Sie reden vom Netz wie Blinde vom Licht

In eigener Sache

Wer hier häufiger einmal reinliest und sich vielleicht darüber gewundert hat, dass ich hier sehr häufig keine direkten Links auf die zitierten Quellen setze, sondern immer auf eine über WebCite archivierte Version: Das liegt keineswegs nur daran, dass ich den Web-Ausflüssen der Journaille den Link nicht gönne, es liegt auch an meiner schlechten Erfahrung. Außerordentlich häufig werden die Inhalte auf Websites von Zeitungen, Fernsehsendern und anderen für die Vermarktung bestimmten Medien nachträglich gelöscht oder so stark geändert, dass jeder Link dorthin in der Gefahr steht, wertlos zu werden.

Ein besonders übles Beispiel dieser nachträglichen Bearbeitung, bei der es keineswegs nur um kleine Korrekturen von Rechtschreibfehlern oder schlampigen Ausdrucksweisen, sondern oft auch um tiefgreifende Sinnänderungen geht, lieferten mir heute die „Qualitätsjournalisten“ von Spiegel Online.

Der Bericht über das Urteil des Landgerichtes Hamburg in Sachen YouTube gegen GEMA sah heute um 14.11 Uhr so aus [archiverte Version des Artikels]:

Gema-Prozess: YouTube darf Musiktitel im Netz lassen

Nur wenige Minuten später brachte ein Reload der Seite die folgende (und übrigens korrekte) Version der Meldung zum Vorschein, die jeden Link auf die alte Meldung in einen miesen Witz verwandelt hat [archivierte Version des Artikels]:

Gema-Prozess: YouTube muss Musiktitel löschen

Immerhin waren die Leute von Spiegel Online in diesem einen, recht peinlichen Fall so freundlich, einen Hinweis unter die „zweite Version“ der Meldung zu platzieren:

Anmerkung der Redaktion: In einer ersten Version dieses Artikels hieß es, YouTube sei nicht verpflichtet worden, Titel zu löschen. Dies war die falsche Information einer Nachrichtenagentur. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

Das ist nach meinen eigenen Erfahrungen nicht selbstverständlich, auch nicht bei Spiegel Online. Für diesen Schritt in die richtige Richtung bedanke ich mich. Wenn jetzt auch noch damit aufgehört würde, Agenturmeldungen unmittelbar aus dem NITF-Feed und unkritisch ohne die Spur eines selbst betriebenen Journalismus in die Website zu übernehmen und gleichzeitig für diese Minimalleistung im Internet — die in ihrer technischen Durchführung übrigens nur wenig aufwändiger als ein RSS-Feed-Aggregator ist — auch noch ein so genanntes „Leistungsschutzrecht“ einzufordern, dann wäre ich sogar zufrieden.

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