Sie reden vom Netz wie Blinde vom Licht

Archiv für Juli, 2013

Taliban

Google ist eine Art Taliban und wehrt sich gegen jede Art von Fortschritt

Christoph Keese, Geschäftsführer des Axel-Springer-Verlages, im Dezember 2012

Aber inzwischen haben sie ja ihre Meinung ein bisschen geändert, Herr Keese, weil diese mörderischen, terroristischen Taliban names Google sie sonst einfach nicht mehr dort verlinkt hätten, wo ein Großteil ihrer Leser herkommt, die sie eben nicht lesen, weil sie Produkte wie „Die Welt“ so toll finden, dass sie dort jeden Tag vorbeischauen. Ich wünsche ihnen eine gute Gesellschaft von anderen Blend- und Blindrednern im Aquarium der Blindfische.


Offener Kurzbrief: Einigt euch mal!

Werte Amtsträger, Polizisten und Mitglieder der Classe politique!

Ich habe mich inzwischen damit abgefunden, dass ihr entweder direkt lügt oder aber zumindest die Tatsachen so weit einseitig und verzerrend darstellt, dass das Ergebnis einer Lüge gleichkommt.

Wenn ich eure täglichen Auslassungen lese oder höre, bin ich mir völlig darüber im Klaren, dass es sich um Lüge handelt. Auf Gebieten, auf denen ich mich selbst ein bisschen auskenne, fällt mir der verlogene Charakter eures Tuns und Redens gleißendhell und unübersehbar in die Pupille, und ich muss davon ausgehen, dass ihr bei Stellungnahmen zu Sachgebieten, in denen ich mich zufällig weniger gut auskenne, nicht einen Deut ehrlicher sein werdet. Jede andere Annahme gegenüber jemanden, der sich immer wieder als gewohnheitsmäßiger Lügner darstellt, wäre ja auch dumm.

Manchmal, wenn es mir möglich ist, setze ich mich hin und pflücke eure Lügen und verzerrten Darstellungen auseinander; manchmal tue ich das sachlich, und manchmal tue ich das satirisch, um wenigstens noch einen müden, frustrierten und beschädigten Lustgewinn aus solcher öden Tätigkeit ziehen zu können.

Das hätte ich auch gern heute mit den Lügen von Oliver Marchow von der Gewerkschaft der Polizei, von Rainer Wendt von der Deutschen Polizeigewerksachft und von Ronald Pofalla, CDU getan, die in einem Artikel auf Heise Online zusammengeflossen sind.

Aber was soll ich denn noch tun, wenn ihr auf dieser Ebene nicht einmal koordiniertes Lügen hinbekommt? Wenn…

  • Oliver Malchow bedauert, dass er wegen PRISM jetzt keine Vorratsdatenspeicherung bekommt und deshalb die Polizei gar nicht mehr ermitteln könne, weil eine Ermittlung bei Tatverdächtigungen einfach ein zu später Zeitpunkt für die Polizeiarbeit ist; gleichzeitig…
  • Rainer Wendt sich darüber freut, dass die Polizeien wegen PRISM jede Menge Daten der US-Behörden bekommen haben und weiterhin bekommen, mit denen so viele schwere Verbrechen verhindern werden konnten und verhindert werden können; und gleichzeitig…
  • Ronald Pofalla so tut, als gäbe es PRISM gar nicht…

…dann seid ihr nicht einmal mehr satirefähig.

Von einer ernsthaften Auseinandersetzung mit euren intelligenzverachtenden Lügen will ich gar nicht erst reden. Dass Rainer Wendt, gelernter Polizist, einen Bruch des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland und einen klaren Verstoß gegen ein diesbezüglich unmissverständliches Urteil des Bundesverfassungsgerichtes vermutet und nichts unternimmt, käme ja außerhalb der Propagandareden einer Strafvereitelung im Amt sehr nahe.

Mit Zeigefinger, der in wohlbekannter Geste an die Stirne tippt
Der Alarmknopf-Blogger
(Pseudonym, und doch so leicht zu identifizieren…)


Hans-Peter Uhl (CSU) verbessert Trolling-Skills

Wenn der BND-Chef in der Sitzung das Gegenteil der Berichterstattung behaupten sollte, „dann glaube ich dem Beamten und nicht den Pseudo-Enthüllungen irgendeines Magazins“, sagte Uhl. Es habe auch schließlich schon mal die Hitler-Tagebücher gegeben. 1983 hatte das Magazin „Stern“ angebliche Aufzeichnungen Hitlers veröffentlicht, die sich später als Fälschungen erwiesen.

Hans-Peter Uhl (CSU), indirekt zitiert nach Spiegel Online — Geheimdienst-Koordinator: Pofalla verspricht vollständige Aufklärung der NSA-Affäre

Anstelle eines Kommentares nur ein satirisch Bildchen

Satirisches Stern-Titelbild: Hans-Peter Uhls folgerichtige Verbesserung der CDU/CSU-Trollaussagen zu PRISM und Tempora: Hitlervergleiche entdeckt!

Bei Flickr steht das Bild größer und in besserer Qualität zur Verfügung.


Sigmar Gabriel will Sicherheit exportieren

Ich bin dafür, alle Telekommunikations-Unternehmen, die auf deutschem Boden Daten verarbeiten, gesetzlich zu verpflichten, diese Daten zu verschlüsseln […] Das würde das flächendeckende Ausspionieren der deutschen Wirtschaft und unserer Bürger viel, viel schwerer machen.

Sigmar Gabriel, Parteichef der SPD, im Interview mit der Westdeutschen Allgemeinen

Gar nicht so kurze Anmerkung

Was für eine „Verschlüsselung“ meint der Herr Gabriel hier wohl? Und was denkt er sich, wenn er von „Verschlüsselung“ spricht?

Meint er eine Verschlüsselung der Bestands- und Rechnungsdaten? Diese sind nicht das Problem, wenn Datenleitungen durch eine monströse Megastasi abgehört werden — und darum geht es im Kontext dieser Aussage.

Oder meint er eine Verschlüsselung der Datenübertragung?

Auf welchem Weg sollte diese Verschlüsselung erfolgen? Etwa vom Kunden zum „Telekommunikations-Unternehmen“? Diese Datenleitung liegt innerhalb der Bundesrepublik, und dass sie angezapft wird, ist zwar nicht unmöglich (vor allem nicht bei öffentlichen WLANs oder lokalen Netzwerken, wo jeder aufgeweckte Neunjährige Daten mitsniffen kann), aber eher unwahrscheinlich.

Oder soll das „Telekommunikations-Unternehmen“ die Kommunikation verschlüsselt zu einem anderen Teilnehmer routen? Da müssten sich die beiden Stellen aber auf einen Schlüssel (oder auf asymmetrische Schlüssel) einigen. Auch, wenn die Gegenstelle nicht im Rechtsraum der Bundesrepublik Deutschland liegt. Und natürlich auch, wenn die Gegenstelle zur Offenlegung des Schlüssels an Geheimdienste und Regierungsbehörden verpflichtet ist. Oder wenn die Gegenstelle gesetzlich zur Ausleitung von Daten an die NSA verpflichtet ist, nachdem sie die für den Transport verschlüsselten Daten entschlüsselt hat. „Am besten“ in Form eines neuen Internet-Standards. Nicht, dass so etwas unmöglich wäre, aber es klingt einigermaßen absurd und wäre vollkommen wirkungslos. Ob es das „flächendeckende Ausspähen der Menschen und der Wirtschaft viel schwerer machte“? Nein, gar nicht.

Wie kommt der SPD-Chef Sigmar Gabriel nur auf diese Idee?

Vermutlich hat er etwas andere Vorstellungen davon, wie Daten durch das Internet transportiert werden. Vom Routing hat er noch niemals etwas gehört, und deshalb stellt er sich eine Art Vermittlungszentrale vor, über die alles läuft und an der eine Verschlüsselung zentral vorgenommen werden könnte. Das ist zwar… ähm… nicht so ganz zutreffend, aber es hält ihn nicht davon ab, diesen Gedanken zu denken. Zumal dieser Gedanke auch sehr attraktiv ist, denn er ermöglichte — anders, als die recht wirksame Verschlüsselung von Ende zu Ende, die aber bei aller Wirksamkeit noch eine Menge auswertbarer Metadaten anfallen lässt —  den Einbau einer Datenausleitung für die anlasslosen Überwacher aus der Bundesrepublik Deutschland. Wenn eine Vorstellung so attraktiv für ein Mitglied der classe politique ist, dann wird eben auf Grundlage dieser Vorstellung weitergedacht, so falsch die Grundlagen jedes Gedanken auch sind. So entsteht die „Netzpolitik“ in der Bundesrepublik Deutschland.

Und einen seiner Experten fragen, bevor man ein Wahlkampf-Blubberbläschen zum Tagesgeschehen in die Presse entlässt… dafür ist sich doch so ein SPD-Chef viel zu schade. Er versteht nicht, wovon er redet, und er geht davon aus, dass alle seine Zuhörer ebenfalls dumm sind. Die Qualitätsjournalisten tun ihr übriges dazu, dass die Menschen auch schön dumm bleiben, deshalb werden weder Tatsachen in verständlicher Form aufgeschlüsselt noch werden kompetenzfreie Stellungnahmen am Rande der Idiotie in irgendeiner Form hinterfragt.

Übrigens: Die Aussage…

Unternehmen wie Microsoft, Google oder Facebook haben sich willfährig von der NSA für deren Zwecke einspannen lassen

…ist gnadenloser, volksverdummender Wahlkampf-Bullshit. Diese Unternehmen haben sich nicht „willfährig einspannen“ lassen, sondern sie sind nach geltendem Recht der Vereinigten Staaten von Amerika zur Zusammenarbeit mit der NSA verpflichtet.

Was würde Herr Sigmar Gabriel wohl sagen, wenn hier demnächst die auch von SPD-Politikern explizit gewünschte, anlasslose Totalüberwachung der Menschen in der BRD unter dem Namen „Vorratsdatenspeicherung“ zu geltendem Recht wird, und ein Unternehmen wie… sagen wir mal… Vodafone Deutschland würde sich weigern, die rechtlichen Vorgaben umzusetzen? Es käme recht schnell zu Zwangsmaßnahmen, um die Einhaltung des politisch gesetzten Rechtsrahmens zu erzwingen, und dass diese von einem politischen Lob für die Achtung vor dem Datenschutz begleitet würden, ist recht unwahrscheinlich.

Wer sich hingegen willfährig und ohne jeden juristischen Zwang zum Schergen der US-Geheimdienste gemacht hat, das sind die Geheimdienste der BRD, die über Jahre hinweg mit der NSA zusammengearbeitet haben und diese mit Daten beliefert haben. Ebenfalls willfährig einspannen ließen sich alle Politiker, die eine weitreichende Weitergabe von Bank- und Fluggastdaten an die USA zu geltendem Recht gemacht haben — und sie zeigen auch jetzt, gut sechs Wochen nach Bekanntwerden der weltweiten, anlasslosen Totalüberwachung aller menschlichen Kommunikation durch die USA nicht die geringste Tendenz, diese Fehler rückgängig zu machen. Ganz im Gegenteil. Aus einer derartigen Position heraus mit dem Finger auf Microsoft, Google und Facebook zu zeigen (und dabei Apple zu vergessen, mutmaßlich, weil man selbst Nutzer ist) ist in seiner dummdreisten Heuchelei alles andere als eine Wahlempfehlung.

Und wenn sich diese Heuchelei mit der hirnfreien Hurraforderung…

Wir müssen Datensicherheit zum deutschen Exportschlager machen

…kombiniert, kann ich Herrn Sigmar Gabriel nur nahelegen, erstmal mit einem kleinen, eigenen Beitrag zu beginnen. Zum Beispiel durch Stilllegen des eigenen Facebook-Accounts. Und durch Stilllegen des nur unwesentlich harmloseren eigenen Twitter-Accounts. Wie seltsam! Da ist die Reklamewirkung solchen, von professionellen Lügnern aus dem Willi-Brandt-Haus gepflegten Auftretens dann doch ein bisschen wichtiger als der gerade in gespielter Empörung hervorgekramte Datenschutz; auch als der Datenschutz gegenüber den Genossen aus der SPD, deren Beziehungen, Tagesabläufe, Webnutzungen, Interessen, Handy-Adressbücher und Meinungen vor einem monströsen Apparat eines Staates, der seine militante Außenpolitik gestaltet wie jemand, der an kein Völkerrecht gebunden ist, offengelegt und dort nach intransparenten Kriterien bewertet werden.

Herr Sigmar Gabriel, ich wünschen ihnen, allen ihren Zuhörern und allen Lesern ihres presseverstärkten Mundes, dass sie fortan das Gehirn einschalten, bevor sie die Klappe öffnen!

Dummheit ist ja schlimmer als Mundgeruch…


3D-Drucker! Wir werden alle sterben!

Entschuldigung für den reißerischen Titel, aber manchmal fällt es mir sehr schwer, ernst zu bleiben. Es folgt ein Zitätchen von Heise Online — 3D-Drucker: BKA und Bundespolizei wittern Gefahren:

Sowohl das Bundeskriminalamt (BKA) als auch die Bundespolizei (BPOL) beschäftigen sich offenbar mit hoher Priorität [!] mit den Möglichkeiten von 3D-Druckern. Besonders in der Möglichkeit, damit Waffen oder Waffenteile auszudrucken, sehen die Beamten eine Gefahrenquelle für die Allgemeinheit. […]

Durch fehlende Zugangsbeschränkungen der Bauanleitungen im Internet könnten auch Minderjährige einen Waffen-Ausdruck ausführen. Selbst ohne Munition könne das Ergebnis dann als Drohmittel eingesetzt werden […]

Tatütata! Alarm! Alle können sich Waffen machen! Habt Angst, Leute! Die Faustfeuerwaffen aus wenig zur Herstellung von Faustfeuerwaffen geeigneten Werkstoffen explodieren zwar manchmal in der Hand, aber man hat ja zwei Hände. Und wer böse Absichten hat, wird gewiss dem Reiz nicht widerstehen können. Oder wer ein Kind ist. Munition kann man zwar (noch) nicht drucken, aber auch ohne Munition kann man mit so einer Waffe immer noch drohen, wenn auch nicht so gut wie mit der täuschend echten (und bei Verwendung außerhalb der Öffentlichkeit völlig legalen) Anscheinswaffe von einem der vielen Händler. [Diese Links sind das Ergebnis einer einzigen, schnellen Websuche und etwas willkürlich…]

Und es kommt noch schlimmer:

[…] Abgesehen von den Waffen könne die Technik aber auch durch ihr Potenzial für Produkt- und Markenpiraterie problematisch werden

Man kann mit einem 3D-Drucker das hl. Geistige Eigentum verletzen. Da bricht womöglich noch die ganze Wirtschaft zusammen, wenn die Menschen sich einige wucherhaft überteuerte Ersatzteile plötzlich einfach ausdrucken können! Womöglich noch ohne die vorgesehenen Sollbruchstellen im Rahmen der „geplanten Obsoleszenz“ und damit besser als die Originale! Das wäre schrecklich!

Spätestens das ist doch eine Bedrohung, die jedes nur denkbare Verbot rechtfertigt. Klar, dass die Polizeiarbeit da allerhöchste Priorität bekommt. Da kann man auch ruhig mal ein paar Verbrecher laufen lassen!

Fragt sich nur noch eines: Auf welcher Grundlage sind die werten Polizeibeamten des Bundeskriminalamtes und der Bundespolizei zu ihrer erschröcklichen, vorm Deutschen Bundestage mitgeteilten Einschätzung gekommen?

Das BKA hat der parlamentarische Anfrage zufolge noch keine Tests mit 3D-Druckern durchgeführt, beschaffe sich aber gerade ein Gerät

Wer wäre da nicht restlos überzeugt von den Einschätzungen der Polizeibeamten?!

Leider gibt es zurzeit noch keine Möglichkeit — weder für Polizisten, noch für Parlamentarier und auch nicht für die fragwürdigen Gestalten, die eine ausgedruckte Waffe reizvoll finden — sich ein Gehirn auszudrucken.