Sie reden vom Netz wie Blinde vom Licht

Archiv für September, 2012

Für @HanneloreKraft vor allem ein Reklamemedium

Dies ist nur eine kurze Anmerkung zur Twitter-Nutzung der Frau Hannelore Kraft, SPD, Ministerpräsidentin des Landes Nordrhein-Westfalen — nicht, dass in den kommenden Monaten jemand zu glauben beginnt, dass es bei der Webnutzung von Mitgliedern der classe politique um ein von Innen kommendes Verlangen nach menschlicher Kommunikation gehe und nicht um Wahlwerbung und alle damit verbundene Lüge und Niedertracht.

So hat Hannelore Kraft getwittert, als kein Gedanke an Wahlkampf im Raume stand:

In zwei Monaten sieben klägliche Fiepser. Offenbar hat das Büro der Frau Ministerpräsidentin außerhalb der Wahlkampfzeiten besseres zu tun, als den Stummeltextdienst „Twitter“ zu befüllen.

Und so twittert Hannelore Kraft, seit durch die Nominierung von Peer Steinbrück zum SPD-Kanzlerkandidaten für die nächste Bundestagswahl der Wahlkampf (sehr vorzeitig) eröffnet wurde und sich durch den laufenden Parteitag der SPD mediale Aufmerksamkeit regt:

Eine regelmäßige Nutzung, wenn auch nichts Substanzielles und menschlich Wertvolles mitgeteilt wird, sondern nur Personenkult-Reklame für Peer Steinbrück und Ergebnisse des laufenden Parteitages.

Wer will, kann sich gern das (beinahe immer von irgendwelchen PR-Mitarbeitern stammende) Gezwitscher von Mitgliedern der classe politique in seine Twitter-Timeline holen, das mich persönlich immer deutlich an den Meldungston der Aktuellen Kamera erinnert. Wer das Internet aber als ein Netzwerk von Computern versteht, dessen nützliche Funktion es ist, Menschen zueinander zu bringen, wird sicherlich Erfreulicheres mit seiner begrenzten Zeit und Aufmerksamkeit anzufangen wissen.

Dank für den Hinweis an @KarlOtto3


Google nimmt der Presse Milliardengewinne weg

Sie haben sicher Recht, wenn Sie schreiben, dass die Suchmaschinen Informationen im Internet bequem zugänglich machen. Die Suchmaschine stellt diesen Service aber nicht gratis zur Verfügung, sondern lässt ihn sich über Werbung finanzieren. Es geht daher auch weniger darum, eine Nachrichtenaufbereitung à la Google zu verbieten, die Frage ist vielmehr, ob die Suchmaschinenbetreiber dafür ein Entgelt entrichten müssen. Von Google wird das wenig überraschend verneint, von den Verlagen bejaht. […] Die Frage ist eher, ist Google bereit für genutzte Inhalte, für die sich das Unternehmen über Werbeeinnahmen auch bezahlen lässt, selbst zu bezahlen oder nicht? Google macht mit den Inhalten anderer Milliardengewinne […]

Dr. Volker Wissing, FDP, Abgeordneter der Deutschen Bundestages, Landesvorsitzender der FDP Rheinland-Pfalz, stellvertretener Vorsitzender der FDP-Bundestagsfraktion

Ganz kurzer Kurzkommentar…

…der völlig hinreichend ist, um die zugegebenermaßen sehr professionell und gekonnt heimlich verabreichte Lüge in diesem Text bloßzustellen. Das Folgende ist ein Screenshot des deutschsprachigen Angebotes von Google News, also der „Nachrichtenaufbereitung à la Google“, wie Herr Dr. Volker Wissing das zu nennen pflegt:

Screenshot Google News

Natürlich habe ich diesen Screenshot mit einem Browser ohne Adblocker angefertigt.

Wo ist auf dieser Seite die Werbung, mit der Google seine Fantastilliarden mit den Inhalten anderer verdient? Ich sehe dort nur ellenlang Werbung in Form von Links auf die Produkte jener Verlage, die sich in standesdünkelhafter Unverschämtheit für diese Werbung demnächst auch noch bezahlen lassen wollen.


Eröffnung der „Rechtsextremismusdatei“

Das ZDF hat in seiner Abschluss-Satire der Frontal-24-Folge vom 25. September 2012 eine angemessen ätzende Zusammenfassung dieses tollen Vorganges gegeben.


Vorteil durch besondere Funktion

Die besondere Funktion von Jumpshare betrifft vor allem den Empfänger der Dateien: Er muss diese nämlich nur in den seltensten Fällen herunterladen, denn der Dienst kann über 150 Dateitypen direkt im Browser anzeigen. Dazu gehören unter anderem Textdokumente, PDFs, Präsentationen, Bilder, Musikdateien und Videos

Sueddeutsche.de — Internet / Computer: Große Dateien bequem teilen und direkt online anschauen

Kurzkommentar

Also dieses One-Click-Hoster „Jumpshare“, von dem ich ohne diese über DPA in den „Qualitätsjournalismus“ gebrachte „Meldung“ gar nichts wüsste und an dem ich gar nichts vermisste, hat also einen großen Vorteil: Ich „muss“ die Dateien nicht herunterladen — was eine Erleichterung ist, die ich bis jetzt auch noch nie vermisst habe. Ich soll sie mir stattdessen im Browser anschauen, der diese Dateien zu diesem Zweck natürlich herunterladen muss, damit er sie darstellen kann. Der größte Vorteil aus der Sicht „Jumpshares“ ist es dabei zweifellos (ich habe es mir nicht angeschaut), dass die Daten nicht an einem mir bekannten Speicherort auf meiner Festplatte landen¹, sondern auf dem Server bei „Jumpshare“ liegenbleiben und dort gewiss mit allerlei Reklame angereichert werden, wenn ich sie über die Sharing-URL erneut betrachten will.

Und was ist mein Vorteil daran? Ach ja, dass ich „nicht downloade“, ich verstehe schon… :mrgreen:

¹Stattdessen werden sie an einer mir unbekannten Stelle im Cache des Browsers gespeichert. Es ist also ein Download, bei dem ein „normaler“ Anwender nur hinterher nicht weiß, wohin die Daten gespeichert wurden. Natürlich muss jeder dargestellte Inhalt aus dem Internet heruntergeladen werden, um darstellbar zu sein…


Das wird es mit der Piratenpartei nicht geben!

Seiten wie Pirate Bay, Megaupload und Kino.to wird es auch mit der Piratenpartei nicht geben

Christopher Lauer, ehemaliger Geschäftsführer und Beisitzer im Bundesvorstand der Piratenpartei, gegenwärtig als Abgeordneter des Berliner Abgeordnetenhauses Angehöriger der dortigen Fraktion der Piratenpartei

Kurzkommentar

Aha, Herr Lauer, eine den Inhalten gegenüber neutrale Suchmaschine — nichts anderes ist ein Torrenttracker mit bequemer Suchfunktionalität, wie er in The Pirate Bay realisiert ist¹ — ist also in ihrer Aufzählung in der gleichen Kategorie wie Websites, die gezielt errichtet wurden, um ein Businessmodell mit nicht-lizenzierten Nutzungsformen urheberrechtlich geschützter Werke aufzuziehen.

Und den Inhalten gegenüber neutrale — zu Deutsch: unzensierte — Suchmaschinen wird es mit der Piratenpartei nicht geben.

Ich verstehe, Herr Lauer. Danke für ihre freundlichen und offenen Worte, die zumindest jedem Leser klar machen, wofür sie stehen und auf Grundlage welch blindfischhafter Kompetenz sie diesen Standpunkt einnehmen — wobei eine Piratenpartei, die jemanden mit Auffassungen wie den ihrigen in den Vorstand wählt und auf einen Listenplatz für ein Landesparlament setzt, auch keinen besonders wählenswerten Eindruck hinterlässt.

Nachtrag 13.49 Uhr

Früher klang das alles ein bisschen anders:

Wenn Privatkopie Piraterie ist, sind wir Piraten

Aber wer in Alzheim (das ist der Ort, an dem alle Parlamente stehen) erinnert sich noch an sein Geschwafel von gestern?! :mrgreen:

¹Nachträgliche Korrektur, siehe Kommentare.


Bild teilen

Bettina Wulff versucht mit Klagen gegen Google ihren guten Ruf wiederherzustellen - für wenig erfolgreichen sehen das Revolvermänner aus Düsseldorf

Bettina Wulff bekommt in ihrem Versuch, juristisch gegen unwahre Berichte vorzugehen, eine besonders wenig hilfreiche Hilfe von den „Qualitätsjournalisten“ der springerschen „Welt“. Diese halten sogar noch eine Lupe auf den Google-Automatismus, der die von Frau Wulff bekämpften Unwahrheiten zum Vorsch(w)ein bringt, einfach nur, weil „Qualitätsjournalisten“ nun einmal das Internet gern durch die Lupe betrachten, so dass sie möglichst wenig davon sehen und kapieren. Damit die von Bettina Wulff bekämpften unwahren Behauptungen sich auch dann noch gut verbreiten können, wenn Google vor Gericht unterliegen oder sich mit Frau Wulff einigen sollte, haben die Rufmordhelfer „Qualitätsjournalisten“ der Welt Online sogar noch einen klickigen Button „Bild teilen“ unter dem informationsmäßig ansonsten wenig nahrhaften Bild angebracht…

Quelle des Screenshots ist die Website der Welt. Da WebCite zurzeit nicht verfügbar ist, habe ich eine eigene Archivversion des Artikels angelegt und biete sie hier zu dokumentarischen Zwecken zum Download an.


Banknoten! Schmeißt die Druckmaschine an!

Wenn etwas angeklickt wird, muss der Staat eine gewisse Vergütung vornehmen

Gregor Gysi, Rechtsanwalt, Vorsitzender der Fraktion „Die Linke“ im Deutschen Bundestage

Fast ohne Worte…

…aber das Bild, das Herr Gysi vom Internet zu haben scheint, ist schon interessant: Um eine derartige Vergütung zu realisieren, müsste „der Staat“ ja jeden Klick registrieren. Wie stellt sich der Herr Fraktionsvorsitzende eigentlich die technischen Grundlagen des Web und anderer Internetdienste vor? Glaubt der, das laufe alles über eine zentrale Stelle, an der sich derartige Informationen abgreifen ließen, um dann anhand dieser Daten Vergütungen gewähren zu können? Oder will er eine derartige Stelle eingerichtet sehen, eigens für die BRD? In jedem Fall wird er sich unter den anderen Blindfischen nicht fehl am Platze fühlen.


Wir werden alle sterben!

Kriminelle, Terroristen und nicht zuletzt Staaten bereiten sich auf den Cyber-Krieg vor. Das digitale Wettrüsten ist in vollem Gange. Schon jetzt können die Attacken jeden treffen, der einen Internetanschluss hat. Es ist deshalb höchste Zeit, eine internationale Cyber-Sicherheitsorganisation zu gründen.

[…]

Die Anonymität der Cyber-Waffen macht es praktisch unmöglich, den Angreifer ausfindig zu machen. Es lässt sich nie sicher feststellen, wo und in wessen Auftrag sie entwickelt wurden. Manchmal glaubt man, Hinweise aus Kommentaren herauslesen zu können, die Programmierer im Quellcode hinterlassen haben. Oder man schaut, wem der Angriff nutzt – Beweise sind das nicht.

[…]

Unwahrscheinlich? Gewiss. Aber es genügt ja schon, wenn dieses Szenario ein einziges mal passiert. Und schon kann sich das Schadprogramm exponentiell um den Globus ausbreiten und jeden treffen, auch das Land, von dem der Angriff ausging. Jeden, das heißt: private Computernutzer, Firmen, Regierungen und ganze Länder. Denn angegriffen werden homogene Infrastrukturen, Betriebssysteme und Software, die wir täglich benutzen. Es ist der Angriff auf den Alltag.

Sueddeutsche.de — Sicherheit im Internet: Der Cyber-Krieg kann jeden treffen
Ein Gastbeitrag von Eugene Kaspersky

Na, dann ist ja alles gut!

Der Kaspersky hat das also geschrieben, jemand, der mit seinem Unternehmen vor allem davon lebt, dass Dumme und Unerfahrene sein Antivirus-Schlangenöl¹ für ihre psychische Angstabwehr erwerben und auf ihren inhärent unsicheren Betriebssystemen² einsetzen. Der kann ja auch kein Interesse daran haben, dass die Dummen klug und die Unerfahrenen erfahren werden, und er hat dafür um so mehr Interesse an möglichst breiter, dumpfer, hilfloser Angst fernab jedes Verständnisses von der Materie. So ein Glück aber auch! Ich habe wirklich im ersten Moment geglaubt, es handele sich hier um „Qualitätsjournalismus“ und nicht um den vorsätzlich angstausbreitenden Reklametext eines Schlangenölverkäufers im redaktionellen Teil einer Zeitungswebsite, der mit dem Namen (und der Firmierung) den Ruch von großem, anerkannten Expertentum transportieren soll, auf dass daraus Kaufentscheidungen bei den Lesern werden.

¹Es ist übrigens nicht so, dass diese Gattung Software völlig wirkungslos wäre. Sie kann mit beachtlicher Quote (oft um die neunzig Prozent) Schadsoftware erkennen, die schon ein paar Tage alt ist, wenn die Virensignaturen aktuell gehalten werden. Das heißt auch: Sie ist gegen aktuellere Angriff beinahe völlig wirkungslos — auch die Heuristiken zur so genannten „Verhaltenserkennung“ können hier keine Wunder wirken, zumal Kriminelle selbstverständlich ihre Machwerke selbst mit gängigen Antivirenprogrammen testen werden. Dieser ungenügende Schutz ist für unerfahrene Menschen leider oft wie die Benutzung eines Kondoms, bei dem sie nicht wissen, das ein Loch darinnen ist: Sie verwenden es, fühlen sich geschützt und lassen andere Vorsichtsmaßnahmen außer Acht.

²Dass es solche Antiviren- und sonstigen Schutzprogramme nur für Microsoft Windows gibt, sollte eigentlich aufgeweckteren Dummen ein wenig zu denken geben.


Die bösen Cookies

Cookies sammeln, speichern und verknüpfen Daten.

Dr. Beate Merk, CSU, Bayerische Staatsministerin der Justiz

Kommentar

Eine Aussage einer führenden Justizpolitikerin, die etwa so „einsichtsvoll“ wie die Aussage „Fingerabdrücke stehlen, rauben und morden“ ist. Und auch das triffts kaum, weil es beinahe unmöglich ist, den unfassbaren Blödsinn dieser sechs gnadenlos blinden Worte in einigermaßen verständliche Alltagserscheinungen zu übersetzen.

Cookies tun nämlich gar nichts, sie sind so passiv wie ein Text. Es handelt sich um einen von Netscape erfundenen Workaround um die Beschränkungen des zustandslosen HTT-Protokolls.

Dieses grundlegende Protokoll des World Wide Web ist nämlich relativ einfach gestrickt. Ein Client (heute in der Regel ein Webbrowser) sendet an einen Webserver eine Anfrage nach einer Ressource auf diesem Server und bekommt dafür vom Server eine Antwort zurück, die aus einem Statuscode (war diese Anfrage erfolgreich?) und im Regelfall weiteren Daten besteht, und zwar den Daten, die der Client angefordert hat. Wird vom gleichen Client eine zweite Anfrage gesendet, gibt es ohne Cookies keine Möglichkeit, auf Seiten des Servers festzustellen, ob diese Anfrage vom gleichen Client kommt. Insbesondere sind ohne Cookies solche Dinge wie Websites mit einem Login (sagen wir mal: Facebook, Twitter oder auch das gewöhnliche Webforum von Aquarienfreunden) oder Webshops nicht realisierbar. Um diese recht große Einschränkung des zustandslosen Protokolles zu umgehen, kann eine Anwendung auf einem Webserver dem Client ein Cookie setzen, anhand dessen der Client wiedererkannt werden kann. Auf diese Weise wird das zustandslose Protokoll um das Funktionsmerkmal eines Sitzungsverhaltens erweitert.

Der Inhalt eines Cookies wird ausschließlich an die Site zurückgesandt, die das Cookie gesetzt hat. So weit der unproblematische und nützliche Teil daran.

Es ist allerdings wahr, dass Cookies zum Tracking von Anwendern über die Grenzen einer Site hinweg benutzt werden. Dies geschieht durch Einbettung externer Elemente (Bilder, JavaScript-Quellen, Inhalte in IFRAMES, Medieninhalte, Plugin-Inhalte) und wird insbesondere in der Reklamewirtschaft angewandt (oder genauer gesagt: bewusst und auf widerwärtige Weise missbraucht), um detaillierte Nutzerprofile zu erstellen (und eventuell mit weiteren klandestin gesammelten Daten zusammenzuführen).

Nicht die Cookies sammeln, speichern und verknüpfen Daten, sondern privatwirtschaftliche Unternehmen, die Cookies zu diesem Zweck missbrauchen und Websites, die von ihren Gestaltern (zum Beispiel durch Einblendung von Reklame externer Dienstleister oder durch Einbettung des so genannten „Facebook-Buttons“) für diese Art Tracking aufbereitet werden¹.

Diesen kleine, aber recht wichtige Unterschied scheint der guten Frau Doktor nicht bewusst zu sein. Das ist bei einer Justizministerin besonders tragisch, weil es leicht zu politischen Fehlentscheidungen führen kann, etwa zu Gesetzen gegen das Setzen von Cookies (was einen Großteil des Web außer Funktion setzen würde, und zwar insbesondere jede kommerzielle Nutzung etwa durch mittelständische Webshops) statt zu Gesetzen gegen die alltägliche datenmäßige Durchleuchtung von Webnutzern.

Wie ist die Frau auf das Cookie-Problem gekommen

Nun, diese Frage wird im Artikel der Mittelbayerischen Zeitung beantwortet:

Die Ministerin stellte von Anfang an klar, dass sie das Internet und seine unendlichen Möglichkeiten ebenso unendlich schätze, inklusive der sozialen Netzwerke wie Facebook und Twitter. Doch gelte es, die Schattenseiten und Gefahren nicht zu vergessen: „Man fühlt sich beobachtet“, so Merk und erzählte, wie auf ihrer E-Mail-Seite sofort Werbungen für Wandern und Hundeprodukte angezeigt wurden, nachdem sie einem Freund geschrieben hatte, sie würde hundefreundliche Wanderstrecken bevorzugen.

Verantwortlich dafür seien sogenannte Cookies auf der Seite, erklärte die Verbraucherschutzministerin.

Frau Merk glaubt also ganz offensichtlich, dass Cookies den Text einer in einem Webmailer verfassten Mail auslesen und auf eine von ihr nur geahnte Weise zu Werbern funken können, die dann Ads im Browser schalten. Auf die naheliegende Idee, dass der Freemail-Anbieter (in diesem Beispiel mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit GMail) die versendeten und empfangenen Mails nach Schlüsselwörtern durchsucht und Werbung schaltet, ist Frau Merk hingegen nicht gekommen — und genau dieses unverschämte „Recht“ nimmt sich Google, der größte Reklamevermarkter im Internet, in den Nutzungsbedingungen für GMail heraus.

Mit Cookies hat das nichts zu tun. Es ist eine ans Widerliche grenzende Unverschämtheit, die sich Google (und vielleicht inzwischen auch der eine oder andere weitere Freemail-Anbieter) herausnimmt. Ein guter Schutz dagegen ist übrigens der Verzicht auf den Webmailer, die Einrichtung eines Mailclients und die ausschließliche Kommunikation über verschlüsselte E-Mail. Allerdings sollte die werte Frau Ministerin durchaus über die finanziellen Möglichkeiten verfügen, einen kleinen Server bei einem Hosting-Provider anzumieten und diesen als Mailserver zu verwenden. Oh, sie hat ja schon eine Website und eine eigene Domain, gehostet bei ScanPlus aus Ulm an der schönen Donau… na, wenn sie dann lieber so kommuniziert, dass die Reklamewirtschaft mitlesen kann, ist es eben ihre eigene schreiende Dummheit.

Und dann ist da noch etwas

Übrigens hat die werte Frau Doktor der Rechtswissenschaften auch in einem weiteren Punkt unrecht:

Ein Abschalten der Cookies habe meist zur Folge, dass die Internetseite nicht mehr funktioniere.

Es ist in vielen gängigen Browsern möglich, das Setzen von Cookies durch und die Übermittlung von Cookies an Sites zu unterdrücken, die nur Inhalte innerhalb der aktuell dargestellten Seite einbetten.

Beim Opera geht dies zum Beispiel unter Einstellungen ▷ Tab "Erweitert" ▷ Punkt "Cookies" ▷ Markierung bei "Nur Cookies von der besuchten Website annehmen". Damit wird diese Art des Trackings unmöglich gemacht, ohne dass die eigentliche und erwünschte Funktion der Website (nicht Internetseite!) beeinträchtigt ist. Warum das nicht die Standardeinstellung ist und ob es nicht eine gute Idee wäre, darauf hinzuwirken, dass die Standardeinstellungen eines Browsers das Eindringen in die Privatsphäre so schwierig wie nur möglich machen, gehört zu den Fragen, die sich die Frau Doktor wegen ihrer blubberbläschenschlagenden technischen Inkompetenz wohl niemals stellen wird, wenn sie mit ihrem nicht vorhandenen Wissen diffuse Ängste vor gewöhnlichen Webtechniken unter den Menschen in Deutschland ausbreitet.

Beim Firefox existiert eine derartige Einstellung nicht mehr (Was hat Datenkrake Google dafür wohl an Geld fließen lassen?)² ist diese Einstellung ein bisschen versteckt. Im Menü Bearbeiten ▷ Einstellungen wählen, und dann in den Einstellungen das Tab Datenschutz anzeigen, unter Chronik den Punkt Firefox wird eine Chronik: nach benutzerdefinierten Einstellungen anlegen wählen, um die Markierung bei Cookies von Drittanbietern akzeptieren zu entfernen. Ferner ist mit dem Firefox möglich, unter Extras ▷ Privaten Modus starten eine Sitzung zu starten, in der keine Cookies dauerhaft gespeichert werden, was die Möglichkeiten zum Benutzertracking sehr einschränkt. Dies hat aus Benutzersicht den Vorteil, dass es nicht nur hinreichend wirksam, sondern auch sehr einfach anzuwenden ist und keine Klickorgien im Einstellungsdialog erfordert — wenn der Benutzer denn davon weiß. Von der Frau Justizministerin, die sich so breit, unwissend und angstvoll in der Mittelbayerischen Zeitung ausgelassen hat, erfährt er es jedenfalls nicht, und ein Journalist hat sich auch nicht getraut, den etwas speichelleckerischen Artikel um eine entsprechende Anmerkung zu ergänzen.

Beim Chromium wurde mit dem Inkognito-Fenster (Menüpunkt Neues Inkognito-Fenster) ein ähnlicher Weg wie beim „Privaten Modus“ des Firefox beschritten, hier gibt es allerdings keine Möglichkeit, explizit die Übermittlung von Cookies an Drittseiten zu unterdrücken. Das hätte mich bei einer Software aus dem Hause Google auch sehr gewundert, wenn es dort wirksame Einstellmöglichkeiten gegen Tracking gegeben hätte. Diese hätten nämlich das Potenzial, das Geschäftsmodell von Google zu gefährden.

Wie die Verhältnisse beim Internet-Explorer aussehen, kann ich leider nicht sagen, weil dieser Browser von Microsoft nicht für mein bevorzugtes Betriebssystem zur Verfügung gestellt wird.

Und jetzt der BRÜLLER, das Warten hat sich gelohnt:

Als Ministerin sei ihre Aufgabe, den Bürgern Medienkompetenz zu vermitteln

ROFLCOPTER! *schenkelklopf!*

Nun, Frau Ministerin, an ihrer selbstgesetzten Aufgabe sind sie vollumfänglich gescheitert. Sie haben Falschwissen (das ist schlimmer als Unwissen) und diffuse Angst vor dem Internet verbreitet, statt Wissen und damit die Möglichkeit zum vernünftigen, selbstverantwortlichen Verhalten zu vermitteln. Wie ihre Erfolge bei jenen Aufgaben aussehen mögen, die sie sich nicht selbst setzen, sondern die ihnen in Regierungsverantwortung von laufenden gesellschaftlichen Entwicklungen gestellt werden, mag man sich da gar nicht mehr vorstellen.

¹Zum Beispiel ist die Website der Mittelbayerischen Zeitung eine derartige Site. Sie enthält externe Codeschnippsel von Facebook Connect, Google +1, Google Analytics und AddThis — dies sind die vier Fälle, die mir sofort bei Ansicht des Quelltextes aufgefallen sind. Was das Geschäftsmodell von Google ist, sollte zumindest im Verlagsgewerbe jedem klar sein (die wollen ja sogar ein Leistungsschutzrecht), und Facebook ist als Datensammler zu Recht berüchtigt. Genau die Gefahr, die eine bayerische Staatsministerin zu derartigen Dummsprech hingerissen hat, wird von der Verlagswebsite aktiv und bewusst hergestellt, die diesen Dummsprech unreflektiert und ohne Relativierung zitiert und in einen größeren Leserkreis trägt. Wer sich anschaut, was Verleger treiben, braucht keine Satire mehr.

²Die erste Veröffentlichung dieses Textes enthielt den hier durchgestrichenen Fehler, weil diese Einstellung im Firefox so gut „versteckt“ ist, dass ich sie nicht gefunden habe. Danke an Bio, der in den Kommentaren den entscheidenden Hinweis gab.


Hochgradige Verleumdung

Der Innenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Hans-Peter Uhl, sagte zu den Unterlassungsklagen von Bettina Wulff gegen den Internetkonzern Google und den Fernsehmoderator Günther Jauch „wir stehen vor einem hochbrisanten Musterprozess gegen hochgradige Verleumdung und schwerste verletzung durch das Medium Internet und der Frage, ob das alles ungesühnt hingenommen werden muss“

123recht.de zitiert Hans-Peter Uhl, CSU, die Rechtschreibung des qualitätsjournalistischen Originales ist im Zitat unverändert

Ganz kurz nur, Herr Uhl

Ihnen ist schon klar, dass die „hochgradigen Verleumdungen“ durch das „Medium Internet“ (vor allem in Blogs rechtspopulistischer Zeitgenossen) sowie durch Herrn Jauch allesamt auf einen qualitätsjournalistischen (und demnächst vielleicht durch ein so genanntes „Leistungsschutzrecht“ juristisch sonderbehandelten) Artikel in der Berliner Zeitung zurückgehen?

Nein? Warum machen sie dann ihren Mund auf und verleumden die Gestalter des Internet in ihrer Gesamtheit, wenn ihnen nicht einmal die einfachsten Tatsachen bekannt sind?

Ja? Na, dann ist auch alles klar! So kennen wir sie, Herr Uhl, sie verleumderischer Lügner!

Nachtrag 21:00 Uhr

Seit mehr als zwei Jahren verbreiten Portale im Internet die Verleumdung, die Frau des ehemaligen Bundespräsidenten sei in ihrem früheren Leben Prostituierte gewesen – alles frei erfunden. Die meisten der Lügengeschichten sind dennoch über Google nachzulesen.

sueddeutsche.de — Verletzung von Persönlichkeitsrechten im Internet: E wie „Escort“, K wie „Kampf gegen Google“

Tja, wenn die classe politique sich aus solchen qualitätsjournalistischen Produkten informiert, dann wundert mich gar nichts mehr.


Endlich!

Endlich! Auf diesen extratollen „IFA-Trend“ haben wir alle schon seit vielen vielen Jahren gewartet!

Die Waschmaschine lernt endlich Internet-Surfen

Wo sich so viel Freude am dadaistisch-robotischen Wassersport in springerscher Drilllyrik ungebremsten Ausdruck in der Schlagzeile verschafft, dass die Lachtränen nur so aus den Augen strömen wollen, plätscherts und blubberts ganz frisch im Aquarium der Blindfische.