Sie reden vom Netz wie Blinde vom Licht

Archiv für August, 2012

Das gute Gedächtnis des Microsoft-Browsers

Seit ich wegen des Alarmknopfes auch immer wieder einmal die ganz normale Journaille verkoste, stoße ich neben Inkompetenz und allgemeiner, gegen das Internet gerichteter Propaganda auch immer wieder auf einen „Journalismus“, der sich vor allem an unerfahrene und deshalb leicht manipulierbare Menschen richtet: Verdeckte Reklame im redaktionellen Teil.

Dieses folgende, mutmaßlich von Microsoft gut bezahlte Reklame-Geschmiere einer unheiligen Arbeitsgemeinschaft aus stern (punkt) de und DPA zum Beispiel:

Besuchte Seiten im Verlauf des Internet Explorer suchen -- Wer mit dem Internet Explorer eine interessante Webseite besucht hat, sich aber nicht mehr an die konkrete Adresse erinnert, kann vom guten Gedächtnis des Microsoft-Browsers profitieren.

Natürlich mit einem prominent platzierten, großen Logo eines bekannten und berüchtigten Stückes Software, damit auch noch der Dümmste merkt, was dieser „Internet Explorer“ ist, der so beeindruckende Sachen kann:

Über den „Verlauf“ des Internet Explorer lässt sich jederzeit nachschauen, welche Webseiten in der jüngsten Vergangenheit angesteuert wurden. Dazu den Internet Explorer starten. Danach oben rechts auf das Sternchen-Symbol (Favoriten) klicken und über die Tab-Leiste zum Bereich „Verlauf“ wechseln. Hier erscheinen alle Websites, die kürzlich besucht wurden, zeitlich sortiert. Ein Klick auf einen Datumsbereich – zum Beispiel „gestern“ – öffnet die zu diesem Zeitpunkt angezeigten Website-Adressen. Ein Klick auf eine Adresse zeigt die einzelnen besuchten Unterseiten des jeweiligen Angebots.

Wer das alles liest und es nicht aus eigener Erfahrung besser wüsste, müsste angesichts dieser Schleichwerbung auf stern (punkt) de glauben, dass es hier um eine Funktionalität geht, die es in dieser Form nur auf dem Internet-Explorer gibt. Der hat ein „gutes Gedächtnis“, die anderen Browser sind dann wohl vergesslicher.

Dass das, was ein Opera als „Verlauf“ (auch erreichbar mit Strg-Umschalt-H oder als Ansicht in der Seitenleiste), ein Firefox als „Chronik“ (ebenfalls erreichbar mit Strg-Umschalt-H) und ein Chromium wiederum als „Verlauf“ (auch erreichbar mit Strg-H) im Menü anbietet, überhaupt existiert, könnte ein unvoreingenommener Leser nach Lektüre dieser offensichtlichen Reklame jedenfalls nicht vermuten. Und dass es in seiner gesamten Funktionalität identisch ist, schon gar nicht.

Welchen Nährwert eine derartige Journalismussimulation für seine irregeführten und fehlinformierten Leser hat, eröffnet sich von allein. Und dies war nur ein Beispiel. Ich sehe solche offenen Werbungen im angeblich „redaktionellen“ Teil beinahe jeden Tag, wenn ich die Websites der Verlagsangebote überfliege.


Hintergrund: Leistungsschutzrecht

Das über den NITF-Feed der DPA in den „redaktionellen“ Teil „qualitätsjournalistischer“ Erzeugnisse gepresse Stück Fehlinformation und Propaganda, das vom Online-Focus unter dem Titel „Hintergrund: Leistungsschutzrecht“ veröffentlicht wurde, ist es wert, so schnell nicht vergessen zu werden. Auch, wenn das für den Alarmknopf eher ein Randthema ist, belegt dieser Text, wie durch nur scheinbar ausgewogene, aber in Wirklichkeit verzerrende Darstellungen in den (agentur)zentral organisierten Medien Stimmung bei uninformierten Menschen gemacht und politischer Druck aufgebaut wird. Es ist ein so gutes Beispiel der subtileren Propaganda, dass ich hier ein (teilweise gallig) kommentiertes Vollzitat dieser Massenmanipulation bringe, um den Sinn für solche Techniken zu schulen.

Der von der DPA verbreitete Propagandatext (mit meinen Anmerkungen)

Wer urheberrechtlich geschützte Musik oder Filme im Internet aus dubiosen Quellen herunterlädt, muss saftige Strafen befürchten.

Wie, geht es jetzt um nicht-lizierte Nutzungen von Werken im Sinne des Urheberrechts?

Mit dem Leistungsschutzrecht sollen nun auch Zeitungs- und Zeitschriftenverlage Geld dafür verlangen können, wenn ihre Online-Artikel und andere Beiträge kommerziell genutzt werden.

Aber mitnichten! Das ist nur ein Einsteiger gewesen, um einen Zusammenhang herzustellen, den es gar nicht gibt, damit die Leser des Textes verwirrt werden. Denn den Presseverlegern reicht das vom Urheberrecht für Werke garantierte Monopolrecht nicht aus; sie haben deshalb konzertiert und über Jahre hinweg darauf hingearbeitet, dass sie ein zusätzliches Sonderrecht bekommen. Diese planvoll vorangetriebene Vorgehensweise reflektiert vermutlich auch die verlagsinterne Einsicht, dass es sich bei den aus Agenturmeldungen zusammengeklöppelten Elaboraten namens „Tageszeitungen“ und „Zeitschriften“ sowie bei den zusätzlich im Internet angebotenen Zweitverwertungen dieser Elaborate eben nicht um Werke im Sinne des Urheberrechtes handelt, da diesen Einweg- und Wegwerfprodukten jegliche hierfür erforderliche Schöpfungshöhe fehlt. Das so genannte „Leistungsschutzrecht“ spiegelt also die Einsicht der dadurch Geschützten wider, dass ihre „Leistung“ von äußerst bescheidener Qualität ist. Dieser Einsicht mag ich nicht widersprechen.

Suchmaschinen und gewerbliche Nachrichtenportale könnten dann in Zukunft zur Kasse gebeten werden, wenn sie diese Berichte aufnehmen.

Was eine Suchmaschine ist, wissen wir alle. Zum einen ist es ein automatisiertes Programm, das offen zugängliche Inhalte im Web (und teilweise auch anderen Internetdiensten) durchscannt, wenn die Sitebetreiber nicht durch das Ablegen einer einfachen Textdatei namens robots.txt darum bitten, dass ihre Inhalte ausgeschlossen werden. Mit diesen Daten wird ein sehr nützlicher Dienst angeboten. Ein Mensch kann nach Begriffen suchen und bekommt Fundstellen aus dem Web (und teilweise auch anderen Internetdiensten) präsentiert. Wer in einer Suchmaschine gelistet ist, wird also nicht geschädigt, sondern bekommt zusätzliche Leser, die er ohne Suchmaschine nicht gehabt hätte. Das wissen die Verleger übrigens genau, was sich darin zeigt, dass sie erheblichen technischen Aufwand treiben, um in Suchmaschinen besser dazustehen. Dafür auch noch Geld zu wollen, ist eine Haltung, die man sich einmal in alltäglichen Situationen vorstellen muss, um ihre infantile Absurdität genießen zu können: Beim Bäcker ein Brötchen nehmen, und auch noch Geld dafür fordern, dass man jetzt ja das Brötchen genommen hat.

Ein „gewerbliches Nachrichtenportal“ ist genau was? Richtig, das weiß keiner. Eine Website ist in der Bundesrepublik Deutschland übrigens schon gewerblich, wenn sie auch nur eine einzige Werbung, einen einzigen vergüteten Artikel oder einen einzigen gekauften Link enthält. Wann eine Website zusätzlich ein „Portal“ ist, das „Nachrichten“ transportiert (zwei äußerst unscharfe Begriffe), werden Richter mit teilweise erschütterndem technischen Kenntnisstand entscheiden. Und zwar in dubio pro lobby.

Damit wollen sich die deutschen Pressehäuser ihre Leistung bezahlen lassen — nämlich, dass sie mit einigem technischem Aufwand und Geld ihre Inhalte – für die Nutzer kostenlos — ins Netz stellen.

Wer hat die „deutschen Pressehäuser“ denn auf die Idee gebracht, ihre „Inhalte“ ins Netz zu stellen? Wurden sie dazu gezwungen? Nein, das wurden sie nicht. Gab es einen anderen Grund? Richtig, sie sind selbst darauf gekommen. Sie wurden von niemanden darum gebeten. Sie haben sich zusätzliche Profitmöglichkeiten von dieser Zweitverwertung ihrer industriell erstellten Machwerke erhofft. Wenn diese Profite ausbleiben, ist das eine ganz gewöhnliche geschäftliche Fehlentscheidung, die korrigiert werden sollte — und nicht mit Lobbyarbeit zur Erzeugung absurder Sonderrechten in einen „Erfolg“ umgewandelt werden sollte.

Bisher ist Online-Werbung nahezu die einzige Geldquelle der Verlage im Netz.

Vor rund siebzehn Jahren ist das World Wide Web massentauglich geworden und das Internet hat sich seitdem in rasendem Tempo von einer akademischen Spielwiese mit hoher Anziehungskraft für Nerds in einen Bestandteil des Alltags verwandelt. In diesen fast zwei Jahrzehnten ist es den Presseverlegern nicht gelungen, ein seriöses und tragfähiges Geschäftsmodell für das Internet zu entwickeln.

Diese Erlöse reichen aber in den meisten Fällen nicht aus, um die Einnahmeverluste durch die nachlassenden Auflagen der gedruckten Blätter zu decken. Die Verleger hatten immer wieder — auch mit Unterstützung der schwarz-gelben Koalition – ein Ende der „Gratiskultur“ im Netz gefordert.

Deshalb stellen sich die Verleger jetzt, nachdem sie über ein Jahrzehnt lang ihre „Inhalte“ gratis angeboten haben, hin und fordern ein Ende der „Gratiskultur“. Jegliche Ähnlichkeit mit Witzfiguren ist rein zufällig.

Kritiker und Internet-Aktivisten befürchten, dass mit dem neuen Recht die Informationsfreiheit im Netz eingeschränkt wird.

Informierte Menschen wissen, dass unter der in der BRD schon bestehenden rechtlichen Überregulierung zum Nachteile der Mehrzahl der Menschen ein zusätzliches Standesrecht für Presseverleger die Informationsfreiheit im Netz weiter beschädigen wird, als das schon der Fall ist. Denn schon jetzt ist in der Abmahn- und Juratroll-Hölle der BRD der Betrieb noch der harmlosesten Website ein erhebliches persönliches Risiko, das für einen „gewöhnlichen“ Menschen schnell existenzbedrohend werden kann.

Das Leistungsschutzrecht drohe den Nachrichtenfluss empfindlich zu stören. Verleger stehe es ja frei, mit einem kleinen Griff zu verhindern, dass etwa Google ihre Inhalte in die eigene Datenbank aufnimmt. Auch könnten sie ihr Angebot hinter eine Bezahlschranke stellen.

Genau! Können sie. Und dann können sie mal schauen, ob jemand dafür bezahlen will. Journalistischen Produkten wie der Neuen Zürcher Zeitung oder der Spektrum der Wissenschaft gebe ich da durchaus eine gute Chance, denn diese liefern etwas, was man im (von „Qualitätsjournalisten“) so genannten „Qualitätsjournalismus“ mit seinem Mix aus Tittitainment und übernommenen Agenturmeldungen schmerzlich vermisst: Konstante, hohe Qualität. Und diese hat einen Wert, der einen Preis rechtfertigt.

Der Haken ist dabei, dass gerade die Suchmaschinen, die auf ihren Seiten mit kurzen Auszügen („Snippets“) auf die Artikel verweisen, Millionen Nutzer auf die Presse-Webseiten leiten. Sie tragen damit entscheidend zur Attraktivität der Online-Werbung bei.

Genau! Das ist der Grund! Deshalb soll Google auch noch zusätzlich über ein so genanntes „Leistungsschutzrecht“ abkassiert werden. Weil: Siehe eingangs mit den Downloads von Filmen und Musik. :mrgreen:

Die „Attraktivität von Online-Werbung“ ist übrigens so groß, dass jeder halbwegs informierte Mensch dankbar über die verfügbaren Werbeblocker für Webbrowser ist. Eine ganz tolle „Attraktivität“, die hier von der DPA herbeiphantaisiert wird.

Ich warte übrigens darauf, dass Google genau so reagiert wie vor einem Jahr in Belgien. Wie die Verleger dann reagieren werden, haben die belgischen Verleger ja schon einmal vorgemacht. In der BRD, die noch deutlich bananiger als das Königreich Belgien ist, wird dann vermutlich auf eine Gesetzgebung hingearbeitet, die Suchmaschinen zur Aufnahme von Verlagsprodukten zwingt. Zur kostenpflichtigen Aufnahme, versteht sich.


Der Datenklau, der Datenklau!

Privatbank Julius Bär bestätigt Diebstahl von Kundendaten
Schweizer Banker wegen Datenklau verhaftet

In der Schweiz ist ein Bankmitarbeiter unter dem Verdacht verhaftet worden, Datensätze an deutsche Steuerfahnder verkauft zu haben. Die Zürcher Privatbank Julius Bär bestätigte der Schweizer „Sonntagszeitung“, dass nach einem Fall von Datenklau ein mutmaßlicher Täter identifiziert worden sei […]

Die Bank Julius Bär war damit bereits zum dritten Mal innerhalb von zehn Jahren Ziel eines Datendiebs […]

Die Maßnahmen zielten darauf ab, Datendiebe zu enttarnen und die weitere Entwendung von Kundendaten so weit wie irgend möglich zu erschweren […]

Tagesschau.de: Schweizer Banker wegen Datenklau verhaftet

Kommentar in Form eines Offenen Briefes

Werte Qualitätsjournalisten bei der ARD und andernorts,

um es euch nicht immer wieder schreiben zu müssen, was das Problem in der von euch verwendeten Nachrichtensprache ist, habe ich es heute in eine kleine, auch für gehetzte Pressetexter im Zeitdruck leicht zu erfassende Grafik zusammengefasst. Hier ist sie:

Komplizierte Themen für Journalisten erklärt: Diebstahl und Kopie

Und da ihr werten Journalisten vor lauter Kopieren von Agenturmeldungen in eure Systeme zum content management nur noch selten dazu kommt, etwas gründlich zu betrachten und auch darüber nachzudenken, noch eine wichtige Anmerkung nur für euch: Das heißt weder, dass Verstöße gegen das Urheberrecht legal sind, noch heißt es, dass der Handel mit Daten, die mit gutem Grund als schutzwürdig erachtet werden, eine unproblematische Sache wäre. Es heißt nur, dass die von euch werten Journalisten immer und immer wieder verwendete Diebstahlsmetapher in Sachen digitaler Daten zwei große Probleme hat, nämlich dass sie…

  1. …an der Natur der berichteten Vorgänge völlig vorbei geht, und dass sie
  2. …nicht im Geringsten dazu geeignet ist, beim Rezipienten eures pseudoobjektiven Nachrichtentones auch nur eine Spur von Verständnis und Bewusstsein für die Problematik der von euch berichteten Vorgänge zu schaffen, und zwar weder in Fragen des Urheberrechtes (bei der Verbreitung nicht-lizenzierter Werkkopien) noch in Fragen des Datenschutzes (beim Handel mit rechtswidrig abgegriffenen Bankdaten).

Am Ende der von euch durchgeführten täglichen Verdummung durch inadäquaten Sprachgebrauch stehen dann nicht nur eure eigenen vollumfänglichen Denkverzichte, sondern auch solche politischen Blindfische wie Siegfried Kauder (CDU), die nur auf der Grundlage ihres völligen Unverständnisses und ihrer mutmaßlichen Korruption durch finanzstarke Lobbyisten den rechtlichen Rahmen für die weitere Entwicklung der Gesellschaft in der BRD schaffen.

Wenn ihr meint, dass derartige Volksverdummungen die Aufgabe des Journalismus seien, geht bitte einfach sterben. Ansonsten verwendet sprachliche Bilder, die das Verständnis des Tagesgeschehens ermöglichen¹ und nicht verhindern!

Ach, apropos „sprachliche Bilder“:

In Züricher Bankerkreisen hieß es, die Schweizer Geldinstitute hätten ihre Kontrollmechanismen in letzter Zeit wegen des wiederholten Ankaufs von Steuer-CDs durch deutsche Behörden verschärft […]

Glaubt ihr Journalisten eigentlich selbst, dass im Zeitalter der preiswerten Speichersticks und der ebenfalls preisgünstigen externen Festplatten das obsolete Medium CD-ROM wirklich von halbseidenen Datenhändlern verwendet wird, um massenhaft Kundendaten und Kontobewegungen zu bewegen und zu handeln? Auf so eine CD würde doch kaum etwas draufpassen, und zudem wäre dieses Medium langsam, störanfällig und empfindlich. Oder ist es nicht vielmehr so, dass nach dem Ende des Diskettenzeitalters die CD-ROM schlicht der kleinste für Laien glaubwürdige Datenträger ist; dass der Begriff „CD-ROM“ also vor allem das Ausmaß des Datenhandels kleiner aussehen lässt? Von wem schreibt ihr bitte dieses ansonsten völlig schwachsinnige Wort ab? Von den PR-Spezialisten der Landesregierungen, die (vielleicht mit gutem Grund, ich werte das gar nicht weiter) gegen Datenschutzbestimmungen verstoßen, indem sie massenhaft Kontobewegungen anderer Menschen zu Fahndungszwecken einsehen? Dass ihr es euch selbst ausgedacht habt, kann ich mir nämlich nicht vorstellen. Für eine so perfide Form der Verschleierung fehlt euch Journalisten im Allgemeinen schlicht die Kompetenz.

Ach!

Euer euch immer wieder lesen und hören müssende
Nachtwächter

¹In diesem Fall ist das Wort vom „Diebstahl“ gar nicht erforderlich, es geht um Datenhandel mit empfindlichen persönlichen Daten. Die Daten werden mutmaßlich durch Menschen gehandelt, die als Angestellte eines Bankhauses auf den Datenbestand Zugriff hatten und das Vertrauen ihres Arbeitgebers aus reiner Habgier missbrauchten. Solches Verhalten ist mit gutem Grund allgemein geächtet, wenn es durch die Motivation der Habgier angetrieben wird. Wenn es den Datenhändlern um eine gesellschaftlich not-wendige Aufklärung organisierter Steuerhinterziehung und nicht um ihre eigene Habgier gegangen wäre, wäre es für sie ein leichtes (und zudem sehr viel sicherer) gewesen, die Daten anonym bei einem Sharehoster abzulegen und ebenso anonym dafür zu sorgen, dass die Vorgänge in Presse und Internet die gewünschte Beachtung finden. Dass die Habgier dieser Datenhändler von Seiten einer Landesregierung der BRD mit hohen Geldzahlungen vergoldet wird, ist ein Vorgang, der ein grelles Schlaglicht auf die vollständige Amoralität des gegenwärtigen Politikbetriebes wirft. Die Konzentration auf den angeblichen „Diebstahl“ von Daten lenkt von diesem eigentlichen Problem ab. Aber wen erzähle ich das? Journalisten in der BRD? Es ist eine Verschwendung von Kraft und Worten… wie jeder beim Blick in die Zeitung oder beim Anschauen einer Nachrichtensendung selbst bemerken kann.


IMAP entschlüsselt

Frage: „Welche der in den Fragen 1 bis 19 erfragten Dienstleister sind derzeit oder zukünftig geplant mit welchen Aufgaben in die Arbeit des CC ITÜ eingebunden?“

[…]

[Inhalt des Auftrags:] Email-Dekodierungssoftware für das Format „imap“, [Auftragnehmer:] DigiTask

Quelle: Deutscher Bundestag, Drucksache 10077, elektronische Vorab-Fassung, S.24.
Antwort der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Jan Korte, Steffen Bockhahn, Ulla Jelpke, weiterer Abgeordneter und der Fraktion DIE LINKE

Ohne Worte, denn ich bekomme meine Hand nicht mehr aus dem Gesicht. Wer — wie diese hochgradig unwissenden Kompetenzlückenmitwortschwallkompensierer von Auftraggebern — nicht so genau weiß, was dieses IMAP ist, bekommt in der Wikipedia Aufschluss. Das ganze Dokument ist voller fröhlicher, kleiner Gesichtsklatscher.


Die richtige Antwort: E-Mail-Porto

De-Mail ist nach Ansicht des Telekom-Vorstandsmitglied Niek Jan van Damme die richtige Antwort auf die Unzulänglichkeiten der E-Mail. Diese werde mitgelesen, gefälscht, mit Werbespam geflutet und sei, wenn sie sicher mit Verschlüsselung arbeiten soll, alles andere als trivial. Die einfache, für Privatkunden „weitgehend kostenfreie“ De-Mail werde alles grundlegend ändern.

Heise Online — Deutsche Telekom: De-Mail geht zur IFA in Betrieb

Ganz kurz nur zu diesen offenen Reklamelügen

Dieses „weitgehend kostenfrei“ ist Reklamesprech für „kostenpflichtig mit 39 Cent pro versandter De-Mail“.

Gegen das Mitlesen und Fälschen von E-Mail (die ja über einen offenen Kanal transportiert wird) gibt es seit Anfang der Neunziger Jahre PGP — woraus inzwischen ein Quasistandard des Internet geworden ist. Was von Leuten zu halten ist, die im verlogenen Reklameton ins Mikrofon sprechen und dabei andeuten, dass so etwas wie „Sicherheit“ in der Internet-Kommunikation „trivial“ werden kann, gehört zu den Dingen, die sich jeder Mensch, der auch nur für 39 Cent Gehirn hat, selbst denken kann. Wer sich damit begnügt, dass Kryptografie und digitale Signatur für E-Mail „nur“ benutzerfreundlich sind, wird sich allerdings über eine Menge fertiger, moderner Software freuen, wenn Kryptographie-Funktionen nicht gleich standardmäßig in den E-Mail-Client eingebaut wurden.

Aber das kann der Lügner von den Deutschen Telekomikern ja unmöglich erzählen, denn es kostet keinen Pfennig Geld, ist unabhängig von der zentralen Infrastruktur der Deutschen Telekom, ermöglicht nicht das bequeme Mitlesen der Kommunikation durch Inlandsgeheimdienste und Polizeien und macht es auch nicht möglich, ein Porto für E-Mail einzuführen. Dafür ist es bequemer. Das ist die Wahrheit¹. Wer Lügen hören will, muss schon zur IFA gehen und sich von den Reklameheinis der Deutschen Telekom anlügen lassen.

¹Ich weiß, wovon ich rede, denn ich benutze beinahe jeden Tag den Thunderbird mit EnigMail-Erweiterung. Es ist übrigens auch leicht möglich, einem Nur-Anwender die Benutzung von EnigMail zu vermitteln; und auch das habe ich schon mehrfach getan.