Sie reden vom Netz wie Blinde vom Licht

Organisationen

Linke Netzpropaganda

Erleichtert zeigte sich auch der Vize-Vorsitzende des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK), André Schulz, dass die Argumente der Sammelbefürworter bei Maas augenscheinlich verfangen hätten. “Die linke Netzpropaganda wird sich nun wieder echauffieren und das Ende des Abendlandes heraufbeschwören”, prophezeite der Strafverfolger. Der BDK sei jedoch froh darüber, dass dank der “Minimalstlösung” Ermittlungen in bestimmten Bereichen “nun überhaupt erst wieder möglich werden”.

André Schulz, Vizevorsitzender des Bundes Deutscher Kriminalbeamter, indirekt zitiert nach Heise Online — Telekom und Polizei für neue Vorratsdatenspeicherung

Kommentar

So so, Vorratsdatenspeicherung macht also Ermittlungen erst möglich. Wir alle dürfen uns jetzt fragen, wieso die Polizei in der BRD jetzt seit so vielen Jahren immer wieder ermitteln konnte — zuweilen sogar erfolgreich — obwohl es folgende Dinge nicht gab:

  1. Vorratsspeicherung von Post-Verbindungsdaten
    Wer hat wann wem einen Brief geschrieben und/oder Paket gesendet?
  2. Vorratsspeicherung von Straßen-Verbindungsdaten
    Wer hat wann welche Teile des Straßennetzes in der BRD verwendet?
  3. Vorratsspeicherung der ÖPNV-Verbindungsdaten
    Wer ist wann wo in welchen Bus, in welche Straßenbahn, in welchen Zug eingestiegen und wann und wo wieder ausgestiegen?

Wenn schon Ermittlungen unmöglich werden, weil es keine vollständige, anlasslose und mechanische Überwachung des Kommunikationsverhaltens aller Menschen in der BRD gibt, stellt sich doch erst recht die Frage, wie überhaupt jemals etwas ermittelt werden konnte, wenn nicht einmal die Verabredung zu Taten, die Zustellung von Tatplänen und Tatwaffen und die Bewegung der Täter zu den Tatorten für die Polizeien bequem in einer großen Datenbank recherchierbar war.

Es ist also nur ein ganz kurzer Denkvorgang, der erforderlich ist, um das vorsätzlich verdummende und angstauslösende Gerede des Herrn Schulz als das zu entlarven, was es ist: Als eine die Intelligenz der Zuhörer offen verachtende Propagandalüge. Da es sich um den Vizepräsidenten eines Interessenverbandes der Polizei handelt, ist er auch nicht fachfremd und hat für sich nicht die Entschuldigung der Unkenntnis, sondern er lügt unverschämt und im völligen Bewusstsein seiner Lüge. Die Interessen, die er mit dieser völlig bewussten Lüge vorantreiben will, verstoßen gegen die Buchstaben der Erklärung der Menschenrechte, gegen das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland und gegen in ihrem Wortlaut recht eindeutige Urteile des Bundesverfassungsgerichtes und des Europäischen Gerichtshofes.

Kurz: Es handelt sich bei André Schulz, dem Vizevorsitzenden des Bundes Deutscher Kriminalbeamter, um einen offen auftretenden und in seiner zielstrebigen Agitation hochgefährlichen Gegner der gegenwärtigen Verfasstheit des Bundesrepublik Deutschland (also um einen Verfassungsfeind); um einen Menschen, der den gegenwärtigen Staat beseitigen will, um ihn durch ein autoritäres Staatsgebilde zu ersetzen, in dem die innerhalb dieses Gebildes lebenden Menschen keinerlei Schutzrechte gegenüber Institutionen des Staates haben.

Meiner Meinung nach ist ein Mensch, der mit dermaßen hoher krimineller Energie solche Ziele verfolgt wie Herr André Schulz, Vizepräsident des Bundes Deutscher Kriminalbeamter, für den Polizeidienst nicht geeignet. Dass ein dergestalt vorgehender Mensch innerhalb einer Interessenvertretung der Polizei zu nennenswertem Einfluss kommen kann, wirft desweiteren ein alarmierendes Licht auf die geringe Achtung des Rechts in den Polizeien der BRD.

Wenn die BRD ein Rechtsstaat wäre, hätte das Konsequenzen.


Nach Qualitätsjournalisten: Jetzt auch Qualitätsapotheker

Außenwerbung im Schaufenster einer Apotheke: Ein Mann hat ein Paket voller Medikamente ausgepackt und offenbar einen Löffel einer Zubereitung genommen, auf seinem Kopf ploppen lauter rote Pickel auf. Dazu der vorsätzlich angstausbreitende Text: Wer schützt sie vor den Wechselwirkungen Ihrer Internetbestellung? -- Gesundes Wissen. Apotheke -- Erste Wahl für Ihr Wohl: Ihre Apotheke vor Ort!

Eigentlich braucht es ja keinen Kommentar mehr, aber…

Wir lernen: Wenn man industriell hergestellte Arzneien von industrieller Qualität bei einem (natürlich nicht verbrecherischen) Online-Apotheker bestellt, und dieser die bestellten Päckchen aus dem Regal nimmt, dann ploppen rotjuckende Pickel auf der Glatze auf. Und wenn man industriell hergestellte Arzneien von industrieller Qualität beim Ladengeschäft eines Apotheker erwirbt, und dort eine PTA die bestellten Päckchen aus dem Regal nimmt, dann passiert das nicht.

Und vor allem lernen wir, was für eine Auffassung von der Intelligenz der Menschen jene Apotheker zu haben scheinen, die sich einem solchen Reklamehirnpflug anschließen und solche Plakate in ihr Schaufenster hängen. Jemanden, der mich so verachtet, würde ich meine Gesundheit jedenfalls nicht anvertrauen.

Und jedem, der jetzt “Beratung” sagt, empfehle ich ein einfaches Experiment mit der nächsten Apotheke um die Ecke. Ein sehr gutes (im Sinne von: Wirksam und arm an Nebenwirkungen) Schmerzmittel ist Paracetamol, das man erfreulicherweise rezeptfrei in Apotheken erwerben kann. Es hat allerdings ein sehr ernstes Problem in Form einer sehr gefährlichen Nebenwirkung: Zusammen mit Alkohol ist Paracetamol in hohem (zuweilen sogar akut lebensbedrohlichem) Maße leberschädigend. Gehen sie bitte mit ein paar Klimpergroschen in der Tasche in die nächste Apotheke und kaufen sie dort eine 20er-Packung Paracetamol ratiopharm 500 mg! Und achten sie darauf, ob Apotheker oder PTA sie auf die sehr gefährliche Kombination von Paracetamol und Alkohol hinweisen — und nach Möglichkeit auch darauf, ob ihnen klar gesagt wird, dass Paracetamol nicht in Selbstmedikation und damit ohne Beteiligung eines Arztes über längere Zeiträume genommen werden soll, weil das eben auch mit ernsten Gefahren verbunden ist. Ich habe das jedenfalls noch nie erlebt.

Tatsächlich habe ich noch nicht ein einziges Mal auch nur die Rückfrage erlebt, welche Schmerzen ich damit behandeln will, so dass der Apotheker auch nur beurteilen könnte, ob es sich um eine gute Idee handelt, hierfür Paracetamol einzunehmen…

Der Verweis darauf, dass diese wichtige Information im Sieben-Punkt-Augenpulver des lustig gefalteten Beipackzettels erwähnt wird, ist invalide — denn diesen und inhaltlich genau den gleichen Beipackzettel hat auch das Medikament vom (natürlich nicht verbrecherischen) Online-Apotheker.

Es handelt sich bei dieser Reklameaktion von Apothekern nur um eine gezielte und überdem bemerkenswert dumm vorgetragene Erzeugung von irrationalen Ängsten. Eine… sagen wir einmal… ausgehängte Liste, woran man verbrecherische Internet-Apotheker häufig erkennen kann und eine regelmäßig gepflegte Website mit einer durchsuchbaren Liste krimineller “Apotheken” wäre ja begrüßenswert, weil sie aufklärt und für den Arzneimittelkäufer Sicherheit schafft. Hier geht es ums genaue Gegenteil davon, an die Stelle von Aufklärung soll Angst und an die Stelle von Sicherheit große Verunsicherung treten. Wessen Interessen mit dieser verachtenswerten Angstmache vertreten werden, sollte jedem aufmerksamen Menschen durch eine ungefähr zehnsekündige Benutzung eines handelsüblichen Gehirnes klarwerden, und dabei wird auch im gleichen Zuge klar werden, dass es nicht die eigenen sind.


Monopol für uns, Wettbewerb für die!

Monopole werden geschützt statt Wettbewerb zu schützen. Der momentane Rechtsrahmen wird in keinem Maße den neuen Bedingungen gerecht

Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender des Axel-Springer-Verlages [Dauerhaft archivierte Version]

Kurzkommentar

Diese Worte spricht der gleiche Mathias Döpfner, der vor noch gar nicht so langer Zeit bei jeder Gelegenheit das Blaue vom Himmel heruntergelogen hat und viel Aufwand für Abgeordnetenverdummungsarbeit in den Dunkelkammern des Reichstags getrieben hat — und das alles nur, damit ein Gesetz geschaffen werde, dass die Privilegien eines früheren Oligopols von Presseverlegern per Gesetz in eine Zeit festschreibt, in dem nahezu jeder Mensch mit preiswerten Geräten Informationen kopieren und verbreiten kann: Das Leistungsschutzrecht für Presseverleger. Für die von ihm selbst vertretenen wirtschaftlichen Interessen ist dem Herrn Döpfner kein Schutz schwach genug, und wenn er auch das ganze deutschsprachige Internet mit zusätzlicher Rechtsunsicherheit und teuren juristischen Unwägbarkeiten erstickt. Zum Glück erledigt sich das Problem langsam von selbst, weil die zeitungslesende Generation ganz einfach ausstirbt… aber dieser Prozess ist ein wenig zu langsam.


Google manipuliert die angezeigten Suchergebnisse

Am Donnerstag kündigten die deutschen Verlage Axel Springer, Madsack und Funke, der französische Großverlag Lagardère sowie eine Reihe kleinerer Google-Wettbewerber der Firma von Larry Page eine Wettbewerbsbeschwerde an. Google habe in der Europäischen Union einen Marktanteil von über 90 Prozent und manipuliere seine Suchergebnisse, heißt es in dem “Manifest” des “Open Internet Projects”.

Heise Online — Wirtschaftsminister Gabriel denkt über harte Regulierung gegen Google nach

Nur eine Anmerkung

Google manipuliert bei riesigem Marktanteil seine Suchergebnisse und ist deshalb “böse” und muss zerschlagen werden? Oder, um es mit den früheren Worten einer Publikation des Blutzeitungsherausgebers Axel Springer zu sagen: “Es geht um die informationelle Enteignung des Menschen im Namen einer totalitären Wachstumsstragie” — nein, diese Kampagne von Baumbestemplern, die gerade durch die NITF-Feeds der großen Nachrichtenagenturen gespült wird, als sei sie eine wirkliche Nachricht, ist gar nicht so neu, und solche Kampagnen sind mit ermüdender Regelmäßigkeit voller als “Fakten” verkaufter Lügen und mit absurd-kindischen Schuldzuweisungen an Google zur Verdummung der Menschen angereichert. Und das noch noch in den absurdesten Kontexten.

Nun, ich weiß nicht, ob der unbelegte Vorwurf stimmt, dass Google die angezeigten Suchergebnisse manipuliert. Niemand weiß das, der nicht bei Google einen Überblick über das (sicherlich recht komplexe) Gesamtprojekt Indizierungsalgorithmus hat. Stattdessen habe ich eine sinnvolle, durch Erfahrung belegte Annahme, und die lautet, dass Google sehr stark darum bemüht ist, Suchergebnisse anzuzeigen, die für die Nutzer seiner Suchmaschine nützlich sind. Diesen Eindruck erweckt Google, seitdem ich Google irgendwann zum Ende der Neunziger Jahre zum ersten Mal gesehen und ausprobiert habe. Mit diesem bei der Nutzung aufkommenden Eindruck hat Google als Neuankömmling damals gut eingeführte Suchmaschinen-Anbieter wie Altavista und Yahoo so weitgehend verdrängt, dass sie bis heute beinahe bedeutungslos sind — und dafür war nicht einmal Werbung erforderlich, sondern die überlegene Qualität der Suchmaschine hat sich von ganz allein herumgesprochen, als Google noch in einem frühen Beta-Stadium war. Durch dieses Streben Googles bekam und bekommt die Suchmaschine Google einen Nutzen, der zurzeit durch das Reklamegeschäft monetarisiert wird¹.

Aber ich weiß, wo (unter anderem) mit allen Mitteln und leider immer wieder mit Erfolg versucht wird, die bei Google eingesetzten Algorithmen manipulativ mit künstlichen, eigens dafür hergestellten Daten zu füttern, damit die Menschen nicht mehr das finden, was sie gesucht haben, sondern stattdessen das, was diese professionellen Manipulateure sie finden lassen wollen: Zum Beispiel bei den Internet-Publikationen der Axel Springer AG. (Und bei den meisten anderen “qualitätsjournalistischen” Produkten, die ebenfalls bei jeder sich bietenden Gelegenheit in diesen Jammersang einsteigen. Dass dabei Methoden angewendet werden, die eher an halbseidene bis kriminelle Machenschaften erinnern und die Suchmaschine Google so stark sabotieren, dass sie für bestimmte Anwendungen nahezu unbrauchbar wird, ist den Qualitätsjournalisten und Presseverlegern dabei regelmäßig egal.)

Schon dumm, wenn ein Finger auf Google zeigt, aber drei Finger auf den Zeigenen zurückweisen — da hilft es dann auch nicht, wenn sich ein Sigmar Gabriel danebenstellt und dem Bullshit politisches Gewicht gibt.

Mein kleiner Gruß am Rande geht an eine Sozialdemokratische Partei Deutschlands, deren Frontfresse Sigmar Gabriel zu einem offen auftretenden Anwalt für die Springer-Presse geworden ist — wer hätte das in den Sechziger, Siebziger und Achtziger Jahren für möglich gehalten?! Die politischen Positionen und die Propagandamethoden der Springer-Presse haben sich seitdem übrigens nur wenig verändert und sind nicht einmal subtiler geworden, und sie sind in ihrem Appell an rasende Affekte auch nicht weniger intolerant, faschistoid und mörderisch geworden. Sozialdemokraten, die sich aus unerfindlichen Gründen immer noch in der SPD aufhalten, sei hier als kleine Denksportaufgabe mitgegeben, was sich dann wohl stattdessen verändert haben wird… :mrgreen:

¹Ich weiß auch, dass Google Benutzer trackt und personalisierte Ergebnisse anzeigt, und ich halte das für eine Fehlentwicklung und einen erheblichen Eingriff in die Privatsphäre der Nutzer. Noch mehr missfällt mir die Idee Googles, über seinen Reklame-Dienst und seine Social-Media-Angebote große Teile des Webs in eine Tracking-Engine umzubauen, und viele andere Ideen Googles erscheinen mir noch schlimmer. Ich bin froh, dass es bei Suchmaschinen Alternativen gibt — und ich muss beim Vergleich mit Alternativen leider immer wieder feststellen, dass Google eine wirklich gute Suchmaschine betreibt. Es ist sogar möglich, alternative Suchmaschinen mit Google zu finden…


Können wir nicht verarbeiten

Die Stadtverwaltung setzt bislang noch keine elektronischen Verschlüsselungs- und Signaturverfahren ein. Deshalb können […] signierte E-Mails von der Stadtverwaltung nicht weiterbearbeitet werden

Website der bayerischen Landeshauptstadt München (unter Punkt 13)

Kurzkommentar

-----BEGIN PGP SIGNED MESSAGE-----
Hash: SHA1

Oh, ein fetter Blindfisch ist im Aquarium angekommen, eine ganze Stadtverwaltung.
-----BEGIN PGP SIGNATURE-----
Version: GnuPG v1.4.11 (GNU/Linux)

iEYEARECAAYFAlL7vbEACgkQKuT/O4qfc5pKZwCfU/egC/nLlpOTmULVFJ4ET5pc
1NwAn0GN/MJNFJKxnZ+lO5YOWvIks/VQ
=o67n
-----END PGP SIGNATURE-----

Ich hoffe mal, die meisten Leser können das — im Gegensatz zur Münchener Stadtverwaltung — problemlos verarbeiten. :D


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