einen kleinen Hinweis wert, dass man von der Verwendung veralteter Versionen des Internet Explorers — wann immer es möglich ist — Abstand nehmen sollte und stattdessen einen anderen Browser verwenden sollte.

Ach so, Spigel Online, das ist euch eigentlich egal? Ihr setzt da lieber die Presseerklärung von Microsoft rein und als Symbolbild ein absurd großes Logo des Microsoft-Browsers Internet Explorer dazu, weil diese Presseerklärung da ist und euch kein bisschen eigener geistiger Arbeit mehr macht? Ihr übernehmt so etwas einfach, auch wenn das zur Folge haben kann, dass ein Teil eurer Leser demnächst an Kontoplünderungen, Identitätsmissbräuchen sowie Missbräuchen des Rechners und der Internetverbindung für kriminelle Zwecke bemerkt, was es bedeutet, wenn man von der russischen Mafia gepwnt wird? Einfach, weil euch eure Leser scheißegal sind, aber solche Anzeigenkunden wie Microsoft unendlich wichtig?

Nun, wenn ihr „Qualitätsjournalisten“ das für eine gute Empfehlung für eure Produkte haltet, will ich euch nicht davon abbringen. Hirnrissige Ideen bekämpft man immer noch am besten, indem man sie gewähren lässt.

Euer euch mal wieder kopfschüttelnd gelesen habender
Alarmknopfdrücker


Das Internet ist so unpersönlich, nehmen wir doch lieber E-Mail zum Kommunizieren

Sollten Sie nähere Informationen zu mir und meinen politischen Themen wünschen, wenden Sie sich bitte an unten stehende Emailadresse oder Telefonnummer. Mir liegt an der persönlichen Ansprache mehr als an einer Kommunikation im Internet über Dritte.

Sabine Dittmar, SPD, Abgeordnete des Bayerischen Landtages, Vorstandsmitglied der bayerischen SPD

Ich verstehe, Frau Dittmar, wenn die Kommunikation über Dritte im Internet geht, ist das nicht so toll für sie — vor allem, wenn diese Kommunikation auf abgeordnetenwatch.de langfristig archiviert wird und so für jeden Wahlberechtigten aufzeigt, ob ihre politischen Standpunkte von einer gewissen Kontinuität und nachvollziehbaren Entwicklung im Sinne der Interessen des von ihnen vertretenen Volkes geprägt sind, oder ob sie zu jenem Teil der classe politique gehören, der sich nicht um sein Geschwätz von gestern bekümmert. Da haben sie es lieber „direkt“ über ihren E-Mail-Provider an der FOURTYSIX Rechenzentrum GmbH und nicht über dieses Internet, das in ihrem von jeglichem Verständnis unbeleckten Köpfchen offenbar nur das World Wide Web ist, so dass ihnen gar nicht bewusst werden kann, dass Internet-E-Mail sogar ein älterer Internet-Dienst ist als das WWW. Stattdessen reden sie wie jemand, der denkt, dass die Internet-E-Mail nicht über das Internet läuft, was eine beachtliche Leistung der Unwissenheit ist. Sie wollen zwar in Wirklichkeit schön nebulös und verklausuliert sagen, dass sie ihre politische Kommunikation lieber nicht so öffentlich und nachvollziehbar haben — was ich übrigens an sich bereits augenöffnend genug finde — aber ihre ganz besonders spezialkompetente Ausdrucksweise hat ihnen zu einem einsamen Platz als ersten Blindfisch im Aquarium für 2013 verholfen.