Sie reden vom Netz wie Blinde vom Licht

Archiv für November, 2011

Streifennetzpolizisten nach Uhl

Die Sicherheitsbehörden müssen stärker als bisher im Netz auf Streife gehen.

Hans-Peter Uhl (CSU), innenpolitischer Sprecher der CDU/CSU-Fraktion im Bundestage

Kurzkommentar

Ich drücke hiermit — sicherlich im Einklang mit allen anderen Nutzern und Gestaltern des Internet — meinen Wunsch aus, dass sich die umherstreifenden Ermittler bei ihren Streifengängen durch das doch recht… ähm… ausgedehnte Netz nicht verlaufen mögen und wünsche ihnen, Herr Uhl, alles Gute für ihren weiteren Lebensweg. Willkommen bei den Blindfischen.

[Gefunden via deetho]

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Einfach übersehen: Die einfache Möglichkeit

Blogger Doctorow verwies auf die in Web-Browsern integrierte Option zum Blockieren von lästiger Werbung über dem Text, die zum Niedergang dieser Werbeform geführt habe: „So eine einfache Möglichkeit müsste es auch gegen die Daten geben, die Webseiten-Betreiber über uns speichern.“

tagesschau.de: Google will reden, aber nichts sagen

Kommentar

Ich weiß ja nicht, welche Browser der vom quasistaatlichen Fernsehen der Bundesrepublik beim Berichten über eine Google-Reklameveranstaltung zitierte Blogger in den letzten zehn Jahren benutzt hat. Ich kann also nicht ausschließen, dass der hier zitierte Blogger immer noch mit dem Internet Explorer 6 oder dem Netscape Navigator 4.51 unterwegs ist, auch wenn dies zu einer ziemlich unbefriedigenden Internet-Erfahrung führt.

Wer hingegen einen halbwegs zeitgemäßen Browser benutzt, kann angesichts dieses Zitates nur mit dem Kopf schütteln. Die gegenwärtigen Vorgehensweisen der großen Tracker und Datensammler funktionieren entweder über Skripting oder über Seiteneffekte von Plugins. In Form des beliebten Plugins NoScript steht seit gut fünf Jahren eine einfache Möglichkeit zur Verfügung, die derartiges Tracking unterbindet, es aber aus Nutzersicht sehr einfach macht, für bestimmte Sites Ausnahmen zu definieren. Es ist für jemanden, der wirklich an seiner Privatsphäre interessiert ist, schon sehr schwierig, davon noch nichts gehört zu haben. Offensichtlich ist eine derartige Blindheit gegenüber technischen Entwicklungen aber kein Hindernis, wenn man auf einer Reklameveranstaltung des großen Werbevermarkters und Datensammlers Google spricht — auch wenn einfaches Googeln hier schnelle Abhilfe schafft. Die Verwendung ist genau so einfach wie die Benutzung eines guten Adblockers.

Eine weitere Möglichkeit, Tracking über Site-Grenzen hinweg zu machen, besteht in der Ablage von Cookies durch eingebundene Inhalte (so genannte Webbugs). Es kann in jedem mir bekannten Browser eingestellt werden, dass Cookies nur von der aufgerufenen Site akzeptiert werden sollen. Die Frage, warum diese einfache Maßnahme nicht eine Standardeinstellung aller Browser ist, klärt sich am schnellsten, wenn man schaut, welche Konzerne an der Entwicklung freier Browser beteiligt sind und naturgemäß kein so großes Interesse am Schutz der Privatsphäre der Surfer haben.

Ebenfalls schon seit Jahren gibt es den „Nischenbrowser“ Opera. Dieser ermöglicht ohne jedes Plugin das globale Abschalten diverser Features (unter anderem Plugins, JavaScript, Cookies) und das explizite Zulassen der Features in jeweils Site-spezifischen Einstellungen. Das ist zwar aus Nutzersicht umständlich, aber ebenfalls wirksam.

Aber dass die ARD-Tagesschau, wenn sie über Googles Reklame berichtet über die Dinge aufklärt, die in Googles Reklame aus Eigeninteresse verschwiegen werden, wäre ja zu viel verlangt.


Bullshit: Wechselnde IP-Adressen = Anonymität

Weil die bisherigen Internet-Adressen erschöpft sind, muss ein neuer Standard eingeführt werden – mit nahezu unendlich vielen Adressen. Das Problem: Damit kann künftig jeder eindeutig im Netz identifiziert werden. Das wollen die Datenschützer unbedingt verhindern.

[…] Der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar sprach am Dienstag auf einem Symposium in Berlin von möglicherweise dramatischen Konsequenzen für alle Internet-Nutzer: Mit IPv6 und der damit verbundenen massiven Ausweitung der Zahl möglicher Internetadressen werde es möglich, jedes ans Internet angeschlossene Gerät auf Dauer zu identifizieren.

Focus Online: Anonymität soll auch im Web der Zukunft gesichert sein
Der Text der Meldung auf Focus Online wurde von der DPA übernommen

Kommentar

Was von der Aussage zu halten ist, dass wechselnde IP-Adressen einen wirksamen Beitrag zur Anonymität im Web leisten, möge doch bitte jeder bei Panopticlick selbst überprüfen. Dort wird aufgezeigt, wie eindeutig eine Browserinstallation (und damit in sehr vielen Fällen ein einzelner Nutzer) identifiziert werden kann, ohne dass hierfür die IP-Adresse oder auch nur ein Cookie herangezogen wird. Der ständig von staatlicher Seite behauptete Datenschutz durch „unkenntliche IP-Adressen“ ist einfach nur Bullshit. Die besonderen Trackingverfahren von großen Webkonzernen wie Facebook oder Google brauchen hier nicht einmal näher betrachtet zu werden, und auch das zusätzliche Problem der Cookies von dritter Seite — etwa durch in Webseiten eingebettete Webbugs und Werbung mit vergleichbarer „Zusatzfunktion“ — kann hierbei zunächst ignoriert werden. Auch ohne Cookies (die sich vom Nutzer des Browsers unterbinden lassen) und ohne IP-Adressen (die durch Einstellung eines Proxyservers maskiert werden können) lässt sich ein bestimmtes Surfverhalten in vielen Fällen nahezu eindeutig einer Person zuordnen, wenn die Daten zusammenfließen.

Um so schlimmer, wenn dieser Bullshit aus dem Munde eines „Bundesbeauftragen für den Datenschutz“ quillt und über die DPA in einen großen Teil der Journaille befördert wird. Simulierter Datenschutz kann Menschen in eine falsche Sicherheit wiegen, und diese ist schlimmer als eine vorsichtige Unkenntnis.

Was es für Auswirkungen haben kann, wenn „ganz nebenbei“ irgendwelchen datensammelnden Dritten zusammen mit dem persönlichen Surfverhalten ein recht präzises Profil der persönlichen Interessen und Neigungen zufließt und wenn dieses Profil irgendwann mit weiteren, persönlich identifizierenden Daten — etwa beim Übermitteln des Scans eines Ausweisdokumentes an Google Plus, wenn dort der „Realname“ nicht geglaubt wird — verbunden wird, das mag sich auch jeder einmal selbst vorstellen. Beim Entwickeln dieser Vorstellung hilft vielleicht die Erinnerung daran, dass die so gesammelten Daten niemals vergessen werden und bei Unternehmen mit fragwürdigem langfristigem Geschäftsmodell anfallen, so dass sie durchaus später einmal gehandelt werden könnten. Dass ein solcher Handel mit gesammelten Daten zurzeit nicht legal ist, heißt weder, dass er nicht schon längst stattfinden könnte, noch heißt es, dass er nicht in wenigen Jahren legalisiert werden könnte. Zu den ganz normalen Datenskandalen mag ich nichts sagen, selbst in der bürgerlichen Presse finden diese immer wieder ein deutliches Echo.

Übrigens gibt es auch keinerlei Garantie dafür, dass Interessen, Äußerungen und Neigungen, die heute harmlos und legal sind, nicht schon in wenigen Jahren dazu führen könnten, dass man dafür frühmorgens von Männern im langen schwarzen Mantel abgeholt wird. Niemand weiß, was die Zukunft bringt. Was sie bringen könnte, weiß man aber, wenn man ein Geschichtsbuch durchblättert. Sicher ist nur, dass sich die gesammelten Daten auch nach einer tiefgreifenden gesellschaftlichen Veränderung nicht in Luft auflösen werden und dass sie immer wieder einmal Begehrlichkeiten wecken werden.

Die „Anonymität“, von der dieser „Datenschutzbeauftragte“ faselt, gibt es nicht. Die gefühlte Sicherheit, die durch dermaßen blindes Reden ausgebreitet wird, ist trügerisch und gefährlich. Es gibt generell keinen einfachen Datenschutz und keine einfache Sicherheit. Wer dafür sorgt, dass identifizierende persönliche Daten (so etwas wie die Kombination echter Name und Geburtstag) niemals mit seinem Webnutzungsverhalten in Bezug gebracht werden können, hat eine Menge für den persönlichen Datenschutz getan. Eine einfache, kurze und narrensichere Anleitung, wie man wenigstens das sicher hinbekommt, kann ich nicht geben; selbst ich stünde in der Gefahr, in einer solchen Beschreibung etwas Wichtiges zu vergessen.

Abschließend ist es übrigens bemerkenswert, dass die ganzen staatlichen „Datenschutzbeauftragten“ so auffallend still sind, wenn es um staatliche Begehrlichkeiten geht, große Datensammlungen anzulegen (Vorratsdatenspeicherung oder die so genannte „Quellen-TKÜ“, die in Wirklichkeit einer völligen Überwachung und Manipulation persönlicher Computernutzung gleichkommt). Man könnte als beiläufiger Beobachter dieses Gefasels beinahe glauben, dass so ein „Datenschutzbeauftragter“ dafür bezahlt wird, dass er von der Wirklichkeit des privatwirtschaftlich bereits praktizierten und staatlich zusätzlich gewünschten Trackens, Überwachens und Datensammelns ablenkt, indem er gefühlte Sicherheit und Anonymität durch Ausfechten sinnfreier Scheingefechte herstellt. Ich wollte, die „Datenschutzbeauftragten“ würden in ihren Ideen, Taten und Auftritten etwas gegen diesen sich aufdrängenden Eindruck tun. Sie tun es nicht.


Hokuspokus aus der Cloud

Wenn wir Applikationen auf mobilen Geräten mit sozialen Elementen verbinden und die Rechenpower der Cloud dazunehmen, dann passiert etwas Magisches

Wieland Holfelder, Chefingenieur bei Google
Zitiert nach Welt Online

Satirischer Kommentar

Wenn wir es schaffen, die Menschen so dumm zu halten, dass sie nichts mehr von den enteignenden und entmündigenden Dingen verstehen, die wir ihnen verkaufen, denn halten die das alle für Magie. Dann gewöhnen sie sich daran, ihr ganzes Leben, ihre Wünsche, ihre Sozialkontakte „in der Cloud“ abzulegen und die glauben wirklich, es handele sich um eine Wolke. Dass es sich in Wirklichkeit um die Server von Unternehmungen handelt, in denen große Datensammlungen zum kostbaren Herrschaftswissen werden, soll ihnen gar nicht erst bewusst werden, damit sie auch nicht merken, was für ein fauler Zauber das ist.

Verteilt weiterhin schön das Fingerfett auf euren Wischofonen! Wundert euch nicht darüber, wenn in immer größeren Maßstab andere nach rein profitorientierten Gesichtspunkten darüber bestimmen, wen ihr kennt, was ihr erfahrt, worüber ihr sprecht, welche Software ihr benutzt und was ihr mit euren bunten Glasperlen coolen Gadgets machen könnt! Macht aus jedem menschlichen Miteinander einen sozial optimierten Geschäftsvorgang, und lasst alle diese „Geschäfte“ bei Google zusammenfließen. Eure Doofheit ist gut für deren Geschäft, und deshalb wird eure Doofheit mit allen Mitteln gefördert. Viel Spaß! Und immer dran denken, es ist Magie…


Verlierer Burda will neue Spielregeln

Zitat Heise Online:

Der Verleger Hubert Burda (Bunte, Focus) hat neue Spielregeln für Suchmaschinen und soziale Netzwerke im Internet gefordert. Wie bei Telekommunikationsunternehmen, die für alle Anbieter gleichberechtigt die Infrastruktur für den Datenfluss im Netz zur Verfügung stellen müssen, sollte es etwa für Plattformen wie Google und Facebook auch eine „Netzneutralität“ geben […]

Google setze sich mit eigenen Angeboten oft an die Spitze der Suchergebnisse – zum Nachteil der Verlage. Die Inhalte-Lieferanten würden lediglich mit einem kleinen Anteil an den Google-Werbeerlösen beteiligt […]

Der Verlegerpräsident bekräftigte die Forderung der Print-Branche nach einem Leistungsschutz für Verlagsangebote im Netz. So wie etwa Programmierer ein Urheberrecht auf ihre Codes hätten, müsste es auch „ein Recht auf Content“ im Netz geben […] Er erwarte dazu ein Wort von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), die am Freitag auf dem Kongress sprechen soll.

Ganz kurzer Kurzkommentar

Ich fordere neue Spielregeln für Schach, Skat, Mensch-ärger-dich-Nicht und die ganzen anderen Spiele, bei denen ich immer verliere

Offener Brief an Hubert Burda

Werter Herr Burda!

Die Welt hat das Internet nicht gerade ihnen und ihresgleichen zu verdanken. Sie und ihresgleichen sind erst nachträglich auf diesen Zug aufgesprungen, als das Internet schon längst da war, weil sie sich davon etwas versprachen. Hätten sie sich vorher einmal angeschaut, was dieses Internet eigentlich ist, dann hätten sie vermutlich andere Entscheidungen getroffen und wären strategisch anders vorgegangen. Vielleicht sogar besser und gewinnbringender — für sie und für die Nutzer ihrer pseudojournalistischen Angebote.

Niemand, aber auch wirklich niemand, hat sie dazu gedrängt oder auch nur darum gebeten, dass sie ihre minderwertigen Presseprodukte als Reklameschleudern ins Internet stellen. Sie haben das selbst gemacht, Herr Burda. Weil sie es wollten. Und weil sie gierig waren und sich eine finanziell lukrative Zweitverwertung des industriell erstellten Contents versprachen.

Dass ihnen das Ergebnis dieser Bemühung nicht gefällt, überrascht mich nicht. Dass sie angesichts dieses aus ihrer Sicht unbefriedigenden Ergebnisses nach staatlichen Sondersubventionen und neuen, zusätzlichen Standesrechten schreien, überrascht mich ebensowenig. Es ist nichts Neues. Es ist genau dieses gleichermaßen dreiste wie durch Wiederholung langweilige Herrenmenschengehabe, dass sie und ihresgleichen bei einem großen Teil der Gestalter und Nutzer des Internet so unbeliebt macht.

Wenn ihnen, Herr Burda, Facebook nicht gefällt, zwingt sie niemand, dort zu sein — und wenn sie dort plakativ gehen und einen Beitrag zur allgemeinen Aufklärung über die Machenschaften dieses Datensammlers leisten, bekommen sie von mir sogar eine in ihrem Lob völlig ernst gemeinte Erwähnung.

Wenn Ihnen, Herr Burda, Google nicht gefällt, lassen sie ihren Administrator einfach eine Datei robots.txt im Wurzelverzeichnis ihrer Webpräsenzen anlegen und sagen sie Google darin, dass es nicht mehr indizieren soll. Google hält sich selbstverständlich an ihre Wünsche, und ihnen entstehen nicht einmal Kosten. Es ist ein Kinderspiel. Jeder Mitgestalter des Internet weiß, wie das geht, und es wird immer wieder gemacht.

Aber dass sie jetzt von der Kanzlerin der Bundesrepublik Deutschland einfordern, dass diese öffentlich dafür eintreten soll, für sie und ihresgleichen absurde Sonderrechte zu schaffen, ist nur noch kindisch und wirkt… um es einmal in der dafür angemessenen Kindersprache zu sagen… doof.

So, und jetzt lesen sie einfach hier weiter. Viel Spaß beim Sterben in ihrer Doofheit! Sie können ja ein Integrations-Bambi mit ins Grab nehmen.

Der Nachtwächter
…der sich immer noch nicht vom Lachanfall erholt hat.