Sie reden vom Netz wie Blinde vom Licht

Archiv für August, 2013

Wir verschlüsseln alle Daten…

[…] Ich hatte die Pressestelle der „Grünen“ gefragt: „Warum gibt es keinen öffentlichen OpenPGP-Schlüssel zur Kontaktaufnahme?“

Die Anwort kam: „Wir verschlüsseln alle Daten mit SSL.“

Zitiert nach Burks‘ Blog: Wir verschlüsseln alle Daten.

Ohne Worte.


t3n: Moral ist, was man doppelt hat…

Screenshot eines t3n-Artikels mit einer Anleitung, wie man Werbung auf YouTube unterdrückt -- mit Einblendung eines Hinweises, dass man bitte seinen AdBlocker ausschalten möge, weil sich t3n über Werbung finanziert

Quelle des Screenshots: t3n — So deaktivierst du alle Werbung auf YouTube

Anstelle eines ziemlich überflüssigen Kommentares sei hier nur noch einmal kurz zur Deutlichkeit wiedergegeben, was t3n in dieser grauen Box am rechten Rand von seinen Lesern möchte:

AdBlocker eingeschaltet?

Wie es scheint, hast Du einen AdBlocker aktiviert. Du würdest uns sehr helfen, wenn Du ihn für t3n.de ausschaltest.

Der Grund: Werbung auf diesen Seiten wird überwiegend pro Einblendung bezahlt und diese Einnahmen ermöglichen uns, dir die Inhalte von t3n.de kostenlos anzubieten. Wenn dir t3n.de gefällt und Du unsere Arbeit gern unterstützen möchtest, deaktiviere doch bitte den AdBlocker auf unseren Seiten.

Vielen Dank dafür!

Für YouTube, was ebenfalls ein kostenloses und mit Reklame monetarisiertes Angebot ist, gelten für diese Moralhanseln, die das Gewürz „schlechtes Gewissen“ auf ihrer Website ausstreuen, jedenfalls andere Regeln, da kann man mal zeigen, wie alle Reklame auf YouTube ausgeblendet werden kann.

Bringt ja auch interessierte Leser und damit Reklameeinnahmen… :mrgreen: Dein t3n-Team


Programmiersprache

„Frauen mit geringem Einkommen, die allein leben und über 70, 75 Jahre alt sind, kriegt man fast gar nicht ins Netz“, sagt der Heidelberger Psychologe und Altersforscher Michael Doh. Zu dieser persönlichen Barriere komme das Medium selbst: unhandlich, intuitiv nicht nutzbar und Englisch als Programmiersprache. In Deutschland sei es zudem – anders als in Skandinavien – versäumt worden, ältere Beschäftigte weiterzubilden, als das Internet 1990 aufkam.

Computerwoche — Angst vorm Internet: „Familie ist der große Türöffner“

Ich gratuliere der Computerwoche — die ja immerhin so tut, als sei sie so etwas wie eine Fachzeitschrift — zur Entdeckung der mir bislang völlig unbekannten Programmiersprache namens Englisch — nebst der recht überraschenden Einsicht, dass dieses Internet, um das es hier geht, für die üblichen Nutzungsformen einer eigenen Programmierung bedarf.

Wie die Fachzeitschrift Computerwoche auf die nicht weiter erläuterte Idee gekommen ist, dass dieses Internet 1990 aufkam, ist ebenfalls rätselhaft. Dass jemand das ARPANET der späten Sechziger Jahre nicht als Internet bezeichen möchte, kann ich ja noch verstehen. Die Einführung des Protokolls TCP/IP am 1. Januar 1983 hat allerdings eine Struktur hervorgebracht, die dem heutigen Internet entspricht — dafür steht übrigens auch dieses IP im Namen, das schnell zur Bezeichnung des entstandenen „Netzes der Netze“ wurde. Es trifft zwar zu, dass Anfang der Neunziger Jahre das bestehende Netzwerk für kommerzielle Anwendungen geöffnet wurde und damit erstmals über die Universitäten hinaus verfügbar war, aber davon dürfte die Mehrzahl der jüngeren und älteren Beschäftigten in Deutschland kaum etwas mitbekommen haben. Für die meisten Menschen kam „das Internet“ auf, als es benutzerfreundliche, graphische Browser für das World Wide Web gab — ab 1993 den NCSA Mosaic, ab 1994 den als kostenlose Beta-Version veröffentlichten¹ Mosaic Netscape (dessen damals recht revolutionäre Bedienkonzepte die Benutzerschnittstelle eines Browsers bis heute ein bisschen mitprägen). Dieses „die Meisten“ umfasst auch Menschen mit Geschäftsideen. Mir fehlen genaue Daten, aber es würde mich sehr wundern, wenn 1994 nur ein Zehntel der Beschäftigten im betrieblichen Kontext auch nur ein Wort wie „E-Mail“ gehört hätte.

Ach ja, und eines noch, und das ist gar nicht so unwichtig: Übrigens kriegt man 75jährige, alleinstehende Frauen mit geringem Einkommen nicht nur schwer ins Netz, man kriegt sie auch nur schwer dazu, andere kostenverursachenden Dinge ohne unmittelbar erkennbaren Nutzwert zu tun. Das liegt nicht am Alter, sondern am Einkommen. Der Zugang zum Internet kostet Geld, und so ein Computer muss auch noch angeschafft werden, damit man etwas von diesem Internet hat. Wenn man nicht zu den Menschen mit außergewöhlichen außersinnlichen Fähigkeiten gehört, die noch nie einen Computer gesehen haben, ihn einschalten und sofort loslegen können, kommt ein Lernaufwand dazu, der ebenfalls oft Kosten verursacht. Viel Geld, das weggeht, bevor man etwas von diesem modernen Internet sieht, ohne das man sich bislang auch ganz gut durchs Leben geschlagen hat. Die meisten 75jährigen Frauen ohne Vergangenheit mit Ingenieursausbildung bauen sich auch nicht bei Geldmangel aus Müll einen leidlich arbeitsfähigen Computer zusammen, wie ich das manchmal zu tun pflegte… 😉

Aber „Armut“ ist ja niemals der Grund in deutschsprachiger, qualitätsjournalistischer Presse. Das Wort darf — man möchte fast glauben, eine Bundesschrifttumskammer habe das so angeordnet — auch niemals in einem qualitätsjournalistischen Artikel erwähnt werden. „Geringes Einkommen“ klingt doch gleich nebliger…

¹Hui, ein Mirror der alten Website der Mosaic Communications Corporation, die später als „Netscape“ bekannt werden sollte! Manchmal ist das Web wunderbar!


Siegel drauf, und sicher ist!

Es ist der Wunsch aus der Wirtschaft, eine Zertifizierung zu haben, bei der man sicher sein kann. Wenn dieses Siegel da ist, dann ist dieses Produkt sicher. Dann kann ich es für die Kommunikation nutzen. Und hier ist denn auch die öffentliche Hand gefragt, solche Siegel zu entwickeln und dann auch zu vergeben. Damit der mittelständische Unternehmer aus Baden-Württemberg oder Bayern weiß, das ist sicher, darauf kann ich mich verlassen.

Philipp Rösler, FDP, Bundeswirtschaftsminister.

Diese Idee zur Erhöhung der Sicherheit und Vertraulichkeit in der digitalen Kommunikation ist fast so gut wie die Idee, DE-Mail einfach durch ein Gesetz für sicher zu erklären. Platsch!


Schön, dass uns niemand mehr überwacht!

Zeit Online -- Deutschland -- Geheimdienste: Pofalla erklärt NSA-Affäre für beendet

Ohne Worte | Quelle des Screenshots: Internet