Sie reden vom Netz wie Blinde vom Licht

Unternehmen

„Parship“ ist vor Hackern geschützt

Die Welt: Könnten Hacker ähnlich wie beim Seitensprung-Portal Ashley Madison auch bei Parship das System knacken und Kundendaten öffentlich machen?

Schiffers: Nein, so etwas kann bei Parship nicht passieren. Wir arbeiten mit sieben Sicherheitsstufen und lassen uns regelmäßig vom TÜV prüfen. Außerdem stehen unsere Server auf deutschem Boden.

Tim Schiffers, Chef von Parship, im Interview mit der springerschen Welt

Fühlt euch geschützt, ihr Nutzer!
Achtung, die folgende Bewertung kann Sarkasmus enthalten, weil ich anders nicht mit der Dummheit klarkomme.

  1. Die Server stehen auf deutschem Boden, deshalb kann kein Hack passieren. Ja, das wird ernsthaft behauptet. So wie… sagen wir mal… bei Immobilienscout24 der Scout24 Holding GmbH, damals eine Tochtergesellschaft der Deutschen Telekom AG. Dieser sich kompetenzfrei in seinem Reklamelügenstreben um Kopf und Kragen redende Tim Schiffers will allen Ernstes die Menschen glauben machen, der geographische Standort eines mit dem Internet verbundenen Computers sei ein Schutz gegen „Hacker“. Zur Desillusionierung derer, die so einen offenbaren Bullshit auch nur ein bisschen zu glauben bereit sind, hier nur ein paar Links: klick, klick, klick… ach, sucht mal selbst weiter! Hackers hack, and they do not respect the borders people have drawn on maps long ago.
  2. Auch die Leute glauben zu machen, dass eine Untersuchung durch den TÜV vor Hacks schütze, ist ziemlich verlogen und/oder kompetenzfrei von Herrn Schiffers. Ein TÜV-Siegel haben unter anderem die folgenden schweren Sicherheitsrisiken und üblen Datenschleudern erhalten: Internet-Explorer 8 (hier nur eines seiner damaligen Probleme, falls es vergessen wurde), Click and Buy, das geprüfte und TÜV-zertifizierte Zahlungssystem PayPal, SchülerVZ, der Libri-Shop mit vom TÜV SÜD zertifizierten „s@fer shopping“… ach, sucht mal selbst weiter.
  3. Dann bleiben da nur noch die ominösen „sieben Sicherheitsstufen“ als Zusage. Ohne jede weitere Erläuterung. Ob es sich um ein Serverhoroskop handelt, das die Hackwahrscheinlichkeit anhand der Mondstellung im Tierkreis beurteilt oder um ernstzunehmende Maßnahmen, wird keiner weiteren Erläuterung für würdig befunden. Ihr müsst also einfach glauben, dass es sicher ist und das kein Hack passieren kann — und schön euer Geld an Parship und damit mittelbar auch an einen Tim Schiffers geben, der auch schon Menschen mit der ganzen Bandbreite des Esoterik-Schwindels — Horoskope, Kartenlegen, Bullshit — abgezockt hat. Vermutlich kommt aus der Zeit noch die Zuneigung zur „kosmischen“ Zahl sieben…

Für die vielen Menschen, die auf die aufdringliche TV-Reklame von „Parship“ reingefallen sind und dort ihr Geld hingeben, um einen Partner zu finden, kann ich nur hoffen, dass kein Hacker diese Ansage von Tim Schiffer als Herausforderung versteht, mal dem System auf den Zahn zu fühlen — sonst steht am Ende nur ein weiterer Eintrag in einer langen Liste, und bei den Parship-Kunden das Bewusstsein, dass sehr weit in ihre Privat- und Intimsphäre hineinreichende Daten unter Kriminellen zirkulieren.

Ach ja, es platscht mal wieder.


Monopol für uns, Wettbewerb für die!

Monopole werden geschützt statt Wettbewerb zu schützen. Der momentane Rechtsrahmen wird in keinem Maße den neuen Bedingungen gerecht

Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender des Axel-Springer-Verlages [Dauerhaft archivierte Version]

Kurzkommentar

Diese Worte spricht der gleiche Mathias Döpfner, der vor noch gar nicht so langer Zeit bei jeder Gelegenheit das Blaue vom Himmel heruntergelogen hat und viel Aufwand für Abgeordnetenverdummungsarbeit in den Dunkelkammern des Reichstags getrieben hat — und das alles nur, damit ein Gesetz geschaffen werde, dass die Privilegien eines früheren Oligopols von Presseverlegern per Gesetz in eine Zeit festschreibt, in dem nahezu jeder Mensch mit preiswerten Geräten Informationen kopieren und verbreiten kann: Das Leistungsschutzrecht für Presseverleger. Für die von ihm selbst vertretenen wirtschaftlichen Interessen ist dem Herrn Döpfner kein Schutz schwach genug, und wenn er auch das ganze deutschsprachige Internet mit zusätzlicher Rechtsunsicherheit und teuren juristischen Unwägbarkeiten erstickt. Zum Glück erledigt sich das Problem langsam von selbst, weil die zeitungslesende Generation ganz einfach ausstirbt… aber dieser Prozess ist ein wenig zu langsam.


Google manipuliert die angezeigten Suchergebnisse

Am Donnerstag kündigten die deutschen Verlage Axel Springer, Madsack und Funke, der französische Großverlag Lagardère sowie eine Reihe kleinerer Google-Wettbewerber der Firma von Larry Page eine Wettbewerbsbeschwerde an. Google habe in der Europäischen Union einen Marktanteil von über 90 Prozent und manipuliere seine Suchergebnisse, heißt es in dem „Manifest“ des „Open Internet Projects“.

Heise Online — Wirtschaftsminister Gabriel denkt über harte Regulierung gegen Google nach

Nur eine Anmerkung

Google manipuliert bei riesigem Marktanteil seine Suchergebnisse und ist deshalb „böse“ und muss zerschlagen werden? Oder, um es mit den früheren Worten einer Publikation des Blutzeitungsherausgebers Axel Springer zu sagen: „Es geht um die informationelle Enteignung des Menschen im Namen einer totalitären Wachstumsstragie“ — nein, diese Kampagne von Baumbestemplern, die gerade durch die NITF-Feeds der großen Nachrichtenagenturen gespült wird, als sei sie eine wirkliche Nachricht, ist gar nicht so neu, und solche Kampagnen sind mit ermüdender Regelmäßigkeit voller als „Fakten“ verkaufter Lügen und mit absurd-kindischen Schuldzuweisungen an Google zur Verdummung der Menschen angereichert. Und das noch noch in den absurdesten Kontexten.

Nun, ich weiß nicht, ob der unbelegte Vorwurf stimmt, dass Google die angezeigten Suchergebnisse manipuliert. Niemand weiß das, der nicht bei Google einen Überblick über das (sicherlich recht komplexe) Gesamtprojekt Indizierungsalgorithmus hat. Stattdessen habe ich eine sinnvolle, durch Erfahrung belegte Annahme, und die lautet, dass Google sehr stark darum bemüht ist, Suchergebnisse anzuzeigen, die für die Nutzer seiner Suchmaschine nützlich sind. Diesen Eindruck erweckt Google, seitdem ich Google irgendwann zum Ende der Neunziger Jahre zum ersten Mal gesehen und ausprobiert habe. Mit diesem bei der Nutzung aufkommenden Eindruck hat Google als Neuankömmling damals gut eingeführte Suchmaschinen-Anbieter wie Altavista und Yahoo so weitgehend verdrängt, dass sie bis heute beinahe bedeutungslos sind — und dafür war nicht einmal Werbung erforderlich, sondern die überlegene Qualität der Suchmaschine hat sich von ganz allein herumgesprochen, als Google noch in einem frühen Beta-Stadium war. Durch dieses Streben Googles bekam und bekommt die Suchmaschine Google einen Nutzen, der zurzeit durch das Reklamegeschäft monetarisiert wird¹.

Aber ich weiß, wo (unter anderem) mit allen Mitteln und leider immer wieder mit Erfolg versucht wird, die bei Google eingesetzten Algorithmen manipulativ mit künstlichen, eigens dafür hergestellten Daten zu füttern, damit die Menschen nicht mehr das finden, was sie gesucht haben, sondern stattdessen das, was diese professionellen Manipulateure sie finden lassen wollen: Zum Beispiel bei den Internet-Publikationen der Axel Springer AG. (Und bei den meisten anderen „qualitätsjournalistischen“ Produkten, die ebenfalls bei jeder sich bietenden Gelegenheit in diesen Jammersang einsteigen. Dass dabei Methoden angewendet werden, die eher an halbseidene bis kriminelle Machenschaften erinnern und die Suchmaschine Google so stark sabotieren, dass sie für bestimmte Anwendungen nahezu unbrauchbar wird, ist den Qualitätsjournalisten und Presseverlegern dabei regelmäßig egal.)

Schon dumm, wenn ein Finger auf Google zeigt, aber drei Finger auf den Zeigenen zurückweisen — da hilft es dann auch nicht, wenn sich ein Sigmar Gabriel danebenstellt und dem Bullshit politisches Gewicht gibt.

Mein kleiner Gruß am Rande geht an eine Sozialdemokratische Partei Deutschlands, deren Frontfresse Sigmar Gabriel zu einem offen auftretenden Anwalt für die Springer-Presse geworden ist — wer hätte das in den Sechziger, Siebziger und Achtziger Jahren für möglich gehalten?! Die politischen Positionen und die Propagandamethoden der Springer-Presse haben sich seitdem übrigens nur wenig verändert und sind nicht einmal subtiler geworden, und sie sind in ihrem Appell an rasende Affekte auch nicht weniger intolerant, faschistoid und mörderisch geworden. Sozialdemokraten, die sich aus unerfindlichen Gründen immer noch in der SPD aufhalten, sei hier als kleine Denksportaufgabe mitgegeben, was sich dann wohl stattdessen verändert haben wird… :mrgreen:

¹Ich weiß auch, dass Google Benutzer trackt und personalisierte Ergebnisse anzeigt, und ich halte das für eine Fehlentwicklung und einen erheblichen Eingriff in die Privatsphäre der Nutzer. Noch mehr missfällt mir die Idee Googles, über seinen Reklame-Dienst und seine Social-Media-Angebote große Teile des Webs in eine Tracking-Engine umzubauen, und viele andere Ideen Googles erscheinen mir noch schlimmer. Ich bin froh, dass es bei Suchmaschinen Alternativen gibt — und ich muss beim Vergleich mit Alternativen leider immer wieder feststellen, dass Google eine wirklich gute Suchmaschine betreibt. Es ist sogar möglich, alternative Suchmaschinen mit Google zu finden…


Opel bittet um die Beantragung von Linkgenehmigungen

Ohne weitere Worte:

2. Hyperlinks

Ein Hyperlink auf die Website der Adam Opel AG darf nur nach Erteilung einer vorherigen Einwilligung durch unser Unternehmen durch Dritte eingerichtet werden. Sollten Sie einen solchen Hyperlink auf unsere Website setzen wollen, so nehmen Sie bitte vorher schriftlich Kontakt mit uns auf. In jedem Fall ist es nur gestattet, auf die Startseite http://www.opel.de zu verlinken

Rechtliche Hinweise für die Website der Adam Opel AG


Nicht auf CIA-Niveau

Der peerblog.de ist als normale Website online gegangen. Firewalls gegen unerwünschte Eindringlinge auf CIA-Niveau kamen und kommen für uns nicht in Frage. Das offene Konzept führt nun dazu, dass unsere Inhalte nicht geschützt sind, von Hackern jederzeit gefälscht und manipuliert werden können

steinkuehler-com.de zur Einstellung des von ihnen betriebenen Blogs zur Unterstützung des Wahlkampfes von Peer Steinbrück

Willkommen bei den Blindfischen!


Nicht von der Straße abkommen!

Die Leitplanken für die denkbare Entwicklung müssen nun ausgearbeitet werden

Dr. jur. Roman Herzog, ehemaliger Bundesprädsident der Bundesrepublik Deutschland, früherer Richter am Bundesverfassungsgerichte in seiner jetzigen Funktion als Schirmherr des Deutschen Instituts für Vertrauen und Sicherheit im Internet zu seiner Mitwirkung an der Gestaltung des Internet

Und platsch, ein neuer Blindfisch ist im Aquarium angekommen.


Greenwashing für den Internet-Explorer

Die Werber von Microsoft scheinen sich an ihre letzte kleine Image-Aktion für den Internet Explorer erinnert zu haben und führen die gezielte Irreführung von Journalisten und Anwendern weiter — und (demnächst durch ein so genanntes „Leistungsschutzrecht“ zusätzlich alimentierte) „Qualitätsournalisten“ sind sich nicht zu schade, derartige Reklame unrelativiert in den redaktionellen Teil ihrer Pressemachwerke aufzunehmen

Microsoft kennt die wahren Werte eines Browsers und lässt den TÜV vorrechnen: Würden alle Surfer in Deutschland an einem Tag nur das konzerneigene Produkt einsetzen, ließen sich mehr als 860.000 Kilowattstunden Energie sparen […] Kronzeuge für diese unerwartete Erkenntnis ist nicht die Marketingabteilung des Unternehmens, sondern der TÜV Rheinland. Die Techniktester haben demnach den Energieverbrauch der aktuellen Internetbrowser mit den größten Marktanteilen in Deutschland auf Microsofts neuem Betriebssystem Windows 8 geprüft. Das Ergebnis: Der Internet Explorer 10 verbraucht rund ein Viertel weniger Energie als Googles Chrome oder der Firefox von Mozilla

Frankfurter Allgemeine — Internet Explorer: Grüner surfen mit Microsoft

Laut TÜV Rheinland ist der Internet Explorer 10 der aktuell energieeffizienteste Browser auf Windows 8. Verglichen wurde die aktuelle IE-Version mit Firefox 16 und Chrome 22. […] Bei der Untersuchung hat TÜV Rheinland den Energieverbrauch der Browser auf unterschiedlich leistungsstarken Desktop-PCs und Notebooks verglichen. Über alle Testszenarien hinweg sei beim Internet Explorer 10 dabei der geringste Energieverbrauch gemessen worden. Gemessen wurde unter anderem der Energieverbrauch der Browser beim Aufruf von HTML5-Websites und bei der automatisierten Navigation zu den laut AGOF beliebtesten Websites in Deutschland.

PC-Welt — Windows 8: Internet Explorer 10 – TÜV hat Energieverbrauch überprüft

Kurzkommentar

Warum eine derartige „Messung“ zwar Zahlen liefert, die bei oberflächlicher Betrachtung gut für Microsofts Produkt aussehen, aber tatsächlich durch den Vergleich unvergleichbarer Dinge vollkommen nichtssagend sind, habe ich bereits im August dieses Jahres ausführlicher dargelegt und werde es deshalb hier nicht wiederholen.

Dass die allgemein gebildeten „Qualitätsjournalisten“ der Frankfurter Allgemeinen Zeitung auf diesen sehr durchschaubaren Greenwashing-Versuch hereinfallen und aus dieser Presseerklärung einen Artikel machen, der solche Behauptungen wiederkäut, überrascht mich nicht besonders — wobei die FAZ aber immerhin ein paar verhaltene Einwände gegen die Behauptungen für den letzten Absatz aufgehoben hat. Bei der „qualitätsjournalistischen“ Fachzeitschrift PC-Welt mit ihrem sehr windows-lastigen Schwerpunkt hätte man sich der Unsinnigkeit einer derartigen „Messung“ aber sehr bewusst sein müssen; dort beweist die völlig kritiklose Übernahme dieser Meldung, dass es sich nicht um eine Fachzeitschrift, sondern um eine Flachzeitschrift handelt. Für potenzielle Leser, die persönlich daran interessiert sind, dass sie in einem Presseprodukt den Unterschied zwischen journalistisch erarbeiteter Information und reiner Reklame erkennen können, ist diese kritiklos in den redaktionellen Teil übernommene Presseerklärung ein deutlicher Hinweis, dass sie sich besser aus einem anderen Magazin informieren sollten.


Wir werden alle sterben!

Kriminelle, Terroristen und nicht zuletzt Staaten bereiten sich auf den Cyber-Krieg vor. Das digitale Wettrüsten ist in vollem Gange. Schon jetzt können die Attacken jeden treffen, der einen Internetanschluss hat. Es ist deshalb höchste Zeit, eine internationale Cyber-Sicherheitsorganisation zu gründen.

[…]

Die Anonymität der Cyber-Waffen macht es praktisch unmöglich, den Angreifer ausfindig zu machen. Es lässt sich nie sicher feststellen, wo und in wessen Auftrag sie entwickelt wurden. Manchmal glaubt man, Hinweise aus Kommentaren herauslesen zu können, die Programmierer im Quellcode hinterlassen haben. Oder man schaut, wem der Angriff nutzt – Beweise sind das nicht.

[…]

Unwahrscheinlich? Gewiss. Aber es genügt ja schon, wenn dieses Szenario ein einziges mal passiert. Und schon kann sich das Schadprogramm exponentiell um den Globus ausbreiten und jeden treffen, auch das Land, von dem der Angriff ausging. Jeden, das heißt: private Computernutzer, Firmen, Regierungen und ganze Länder. Denn angegriffen werden homogene Infrastrukturen, Betriebssysteme und Software, die wir täglich benutzen. Es ist der Angriff auf den Alltag.

Sueddeutsche.de — Sicherheit im Internet: Der Cyber-Krieg kann jeden treffen
Ein Gastbeitrag von Eugene Kaspersky

Na, dann ist ja alles gut!

Der Kaspersky hat das also geschrieben, jemand, der mit seinem Unternehmen vor allem davon lebt, dass Dumme und Unerfahrene sein Antivirus-Schlangenöl¹ für ihre psychische Angstabwehr erwerben und auf ihren inhärent unsicheren Betriebssystemen² einsetzen. Der kann ja auch kein Interesse daran haben, dass die Dummen klug und die Unerfahrenen erfahren werden, und er hat dafür um so mehr Interesse an möglichst breiter, dumpfer, hilfloser Angst fernab jedes Verständnisses von der Materie. So ein Glück aber auch! Ich habe wirklich im ersten Moment geglaubt, es handele sich hier um „Qualitätsjournalismus“ und nicht um den vorsätzlich angstausbreitenden Reklametext eines Schlangenölverkäufers im redaktionellen Teil einer Zeitungswebsite, der mit dem Namen (und der Firmierung) den Ruch von großem, anerkannten Expertentum transportieren soll, auf dass daraus Kaufentscheidungen bei den Lesern werden.

¹Es ist übrigens nicht so, dass diese Gattung Software völlig wirkungslos wäre. Sie kann mit beachtlicher Quote (oft um die neunzig Prozent) Schadsoftware erkennen, die schon ein paar Tage alt ist, wenn die Virensignaturen aktuell gehalten werden. Das heißt auch: Sie ist gegen aktuellere Angriff beinahe völlig wirkungslos — auch die Heuristiken zur so genannten „Verhaltenserkennung“ können hier keine Wunder wirken, zumal Kriminelle selbstverständlich ihre Machwerke selbst mit gängigen Antivirenprogrammen testen werden. Dieser ungenügende Schutz ist für unerfahrene Menschen leider oft wie die Benutzung eines Kondoms, bei dem sie nicht wissen, das ein Loch darinnen ist: Sie verwenden es, fühlen sich geschützt und lassen andere Vorsichtsmaßnahmen außer Acht.

²Dass es solche Antiviren- und sonstigen Schutzprogramme nur für Microsoft Windows gibt, sollte eigentlich aufgeweckteren Dummen ein wenig zu denken geben.


IMAP entschlüsselt

Frage: „Welche der in den Fragen 1 bis 19 erfragten Dienstleister sind derzeit oder zukünftig geplant mit welchen Aufgaben in die Arbeit des CC ITÜ eingebunden?“

[…]

[Inhalt des Auftrags:] Email-Dekodierungssoftware für das Format „imap“, [Auftragnehmer:] DigiTask

Quelle: Deutscher Bundestag, Drucksache 10077, elektronische Vorab-Fassung, S.24.
Antwort der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Jan Korte, Steffen Bockhahn, Ulla Jelpke, weiterer Abgeordneter und der Fraktion DIE LINKE

Ohne Worte, denn ich bekomme meine Hand nicht mehr aus dem Gesicht. Wer — wie diese hochgradig unwissenden Kompetenzlückenmitwortschwallkompensierer von Auftraggebern — nicht so genau weiß, was dieses IMAP ist, bekommt in der Wikipedia Aufschluss. Das ganze Dokument ist voller fröhlicher, kleiner Gesichtsklatscher.


Die richtige Antwort: E-Mail-Porto

De-Mail ist nach Ansicht des Telekom-Vorstandsmitglied Niek Jan van Damme die richtige Antwort auf die Unzulänglichkeiten der E-Mail. Diese werde mitgelesen, gefälscht, mit Werbespam geflutet und sei, wenn sie sicher mit Verschlüsselung arbeiten soll, alles andere als trivial. Die einfache, für Privatkunden „weitgehend kostenfreie“ De-Mail werde alles grundlegend ändern.

Heise Online — Deutsche Telekom: De-Mail geht zur IFA in Betrieb

Ganz kurz nur zu diesen offenen Reklamelügen

Dieses „weitgehend kostenfrei“ ist Reklamesprech für „kostenpflichtig mit 39 Cent pro versandter De-Mail“.

Gegen das Mitlesen und Fälschen von E-Mail (die ja über einen offenen Kanal transportiert wird) gibt es seit Anfang der Neunziger Jahre PGP — woraus inzwischen ein Quasistandard des Internet geworden ist. Was von Leuten zu halten ist, die im verlogenen Reklameton ins Mikrofon sprechen und dabei andeuten, dass so etwas wie „Sicherheit“ in der Internet-Kommunikation „trivial“ werden kann, gehört zu den Dingen, die sich jeder Mensch, der auch nur für 39 Cent Gehirn hat, selbst denken kann. Wer sich damit begnügt, dass Kryptografie und digitale Signatur für E-Mail „nur“ benutzerfreundlich sind, wird sich allerdings über eine Menge fertiger, moderner Software freuen, wenn Kryptographie-Funktionen nicht gleich standardmäßig in den E-Mail-Client eingebaut wurden.

Aber das kann der Lügner von den Deutschen Telekomikern ja unmöglich erzählen, denn es kostet keinen Pfennig Geld, ist unabhängig von der zentralen Infrastruktur der Deutschen Telekom, ermöglicht nicht das bequeme Mitlesen der Kommunikation durch Inlandsgeheimdienste und Polizeien und macht es auch nicht möglich, ein Porto für E-Mail einzuführen. Dafür ist es bequemer. Das ist die Wahrheit¹. Wer Lügen hören will, muss schon zur IFA gehen und sich von den Reklameheinis der Deutschen Telekom anlügen lassen.

¹Ich weiß, wovon ich rede, denn ich benutze beinahe jeden Tag den Thunderbird mit EnigMail-Erweiterung. Es ist übrigens auch leicht möglich, einem Nur-Anwender die Benutzung von EnigMail zu vermitteln; und auch das habe ich schon mehrfach getan.


Der IFA-Wiedergänger¹ 2012

Ein etwas längeres, realsatirisches Zitat aus Heise Online: Die Zukunft des Fernsehens, ein Artikel, der über die „Smart-TVs“ auf der kommenden IFA berichtet:

Am Bedienkomfort müsse man arbeiten, sind sich alle einig. Volker Blume von Philips forderte darüber hinaus, dass sich die Smart-TVs an das Nutzerverhalten anpassen müssten — und nicht umgekehrt. So sollten Internet-Inhalte neben das laufende Programm eingeblendet werden. Davon hielt der ZDF-Produktionsdirektor natürlich wenig: Da TV-Programm müsse auch in Zukunft ungestört auf dem Schirm zu sehen sein, forderte er. Die abschließende Podiumsdiskussion gipfelte denn auch im Streit darum, wem eigentlich der Bildschirm „gehört“.

Und jetzt bitte einfach weiterlesen, was ich am 26. August des letzten Jahres unter dem Titel „Die Zukunft des Fernsehens“ schrieb. Meine dort trotz gewisser Schwächen in der Hellsichtigkeit gegebene Aussage über den „IFA-Trend“ des Jahres 2012 könnte sich also erfüllen.

Aber jetzt ist alles anders und besser! Immerhin ist jetzt von „Google-TV“ die Rede, und nicht mehr wie 2005 vom „DSL-Fernsehen“. Und „das ZDF“ stellt sich vermutlich ein Internet-Fernsehen mit Sendezeiten und alles erfüllendem Bilde vor, das man niemals durch wichtigere Tätigkeiten während seines Ablaufes unterbrechen soll oder will. Zusammen mit der „Rundfunkgebühr“, die nächstes Jahr zu einer Quasi-Kopfsteuer wird.

¹Wiedergänger: Gemäß altem Aberglauben sind dies Verstorbene, die als körperliche Erscheinung in die Welt der Lebenden zurückkehren, also Untote. In der Regel sind den Lebenden gegenüber übel gesinnt und wirken bei der Begegnung gruselig und unheimlich.


Christoph Keese: Lügen, bis sich die Balken biegen!

Sehr gern würden die Verlage auf eine Möglichkeit zurückgreifen, von Suchmaschinen und Aggregatoren nur indexiert und vielleicht mit einer Überschrift zitiert zu werden. Doch genau diese Differenzierungsmöglichkeit bietet Google wie die allermeisten anderen Aggregatoren nicht an

Christoph Keese, Lobbyist der Axel Springer AG [archivierte Version | Zitat bei Stefan Niggemeier]

Kurzkommentar

Der Herr Keese, der hier so tut, als würde Google Meta-Angaben oder eine robots.txt ignorieren, spricht für einen Verlag, der mit offener Google-Manipulation dafür sorgt, dass Googles Bot deutlich mehr Inhalte als ein menschlicher Leser sieht. Und der will sagen, dass er für Verlage spricht, die „nur mit einer Überschrift“ zitert werden sollen? Unfassbar schlechtes Lügen, Herr Keese!

Aber ich hätte von der Axel Springer AG auch nichts anderes erwartet.


Gutsherren 2.0 haben ein Recht auf Verlinkung und Bezahlung für die Verlinkung

Der Gesetzentwurf macht sehr deutlich, dass Snippets vom Leistungsschutzrecht umfasst sein sollen […] Die Stellungnahme von Herrn Rohleder könnte als Drohung eines Delistings durch den Marktbeherrscher Google zu verstehen sein für den Fall, dass Verlage ihre legitime Forderung nach Vergütung ihrer in Anspruch genommenen Leistungen aufrechterhalten. Beim Aussprechen solcher Drohungen ist es ratsam, das Wettbewerbsrecht im Auge zu behalten.

Christoph Keese, Lobbyist für die Axel Springer AG

Ohne Worte.


Suchmaschinen: Die Diebe des Internet

Wir versprechen uns keine großen Einnahmen von diesem Leistungsschutzrecht. Das ist jetzt auch gar nicht unser Ziel. Uns geht es dabei darum: Das ist unser geistiges Eigentum und unser Anspruch. Und wir wollen einfach gerne vorher gefragt werden. Und wichtig ist auch, dass große Martkteilnehmer wie Guggel nicht einseitig den Preis auf null festsetzen. Das wäre so, als wenn ich selber in den Supermarkt gehen würde und würde mir da was rausholen. Da ist ja auch keine Schranke vor dem Supermarkt. Da kann ich ja auch reingehen einfach. Da ist auch nicht alles ausgezeichnet, das vergisst die Verkäuferin ab und zu mal. Und trotzdem würde ich nie auf die Idee kommen, mir die Spreewaldgurken umsonst rauszunehmen. Sondern ich würde dann hingehen und fragen: „Was kosten die, bitte?“, und dann würde ich das bezahlen

Dietrich von Klaeden, Leiter für Regierungsbeziehungen bei der Axel Springer AG, zitiert aus der Transkription von Stefan Niggemeier

Kurzkommentar

Nein, Herr von Klaeden, die Arbeit einer Suchmaschine ist mitnichten ein Diebstahl in einem Supermarkt (deshalb verschwindet ja auch nirgends etwas), sondern sie ist sinnbildlich so, als würden sie in den Supermarkt gehen, nichts kaufen und nichts mitnehmen, die Produkte dort stehenlassen, aber sich diese genau anschauen und sich anschließend hinstellen und potenziell interessierten Kunden sagen, welche Produkte es im Supermarkt gibt und welche Eigenschaften diese haben. Dies hülfe interessierten Kunden, die für sie besten Produkte zu finden. Ihre Idee, dass jemand für diesen Dienst, der vor allem dem Supermarkt und seinen Kunden nützt, Geld an den Supermarkt bezahlen soll, ist schlechterdings gehirnverrottet. Wenn Supermärkte — die in ihrer merkwürdigen Parabel, Herr von Klaeden, ausgerechnet dasjenige Verlegergewerbe repräsentieren, dessen Interessen sie klandestin in den von Presse und Öffentlichkeit unbeobachteten Berliner Mauschelstuben vertreten — nicht in Wirklichkeit darum bemüht wären, ihren Kunden immer wieder einmal für sie nachteilhafte, also minderqualitative und/oder überteuerte Produkte, anzubieten, dann würden sich sogar die Supermärkte selbst um einen derartigen Dienst bemühen, der ja dann auch für die Supermärkte nur Vorteile hätte.

Aber dafür, Herr von Klaeden, dass ihre Parabel so ein billiger rhetorischer Trick ist, der schon beim leichten Klopfen ganz hohl klingt, dafür ist wenigstens ihre vorsätzlich kriminalisierende Rhetorik gegenüber Gestaltern des Internet eine Offenbarung ihres ausgesprochen unerfreulichen Charakters. In gewöhnlicher Umgangssprache würde ein Mensch mit einem Charakter wie dem ihrigen, Herr von Klaeden, durch die derbe Benennung einer wenig appetitlichen Körperöffnung bezeichnet werden.


Browser mit Zertifikat für Sicherheit

Mit einem Zertifikat der TÜV Trust IT GmbH setzt Microsoft seine PR-Kampagne um die Sicherheit des Internet Explorer fort. Die Tochter des österreichischen TÜV bescheinigt der von der britischen Organisation Privacy Online betriebenen Tracking-Schutzliste für den IE 9, „die Privatsphäre der Nutzer nachhaltig und umfassend“ zu schützen

Heise Online — TÜV zertifiziert Tracking-Schutzliste für Microsofts Browser

Ganz kurz nur

Das Unternehmen „TÜV Trust IT GmbH“ zertifiziert allen Ernstes, dass eine von einem Privatunternehmen verwaltete Liste von Domainnamen ihrem Nutzer einen wirkungsvollen Schutz seiner Privatsphäre gewähren solle. Auf Seiten der diversen Firmen, die Surfer tracken, reicht ein neuer Eintrag im Nameserver hin, um diesen „Schutz“ zu umgehen. Das Konzept ist von seiner „Wirksamkeit“ her mit der „Stoppschild-Idee“ einer Ursula von der Leyen zu vergleichen; es ist nicht einmal eine erwägenswerte Alternative zu Browser-Addons wie NoScript und Adblock Plus… die es allerdings für den Internet Explorer auch nicht gibt. Dafür hat Microsoft ja auch kein Geld ausgegeben, um sie vom TÜV zertifizieren zu lassen.

Sicherheit und Privatsphäre im Internet entstehen nicht durch eine Blacklist und volle Schnüffelmöglichkeiten für jede Website, die nicht in dieser Liste aufscheint; Sicherheit und Privatsphäre entstehen durch das genaue Gegenteil dieser Vorgehensweise, durch eine generelle Sperre gewisser technischer Möglichkeiten, die dann vom Benutzer in eigener Verantwortung freigeschaltet werden, wenn er es für angemessen hält, anonymen Gegenübers im Web das Privileg einzuräumen, Code auf seinem Rechner in seinem Browser auszuführen. So, wie NoScript dies vorzüglich und benutzerfreundlich für den Firefox umgesetzt hat.

Der Einordnung von Heise Online, dass es sich um den Teil einer „PR-Kampagne“ handelt, habe ich nichts hinzuzufügen. Der Idee, dass ein Zertifikat eines TÜV „Sicherheit“ bedeuten könne, kann ich nur einen kleinen, unvollständigen Rückblick auf TÜV-zertifizierte Angebote hinzufügen, der für sich selbst spricht: Amazon, Libri, SchülerVZ

Das Geld für die gefühlte „Sicherheit“ der Zertifikate wäre in allen diesen Fällen besser für Leute ausgegeben worden, die sich mit Sicherheit auskennen.


Web 2.0: Kommuniziert doch mit Marken

Hier entsteht ein deutlicher Wechsel von der Industriekultur, in denen Produkte entscheidend waren, hin zu einer Welt, in der das Vertrauen im Datenaustausch zwischen Privatpersonen und Unternehmen und ihren Marken eine entscheidende Rolle spielt […] Die Menschen möchten das Gefühl haben, wenn ich mit dem Unternehmen oder der Marke interagiere, dann werde ich respektiert und meine Privatsphäre wird geachtet

Peter Wippermann, so genannter „Trendforscher“ zum Thema „Der Kult des Sozialen – Warum Beziehungen die neue Währung sind“
Zitiert nach Sueddeutsche.de

Ganz kurz nur

Das „soziale“ am so genannten social web liegt darin, dass Menschen mit Menschen kommunizieren. Dabei mögen viele Menschen übrigens das Gefühl, respektiert zu werden, vielen anderen hingegen ist der Datenschutz zurzeit noch gleichgültig. Und das „soziale“ liegt nicht darin, dass Werber einen weiteren Kanal für die einseitige und extrem dumme „Kommunikationsform“ der Reklame zur Verfügung haben. Diese wird weiterhin von einem erheblichen Anteil der Menschen als so störend empfunden, dass sie wenigstens ihre Internetnutzung von dieser schier allgegenwärtigen Pest der gegenwärtigen Zeit mit wirksamen Hilfsmitteln frei halten.

„Mit Marken kommunizieren“ — von dem Kraut, was der Herr Wippermann geraucht hat, hätte ich jetzt auch gern etwas. :mrgreen:


Warnsysteme wie Ampeln

[Frage:] Immer wieder kommt es in diesen Tagen zu spektakulären Hackerangriffen, zum Teil werden sehr sensible Daten geklaut. Wie soll denn da Vertrauen entstehen?

Dieses Vertrauen müssen Unternehmen und Privatpersonen in der Tat erst aufbauen. Wir brauchen Warnsysteme, wie wir sie in der realen Welt aufgebaut haben, auch fürs Internet. Ich vergleiche das gerne mit einer Ampel. Die ist auch fast immer sicher, aber eben nicht immer. Deshalb passen die Leute im Straßenverkehr auf. Und das ist auch in der virtuellen Welt geboten.

Dieter Kempf: Vorstandsvorsitzender der DATEV eG und Präsident des Bundesverbands Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V. (Bitkom)

Kurzkommentar

Ah ja, Herr Kempf, sie halten ein Verkehrszeichen wie eine Ampel wohl für ein „Warnsystem“, statt für ein Verkehrszeichen — und deshalb wollen sie Ampeln ins Internet stellen, damit es dort fast immer sicher ist. Weil man jetzt Verkehrszeichen ins Internet stellt, um „Sicherheit“ herzustellen. Zumindest so lange, wie eventuelle Angreifer darauf achten, bei Grün zu gehen und bei Rot zu stehen. Und weil das denn doch nicht immer der Fall ist, passen die Leute eben trotzdem auf, aber haben mehr Vertrauen. In der „realen Welt“ genau so wie in diesem Internet, das sie, Herr Kempf, als Gegensatz zur Realität sehen. Ich habe ihre mit dem Handelsblatt abgesprochenen Chiffren mehrere Male gelesen, aber egal, wie oft ich darin lese, will sich kein Sinn darin zeigen. Mir scheints, Herr Kempf, sie fühlen sich einsam und möchten unter die Blindfische — und diesen Wunsch gewähre ich ihnen gern.

Noch etwas ganz anderes

Ich finde es übrigens zum Kringeln herrlich, Herr Krämpf, wie sie im gleichen Interview mit dem Handelsblatt von „Vertrauen“ in Bezug auf den sicherheitstechnischen Irrsinn namens „Cloud Computing“ — dem diesjähigen Bullshit-Bingo-Thema der CeBIT — sprechen:

Vertrauen ist vor allem dann wichtig, wenn Unternehmen Daten und Anwendungen außer Haus geben, wie es beim Cloud Computing geschieht. Gerade kleinen und mittelgroßen Firmen fällt die Einschätzung schwer, ob sie den IT-Anbietern da vertrauen können. […] Wir wollen noch transparenter darstellen, was wir tun. Die Kunden sollten sich dabei auch auf Zertifizierungen verlassen können, also eine Art IT-TÜV, wie er im Rahmen der Bundesstiftung Datenschutz geplant ist. Vertrauenswürdige Spezialisten können dabei überprüfen, ob die Anbieter ihre Versprechen einhalten, etwa was den Datenschutz angeht.

Meinen sie damit solche „Siegel“, wie man sie etwa für teures Geld beim TÜV kaufen kann, um seinen Kunden dann wiederum etwas gefühlte Sicherheit verkaufen zu können? So eins, wie es etwa libri.de gekauft hat, um dann aber wegen unentdeckter, grob fahrlässig schlechter Programmierung eine halbe Million Geschäftsvorfälle (mit Anschrift, Lieferadresse, Rechnungsbetrag und allem drum und dran) im Klartext ins Internet zu stellen? Ja, so richtig zum Download, dafür war nicht einmal ein Hack erforderlich! Wer sich im Netze treibt, muss da schon in Alzheim wohnen, um solches zu vergessen. SchülerVZ, das stolz ein TÜV-Prüfzeichen für Datensicherheit und Funktionalität bezahlte und in seine Seiten klebte, hat auch mal eben anderthalb Millionen Datensätze unzureichend geschützt und damit zugreifbar gemacht — und nicht einmal genug betrieblichen Prozess gehabt, um vorab auf einen Hinweis auf dieses Problem zu reagieren. Wozu auch betriebliche Prozesse, wenn man doch irgendwelche Bullshit-Prüfzeichen und Tinnef-Siegel kaufen kann, die viel werbewirksamer als das Streben nach größtmöglicher Sicherheit sind, dieser niemals endende Kampf gegen Windmühlenflügel.

Nein, wer sich auf Bullshit-Zertifizierungen verlässt, der ist verlassen. Das ist die eine Erkenntnis, die alle Menschen bekommen müssen — ergänzt um die Erkenntnis, dass die Größe eines Unternehmens oder sonstigen Anbieters nicht gerade mit Datensicherheit korrelliert ist, wie man zum Beispiel an…

…sehen kann. Was dieser allgemeine „Standard“ der Sicherheit für einen Unternehmer bedeuten sollte, wenn er allen Ernstes darüber nachdenkt, geschäftskritische Daten in der „Cloud“ — also auf Servern außerhalb seines eigenen Einflussbereiches — abzulegen, ergibt sich ganz von allein durch Benutzung der Schädelfüllmasse. Es gibt Daten, die nicht einmal ins Internet gehören! Und dazu kommt: Jede zusätzliche Komplexität in der Datenhaltung eröffnet weitere Gefahren für die Sicherheit der Daten, das gilt natürlich auch für den modernen, von Werbeschreiern aller Art so allmedial als beste Erfindung seit dem Rade vertetenen Hirnfurz des „Cloud Computing“.

Aber Herr Kempf, sie müssen ja das Bullshit-Thema der diesjährigen CeBIT vertreten, und da kommts auf Vernunft nicht so an, gelle?! Und wie sie sich dieser Aufgabe entledigt haben! Großartig! Nur eine Empfehlung für die Leistung der von ihnen vertretenen DATEV eG ist das weniger…


O2: Sechzig Euro im Jahr für Nix

Screenshot der Internet-Versicherung von O2

Quelle des Screenshots: Ein [hier vorsätzlich nicht verlinktes] Angebot von O2

Es ist leider nicht leicht möglich, dieses „tolle“ Werk eines „Internet-Programmierers“ (das übrigens auf einigen Browsern Darstellungsfehler hat) dauerhaft zu archivieren. Einen genaueren Eindruck der Werbung für diese „Internet-Versicherung“ vermittelt die Ansicht des Screenshots in Originalgröße.

Kommentar

Das ist doch eine tolle Versicherung, die das finanzielle Risiko für alle nur denkbaren Schäden durch die gegenwärtige Internet-Kriminalität für nur fünf Euro im Monat abfedern soll. Mit den schönen Worten „Beruhigend, nicht wahr?“ unter der aufwändig erstellten Reklame.

Da fragt Mitmensch Dumm sich doch gleich: Darf ich jetzt endlich wieder das Internet in total idiotischer Weise benutzen, in jede Spammail reinklicken, überall meine persönlichen Daten eingeben, irgendwelchen Dienstleistern meine Kontodaten oder Kreditkartennummern zustecken und O2 zahlt die ganzen Schäden, die mir dabei entstehen?

Nun gut, bei solchen Angeboten gibt es das Große und Bunte aus der verlogenen Reklame, mit dem man Menschen zu zahlenden Kunden macht, und es gibt das schwarzweiße, kleingedruckte Augenpulver, in dem drinsteht, was den Kunden wirklich für die sechzig Euro im Jahr verkauft wird. Ein Teil dieses kleingedruckten Augenpulvers ist das Produktinformationsblatt für diese „Internet-Versicherung“, dessen Gestaltung vorsätzlich so ist, dass niemand Lust aufs Lesen verspürt. Es ist das, was ich mir mal etwas genauer angeschaut habe — und dabei ist dieser Text…

Bitte beachten Sie, dass die nachfolgenden Informationen nicht abschließend sind. Lesen Sie daher bitte auch sorgfältig die Allgemeinen Versicherungsbedingungen (AVB) und die Datenschutzinformation.

…zwar erschöpfend zu lesen, aber enthält keineswegs die erschöpfende Gesamtheit der Einschränkungen des so sonniggroß und himmelblau übern Sand Gedruckten.

Dass alle Fälle von der Versicherung ausgeschlossen werden, die vor Abschluss der Versicherung eingetroffen sind, ist ja noch relativ klar.

Nach Punkt 4.2 sind allerdings auch Schäden von der Versicherung ausgenommen, bei denen man im Schadensfall vermutlich selbst nachweisen muss, dass man für den Schaden nicht verantwortlich ist:

Fälle bei denen der Versicherte ein Zahlungsmittel (z.B. Kreditkarte) nicht nach den Verhaltensregeln des Ausstellers des Zahlungsmittels (z.B. Kreditkartenregeln der Bank) gehandhabt hat.

Wenn man die Dienste des Anbieters sofortueberweisung (punkt) de in Anspruch genommen hat, hat man in jedem Fall gegen die Verhaltensregeln der Bank gehandelt, weil man einem Dritten die PIN und eine gültige TAN übergeben hat, was das gewöhnliche Sicherheitsverfahren der Banken nun einmal aushebelt. Da hilft auch das TÜV-Zertifikat für diesen fragwürdigen Anbieter nichts¹. Sollte es dabei also zu einem Schaden kommen — etwa, weil Geld an einen Betrüger gezahlt wurde, der keine Ware liefert — hilft diese Versicherung gar nicht. Meiner Meinung nach völlig zu Recht, denn wer einem Dritten die Möglichkeit einräumt, auf dem eigenen Konto beliebige Transaktionen zu machen, ist sowieso nicht mehr zu retten.

Aber lassen wir das einmal dahingestellt, denn der Punkt Fünf dieser tollen Produktinformationen ist da deutlicher:

5. Obliegenheiten

Die Versicherten sind unter anderem verpflichtet, im Internet sorgfältig mit Ihren persönlichen Daten umzugehen:

5.1 Die Weitergabe von Passwörtern, Zugangscodes oder ähnlich vertraulichen Informationen an andere Personen (einschließlich mitversicherter Familienmitglieder) ist in Bezug auf Zahlungsmittel (z.B. Kreditkartencodes oder PINs) und andere Anwendungen (z.B. soziale Netzwerke) zu unterlassen.

5.2 Offensichtlich unsichere Internetseiten dürfen für Zahlungsvorgänge nicht verwendet werden, insbesondere muss die verwendete Internetseite immer mit „HTTPS“ beginnen, wenn darüber Zahlungen abgewickelt werden.

5.3 Es sind geeignete Virenschutzsysteme zu verwenden.

5.4 Verdächtige E-Mails sind unverzüglich zu entfernen.

5.5 Bei verdächtigen Konto- oder Kreditkartenabrechnungen sind unverzüglich geeignete Maßnahmen zu ergreifen (z.B. Rückbuchung, Meldung bei Bank)

[…]

Sollten Versicherte diese Obliegenheiten verletzen, sind wir von der Verpflichtung zur Leistung frei, sofern die Obliegenheiten vorsätzlich verletzt wurden. Im Falle einer grob fahrlässigen Verletzung sind wir berechtigt, unsere Leistung in einem der Schwere des Verschuldens entsprechendem Verhältnis zu kürzen. Das Nichtvorliegen einer groben Fahrlässigkeit haben Versicherte nachzuweisen. Wir sind jedoch in jedem Fall zur Leistung verpflichtet, wenn die Verletzung der Obliegenheit weder für den Eintritt oder die Feststellung des Versicherungsfalles noch für die Feststellung oder den Umfang unserer Leistungspflicht ursächlich ist, es sei denn, die Versicherten haben die Obliegenheit arglistig verletzt.

Ich will es mal so sagen: Wer diese Punkte (die Liste ist nicht vollständig) einhält, wird niemals zum Opfer der Internet-Kriminalität werden. Oder anders gesagt: Wer keine Passwörter, PINs, TANs und persönlichen Daten weitergibt, niemals in eine Spam klickt, weil er jede Spam erkennt und in den virtuellen Orkus wirft, immer darauf achtet, auf welchen Websites er Geld bewegt und ein aktuelles System mit ergänzender Schutzsoftware hat, braucht diese Versicherung gar nicht, denn was dort versichert ist, kann gar nicht eintreten. Wer ständig sein Konto im Auge hat und beim kleinsten Verdacht bei der Bank anruft, tut alles, um den Schaden gar nicht erst aufkommen zu lassen. Und wer etwas leichtsinniger handelt, braucht diese Versicherung auch nicht, weil sie für die Schäden durch Leichtsinn natürlich nicht aufkommt.

Übrigens zahlt die so bunt und luftig beworbene Versicherung auch nicht, wenn die oben genannten „Obliegenheiten“ (tolles Wort!) „grob fahrlässig“ verletzt wurden. Nachweisen, dass sie nicht „grob fahrlässig“ verletzt wurden, muss allerdings der Versicherte — und ein solcher Nachweis kann sehr schwierig werden. Man muss zum Beispiel nachweisen, dass man nicht auf einer Website gezahlt hat, die „offensichtlich unsicher“ für Zahlungsvorgänge ist — der Verweis auf HTTPS ist, wie oben ja auch zwischen den Zeilen steht, nur eines der Kriterien für „Sicherheit“. Die nähere Bedeutung des Wortes „offensichtlich“ darf man im Schadensfall in einem wenig erfreulichen Schriftverkehr mit O2 erarbeiten, dessen allgemeiner Ton schon in diesem Text im Worte „Obliegenheiten“ angedeutet wird. Auch wird wohl im Zweifelsfall darum gerungen werden, welche „Virenschutzsysteme“ (man beachte, „Systeme“, keine „Programme“) im Sinne der Auslegung dieses Textes durch O2 „geeignet“ sind, damit der Versicherungsfall etwa für den Schaden durch einen hinterhältig installierten Trojaner eintritt. Welche E-Mails aus der Sicht von O2 „verdächtig“ sind, ist ebenso dehnbar — wenn jeder eine kriminelle Spam sofort als kriminelle Spam erkennte und löschte, gäbe es keinen Schaden durch kriminelle Spam mehr.

Ach, was ich gar nicht erwähnt habe: Rechtskosten werden explizit nicht übernommen. Wer also von einem zwielichtigen Internet-Geschäftemacher abgezogen wurde und sein Geld auf dem Rechtsweg zurückholen will, ist ebenfalls verlassen.

Diese Versicherung ist sinnlos. Dem Einsteiger und naiven Internetnutzer mit geringen Kenntnissen gewährt sie keinen Schutz, und der erfahrene Internetnutzer wird die versicherten Schäden niemals erleben, weil er die geforderte Vorsorge schon längst aus Eigeninteresse getroffen hat und kaum zum Opfer der Internetkriminalität werden kann — die meisten erfahreneren Menschen verwenden auch nicht das Lieblingsbetriebssystem der Internetmafia, Microsoft Windows und sind allein durch die Wahl ihres Betriebssystemes vor der Mehrzahl der kriminellen Angriffe sicher.

Es gibt also niemanden, der durch die Ausgabe von sechzig Euro im Jahr zusätzlichen Schutz und damit eine Gegenleistung für sein Geld erhält — wenn man vielleicht einmal von sehr konstruierten Beispielen wie einen Einbruch absieht, bei dem der Computer manipuliert wurde oder Zugangsdaten in die Hände der Einbrecher gelangten. Die Geschäftsgrundlage für das Angebot dieser Versicherung ist das Nichtwissen eines großen Teiles der Internetnutzer in Deutschland und die diffuse Angst, die auf diesem Nichtwissen und reißerischen, aber nicht aufklärenden Medienberichten über Internetkriminalität erblüht. Ein interessantes Geschäftsmodell ist es, was O2 hier ausprobiert: Leute dumm und ängstlich halten, und ihnen dann wegen ihrer Dummheit und Angst das Geld aus der Tasche zu ziehen. Klar, man hätte auch versuchen können, sie aufzuklären und für den verantwortungsvollen Umgang mit dem Internet reif zu machen. Aber dafür zahlt ja niemand sechzig Euro im Jahr.

Offenbar ist selbst O2 klar, dass dieser Versuch einer Ausweitung des Geschäfts keine guten Chancen hat, deshalb wurde bei der Formulierung der Lügenreklame nicht die größte Sorgfalt an den Tag gelegt und sogar am Korrekturlesen gespart. Laut Reklame von O2 versichert diese völlig nutzlose „Internet-Versicherung“ auch…

Versichert gegen ... Einkaufsschutz im Internet

…gegen Einkaufsschutz im Internet. Der ist aber auch immer eine Bedrohung, dieser Einkaufsschutz… 😀

Fußnoten

¹Ein Anbieter wie sofortueberweisung (punkt) de, der explizit seine Anwender dazu aufruft, die Sicherheitsvorkehrungen der Bank auszuheben, verdankt seinen Erfolg übrigens der Untätigkeit der Banken, sich mal hinzusetzen und ein einigermaßen brauchbares Zahlungssystem für das Internet einzuführen. Eine solche Alternative wäre für die meisten Kunden dieser Banken sehr wünschenswert. Was die Wünsche von Bankkunden wert sind, zeigt sich darin, dass den deutschen Kreditinstituten auch sechzehn Jahre nach der Entwicklung des World Wide Web zum Angebot für die Massen und der von Anfang an dazu laufenden Kommerzialisierung des World Wide Webs noch nichts zu diesem Thema eingefallen ist. Diese Untätigkeit ist ein Denkmal der Kundenverachtung der deutschen Banken. Dass offene Betrüger, zwielichtige Läden wie PayPal und fragwürdige Anbieter wie sofortueberweisung (punkt) de mit der Kundenverachtung der Banken ein gutes Geschäft machen, das sich die Banken ihrerseits entgehen lassen; dass Bankkunden sogar nützliche Sicherheitsmaßnahmen der Banken aufgeben müssen, um ein einigermaßen direktes und brauchbares Bezahlsystem im Internet zu haben und auf diese Weise daran gewöhnt werden, unvorsichtig mit Zugangsdaten für die Kontoführung umzugehen, alles das nehmen die Banken dabei im Kauf und belegen damit, dass sich zur manifesten Kundenverachtung auch eine schreiende Dummheit gesellt.


Wir machen das nicht. Das macht unser Speichersystem.

Erst am Montag wurde ein neuer Fall bekannt, bei dem sich bereits eigentlich gelöschte Fotos auch nach drei Jahren noch wiederfanden. Facebook sprach nach dem Bericht des Technologie-Blogs „Ars Technica“ von einem Fehler in einem vor einigen Jahren eingesetzten Speichersystem.

Focus Online — Internet: Wiener Kritiker wollen Facebook weiter Druck machen
Diese Meldung wurde von der DPA übernommen

Kurzkommentar

Hey Facebook, dieses „Speichersystem“ — nennt man die Festplatten neuerdings so, wenn man vor dummen Journalisten verbergen will, dass es sich um Festplatten handelt? — auf dem man zwar Daten speichern, aber nicht wieder löschen kann, das möchte ich gern mal sehen. „Schön“, Facebook, dass du deinen Nutzern mit solchen Aussagen zu deinen ganz normalen Datenschleuderskandalen mal wieder zeigst, wie sehr du sie verachtest. Schade nur, dass sie dir noch nicht davonrennen.


Droschkenfahrer und Kutschenbauer werben für autofreie Straßen

Achtung: Satire auf Realsatire!

Aus der Vereinigung der Kutschenbauer und Droschkenfahrer ertönt weiterhin der Appell an den Gesetzgeber, gegen die Benutzung der Verkehrswege mit so genannten „Automobilen“ mit einem System der abgestuften Erwiderung und Sanktionen bis zum Entzug der Bewegungsfreiheit vorzugehen. In vielen Ländern seien entsprechende Maßnahmen ohne Bedenken eingerichtet worden, erklärte Olivia Regnier, Leiterin des europäischen Notverbandes der Kutschenbauer und Droschkenfahrer, am Dienstag auf einer Veranstaltung des Bundesverbandes für den Erhalt gewachsener Verkehrsinfrastrukturen in Berlin. Im Königreich Tonga etwa hätte sich die Zahl der Nutzer von Droschken und Kutschen nach Inkrafttreten eines entsprechenden Gesetzes verdoppelt.

Dort und in anderen Staaten mit vergleichbaren Regelungen gebe es kaum Beschwerden und nur geringen gesellschaftlichen Widerstand gegen ein entsprechendes System, führte die Sprecherin der Fuhrwerkslenker aus. Die Bundesregierung forderte sie daher auf, einen „ganzheitlichen Ansatz bei der Bekämpfung des Kutschenmordes“ zu wählen und Autofahrer ernsthaft zu verfolgen.

Die schwarz-gelbe Korruption verabredete zum Start ihrer Zusammenarbeit, keine Initiativen für gesetzliche Straßensperren für Automobile zu ergreifen. Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Doppelname (FDP) lehnt auch den Versand von Warnhinweisen an Autofahrer ab.

Kauderwelsch: Auch Geschwindigkeitsbegrenzungen eine Option

Der CDU-Politiker Siegfried Kauder, der vor kurzem erst für ein System der abgestuften Bewegungseinschränkung plädierte, betonte dennoch nach einer Gesangseinlage des alpenländischen Chors mit dem Titel „Braunau, Stadt am Inn“, dass die Politik aufwachen müsse. „Wir machen hier die Gesetze“, konstantierte der Vorsitzende des Rechtsausschusses des Bundestages, der als Präsident der Bundesvereinigung Deutscher Kutschenbauer und Droschkenfahrer über jeden Verdacht eines Interessenkonfliktes erhaben ist. Seine Mitherrschenden forderte er auf, auch in Zukunft die Koffer der Droschkenfahrer und Kutschenbauer entgegenzunehmen und dann mitzuhelfen, dass es auch in vielen Jahren noch Kutschen auf deutschen Straßen gebe. Als Alternative zu der von ihm zunächst bevorzugten vollständigen Einschränkung der Bewegungsfähigkeit nach der dritten Benutzung eines Automobiles brachte er eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf halbe Schrittgeschwindigkeit als mildere Strafmaßnahme ins Spiel.

Droschkendienstleister plädiert für Autoentzug

Eine Lanze für das „Dreimal gefahren, nicht mehr bewegen“-Modell brach auch Thorsten Schliesche, Deutschlandchef des Droschkendienstleisters Napster. „Mit einer solchen Regel hätten wir unsere Umsätze verdoppeln können“, meinte der Chef des Droschkendienstes. Schon die zweite Verwarnung sollte dabei mit einer Geldbuße einhergehen, die nach Möglichkeit viele Autofahrer in den finanziellen Ruin führt. Derzeit seien legale Angebote, die auf eine Monatspauschale setzen, noch etwas für „Kutschensüchtige“, erläuterte Schliesche. Hierzulande kämen Napster und vergleichbare Kutschenfahrtvermittler auf kaum mehr als 150.000 Abonnenten. Dagegen werde die Gruppe der Nutzer, die den Benzinpreis günstiger findet als die oft sehr hohen Entgelte für die Droschkenfahrer, nicht kleiner.

Hinter den Fortbewegungspferdemördern stehe eine „Philosophie des ‚Fortschritts'“, wusste Gisela Schmalz zu berichten, die ein Buch über den „Modernitätswahn der Straße“ geschrieben hat. Diesen gehe es nicht nur um den „Spaß am Verbrechersein“, sondern auch um den ideologischen Hirnfurz einer freien Nutzung natürlicher technischer Möglichkeiten. Punkten könnten die Droschkenfahrer derzeit nur mit Zusatzdiensten wie dem Eingehen auf persönliche Wünsche und die Bequemlichkeit des Gefahren-Werdens, mit der man sich dort um seine persönlichen Wünsche und Vorzüge keine eigenen Gedanken mehr machen müsse. Um das Problem zu lösen, müssten alle Nichtautofahrer an einen Tisch kommen.

Droschkenunternehmer Dieter Gorny fordert Wertschätzung für Pferde ein

Eine Debatte über den Wert der Pferdehaltung und Pferdezucht sowie die Wertschätzung von Pferden hält auch BVMI-Chef Dieter Gorny für unerlässlich. „Wir brauchen einen gesellschaftlichen Konsens, dass man nicht autofahren sollte.“ Die Unternehmer, die vom explosionsartien Aufeinandertreffen von neuen technischen Möglichkeiten und einer neuen Kultur der Fortbewegung auf den Straßen zunächst überrollt worden seien, hätten mittlerweile ihre Hausaufgaben gemacht. Sie gebe es zurzeit sechzig legale Droschkenunternehmen. Nötig sei es nur, mit der ganzen Bandbreite politischer Regulierung und Kriminalisierung natürlicher technischer Möglichkeiten vorzugehen und auf diese Weise die Rahmenbedingungen für das Droschkengeschäft neu abzustecken. Dabei komme es keineswegs nur auf künstliche Bewegungseinschränkungen an, sondern es sei auch ein gerüttelt Maß an Willkür und Verunsicherung erforderlich. Zugleich zeigte sich Gorny im Gegensatz zum Napster-Vertreter zuversichtlich, dass die nachwachsende Generation schon viel klarer zur Nutzung der Droschken bereit sein würde. Um dies zu fördern, hat er an die anwesenden Politiker Köfferchen mit unbekanntem Inhalt ausgegeben.

Originalmeldung auf Heise Online: Musikindustrielle und Napster-Chef werben für Internetsperren — aber bitte die Speischale bereithalten, das ist purer Lobbyismus…


Hokuspokus aus der Cloud

Wenn wir Applikationen auf mobilen Geräten mit sozialen Elementen verbinden und die Rechenpower der Cloud dazunehmen, dann passiert etwas Magisches

Wieland Holfelder, Chefingenieur bei Google
Zitiert nach Welt Online

Satirischer Kommentar

Wenn wir es schaffen, die Menschen so dumm zu halten, dass sie nichts mehr von den enteignenden und entmündigenden Dingen verstehen, die wir ihnen verkaufen, denn halten die das alle für Magie. Dann gewöhnen sie sich daran, ihr ganzes Leben, ihre Wünsche, ihre Sozialkontakte „in der Cloud“ abzulegen und die glauben wirklich, es handele sich um eine Wolke. Dass es sich in Wirklichkeit um die Server von Unternehmungen handelt, in denen große Datensammlungen zum kostbaren Herrschaftswissen werden, soll ihnen gar nicht erst bewusst werden, damit sie auch nicht merken, was für ein fauler Zauber das ist.

Verteilt weiterhin schön das Fingerfett auf euren Wischofonen! Wundert euch nicht darüber, wenn in immer größeren Maßstab andere nach rein profitorientierten Gesichtspunkten darüber bestimmen, wen ihr kennt, was ihr erfahrt, worüber ihr sprecht, welche Software ihr benutzt und was ihr mit euren bunten Glasperlen coolen Gadgets machen könnt! Macht aus jedem menschlichen Miteinander einen sozial optimierten Geschäftsvorgang, und lasst alle diese „Geschäfte“ bei Google zusammenfließen. Eure Doofheit ist gut für deren Geschäft, und deshalb wird eure Doofheit mit allen Mitteln gefördert. Viel Spaß! Und immer dran denken, es ist Magie…


Die klaren und verständlichen Bedingungen

Nach Ansicht facebooks, so Allan, seien sowohl Fanpages als auch der Like-Button sehr wohl von der Privacy Policy abgedeckt. Überhaupt hätte facebook eine der klarsten und verständlichsten AGB im Internet

Richard Allen für Facebook vor einem Ausschuss in Schleswig-Holstein

Kurzkommentar

„Klar und verständlich“ nennt Facebook das, und wer wissen möchte, was nach seiner Registrierung mit seinen Daten geschieht, tja, der muss sich absurderweise zunächst einmal registrieren, um die „klaren und verständlichen“ Bedingungen nachlesen zu können. Es steht leider zu befürchten, dass diese Kleinigkeit der Marke „Wir schließen einen Vertrag, du stimmst jetzt rechtsverbindlich zu und ich erkläre dir hinterher erst die Inhalte“ von etlichen Teilnehmern einer solchen Gesprächsrunde gar nicht bemerkt wird. Ich bin mir sicher: In jedem anderen Geschäftsfeld als dem Angebot einer Web-Zwo-Nullklitsche würden derartige Geschäftspraktiken offen als sittenwidrig, wenn nicht gar als kriminell bezeichnet, und derartige „Verträge“ wären entweder vollends nichtig oder doch zumindest die derart untergejubelten Punkte unwirksam. Nur, wenn derartiges im Internet geschieht, bricht auf einmal die große Blindheit aus.