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Google manipuliert die angezeigten Suchergebnisse

Am Donnerstag kündigten die deutschen Verlage Axel Springer, Madsack und Funke, der französische Großverlag Lagardère sowie eine Reihe kleinerer Google-Wettbewerber der Firma von Larry Page eine Wettbewerbsbeschwerde an. Google habe in der Europäischen Union einen Marktanteil von über 90 Prozent und manipuliere seine Suchergebnisse, heißt es in dem „Manifest“ des „Open Internet Projects“.

Heise Online — Wirtschaftsminister Gabriel denkt über harte Regulierung gegen Google nach

Nur eine Anmerkung

Google manipuliert bei riesigem Marktanteil seine Suchergebnisse und ist deshalb „böse“ und muss zerschlagen werden? Oder, um es mit den früheren Worten einer Publikation des Blutzeitungsherausgebers Axel Springer zu sagen: „Es geht um die informationelle Enteignung des Menschen im Namen einer totalitären Wachstumsstragie“ — nein, diese Kampagne von Baumbestemplern, die gerade durch die NITF-Feeds der großen Nachrichtenagenturen gespült wird, als sei sie eine wirkliche Nachricht, ist gar nicht so neu, und solche Kampagnen sind mit ermüdender Regelmäßigkeit voller als „Fakten“ verkaufter Lügen und mit absurd-kindischen Schuldzuweisungen an Google zur Verdummung der Menschen angereichert. Und das noch noch in den absurdesten Kontexten.

Nun, ich weiß nicht, ob der unbelegte Vorwurf stimmt, dass Google die angezeigten Suchergebnisse manipuliert. Niemand weiß das, der nicht bei Google einen Überblick über das (sicherlich recht komplexe) Gesamtprojekt Indizierungsalgorithmus hat. Stattdessen habe ich eine sinnvolle, durch Erfahrung belegte Annahme, und die lautet, dass Google sehr stark darum bemüht ist, Suchergebnisse anzuzeigen, die für die Nutzer seiner Suchmaschine nützlich sind. Diesen Eindruck erweckt Google, seitdem ich Google irgendwann zum Ende der Neunziger Jahre zum ersten Mal gesehen und ausprobiert habe. Mit diesem bei der Nutzung aufkommenden Eindruck hat Google als Neuankömmling damals gut eingeführte Suchmaschinen-Anbieter wie Altavista und Yahoo so weitgehend verdrängt, dass sie bis heute beinahe bedeutungslos sind — und dafür war nicht einmal Werbung erforderlich, sondern die überlegene Qualität der Suchmaschine hat sich von ganz allein herumgesprochen, als Google noch in einem frühen Beta-Stadium war. Durch dieses Streben Googles bekam und bekommt die Suchmaschine Google einen Nutzen, der zurzeit durch das Reklamegeschäft monetarisiert wird¹.

Aber ich weiß, wo (unter anderem) mit allen Mitteln und leider immer wieder mit Erfolg versucht wird, die bei Google eingesetzten Algorithmen manipulativ mit künstlichen, eigens dafür hergestellten Daten zu füttern, damit die Menschen nicht mehr das finden, was sie gesucht haben, sondern stattdessen das, was diese professionellen Manipulateure sie finden lassen wollen: Zum Beispiel bei den Internet-Publikationen der Axel Springer AG. (Und bei den meisten anderen „qualitätsjournalistischen“ Produkten, die ebenfalls bei jeder sich bietenden Gelegenheit in diesen Jammersang einsteigen. Dass dabei Methoden angewendet werden, die eher an halbseidene bis kriminelle Machenschaften erinnern und die Suchmaschine Google so stark sabotieren, dass sie für bestimmte Anwendungen nahezu unbrauchbar wird, ist den Qualitätsjournalisten und Presseverlegern dabei regelmäßig egal.)

Schon dumm, wenn ein Finger auf Google zeigt, aber drei Finger auf den Zeigenen zurückweisen — da hilft es dann auch nicht, wenn sich ein Sigmar Gabriel danebenstellt und dem Bullshit politisches Gewicht gibt.

Mein kleiner Gruß am Rande geht an eine Sozialdemokratische Partei Deutschlands, deren Frontfresse Sigmar Gabriel zu einem offen auftretenden Anwalt für die Springer-Presse geworden ist — wer hätte das in den Sechziger, Siebziger und Achtziger Jahren für möglich gehalten?! Die politischen Positionen und die Propagandamethoden der Springer-Presse haben sich seitdem übrigens nur wenig verändert und sind nicht einmal subtiler geworden, und sie sind in ihrem Appell an rasende Affekte auch nicht weniger intolerant, faschistoid und mörderisch geworden. Sozialdemokraten, die sich aus unerfindlichen Gründen immer noch in der SPD aufhalten, sei hier als kleine Denksportaufgabe mitgegeben, was sich dann wohl stattdessen verändert haben wird… :mrgreen:

¹Ich weiß auch, dass Google Benutzer trackt und personalisierte Ergebnisse anzeigt, und ich halte das für eine Fehlentwicklung und einen erheblichen Eingriff in die Privatsphäre der Nutzer. Noch mehr missfällt mir die Idee Googles, über seinen Reklame-Dienst und seine Social-Media-Angebote große Teile des Webs in eine Tracking-Engine umzubauen, und viele andere Ideen Googles erscheinen mir noch schlimmer. Ich bin froh, dass es bei Suchmaschinen Alternativen gibt — und ich muss beim Vergleich mit Alternativen leider immer wieder feststellen, dass Google eine wirklich gute Suchmaschine betreibt. Es ist sogar möglich, alternative Suchmaschinen mit Google zu finden…


Christoph Keese: Lügen, bis sich die Balken biegen!

Sehr gern würden die Verlage auf eine Möglichkeit zurückgreifen, von Suchmaschinen und Aggregatoren nur indexiert und vielleicht mit einer Überschrift zitiert zu werden. Doch genau diese Differenzierungsmöglichkeit bietet Google wie die allermeisten anderen Aggregatoren nicht an

Christoph Keese, Lobbyist der Axel Springer AG [archivierte Version | Zitat bei Stefan Niggemeier]

Kurzkommentar

Der Herr Keese, der hier so tut, als würde Google Meta-Angaben oder eine robots.txt ignorieren, spricht für einen Verlag, der mit offener Google-Manipulation dafür sorgt, dass Googles Bot deutlich mehr Inhalte als ein menschlicher Leser sieht. Und der will sagen, dass er für Verlage spricht, die „nur mit einer Überschrift“ zitert werden sollen? Unfassbar schlechtes Lügen, Herr Keese!

Aber ich hätte von der Axel Springer AG auch nichts anderes erwartet.


Gutsherren 2.0 haben ein Recht auf Verlinkung und Bezahlung für die Verlinkung

Der Gesetzentwurf macht sehr deutlich, dass Snippets vom Leistungsschutzrecht umfasst sein sollen […] Die Stellungnahme von Herrn Rohleder könnte als Drohung eines Delistings durch den Marktbeherrscher Google zu verstehen sein für den Fall, dass Verlage ihre legitime Forderung nach Vergütung ihrer in Anspruch genommenen Leistungen aufrechterhalten. Beim Aussprechen solcher Drohungen ist es ratsam, das Wettbewerbsrecht im Auge zu behalten.

Christoph Keese, Lobbyist für die Axel Springer AG

Ohne Worte.


Suchmaschinen: Die Diebe des Internet

Wir versprechen uns keine großen Einnahmen von diesem Leistungsschutzrecht. Das ist jetzt auch gar nicht unser Ziel. Uns geht es dabei darum: Das ist unser geistiges Eigentum und unser Anspruch. Und wir wollen einfach gerne vorher gefragt werden. Und wichtig ist auch, dass große Martkteilnehmer wie Guggel nicht einseitig den Preis auf null festsetzen. Das wäre so, als wenn ich selber in den Supermarkt gehen würde und würde mir da was rausholen. Da ist ja auch keine Schranke vor dem Supermarkt. Da kann ich ja auch reingehen einfach. Da ist auch nicht alles ausgezeichnet, das vergisst die Verkäuferin ab und zu mal. Und trotzdem würde ich nie auf die Idee kommen, mir die Spreewaldgurken umsonst rauszunehmen. Sondern ich würde dann hingehen und fragen: „Was kosten die, bitte?“, und dann würde ich das bezahlen

Dietrich von Klaeden, Leiter für Regierungsbeziehungen bei der Axel Springer AG, zitiert aus der Transkription von Stefan Niggemeier

Kurzkommentar

Nein, Herr von Klaeden, die Arbeit einer Suchmaschine ist mitnichten ein Diebstahl in einem Supermarkt (deshalb verschwindet ja auch nirgends etwas), sondern sie ist sinnbildlich so, als würden sie in den Supermarkt gehen, nichts kaufen und nichts mitnehmen, die Produkte dort stehenlassen, aber sich diese genau anschauen und sich anschließend hinstellen und potenziell interessierten Kunden sagen, welche Produkte es im Supermarkt gibt und welche Eigenschaften diese haben. Dies hülfe interessierten Kunden, die für sie besten Produkte zu finden. Ihre Idee, dass jemand für diesen Dienst, der vor allem dem Supermarkt und seinen Kunden nützt, Geld an den Supermarkt bezahlen soll, ist schlechterdings gehirnverrottet. Wenn Supermärkte — die in ihrer merkwürdigen Parabel, Herr von Klaeden, ausgerechnet dasjenige Verlegergewerbe repräsentieren, dessen Interessen sie klandestin in den von Presse und Öffentlichkeit unbeobachteten Berliner Mauschelstuben vertreten — nicht in Wirklichkeit darum bemüht wären, ihren Kunden immer wieder einmal für sie nachteilhafte, also minderqualitative und/oder überteuerte Produkte, anzubieten, dann würden sich sogar die Supermärkte selbst um einen derartigen Dienst bemühen, der ja dann auch für die Supermärkte nur Vorteile hätte.

Aber dafür, Herr von Klaeden, dass ihre Parabel so ein billiger rhetorischer Trick ist, der schon beim leichten Klopfen ganz hohl klingt, dafür ist wenigstens ihre vorsätzlich kriminalisierende Rhetorik gegenüber Gestaltern des Internet eine Offenbarung ihres ausgesprochen unerfreulichen Charakters. In gewöhnlicher Umgangssprache würde ein Mensch mit einem Charakter wie dem ihrigen, Herr von Klaeden, durch die derbe Benennung einer wenig appetitlichen Körperöffnung bezeichnet werden.