Sie reden vom Netz wie Blinde vom Licht

Offtopic

Kurz verlinkt: Die Zeitleiste aus dem Neuland

Kein Zitat, nur ein empfehlenswerter Link, um im Strom der Tagesnachrichten nicht den Blick für das große Ganze der weltweiten Totalüberwachung jeglicher menschlicher Kommunikation aus den Augen zu verlieren:

Heise Online — Was bisher geschah: Zeitleiste zum NSA-Überwachungsskandal

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In eigener Sache

Und wers nie gekonnt, der stehle

Friedrich Schiller¹

Eines meiner Ziele beim Alarmknopf war es von Anfang an, die Quellen der Zitate so sauber zu belegen, dass das jeweilige Zitat auch später sicher nachvollziehbar und in seinem ursprünglichen Kontext überprüfbar ist.

Es kann immer wieder einmal passieren, dass ich in meinen technischen Erläuterungen Fehler mache, dass ich in meinen Kommentaren Standpunkte einnehme, zu denen sich auch eine andere Meinung vertreten lässt und dass ich zitierte Aussagen missverstehe. Es gibt eine Kommentarmöglichkeit, und grobe, irreführende Fehler korrigiere ich nach einem Hinweis oder — seltener — nach eigener Einsicht mit einer Streichung, also so, dass mein ursprünglicher Fehler im Artikel sichtbar bleibt. Zur viel beschworenen „Medienkompetenz“ gehört es auch, dass man nicht alles glaubt und unhinterfragt übernimmt, nur, weil es jemand geschrieben und veröffentlicht hat. Dass ich als jemand, der schreibt, zu meinen Fehlern stehe, betrachte ich als Maßnahme zur Förderung dieser ominösen „Medienkompetenz“.

Ich pflege diesen Stil aber auch, weil ich ihn mir an anderen Stellen wünsche. Haltlose Behauptungen, unbelegte Zitate und die im „Qualitätsjournalismus“ so häufig gepflegte scheinbare Perfektion durch nachträglich unsichtbare Überarbeitung und Korrektur im Web gibt es nämlich schon genug. Das kann so weit gehen, dass in einem Artikel hinterher das genaue Gegenteil der ursprünglichen Meldung steht, und sinnverändernde Bearbeitungen und Streichungen werden gerade in Verlagsprodukten im Web nicht immer deutlich gekennzeichnet, sondern oft still und heimlich vorgenommen. Eine sinnvolle Rezeption und Erörterung der regelmäßigen, gegen das Internet selbst gerichteten Haltung und Propaganda wird so erschwert.

Bei allen Fehlern, die ich immer wieder einmal mache: Die Zitate möchte ich jenseits jedes vernünftigen Zweifels und in ihrem gesamten Kontext belegen können. Ohne diesen Beleg sind sie wertlose Behauptungen.

In meiner Praxis beim Schreiben des Alarmknopfes behelfe ich mir, indem ich besonders unzuverlässige und nach meiner Erfahrung häufiger in dieser klandestinen Weise still bearbeitete Quellen — und dies sind beinahe ausschließlich die Websites von Verlagsangeboten, Unternehmungen und politischen Parteien — nicht direkt verlinke, sondern ihren gegenwärtigen, zitierten Stand von einem Dienstleister archivieren lasse. So bleibt — was immer jemand auch von meinen Standpunkten halten mag — wenigstens das Zitat sicher belegt. Andere Quellen (viele Blogs, aber auch Websites wie abgeordnetenwatch.de) legen einen wesentlich vertrauenswürdigeren Stil an den Tag, so dass ich dort diesen Umweg als unnötig erachte.

Für die Archivierung verwende ich in beinahe allen Fällen WebCite. Nur in seltenen Fällen mache ich einen Screenshot, den ich wegen seiner Manipulierbarkeit für einen fragwürdigen Beleg halte, der aber oft erst die Perfidie eines manipulativen Vorgehens verdeutlicht oder die Realsatire erst so richtig deutlich macht.

WebCite ist ein nicht-kommerzieller Web-Dienst, dessen Gestalter sich zur Aufgabe gesetzt haben, einen Schnappschuss des Standes einer Web-Ressource zu einem bestimmten Zeitpunkt zu archivieren und damit in belegter, zitierfähiger Form zur Verfügung zu stellen. Das ist nicht nur für mich ein Segen, sondern es macht generell erst das oft sehr flüchtige Web zitierfähig. Wer eine wissenschaftliche Arbeit verfasst, wer Quellen im Web persistent belegen will, wer bloggt und eine externe Ressource referenziert, die nicht unter seiner Kontrolle steht, geändert werden kann oder verschwinden kann — jeder, der vor solchen Problemen steht, benötigt einen derartigen Dienst.

Und genau das mein Anliegen in eigener Sache.

Denn WebCite steht inzwischen vor dem Problem, sich an gesteigerte Nutzung anpassen zu müssen (es kommt zurzeit leider auch immer wieder einmal zu Ausfällen wegen vorübergehender Überlastung) und nicht mehr finanzierbar zu sein. Dies wird zurzeit durch einen auffälligen Hinweis auf der Startseite deutlich gemacht [die Schnellübersetzung ist von mir]:

WebCite wird mit dem Ende des Jahres 2013 keine neuen Einreichungen [zur Archivierung] mehr annehmen, wenn wir nicht unser Ziel erreichen, die Finanzmittel für die Modernisierung und den Ausbau dieses Dienstes zu erhalten.

Bitte unterstützen sie unsere Crowdfunding-Kampagne. Wenn sie daran interessiert sind, diesen Dienst zu erhalten, geben sie bitte freigiebig — oder teilen sie wenigstens unsere Kampagne auf Facebook. Förderer, die uns mit 250 Dollar oder mehr unterstützen, werden auf unserer neu gestalteten Website namentlich genannt.

http://fnd.us/c/aQMp7

Zurzeit (15. Februar 2012, 15:00 Uhr) haben 34 Spender insgesamt 783 Dollar aufgebracht, obwohl diese Kampagne schon seit ein paar Wochen läuft. WebCite gibt als Spendenziel den Betrag von 50.000 Dollar an, der mir keineswegs absurd hoch erscheint.

Ich halte den Nutzen dieses Dienstes für außerordentlich groß. Jeder Journalist, Wissenschaftler, Blogger und generell an zuverlässigen Belegen von Web-Ressourcen interessierte Mensch sollte mein Werturteil über Webcite verstehen können.

Von daher bitte ich darum, dass jeder, der die Absicht hat, Geld zu spenden, kurz darüber nachdenkt, ob nicht auch ein paar Dollar an WebCite gehen können.

Wer nicht spenden kann oder nicht spenden will, aber versteht, warum ein Dienst wie WebCite wichtig, gut und nützlich ist und deshalb erhalten werden sollte, kann immer noch den kleinen Beitrag leisten, auf dieses Crowdfunding hinzuweisen — mit einem Blogeintrag, einem Tweet, einem Hinweis auf Facebook, einem Forenpost oder auch ganz altmodisch im Gespräch. Es wäre nämlich sehr schade, wenn diese Belegmöglichkeit in Zukunft verloren ginge — und zwar nicht nur für Blogs wie den Alarmknopf.

In jedem Fall: Danke. Allein schon fürs Lesen… 😉

¹Natürlich war das Zitat unvollständig, bewusst irreführend und ohne Quellenangabe, sozusagen als abschreckendes Beispiel einer Zitierung zum Eingang des Textes. Etwas vollständiger lautet es: „Und wers nie gekonnt, der stehle / Weinend sich aus diesem Bund!“. Es stammt aus der bekannten Ode an die Freude von Friedrich Schiller. Ohne die Möglichkeit, dieses sinnverkürzende Zitat in seinem Kontext nachzulesen, entsteht ein völlig falscher Eindruck dessen, was Schiller gemeint hat. Verkürztes, sinnentstellendes Zitieren von Autoritäten und angesehenen Menschen ist leider eine Methode der Manipulation, die mir immer wieder begegnet.


Erster!

So, das Blog ist aufgesetzt… das geht ja immer schnell. Ich befürchte, die Inhalte werden auch sehr schnell kommen, denn die Parallelgesellschaft der classe politique ist voller Menschen, die zuverlässig Bullshit übers Internet reden.