Sie reden vom Netz wie Blinde vom Licht

Archiv für Juli, 2013

Taliban

Google ist eine Art Taliban und wehrt sich gegen jede Art von Fortschritt

Christoph Keese, Geschäftsführer des Axel-Springer-Verlages, im Dezember 2012

Aber inzwischen haben sie ja ihre Meinung ein bisschen geändert, Herr Keese, weil diese mörderischen, terroristischen Taliban names Google sie sonst einfach nicht mehr dort verlinkt hätten, wo ein Großteil ihrer Leser herkommt, die sie eben nicht lesen, weil sie Produkte wie „Die Welt“ so toll finden, dass sie dort jeden Tag vorbeischauen. Ich wünsche ihnen eine gute Gesellschaft von anderen Blend- und Blindrednern im Aquarium der Blindfische.


Offener Kurzbrief: Einigt euch mal!

Werte Amtsträger, Polizisten und Mitglieder der Classe politique!

Ich habe mich inzwischen damit abgefunden, dass ihr entweder direkt lügt oder aber zumindest die Tatsachen so weit einseitig und verzerrend darstellt, dass das Ergebnis einer Lüge gleichkommt.

Wenn ich eure täglichen Auslassungen lese oder höre, bin ich mir völlig darüber im Klaren, dass es sich um Lüge handelt. Auf Gebieten, auf denen ich mich selbst ein bisschen auskenne, fällt mir der verlogene Charakter eures Tuns und Redens gleißendhell und unübersehbar in die Pupille, und ich muss davon ausgehen, dass ihr bei Stellungnahmen zu Sachgebieten, in denen ich mich zufällig weniger gut auskenne, nicht einen Deut ehrlicher sein werdet. Jede andere Annahme gegenüber jemanden, der sich immer wieder als gewohnheitsmäßiger Lügner darstellt, wäre ja auch dumm.

Manchmal, wenn es mir möglich ist, setze ich mich hin und pflücke eure Lügen und verzerrten Darstellungen auseinander; manchmal tue ich das sachlich, und manchmal tue ich das satirisch, um wenigstens noch einen müden, frustrierten und beschädigten Lustgewinn aus solcher öden Tätigkeit ziehen zu können.

Das hätte ich auch gern heute mit den Lügen von Oliver Marchow von der Gewerkschaft der Polizei, von Rainer Wendt von der Deutschen Polizeigewerksachft und von Ronald Pofalla, CDU getan, die in einem Artikel auf Heise Online zusammengeflossen sind.

Aber was soll ich denn noch tun, wenn ihr auf dieser Ebene nicht einmal koordiniertes Lügen hinbekommt? Wenn…

  • Oliver Malchow bedauert, dass er wegen PRISM jetzt keine Vorratsdatenspeicherung bekommt und deshalb die Polizei gar nicht mehr ermitteln könne, weil eine Ermittlung bei Tatverdächtigungen einfach ein zu später Zeitpunkt für die Polizeiarbeit ist; gleichzeitig…
  • Rainer Wendt sich darüber freut, dass die Polizeien wegen PRISM jede Menge Daten der US-Behörden bekommen haben und weiterhin bekommen, mit denen so viele schwere Verbrechen verhindern werden konnten und verhindert werden können; und gleichzeitig…
  • Ronald Pofalla so tut, als gäbe es PRISM gar nicht…

…dann seid ihr nicht einmal mehr satirefähig.

Von einer ernsthaften Auseinandersetzung mit euren intelligenzverachtenden Lügen will ich gar nicht erst reden. Dass Rainer Wendt, gelernter Polizist, einen Bruch des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland und einen klaren Verstoß gegen ein diesbezüglich unmissverständliches Urteil des Bundesverfassungsgerichtes vermutet und nichts unternimmt, käme ja außerhalb der Propagandareden einer Strafvereitelung im Amt sehr nahe.

Mit Zeigefinger, der in wohlbekannter Geste an die Stirne tippt
Der Alarmknopf-Blogger
(Pseudonym, und doch so leicht zu identifizieren…)


Hans-Peter Uhl (CSU) verbessert Trolling-Skills

Wenn der BND-Chef in der Sitzung das Gegenteil der Berichterstattung behaupten sollte, „dann glaube ich dem Beamten und nicht den Pseudo-Enthüllungen irgendeines Magazins“, sagte Uhl. Es habe auch schließlich schon mal die Hitler-Tagebücher gegeben. 1983 hatte das Magazin „Stern“ angebliche Aufzeichnungen Hitlers veröffentlicht, die sich später als Fälschungen erwiesen.

Hans-Peter Uhl (CSU), indirekt zitiert nach Spiegel Online — Geheimdienst-Koordinator: Pofalla verspricht vollständige Aufklärung der NSA-Affäre

Anstelle eines Kommentares nur ein satirisch Bildchen

Satirisches Stern-Titelbild: Hans-Peter Uhls folgerichtige Verbesserung der CDU/CSU-Trollaussagen zu PRISM und Tempora: Hitlervergleiche entdeckt!

Bei Flickr steht das Bild größer und in besserer Qualität zur Verfügung.


Sigmar Gabriel will Sicherheit exportieren

Ich bin dafür, alle Telekommunikations-Unternehmen, die auf deutschem Boden Daten verarbeiten, gesetzlich zu verpflichten, diese Daten zu verschlüsseln […] Das würde das flächendeckende Ausspionieren der deutschen Wirtschaft und unserer Bürger viel, viel schwerer machen.

Sigmar Gabriel, Parteichef der SPD, im Interview mit der Westdeutschen Allgemeinen

Gar nicht so kurze Anmerkung

Was für eine „Verschlüsselung“ meint der Herr Gabriel hier wohl? Und was denkt er sich, wenn er von „Verschlüsselung“ spricht?

Meint er eine Verschlüsselung der Bestands- und Rechnungsdaten? Diese sind nicht das Problem, wenn Datenleitungen durch eine monströse Megastasi abgehört werden — und darum geht es im Kontext dieser Aussage.

Oder meint er eine Verschlüsselung der Datenübertragung?

Auf welchem Weg sollte diese Verschlüsselung erfolgen? Etwa vom Kunden zum „Telekommunikations-Unternehmen“? Diese Datenleitung liegt innerhalb der Bundesrepublik, und dass sie angezapft wird, ist zwar nicht unmöglich (vor allem nicht bei öffentlichen WLANs oder lokalen Netzwerken, wo jeder aufgeweckte Neunjährige Daten mitsniffen kann), aber eher unwahrscheinlich.

Oder soll das „Telekommunikations-Unternehmen“ die Kommunikation verschlüsselt zu einem anderen Teilnehmer routen? Da müssten sich die beiden Stellen aber auf einen Schlüssel (oder auf asymmetrische Schlüssel) einigen. Auch, wenn die Gegenstelle nicht im Rechtsraum der Bundesrepublik Deutschland liegt. Und natürlich auch, wenn die Gegenstelle zur Offenlegung des Schlüssels an Geheimdienste und Regierungsbehörden verpflichtet ist. Oder wenn die Gegenstelle gesetzlich zur Ausleitung von Daten an die NSA verpflichtet ist, nachdem sie die für den Transport verschlüsselten Daten entschlüsselt hat. „Am besten“ in Form eines neuen Internet-Standards. Nicht, dass so etwas unmöglich wäre, aber es klingt einigermaßen absurd und wäre vollkommen wirkungslos. Ob es das „flächendeckende Ausspähen der Menschen und der Wirtschaft viel schwerer machte“? Nein, gar nicht.

Wie kommt der SPD-Chef Sigmar Gabriel nur auf diese Idee?

Vermutlich hat er etwas andere Vorstellungen davon, wie Daten durch das Internet transportiert werden. Vom Routing hat er noch niemals etwas gehört, und deshalb stellt er sich eine Art Vermittlungszentrale vor, über die alles läuft und an der eine Verschlüsselung zentral vorgenommen werden könnte. Das ist zwar… ähm… nicht so ganz zutreffend, aber es hält ihn nicht davon ab, diesen Gedanken zu denken. Zumal dieser Gedanke auch sehr attraktiv ist, denn er ermöglichte — anders, als die recht wirksame Verschlüsselung von Ende zu Ende, die aber bei aller Wirksamkeit noch eine Menge auswertbarer Metadaten anfallen lässt —  den Einbau einer Datenausleitung für die anlasslosen Überwacher aus der Bundesrepublik Deutschland. Wenn eine Vorstellung so attraktiv für ein Mitglied der classe politique ist, dann wird eben auf Grundlage dieser Vorstellung weitergedacht, so falsch die Grundlagen jedes Gedanken auch sind. So entsteht die „Netzpolitik“ in der Bundesrepublik Deutschland.

Und einen seiner Experten fragen, bevor man ein Wahlkampf-Blubberbläschen zum Tagesgeschehen in die Presse entlässt… dafür ist sich doch so ein SPD-Chef viel zu schade. Er versteht nicht, wovon er redet, und er geht davon aus, dass alle seine Zuhörer ebenfalls dumm sind. Die Qualitätsjournalisten tun ihr übriges dazu, dass die Menschen auch schön dumm bleiben, deshalb werden weder Tatsachen in verständlicher Form aufgeschlüsselt noch werden kompetenzfreie Stellungnahmen am Rande der Idiotie in irgendeiner Form hinterfragt.

Übrigens: Die Aussage…

Unternehmen wie Microsoft, Google oder Facebook haben sich willfährig von der NSA für deren Zwecke einspannen lassen

…ist gnadenloser, volksverdummender Wahlkampf-Bullshit. Diese Unternehmen haben sich nicht „willfährig einspannen“ lassen, sondern sie sind nach geltendem Recht der Vereinigten Staaten von Amerika zur Zusammenarbeit mit der NSA verpflichtet.

Was würde Herr Sigmar Gabriel wohl sagen, wenn hier demnächst die auch von SPD-Politikern explizit gewünschte, anlasslose Totalüberwachung der Menschen in der BRD unter dem Namen „Vorratsdatenspeicherung“ zu geltendem Recht wird, und ein Unternehmen wie… sagen wir mal… Vodafone Deutschland würde sich weigern, die rechtlichen Vorgaben umzusetzen? Es käme recht schnell zu Zwangsmaßnahmen, um die Einhaltung des politisch gesetzten Rechtsrahmens zu erzwingen, und dass diese von einem politischen Lob für die Achtung vor dem Datenschutz begleitet würden, ist recht unwahrscheinlich.

Wer sich hingegen willfährig und ohne jeden juristischen Zwang zum Schergen der US-Geheimdienste gemacht hat, das sind die Geheimdienste der BRD, die über Jahre hinweg mit der NSA zusammengearbeitet haben und diese mit Daten beliefert haben. Ebenfalls willfährig einspannen ließen sich alle Politiker, die eine weitreichende Weitergabe von Bank- und Fluggastdaten an die USA zu geltendem Recht gemacht haben — und sie zeigen auch jetzt, gut sechs Wochen nach Bekanntwerden der weltweiten, anlasslosen Totalüberwachung aller menschlichen Kommunikation durch die USA nicht die geringste Tendenz, diese Fehler rückgängig zu machen. Ganz im Gegenteil. Aus einer derartigen Position heraus mit dem Finger auf Microsoft, Google und Facebook zu zeigen (und dabei Apple zu vergessen, mutmaßlich, weil man selbst Nutzer ist) ist in seiner dummdreisten Heuchelei alles andere als eine Wahlempfehlung.

Und wenn sich diese Heuchelei mit der hirnfreien Hurraforderung…

Wir müssen Datensicherheit zum deutschen Exportschlager machen

…kombiniert, kann ich Herrn Sigmar Gabriel nur nahelegen, erstmal mit einem kleinen, eigenen Beitrag zu beginnen. Zum Beispiel durch Stilllegen des eigenen Facebook-Accounts. Und durch Stilllegen des nur unwesentlich harmloseren eigenen Twitter-Accounts. Wie seltsam! Da ist die Reklamewirkung solchen, von professionellen Lügnern aus dem Willi-Brandt-Haus gepflegten Auftretens dann doch ein bisschen wichtiger als der gerade in gespielter Empörung hervorgekramte Datenschutz; auch als der Datenschutz gegenüber den Genossen aus der SPD, deren Beziehungen, Tagesabläufe, Webnutzungen, Interessen, Handy-Adressbücher und Meinungen vor einem monströsen Apparat eines Staates, der seine militante Außenpolitik gestaltet wie jemand, der an kein Völkerrecht gebunden ist, offengelegt und dort nach intransparenten Kriterien bewertet werden.

Herr Sigmar Gabriel, ich wünschen ihnen, allen ihren Zuhörern und allen Lesern ihres presseverstärkten Mundes, dass sie fortan das Gehirn einschalten, bevor sie die Klappe öffnen!

Dummheit ist ja schlimmer als Mundgeruch…


3D-Drucker! Wir werden alle sterben!

Entschuldigung für den reißerischen Titel, aber manchmal fällt es mir sehr schwer, ernst zu bleiben. Es folgt ein Zitätchen von Heise Online — 3D-Drucker: BKA und Bundespolizei wittern Gefahren:

Sowohl das Bundeskriminalamt (BKA) als auch die Bundespolizei (BPOL) beschäftigen sich offenbar mit hoher Priorität [!] mit den Möglichkeiten von 3D-Druckern. Besonders in der Möglichkeit, damit Waffen oder Waffenteile auszudrucken, sehen die Beamten eine Gefahrenquelle für die Allgemeinheit. […]

Durch fehlende Zugangsbeschränkungen der Bauanleitungen im Internet könnten auch Minderjährige einen Waffen-Ausdruck ausführen. Selbst ohne Munition könne das Ergebnis dann als Drohmittel eingesetzt werden […]

Tatütata! Alarm! Alle können sich Waffen machen! Habt Angst, Leute! Die Faustfeuerwaffen aus wenig zur Herstellung von Faustfeuerwaffen geeigneten Werkstoffen explodieren zwar manchmal in der Hand, aber man hat ja zwei Hände. Und wer böse Absichten hat, wird gewiss dem Reiz nicht widerstehen können. Oder wer ein Kind ist. Munition kann man zwar (noch) nicht drucken, aber auch ohne Munition kann man mit so einer Waffe immer noch drohen, wenn auch nicht so gut wie mit der täuschend echten (und bei Verwendung außerhalb der Öffentlichkeit völlig legalen) Anscheinswaffe von einem der vielen Händler. [Diese Links sind das Ergebnis einer einzigen, schnellen Websuche und etwas willkürlich…]

Und es kommt noch schlimmer:

[…] Abgesehen von den Waffen könne die Technik aber auch durch ihr Potenzial für Produkt- und Markenpiraterie problematisch werden

Man kann mit einem 3D-Drucker das hl. Geistige Eigentum verletzen. Da bricht womöglich noch die ganze Wirtschaft zusammen, wenn die Menschen sich einige wucherhaft überteuerte Ersatzteile plötzlich einfach ausdrucken können! Womöglich noch ohne die vorgesehenen Sollbruchstellen im Rahmen der „geplanten Obsoleszenz“ und damit besser als die Originale! Das wäre schrecklich!

Spätestens das ist doch eine Bedrohung, die jedes nur denkbare Verbot rechtfertigt. Klar, dass die Polizeiarbeit da allerhöchste Priorität bekommt. Da kann man auch ruhig mal ein paar Verbrecher laufen lassen!

Fragt sich nur noch eines: Auf welcher Grundlage sind die werten Polizeibeamten des Bundeskriminalamtes und der Bundespolizei zu ihrer erschröcklichen, vorm Deutschen Bundestage mitgeteilten Einschätzung gekommen?

Das BKA hat der parlamentarische Anfrage zufolge noch keine Tests mit 3D-Druckern durchgeführt, beschaffe sich aber gerade ein Gerät

Wer wäre da nicht restlos überzeugt von den Einschätzungen der Polizeibeamten?!

Leider gibt es zurzeit noch keine Möglichkeit — weder für Polizisten, noch für Parlamentarier und auch nicht für die fragwürdigen Gestalten, die eine ausgedruckte Waffe reizvoll finden — sich ein Gehirn auszudrucken.


Angela Merkels opportunistische Grüße aus Alzheim

Ohne weitere Worte | Direktlink zum Video | via Netzpolitik


Wie Kyoto

Zugleich erläuterte Merkel ihr Vorhaben, angesichts der Enthüllungen über das US-Überwachungsprogramm PRISM ein internationales Datenschutzabkommen anzustreben. Ziel müsse ein globaler Vertrag nach Vorbild des Kyoto-Protokolls für den Klimaschutz sein, auch wenn dies „anspruchsvoll“ sei. „Frühere Generationen haben sich eine Menschenrechtscharta gegeben oder eine Welthandelsorganisation. Wir sollten auch im 21. Jahrhundert imstande sein, globale Vereinbarungen zu schließen.“

Heise Online — Merkel hält kürzere Speicherung von Vorratsdaten für denkbar

Ganz kurz nur…

Frau Merkel, sie meinen angesichts der Weltüberwachung durch die Geheimdienste der USA bedürfe es eines internationalen Vertrages zum Datenschutz? So etwas wie das Vertragswerk zum Klimaschutz von Kyoto? Also ausgerechnet einen Vertrag, den die USA niemals ratifiziert haben…

Gut, dass sie das mal gesagt haben. Schönen Sommerurlaub, Frau Bundeskanzlerin!


Des Innenministers Geschwätz von gestern

Dies ist nur ein kurzer Alarmknopf-Rückblick gegen das Vergessen im Strom der immer wieder neuen Bullshit-Nachrichten aus der BRD-Politik.

Der gleiche Innenminister Hans-Peter Friedrich, der heute die Menschen in Deutschland zu mehr Datenschutz aufgefordert hat…

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich nimmt in der Spähaffäre nicht sich selbst, sondern die Bürger in die Pflicht. Der CSU-Politiker rief die Deutschen dazu auf, selbst mehr für den Schutz ihrer Daten zu tun […] Verschlüsselungstechnik oder Virenschutz [sic!] müssten mehr Aufmerksamkeit erhalten, sagte der Minister nach der Sitzung des Gremiums

Quelle: Spiegel Online — NSA-Spähprogramm: Friedrich fordert Deutsche zu mehr Datenschutz auf

…und damit mindestens unterschwellig den Opfern einer rechtswidrigen, jede Verhältnismäßigkeit hinter sich lassenden und menschlich widerwärtigen Totalüberwachung in unverschämter und beleidigender Weise eine Mitschuld an der Überwachung zugeschrieben hat; dieser gleiche Innenminister Hans-Peter Friedrich hat vor noch nicht einmal zwei Jahren das „Ende der Anonymität im Internet“ gefordert:

Blogger sollen mit „offenem Visier“ argumentieren: Für Bundesinnenminister Friedrich ist das eine Lehre aus den Anschlägen von Norwegen, wo ein Einzeltäter sich im Netz radikalisierte […] Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) hat anlässlich der Anschläge in Norwegen ein Ende der Anonymität im Internet gefordert.

Quelle: Spiegel Online — Nach Norwegen-Attentaten: Innenminister Friedrich fordert Ende der Anonymität im Netz

Hier im Alarmknopf gibt es dazu ein paar Worte mehr.

Und vor einem Jahr hat sich der gleiche Innenminister Hans-Peter Friedrich danach gesehnt, dass er einfach „Reinigungsaufgaben“ auf privat genutzten Computern durchführen kann, wie dies in den USA — seiner Meinung nach — für das Innenministerium problemlos möglich sein soll:

Anders als in den USA könne das Innenministerium nicht einfach auf die Computer von Privatkunden zugreifen und dort “Reinigungsarbeiten” übernehmen

Von PRISM hat er natürlich trotz solcher Insider-Kenntnisse über die Kompetenzen und technischen Möglichkeiten der US-Innenministerien nichts gewusst. Das ist sein ganz großes Politikerehrenwort. Ich wiederhole: Sein Ehrenwort.

Was könnte ich noch alles über diesen Bundesinnimini schreiben, der immer wieder schwer verständliche Regungen seiner Hirnkrypta zu geltendem Recht machen wollte. Zum Beispiel…

So ein Bundesminister kommt übrigens nicht durch die Gnade einer glücklichen Geburt an sein Amt, sondern wird gemäß Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland vom Bundespräsidenten auf Vorschlag des Bundeskanzlers — in diesem Fall: auf Vorschlag von Bundeskanzlerin Angela Merkel — ernannt oder entlassen. Diese Kanzlerin muss also aus irgendeinem Grund zur Auffassung gelangt sein, dass Bundesinnimini Hans-Peter Friedrich eine geeignete Besetzung für dieses Amt ist. Vermutlich ist sie zu dieser Auffassung gelangt, weil Hans-Peter Friedrich ihre politischen Beglückungsideen seit Jahren konsequent vertritt und vorantreibt.

Das sollte jenen, die noch wählen, für die bevorstehende Bundestagswahl zu denken geben.


Ein Placebo für Journalismus

Der folgende Text ist ein mit Anmerkungen versehenes Vollzitat des Tagesschau-Kommentares zur anlasslosen Totalüberwachung der gesamten Welt „Ein Placebo für die besorgten Deutschen“ von Mathias Zahn vom SWR. [Hier auch eine dauerhaft archivierte Version im Lande der so genannten „Depublikation“ von Inhalten, die von allen Menschen in der BRD mit einer Quasisteuer bereits bezahlt wurden]

Hinweis für Journalisten: Die in anderer Farbe eingefärbten Textbestandteile sind so genannte Links, die durch einfachen Klick auf andere Texte führen. Sie wurden von mir gesetzt, um eine gewisse Weitschweifigkeit zu vermeiden, und sie sollten immer besucht werden, wenn eine derartig ausgezeichnete Behauptung für den Leser vollkommen unglaubwürdig klingt. Sarkasmus ist hingegen ungekennzeichnet und verrät sich von selbst.

Erwartet wirklich jemand, dass wir am Ende dieser Debatte schlauer sind?

Nicht eine Debatte hat „uns“ — das sind übrigens viele Menschen, die es vorher nicht anders wussten, obwohl sie es bereits hätten wissen können, wenn Journalismus wenigstens im Regelfall das täte, was er vorgibt zu tun — schlauer gemacht, sondern der Entschluss von Edward Snowden, seine ansonsten gesicherte bürgerliche Existenz wegzuwerfen und nicht weiter über Unrecht, das er einmal mitgemacht hat, zu schweigen. Die so genannten „Debatten“, von denen die Tagesschau berichtet, führen nur selten dazu, dass jemand „schlauer“ wird; oft hingegen führen sie dazu, dass viele dumm und unwissend bleiben und sich ihre Meinung von Experten bilden lassen, die freundlicherweise von der gleichen Tagesschau mit Seriosität aufgeladen werden.

Niemals werden die USA zugeben, dass sie millionenfach deutsche Mails und Anrufe überwachen.

Das ist jetzt ja auch nicht mehr nötig. Wer skeptisch gegenüber Edward Snowden war, was die Redaktion der Tagesschau vor ein paar Tagen ja auch gern durch reine Propaganda-Kommentare der WDR-Mietmaulhure Horst Kläuser befördert hat, hat spätestens dann seine Skepsis verloren, als von mehreren Mitgliedsstaaten der NATO in einer konzertierten Aktion auf alle diplomatische Gepflogenheit gepfiffen wurde, um das Flugzeug des bolivianischen Präsidenten Evo Morales zur Landung zu nötigen, damit es durchsucht werden konnte. Natürlich auch mit Hilfe der BRD. Dass wegen dieser dreisten Unverschämtheit mehrere südamerikanische Staaten ihre Botschafter aus Europa abgezogen haben, war natürlich keine besondere Meldung im Newsbetrieb der BRD wert.

Da wird es kein noch so kleines „Sorry“ geben.

Ach! Ein „Sorry“, wie klein und niedlich!

Seit Terroristen das World Trade Center zum Einsturz gebracht haben, sehen sich die Amerikaner im Antiterrorkampf – und sie sehen sich dabei im Recht, auch beim Datensaugen in Deutschland.

Klar, erst seit dem 11. September 2001. Und nicht schon seit dem 9. September 1999, an dem bekannt wurde, dass jede Installation des Microsoft-Betriebssystemes Windows eine Abhörschnittstelle für den NSA enthält. Und nicht schon seit dem 6. Januar 1998, an dem ein umfassendes E-Mail-Abhörsystem des NSA in einer Studie des Europäischen Parlamentes behandelt wurde. Und nicht schon seit dem 20. Februar 1989, an dem der Spiegel über eine umfassende Überwachung durch die NSA berichtet hat, was zu einer Aktuellen Stunde im Deutschen Bundestag führte. Das ist alles erst seit 9/11, und die Toten des fürchterlichen Mordanschlages von New York sind die zurzeit vermutlich am häufigsten zu Propagandazwecken missbrauchten Opfer eines Verbrechens. [Hier der Link zum Text des damaligen Originalartikels im Print-Spiegel] Sie werden übrigens auch missbraucht von diesem Tagesschau-Kommentator, der sich den Fluss seiner vorsätzlich manipulativen „Argumentation“ nicht durch einen kleinen Blick in Archive stören lassen will. So viel Sorgfalt sähe ja auch nach seriösem Journalismus und nicht nach Propaganda und Lüge aus.

Schließlich hat der Terrorist Mohammed Atta lange unentdeckt in Hamburg gelebt, bevor er eines der Flugzeuge ins World Trade Center steuerte.

Und aus diesem Grund müssen Lieschen Müller, Hans Normalo und Tugrul Türkoğlu in ihrer persönlichen und privaten Kommunikation permanent und anlasslos mechanisch belauscht werden: Weil einmal ein Mörder in Hamburg wohnte. Schließlich sollen wir alle verstehen gemacht werden, was der Begriff „Verhältnismäßigkeit“ auf dem neu geschaffenen Überwachungsplaneten bedeuten soll.

Und die deutschen Geheimdienste? Dass der BND vom Abhörprogramm der Amerikaner wusste, will ich doch stark hoffen. Dafür ist ein Geheimdienst schließlich da.

Und dass der BND Rechtsbrüche in einem monströsen Ausmaß geheimhält, ist auch etwas, wofür so ein Geheimdienst schließlich da ist. Ist ja schließlich ein Geheimdienst, dehalb bleibt das auch alles geheim. Und so ein Kanzleramtsminister und so ein Innenminister machen dann gleich weiter mit der Geheimhaltung, denn so ein Amtseid mit „Grundgesetz wahren“ und „Schaden vom deutschen Volk abwenden“ ist ja eh nur eine hohle Phrase für diese Leute, so etwas Ähnliches wie die Lüge ihrer Wahlversprechen.

Dass der BND Daten von den Amerikanern bekommt – auch das eine Selbstverständlichkeit.

Ganz im Geheimen, versteht sich, und schön an diesem Grundgesetz und an der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte vorbei. Und selbstverständlich ist das, versteht sich also aus sich selbst heraus. Das hat die Aktuelle Kame… ähm… die Tagesschau doch so gesagt, also wird es wohl so stimmen.

Dass darunter Daten sind, die nicht sauber nach deutschem Recht beschafft worden sind, auch das ist ganz normal im Geheimdienstgeschäft.

Und was „ganz normal im Geheimdienstgeschäft“ ist, das muss jetzt von jedem Menschen, der genug Charakters hat, um mit diesem blutigen und verachtenswerten „Geschäft“ nichts zu tun haben zu wollen, ebenfalls als eine sein Leben mitbestimmende Normalität hingegenommen werden.

Und morgen im parlamentarischen Theater und in seiner journalistischen Echokammer: „Das Internet ist ein Rechtsfreier Raum„. Die Geheimdienste sind da freilich ganz anders, bei denen ist jeder Rechtsbruch normal und keiner Hinterfragung würdig.

Keine Regierung weltweit wird das jemals bestätigen.

Außer natürlich manchmal, wenn so eine Regierung einen Sprechepresser vorschickt, der allen Menschen durch seinen medial verstärkten Mund vorlügt, wie viele Terroranschläge das anlasslose Bespitzeln aller Menschen auf der Welt verhindert hat.

Was erleben wir also im Wahlkampf? Eine Kanzlerin, die treuherzig beteuert: „Wir haben nichts gewusst“ – und die ernsthaft fordert, die USA sollen sich in Deutschland doch auch bitte an deutsches Recht halten!

Wir“ erleben im Wahlkampf das, was „wir“ in jedem Wahlkampf erleben: Lügen auf allen Kanälen. Ein einziger Reiz für den Speireflex.

Das ist Druck machen ohne Druckmittel, ein Placebo für die um ihre Daten besorgten Deutschen.

Hach, so ein bisschen Drückchen. Dabei gäbe es durchaus Druckmittel, von denen dieser öffentlich-rechtlich geadelte Qualitätsjournalist aber leider nichts sagen möchte. Zum Beispiel könnte eine entschlossene Bundesregierung mal ein paar Geheimverträge in Frage stellen, die noch unter Besatzungsrecht entstanden sind und die immer noch die Grundlage dafür sind, dass US-Einrichtungen ihr weltweites Spähprogramm auch auf dem Hoheitsgebiet der BRD in großen technischen Anlagen vorantreiben. Ja, diese Anlagen, in denen Nähe man nicht einmal gemeinschaftlich spazierengehen darf, ohne dass man Polizei und Staatsschutz kennenlernt. Und angesichts des Vertrauensbruchs, dass die Terrorgefahr sogar durch Belauschen von EU-Einrichtungen bekämpft wird, sind dies Verträge, die man in Zukunft durchaus als nichtig betrachten könnte… oder die man doch wenigstens einfach mal für die Menschen in der BRD offenlegen könnte, um etwas für die politische Willens- und Unwillensbildung zu tun. Besser, der quasibesoldete Kommentator des Staatsfernsehens tut da so, als wäre nichts über Placebo-Niveau möglich.

Und die Opposition meint, endlich fündig geworden zu sein in ihrer krampfhaften Suche nach einem Wahlkampfthema, das zieht.

Ach, wie überraschend! Was sollen die Oppositionsparteien denn sonst machen, wenn der Ball auf dem Elfmeterpunkt liegt, kein Torwart im Tor steht und der Rasen auch noch abschüssig ist? Wer eine solche Gelegenheit nicht nutzt, der wäre als „krampfhaft“ zu bezeichnen.

„Merkel hat den Amtseid gebrochen“, brüllt [sic!] der SPD-Kanzlerkandidat jetzt sogar und wirkt dabei reichlich unglaubwürdig. Schließlich hat die SPD an der Regierung lange selbst die Geheimdienste gesteuert und die Sozialdemokraten hatten auch lange kein Problem mit der Vorratsdatenspeicherung.

Übrigens ist es nicht so, dass die SPD „kein Problem“ mit der anlasslosen Überwachung hatte, die im manipulativen Neusprech irreführend „Vorratsdatenspeicherung“ genannt wird und die offen gefordert wurde, sondern es ist so, dass die SPD kein Problem mit dieser anlasslosen Überwachung hat und diese aus dem Mund namhafter SPD-Politiker unter fadenscheinigen Vorwänden offen einfordert.

Nein, die Politik wird nicht alle unsere Daten schützen, nicht schützen können. Dafür müssen wir schon selbst sorgen.

Ganz so, wie es ein anderer Qualitätsjournalist in der Zeit sinngemäß geschrieben hat: Wer nicht kommuniziert, kann auch nicht belauscht werden, also kommuniziert nicht mehr arglos überall miteinander. So haben wir uns das mit der Freiheit alle vorgestellt! Gehen wir einfach zum Reden in den Wald! Hauptsache, die Reklame und die Propaganda kommen noch durchs Netz.

Jeder kann entscheiden, ob er die Datenkraken Facebook, Google und Co. täglich mit Persönlichstem füttert und jeder kann lernen, wie er seine E-Mails verschlüsselt.

Jeder kann selbst entscheiden, was für ein arschlochhafter Hinweis! Als ob auf einem Überwachungsplaneten Facebook und Google das Problem wären! Jeder kann selbst entscheiden, ob er Betriebssysteme mit integrierter NSA-Hintertür verwendet, die mittlerweile zum für viele Menschen unausweichlichen Standard geworden sind; jeder kann selbst entscheiden, ob er ein Handy benutzt oder lieber von seiner sozialen Bezugsgruppe abgeschnitten wird; jeder kann selbst entscheiden, ob er übers Festnetz transparent IP-telefoniert und es in Kauf nimmt, dass alles am Telefon Gesagte aufgezeichnet, automatisch verschlagwortet und von einer fernen, technokratischen Megastasi ausgewertet wird, einschließlich der problembeladenen Gespräche mit der alkoholkranken Tochter und dem sterbenden Vater. Klar, jeder kann da… entscheiden.

So spricht jemand, der mit jedem seiner Worte dokumentiert, wie sehr ihm alle Menschen gleichgültig sind, so lange es ihm selbst als journalistische Frontfresse und kleines Rädchen im Propagandabetrieb gut geht.

Und natürlich kann auch jeder lernen, wie man E-Mails verschlüsselt, gar kein Problem. Bei der Tagesschau allerdings eher weniger. Wenn man über Skype kommuniziert, soll das ja auch verschlüsselt sein, sagt zumindest Microsoft. Richtige Verschlüsselung ist da ein wenig anspruchsvoller, und dass man sich zur Erfüllung des menschlichen Grundbedürfnisses nach Kommunikation über so etwas wie Verschlüsselung überhaupt Gedanken machen muss, ist bereits ein großer Schaden am Leben des Einzelnen und an der gesamten Gesellschaft.

Ganz so leicht sollten wir es unseren amerikanischen Freunden von der NSA nicht machen!

Denn die Ursache dieser Überwachung ist es ja, dass „wir“ es den Überwachern leicht machen. Es hat nichts mit den Überwachern… sorry… es hat nichts mit den Freunden zu tun, die schon am Ende der Achtziger Jahre jenen Überwachungsapparat aufgebaut haben, den sie heute als eine Reaktion auf 9/11 hinstellen, ohne dass ihnen ein mit Zwangsgebühren alimentierter Qualitätsjournalist des BRD-Quasistaatsfernsehens darin widersprechen möchte.

Mathias Zahn hatte sich mit seinem Kommentar der Aufgabe entledigt, etwas zur weltweiten Überwachung der gesamten menschlichen Kommunikation durch US-amerikanische und britische Geheimdienste zu sagen. Die Weise, in der er sich dieser Aufgabe entledigt hat, verrät, was für einen Charakter dieser Mensch hat — und sie verrät, mit welchem Charakter man es in der Tagesschau-Redaktion der ARD zu etwas bringen kann. Diese Einsicht kann auch eine Hilfe sein, die pseudoobjektive Meldungsauswahl der Tagesschau-Redaktion zu verstehen.


Stoppschild für Schaufenster

Wo normalerweise Bäckereien und Bekleidungsgeschäfte mit Auslagen für ihre Ware werben, war alles schwarz. Mehr als 50 Geschäfte verhüllten ihre Schaufenster und Auslageflächen mit einer dunklen Folie. Es war ein stummer Protest der Geschäftsleute, die sich als lokaler Einzelhandel immer mehr durch das Internet verdrängt sehen

[…]

„Die symbolische Ödnis an diesem Wochenende zeigt doch eindrucksvoll, wie eine Innenstadt ohne unsere Geschäfte aussähe“, erklärt Robben. Er rechnet mit verlassenen Häuserblocks und ungeschmückten Straßenpassagen. Außerdem fielen Spenden an lokale Kultur- und Sportvereine weg.

RP-Online — Verhüllte Schaufenster in Tönisvorst: Händler protestieren gegen Internet-Käufer

Schwarze Schaufenster und über den Qualitätsjournalismus transportierte apokalyptische Visionen von geradezu postnuklear entvölkerten Städten, das wird ganz bestimmt helfen… :mrgreen:


Die diesjährige Zukunft des Fernsehens

Am Horizont ist nicht nur eine Wahl zu sehen, sondern auch eine IFA — und da müssen die Werber klarmachen, worin dieses Jahr — anders als bei den vergangenen Zukünften der letzten Jahre — die „Zukunft des Fernsehens“ besteht:

Nun soll es eine Werbekampagne richten, die offiziell zur Internationalen Funkausstellung im September im Berlin startet und bis zum Jahresende läuft. Dazu haben sich Hersteller, Händler und Elektronikverbände in einer Brancheninitiative namens „Smarter Fernsehen“ zusammengetan mit dem Ziel, „Verbrauchern dieses interaktive Fernseherlebnis näherzubringen“. Auf der gleichnamigen Homepage und in Elektronikmärkten will man die Kundschaft von den Segnungen des Internetfernsehens überzeugen.

Dazu haben die Reklamemacher auf eine Anmutung gesetzt, die teilweise an den Werbestil der fünfziger und sechziger Jahre erinnert. „Smarter fernsehen zeigt, was in ihrem Fernseher steckt“, verspricht eine Anzeige, in der eine fröhliche Cartoon-Familie auf einen überdimensionalen Flachbildschirm mit Logos von Facebook, Skype, Twitter und Youtube blickt

FAZ — Fernsehen im Internet: Die TV-Industrie hofft auf Mr. Smart

Ohne (weitere) Worte.


Keine falschen Sicherheitsgefühle

Nachdem inzwischen alle Sicherungssysteme geknackt werden können, wie der einschlägigen Presse zu entnehmen ist, wollen wir unseren Nutzern nicht falsche Sicherheitsgefühle durch Kommunikation einer vermeintlich sicheren Methode geben. Deshalb auch haben wir keinen anonymen Briefkasten etc. Nur analoge Kommunikation kann halbwegs gesichert werden

Stefan Plöchinger, Chefredakteur sueddeutsche.de, auf die für einen Journalisten, der zumindest so tut, als sei er um Informatenschutz bemüht vielleicht nicht ganz unwichtige Frage, ob man seine Redaktion auch verschlüsselt anmailen könnte.

Ich mags ja kaum noch kommentieren

Was habe ich nicht alles von diesem „Qualitätsjournalisten“ gelernt. Zum Beispiel, dass „analoge Kommunikation“ halbwegs gesichert werden kann — jeder Bürger der ehemaligen DDR wird wohl noch wissen, inwieweit die dort verwendeten analogen Telefonleitungen halbwegs abhörsicher waren. Und die Verwendung starker und mit gegenwärtiger Technik nur unter monströsem Aufwand brechbarer Kryptografie vermittelt ein „falsches Sicherheitsgefühl“, so dass man doch besser unverschlüsselt mailt. Glückwunsch, Herr Chefredakteur, sie können an diesem schönen, warmen Tag ihr wohlverdientes Bad im Aquarium der Blindfische nehmen. Platsch!

Übrigens: Ein gewisser Edward Snowden fand mit seinen Insiderkenntnissen vom NSA und mit seinem Wissen um die weltweite Totalüberwachung des E-Mail-Verkehrs PGP-verschlüsselte E-Mail hinreichend sicher. Oder, um es in der Wertung dieses extrakompetenten Spezialexperten von deutschen Presseschreiber zu sagen: Edward Snowden hatte wohl ein falsches Sicherheitsgefühl entwickelt…


Quelle: Online

In Brasilien ist ein Fußballspiel am vergangenen Sonntag tragisch geendet. Wie die italienische Sportzeitung „La Gazetta dello Sport“ online berichtet, kam es bei einem Amateurspiel in Bundesstaat Maranhão im Nordosten des Landes zu einer Eskalation: Demnach stach ein Schiedsrichter im Amateurstadion Pio XII einen Spieler mit einem Messer nieder. Danach sei er dann selbst von den wütenden Freunden und Angehörigen des Sportlers gelyncht worden.

Focus Online — Brutaler Lynchmord auf dem Fußballplatz: Schiri von Mob bestialisch gesteinigt und zerstückelt

Anmerkung

Ich bin ja inzwischen viel Gehirnverweigerung von den Online-Qualitätsjournalisten (demnächst, ab dem 1. August durch ein „Leistungsschutzrecht“ privilegiert) gewohnt, und seit ich wegen des Alarmknopfes ein wenig aufmerksamer lese, erwähne ich die kleineren Auswirkungen der alltäglichen Idiotie der Presse im Web schon gar nicht mehr, weil ihre Auflistung ermüden würde. Aber dass „Focus Online“ hier als Quelle für eine sehr reißerisch klingende Meldung explizit eine italienische Sportjournaille-Website angibt und dann jede Linksetzung auf die Quelle unterlässt, ist in Sachen Online-Journalismus schon herausragend bescheuert.

Um einmal nachzureichen, wozu die Journalisten unfähig zu sein scheinen: Hier der Link auf die von Focus Online referenzierte Sekundärquelle, und hier der Link auf die weder von Focus Online noch von der „Gazetta dello Sport“ verlinkte Primärquelle. Diese Quellen mit einer Suchmaschine zu finden, hat mich, der ich weder Italienisch noch Portugiesisch kann, keine fünfzehn Minuten gekostet — und wer Interesse an den Quellen hat, könnte sich diese Viertelstunde völlig sparen, wenn die Qualitätsjournalisten sich die vergleichsweise geringe Mühe machten, ihre Quellen einfach zu verlinken. Sie werden diese Quellen doch hoffentlich gelesen haben, bevor sie schreiben…

Ich habe unter mein Zitat aus „Focus Online“ schließlich auch nicht „Quelle: Focus Online“ ohne weitere Angaben geschrieben. Sonst könnte ich mir die Zitate ja beliebig ausdenken…