Sie reden vom Netz wie Blinde vom Licht

Archiv für Februar, 2013

Bitte vernichten

Übermittelte E-Mail wird hiermit zurückgerufen. Bitte vernichten!

Text einer E-Mail des Bundesamtes für Verfassungsschutz [Dauerhaft archivierte Version]

Und morgen lernen die Spezialexperten eines Inlandsgeheimdienstes der BRD, was dieses komische BCC: vor einer Mailadresse bedeutet.

Ach ja, Blindfisch!


Proxyserver? Verbieten!

Strafverfolgung müsse im Falle kriminellen Handelns möglich sein. „Wir fordern daher die Untersagung einer vollständigen Verschleierung der eigenen Identität mit Hilfe von technischen Manipulationen“, erklärte Hauk. Einen Klarnamenzwang im Internet lehne die Partei jedoch ab.

Peter Hauk, CDU Baden-Württemberg, Vorsitzender der Landtagsfraktion und netzpolitischer Sprecher [!] der Fraktion, indirekt zitiert über Golem

Genervter Kurzkommentar

Gratuliere, Herr Hauk! Sie haben mal eben die Idee, die Verwendung von Proxyservern zu kriminalisieren. Es geht ihnen ja um IP-Adressen, wenns ihnen nicht um Klarnamen geht. Dass die Datenpakete keinen elektronischen Personalausweis tragen, ist also in ihr „netzpolitisches“ Bewusstsein getröpfelt. Und warum wollen sie das? Ach ja, weil sie in ihren polizeistaatlichen Beglückungsideen keinen Platz mehr für das „gefühlte Menschenrecht“ auf anonyme Nutzung des Internet lassen möchten. Und nein, es geht ihnen nicht nur um Tor und eher klassische Proxies (und natürlich um VPNs), sondern um jedes Hilfsmittel zur „Verschleierung“ (warum nicht gleich „Internet-Burkas“) der eigenen Identität. Ein Link auf eine Liste von Glype-Proxies ist also ein Link zu „Hilfsmitteln“, die ihrer Meinung nach kriminalisiert werden solen. Am besten gleich den Link mitkriminalisieren!

Ganz großes Kino. Während ein gewöhnlicher Internetnutzer ohne illegale Absichten keine legale Möglichkeit mehr haben soll, sein bisschen Recht auf Anonymität wahrzunehmen — was ja angesichts der ausgeweiteten wirtschaftlichen und kriminellen Datensammeleien auch eine Maßnahme zum informationellen Selbstschutz ist — werden die richtigen Verbrecher weiterhin ihre Botnetze aus kriminell übernommenen Privatrechnern zur Verfügung haben. Das schafft doch die „klaren Regeln im Netz“, von denen sie ebenfalls faseln: Verbrecherschutz und gleichzeitige juristische Gängelung legitimer Netznutzung. Nehmen sie ihren Platz im Aquarium der Blindfische ein und machen sie dort ihre fröhlichen Blubberbläschen! Platsch!

Siehe auch Fefes Blog


Mailadresse? 40 Euro monatlich!

Auf der einen Seite hat der Verbraucher den Wunsch nach kostenlosen Diensten, zugeschnittenem Service und innovativem Internet und auf der anderen Seite auch den Wunsch nach einem hohen Datenschutz. Sie schreiben mir Ihre Email wahrscheinlich auch von einem Emaildienst, der Ihnen kostenlos zur Verfügung steht?

Sehr strenge Regelungen für die Werbewirtschaft, die die Einwilligung des Verbrauchers benötigen, können z.B. zu kostenpflichtigen Emailkonten führen. Denn auch wenn es bisher nicht so wahrgenommen wird: Der Verbraucher „zahlt“ kostenfreie Dienste mit der Möglichkeit der Anbieter zur Nutzung seiner Daten. Der Mehrwert werbefinanzierter Dienste wird auf ca. 40,- EUR pro Nutzer und Monat geschätzt. Ob im Gegenzug Nutzer bereit wären, 40,- EUR pro Monat für Online-Dienste zu bezahlen, erscheint mir sehr fraglich. Deshalb sollte man im Interesse des Nutzers einen noch ausgewogeneren Ansatz finden.

Axel Voss, CDU, Abgeordneter im Europäischen Parlament, Mitglied im Ausschuss für Bürgerliche Freiheiten, Justiz und Inneres

Kommentar

Woher der Herr Axel Voss seine absonderlichen Preisvorstellungen für eine nicht werbefinanzierte Mailadresse hat, die ihren Nutzer jeden Monat vierzig Euro kosten soll, ist etwas rätselhaft. Es ist durchaus möglich, einen leistungsfähigen virtuellen Server für einen geringeren monatlichen Preis zu mieten. Wenn es aber einfach nur um eine Mailadresse geht, ist man etwa bei HostEurope [von mir willkürlich ausgewählt] mit einer einmaligen Einrichtungsgebühr von rund 10 Euro und monatlichen Kosten für die verwendete Domain unter einem Euro dabei und hat eine vollwertige, eigene Mailadresse, die nicht den unbegrenzten Datensammelbegehrlichkeiten der Reklameindustrie dient und die selbstverständlich über IMAP, POP3 und SMTP verwendet werden kann, so dass sie mit jedem E-Mail-Programm nutzbar ist. Vermutlich gibt es bei anderen Hosting-Anbietern noch preiswertere Angebote.

Der erschröckliche Betrag, den der Herr Voss da nennt, soll — wenn es sich nicht um blanke Unkenntnis und Inkompetenz handelt, sondern „nur“ um die gewöhnliche politische Lüge — erschrecken und verängstigen, auf dass niemand mehr allzu große Bedenken hat, dass die Reklameindustrie riesige Datensammlungen aus der persönlichen Kommunikation von Menschen anlegt. Wie sehr jemand, der entweder vollkommen unwissend ist oder derart offen lobbygesteuert seine Wähler anlügt, dafür geeignet ist, den gesetzlichen Rahmen des Datenschutzes festzulegen, möge bitte jeder selbst entscheiden.


Schrecklich! E-Mails prallen auf das AKW!

Der nächste 11.-September-Anschlag kommt per E-Mail. Deshalb brauchen wir schnellstens mindestens 2000 Cyber-Cops […] Dass Hacker-Terroristen ein AKW zur Explosion bringen [sic!], die Stromversorgung unserer Städte kappen oder Klärwerke stoppen, um die Bevölkerung zu vergiften, sind reale Bedrohungsszenarien

Rainer Wendt, Bundesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft

Kommentar

Ich kann mir nach diesen gnadenlos angstvollen und hirnlosen Worten des Herrn Wendt sehr bildhaft vorstellen, wie die zweitausend „Cyber-Cops“ sich an die Datenleitungen zu den Atomkraftwerken stellen und in jede einzelne Mail mit dem Cyber-Röntgengerät schauen, ob da vielleicht ein Cyber-Bömbchen drin versteckt ist. Todesmutige Cops, die einen ganzen 48-Stunden-Tag lang arbeiten müssen und bei hohem Spamaufkommen auch noch die Nacht hinzunehmen.

Die für normal denkende Menschen (also Leute, die nicht in der Deutschen Polizeigewerkschaft organisiert sind) naheliegende Forderung, dass die Steuersysteme von Kernkraftwerken, Elektrizitätswerken oder Wasserwerken zur Vermeidung eines sachlich völlig unnötigen Angriffsrisikos in keinem Fall und nicht einmal indirekt mit dem Internet verbunden sein dürfen, kann dieser cybersicherheitspolitischen Kompetenzgranate allerdings nicht aufkommen — was wunder, gibt der Herr Wendt sogar zu glauben vor, dass eine E-Mail ein Kernkraftwerk zur Explosion bringen kann. Vermutlich ist er persönlich so gestrickt, dass er erstens unter Microsoft Windows arbeitet und zweitens jeden Tag auf alles klickt, was sich nur anklicken lässt und hat aus dieser Arbeitshaltung schon die eine oder andere persönliche Katastrophe erlebt.

Übrigens klingt eine saudumme „Argumentation“ und eine darin abgeleitete, eben so dumme Idee nicht intelligenter, wenn man Polizeibeamte im Fachbereich Internet krampfjugendlich als „Cybercops“ bezeichnet. Dass es angesichts einer gut organisierten Kriminalität (und angesichts existierender destruktiver Angriffe) im Internet Bedarf für gut ausgestattete, motivierte und geschulte Fachpolizisten gibt, ist nämlich unbestritten. Genau dieser relativ vernünftige Gedanke erstickt allerdings unter der prolldoofen Bildzeitungssprache dieses Großkopferten einer Organisation von Polizeibeamten, die in jeder dürren Worthülse die vollständige Inkompetenz durchblicken lässt.

Nachtrag 21. Februar: Die Stellenausschreibung für die „Cyber-Cops“ durch das BKA — eine großartige Satire, von der ich mir wünschte, sie wirkte absurder. [via Fefes Blog]


Wesensveränderung durch Computerspiel „Fifa“

Die Frage ist doch, verändert sich durch’s Daddeln nur die Virtuosität des Daumens, verändert sich der Hirnbereich, der den Daumen steuert, oder verändert sich durch das Daddeln auch das Wesen eines Menschens? Die Frage stellt sich nach einem prominenten Beispiel

Frank Plasberg in der gelenkten Gesprächszurschaustellung „Hart aber fair“, zitiert nach Stigma Computerspiele

Kein Kommentar

Denn alles, was zu dieser im öffentlich-schrecklichen Fernsehen, also in einem mit Zwangsgebühren bezahlten quasistaatlichen Medienapparat, so hinterfotzig aufgeführten Lüge (also bewusst und in Hinblick auf den manipulativen Effekt geäußerten Unwahrheit) zu sagen wäre, kann und sollte bei „Stigma Computerspiele“ nachgelesen werden.