Sie reden vom Netz wie Blinde vom Licht

Organisationen

Monopol für uns, Wettbewerb für die!

Monopole werden geschützt statt Wettbewerb zu schützen. Der momentane Rechtsrahmen wird in keinem Maße den neuen Bedingungen gerecht

Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender des Axel-Springer-Verlages [Dauerhaft archivierte Version]

Kurzkommentar

Diese Worte spricht der gleiche Mathias Döpfner, der vor noch gar nicht so langer Zeit bei jeder Gelegenheit das Blaue vom Himmel heruntergelogen hat und viel Aufwand für Abgeordnetenverdummungsarbeit in den Dunkelkammern des Reichstags getrieben hat — und das alles nur, damit ein Gesetz geschaffen werde, dass die Privilegien eines früheren Oligopols von Presseverlegern per Gesetz in eine Zeit festschreibt, in dem nahezu jeder Mensch mit preiswerten Geräten Informationen kopieren und verbreiten kann: Das Leistungsschutzrecht für Presseverleger. Für die von ihm selbst vertretenen wirtschaftlichen Interessen ist dem Herrn Döpfner kein Schutz schwach genug, und wenn er auch das ganze deutschsprachige Internet mit zusätzlicher Rechtsunsicherheit und teuren juristischen Unwägbarkeiten erstickt. Zum Glück erledigt sich das Problem langsam von selbst, weil die zeitungslesende Generation ganz einfach ausstirbt… aber dieser Prozess ist ein wenig zu langsam.


Google manipuliert die angezeigten Suchergebnisse

Am Donnerstag kündigten die deutschen Verlage Axel Springer, Madsack und Funke, der französische Großverlag Lagardère sowie eine Reihe kleinerer Google-Wettbewerber der Firma von Larry Page eine Wettbewerbsbeschwerde an. Google habe in der Europäischen Union einen Marktanteil von über 90 Prozent und manipuliere seine Suchergebnisse, heißt es in dem “Manifest” des “Open Internet Projects”.

Heise Online — Wirtschaftsminister Gabriel denkt über harte Regulierung gegen Google nach

Nur eine Anmerkung

Google manipuliert bei riesigem Marktanteil seine Suchergebnisse und ist deshalb “böse” und muss zerschlagen werden? Oder, um es mit den früheren Worten einer Publikation des Blutzeitungsherausgebers Axel Springer zu sagen: “Es geht um die informationelle Enteignung des Menschen im Namen einer totalitären Wachstumsstragie” — nein, diese Kampagne von Baumbestemplern, die gerade durch die NITF-Feeds der großen Nachrichtenagenturen gespült wird, als sei sie eine wirkliche Nachricht, ist gar nicht so neu, und solche Kampagnen sind mit ermüdender Regelmäßigkeit voller als “Fakten” verkaufter Lügen und mit absurd-kindischen Schuldzuweisungen an Google zur Verdummung der Menschen angereichert. Und das noch noch in den absurdesten Kontexten.

Nun, ich weiß nicht, ob der unbelegte Vorwurf stimmt, dass Google die angezeigten Suchergebnisse manipuliert. Niemand weiß das, der nicht bei Google einen Überblick über das (sicherlich recht komplexe) Gesamtprojekt Indizierungsalgorithmus hat. Stattdessen habe ich eine sinnvolle, durch Erfahrung belegte Annahme, und die lautet, dass Google sehr stark darum bemüht ist, Suchergebnisse anzuzeigen, die für die Nutzer seiner Suchmaschine nützlich sind. Diesen Eindruck erweckt Google, seitdem ich Google irgendwann zum Ende der Neunziger Jahre zum ersten Mal gesehen und ausprobiert habe. Mit diesem bei der Nutzung aufkommenden Eindruck hat Google als Neuankömmling damals gut eingeführte Suchmaschinen-Anbieter wie Altavista und Yahoo so weitgehend verdrängt, dass sie bis heute beinahe bedeutungslos sind — und dafür war nicht einmal Werbung erforderlich, sondern die überlegene Qualität der Suchmaschine hat sich von ganz allein herumgesprochen, als Google noch in einem frühen Beta-Stadium war. Durch dieses Streben Googles bekam und bekommt die Suchmaschine Google einen Nutzen, der zurzeit durch das Reklamegeschäft monetarisiert wird¹.

Aber ich weiß, wo (unter anderem) mit allen Mitteln und leider immer wieder mit Erfolg versucht wird, die bei Google eingesetzten Algorithmen manipulativ mit künstlichen, eigens dafür hergestellten Daten zu füttern, damit die Menschen nicht mehr das finden, was sie gesucht haben, sondern stattdessen das, was diese professionellen Manipulateure sie finden lassen wollen: Zum Beispiel bei den Internet-Publikationen der Axel Springer AG. (Und bei den meisten anderen “qualitätsjournalistischen” Produkten, die ebenfalls bei jeder sich bietenden Gelegenheit in diesen Jammersang einsteigen. Dass dabei Methoden angewendet werden, die eher an halbseidene bis kriminelle Machenschaften erinnern und die Suchmaschine Google so stark sabotieren, dass sie für bestimmte Anwendungen nahezu unbrauchbar wird, ist den Qualitätsjournalisten und Presseverlegern dabei regelmäßig egal.)

Schon dumm, wenn ein Finger auf Google zeigt, aber drei Finger auf den Zeigenen zurückweisen — da hilft es dann auch nicht, wenn sich ein Sigmar Gabriel danebenstellt und dem Bullshit politisches Gewicht gibt.

Mein kleiner Gruß am Rande geht an eine Sozialdemokratische Partei Deutschlands, deren Frontfresse Sigmar Gabriel zu einem offen auftretenden Anwalt für die Springer-Presse geworden ist — wer hätte das in den Sechziger, Siebziger und Achtziger Jahren für möglich gehalten?! Die politischen Positionen und die Propagandamethoden der Springer-Presse haben sich seitdem übrigens nur wenig verändert und sind nicht einmal subtiler geworden, und sie sind in ihrem Appell an rasende Affekte auch nicht weniger intolerant, faschistoid und mörderisch geworden. Sozialdemokraten, die sich aus unerfindlichen Gründen immer noch in der SPD aufhalten, sei hier als kleine Denksportaufgabe mitgegeben, was sich dann wohl stattdessen verändert haben wird… :mrgreen:

¹Ich weiß auch, dass Google Benutzer trackt und personalisierte Ergebnisse anzeigt, und ich halte das für eine Fehlentwicklung und einen erheblichen Eingriff in die Privatsphäre der Nutzer. Noch mehr missfällt mir die Idee Googles, über seinen Reklame-Dienst und seine Social-Media-Angebote große Teile des Webs in eine Tracking-Engine umzubauen, und viele andere Ideen Googles erscheinen mir noch schlimmer. Ich bin froh, dass es bei Suchmaschinen Alternativen gibt — und ich muss beim Vergleich mit Alternativen leider immer wieder feststellen, dass Google eine wirklich gute Suchmaschine betreibt. Es ist sogar möglich, alternative Suchmaschinen mit Google zu finden…


Können wir nicht verarbeiten

Die Stadtverwaltung setzt bislang noch keine elektronischen Verschlüsselungs- und Signaturverfahren ein. Deshalb können […] signierte E-Mails von der Stadtverwaltung nicht weiterbearbeitet werden

Website der bayerischen Landeshauptstadt München (unter Punkt 13)

Kurzkommentar

-----BEGIN PGP SIGNED MESSAGE-----
Hash: SHA1

Oh, ein fetter Blindfisch ist im Aquarium angekommen, eine ganze Stadtverwaltung.
-----BEGIN PGP SIGNATURE-----
Version: GnuPG v1.4.11 (GNU/Linux)

iEYEARECAAYFAlL7vbEACgkQKuT/O4qfc5pKZwCfU/egC/nLlpOTmULVFJ4ET5pc
1NwAn0GN/MJNFJKxnZ+lO5YOWvIks/VQ
=o67n
-----END PGP SIGNATURE-----

Ich hoffe mal, die meisten Leser können das — im Gegensatz zur Münchener Stadtverwaltung — problemlos verarbeiten. :D


Das güldene Stoppschild

Das güldene Stoppschild Der Ursula-von-der-Leyen-Gedächtnispreis “Das güldene Stoppschild” geht an Andreas Fischer, Direktor der Niedersächsischen Landesmedienanstalt (NLM), Stellvertretener Vorsitzender der Kommission für Jugendmedienschutz (KJM), Mitglied der Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten (DLM) und Mitglied der Kommission für Zulassung und Aufsicht (ZAK) für… ach, lassen wir ihn doch selbst zu Worte kommen:

Die sogenannten Pornofilter sind ein Instrument, um Eltern zu helfen, ihre Kinder vor nicht altersgerechten Inhalten aus dem Netz zu schützen […] Die großen deutschen Internetprovider sollten den britischen Weg ohne Vorurteile prüfen

Quelle des Zitates: DPA, via Heise Online

Kommentar

Der britische Weg, der “ohne Vorurteile” (früherer politischer Neusprech zur Rechtfertigung von Unmenschlichkeiten und dem Abbau von Freiheitsrechten war “ohne Denkverbote”, aber das ist nach der Übernahme durch Rechtspopulisten nicht mehr brauchbar) “geprüft” (also einfach mal implementiert und zum Schaden der davon betroffenen Menschen für einige Jahre ausprobiert) werden soll, ist eine zentrale, auf Seiten der Provider implementierte Liste von zu sperrenden Websites. Es ist in der Praxis nicht von den Ideen einer Ursula von der Leyen aus dem Jahr 2009 zu unterscheiden. Es ist keine Hilfe “für die Eltern”, sondern ein Ausblenden von Inhalten für alle Menschen, die das Internet nutzen. In Großbritannien müssen sich Anschlussinhaber explizit von dieser Filterung ausschließen lassen, was angesichts des vorgeblichen Zwecks einer “Hardcore-Pornofilterung” auch eine gewisse Freiheit von Schamgefühlen erfordert sowie eine gewisse Gleichgültigkeit gegenüber der Möglichkeit, dass eine zentrale Datei von Pornografiekonsumenten erstellt wird.

Die Filter sind so dumm und willkürlich wie jeder Filter und führten in Großbritannien beispielsweise dazu, dass die Website der Abgeordneten Claire Perry gesperrt wurde, weil sie bei ihrer Agitation zur Durchsetzung einer solchen Sperre auch Wörter wie “sex”, “porn” und “rape” verwendet hat. Was auf die Filterlisten kommt, ist jeder Kontrolle enthoben. Es handelt sich um ein willkürlich benutzbares Zensurinstrument. Dass es dabei keineswegs um Pornografie (und schon gar nicht um “Hardcore”) geht, zeigt die Tatsache, dass dabei auch Sexualaufklärungs-Websites und Anlaufstellen für Opfer sexueller Gewalt blockiert werden.

Ich bin desweiteren müde geworden, jedesmal von neuem darauf hinzuweisen, dass DNS-basierte Filter sinnlos und leicht zu umgehen sind — es reicht, einen anderen DNS-Server in der Konfiguration des Computers oder des Routers einzutragen. Zwei mögliche DNS-Server sind zum Beispiel 212.77.0.2 und 81.169.145.75 — es handelt sich um die DNS-Server des Vatikanstaates, die frei von irgendwelchen Pornofiltern sind und in der BRD sogar den Zugriff auf YouPorn¹ gestatteten, als etliche größere Provider diese Site vorrübergehend gesperrt hatten². Davon abgesehen haben DNS-basierte Filter große Nebenwirkungen, da eine Domain nicht nur für den Webzugriff, sondern zum Beispiel auch für Internet-E-Mail verwendet wird.

Eine weitere Frage habe ich noch an Andreas Fischer und andere derartige “Jugendschützer”:

Woher kommt eigentlich die Idee, dass Kinder in ihrer Entwicklung gefährdet sind, wenn sie sehen, dass Menschen unter großem Vergnügen Sex miteinander haben? Ist diese Idee mit irgendwelchen Untersuchungen und Daten — also mit etwas anderem als Ideologie und einem Spiegelbild eines bürgerlich-verquarzten Kindheitsideals — gestützt? Ich habe nach einer zugegebenerweise kurzen Recherche keine belastbaren Belege für diese zentrale These zur Einrichtung einer Zensurinfrastruktur gefunden, und ich sehe es auch keineswegs als meine Bringschuld an, die Behauptungen eines anderen Menschen, dessen Ideen ich schädlich finde und dessen Auffassungen ich nicht teile, zu belegen. Herr Fischer, tun sie mir und dem Rest der Menschen in der BRD bitte den Gefallen und belegen sie nach Möglichkeit anhand überprüfbarer, nach üblichen Maßstäben ausgearbeiteter wissenschaftlicher Studien, dass das von ihnen postulierte Problem überhaupt besteht! Zeigen sie mir und allen anderen Politikgenießern in der Bundesrepublik, dass es für einen… sagen wir einmal… dreizehnjährigen Jungen (in seiner charakterlich und persönlich noch ungefestigten Persönlichkeit) eine ernsthafte Entwicklungsgefahr ist, wenn er zusammen mit seiner erwachenden Sexualität pornografisches Material sehen kann, und bitte erklären sie gleich hinterher, warum es für den gleichen dreizehnjährigen (und damit charakterlich und persönlich noch ungefestigten) Jungen völlig problemlos sein soll, wenn er an einer staatlichen Schule der Bundesrepublik Deutschland von einem “kindgerecht” sprechenden Bundeswehr-Offizier erklärt bekommt, was für eine großartige Möglichkeit die Ausbildung zum staatlich besoldeten Mörder bei der Bundeswehr für ihn ist! Ich — und mit mir viele andere Menschen — warten voller Spannung auf eine derartige Darlegung.

Wenn sie ersteres — das mit der Bundeswehr war jetzt natürlich nur ein billiger rhetorischer Trick — nicht belegen können, werde ich sie genau so behandeln wie Frau Ursula von der Leyen: Als einen Menschen, der ohne Rücksicht auf Verluste Kinder und den daran hängenden Beschützerinstikt ausgewachsener Menschen instrumentalisiert, um damit eine politische Agenda der Einschränkung von Freiheitsrechten zu verfolgen.

Und das, Herr Fischer, das halte ich (völlig belegfrei) für wirklich jugendgefährdend und im höchsten Maße für widerwärtig — denn die Kinder haben keine Chance, sich gegen eine solche Instrumentalisierung zu verwehren. Sie. Missbrauchen. Gerade. Kinder.

¹Aus Jugendschutzgründen ist YouPorn hier nicht verlinkt. Die Site ist nicht schwierig zu finden. Wirklich nicht. Es reicht, .com an den Namen anzuhängen, zu wissen, wo die Adressleiste im Browser ist, wie man eine Tastatur bedient, und schon kann zu den schlechtesten Filmen der Welt gerubbelt werden, bis die Nille qualmt.

²Wenn mir vor nur fünfzehn Jahren jemand erzählt hätte, dass ich einmal eine Zeit erleben werde, in der der bis ins Mark korrupte Vatikanstaat einmal in vielen Dingen freiheitlicher als viele “moderne” und “aufgeklärte” Staaten sein würde, hätte ich ihm spontan einen Vogel gezeigt.


Fotokopieren der Website erlaubt

Downloads und Fotokopien von Web-Seiten — nur für den persönlichen, privaten, nicht kommerziellen Gebrauch — dürfen grundsätzlich hergestellt werden.

Aus dem Impressum der Website des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnologie

Platsch, da war ein neuer, fetter Blindfisch im Aquarium, eine ganze Bundesbehörde dieses Mal…

Nachtrag, 22. Januar, 20:20 Uhr: Wer richtige Heiterkeit fühlen möchte, sollte mal nach “Downloads und Fotokopien von Web-Seiten” googlen. Aber bitte keine harten Gegenstände in Kopfnähe, wegen der Verletzungsgefahr. :D

Danke für den Hinweis in den Kommentaren an “piy”!


Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 667 Followern an