Sie reden vom Netz wie Blinde vom Licht

Archiv für Dezember, 2011

Der Staatstrojaner — Aus Sicht der Technik

Kein unfassbarer geistiger Dünnpfiff, der hier archiviert werden soll, sondern ein hörenswerter Vortrag von über zwei Stunden Länge:

Nur, damit die gesamten geballten Kompetenzgranaten, die im Sommer dieses Jahres zur staatskriminellen Schadsoftware ihren Mund aufgetan und allerlei bewusste Lügen neben schmerzhaftem Unfug und Schwachsinn hervorquellen ließen, auch ja nicht vergessen werden.

Vortrag von Ulf Buermeyer, Constanze Kurz, Frank Rieger und Torsten Schröder auf dem 28. Chaos Communication Congress. Dieser Vortrag sollte zu weiten Teilen auch für Laien verständlich sein — mit einer Ausnahme. Gegen Ende wird Bezug auf das Halteproblem genommen. Dieses gehört (leider) nicht zur Allgemeinbildung, deshalb ist es hier mit der Wikipedia verlinkt.


Täglich alles im Internet, also ists Rundfunk

Das heißt, auch künftig erhalten Sie für den Preis eines Vollkornbrötchens (ca. 60 Cent) täglich sämtliche öffentlich-rechtlichen Radio- und Fernsehprogramme über alle Kanäle und sogar über das Internet – einige Fernsehprogramme ARD, ZDF, ARTE sogar auch schon in HD-Qualität ohne weitere Kosten

Oliver Krischer (Bündnis 90/Die Grünen), Abgeordneter des Deutschen Bundestages

Anstelle eines Kommentares

Kurze Unterbrechung -- Dieser Beitrag darf im Internet aus rechtlichen Gründen nicht gezeigt werden - Tagesschau, ARD


Facebook, Twitter und Google und so…

Was Sie in Facebook einmal als Daten oder Fotos hinterlegen, wird unter Umständen nie vergessen. Wenn diese jungen Menschen, die heute so für die Freiheit im Netz schwärmen, sich mit 30 für einen Job bewerben, könnte sie das erheblich beschweren. Heute wird jeder Bewerber gegoogelt.

Volker Kauder, Vorsitzender der CDU/CSU-Fraktion im Bundestage, im Interview mit dem Tagesspiegel

Kommentar

Nun, Herr Kauder, sie reden… ach, so heißt ja das Blog schon.

Also zunächst einmal das Richtige und Wahre aus ihren Worten. Ja, der Umgang vieler — keineswegs nur junger Menschen — mit den so genannten „social networks“ ist unreflektiert und unreif. Die langfristigen Folgen der unvergänglichen Datenspur im Internet und der Entblößung vor datensammelnden Unternehmen mit zurzeit eher fragwürdigem Geschäftsmodell für die eigene Lebensplanung sind in der Tat für viele eine so abstrakte Angelegenheit, dass die damit verbundenen möglichen Probleme angesichts der kurzfristigen Freude am Kommunizieren vollständig verdrängt werden.

Das aber, Herr Kauder, hat nichts mit Google oder einer anderen allgemeinen Suchmaschine für das World Wide Web zu tun. Und übrigens auch nichts mit Facebook, mit Twitter oder mit dem von ihnen nicht genannten Google Plus.

Erstens, Herr Kauder — und das mag sie in ihrer Netzblindheit vielleicht überraschen — sind mit Google auch Inhalte auffindbar, die gar nichts mit dem Web 2.0 zu tun haben. Google ist nämlich eine allgemeine Suchmaschine für das World Wide Web. Wer Google benutzt, findet damit offen zugängliche Inhalte im World Wide Web. Dieses ist deutlich größer als Facebook, Twitter, Google Plus und Konsorten. Zum Beispiel ist die von ein paar Werbern für sie gestaltete Homepage dabei, und zwar in Google weit vorne, wenn man ihren Namen eingibt. Das entspricht übrigens dem, was die meisten Menschen wollen, wenn sie Google verwenden: Eine Auflistung von Suchergebnissen nach einer für die Mehrzahl der Menschen nützlichen Bewertung ihrer Relevanz.

Zweitens, Herr Kauder, findet Google — wie eben schon benannt — offen zugängliche Inhalte. Also alles, was so veröffentlicht wurde, dass jeder am Internet Teil habende Mensch lesend darauf zugreifen kann. (So etwas wie dieses Blog zum Beispiel.) Vermutlich finden sie es auch überraschend, Herr Kauder, dass es bei Facebook, Google Plus und Twitter — und darüber hinaus bei weniger bekannten Diensten wie Diaspora — möglich ist, seine Statusmeldungen und Kurztexte so zu veröffentlichen, dass nicht jeder Mensch darauf zugreifen kann, sondern nur ein ausgewählter Personenkreis. In diesem Fall weiß auch Google nichts von den Inhalten, weil es nicht darauf zugreifen kann. Das ist eine völlig sinnvolle Möglichkeit, die übrigens auch benutzt wird. Die Probleme mit dem Web 2.0 haben auch nichts mit Google zu tun, sondern mit den Anbietern derartiger Websites; dort fließt in einem ständig wachsenden Datenbestand ein gewisser Teil sehr persönlicher Kommunikation zusammen und kann im Rahmen eines kommenden Geschäftsmodelles beliebig ausgewertet und monetarisiert werden. Ich empfinde eine Kommunikation, in der jedes Miteinander von Menschen in einen sozial optimierten Geschäftsvorgang verwandelt wird, als beschädigt und ausgesprochen kalt. Das ist übrigens der Grund, weshalb ich Facebook nicht nutze.

Drittens, Herr Kauder, haben viele Menschen derartige Probleme „auf dem Schirm“ und verwenden gewisse Dienste im Internet pseudonym oder anonym, um sich vor langfristigen Folgen zu schützen, selbst wenn sie dabei „öffentlich“ auftreten. Es ist übrigens ihr Kollege, der Herr Innenminister Hans-Peter Friedrich, der der Meinung ist, dass die Möglichkeit dieser weisen Nutzungsform abgeschafft werden soll — und darin weist er eine gewisse Nähe zur Regierung der Volksrepublik China auf. Wenn sie sich wirklich Sorgen um den persönlichen Schutz der Internet-Nutzer machten, sollten sie ihrem Kollegen bei solchen Wünschen offen und deutlich widersprechen. Dies um so mehr, als dass seine Äußerungen mit einem zuweilen beträchtlichen Realitätsverlust einhergehen.

Viertens, Herr Kauder, finde ich es beachtenswert — also wert, dass man es beachtet — dass sie den Begriff der Freiheit in einem Interview mit einer bundesdeutschen Zeitung mindestens im Zusammenhang des Internet offen als eine Schwärmerei bezeichnen. Ich finde, dass diese Bezeichnung sich prächtig in die netzpolitischen Vorstellungen aus ihrer Fraktion einfügt, die nicht nur bei mir den Anschein erwecken, dass sie das Internet mit seinen gegenwärtig bestehenden Freiräumen für Menschen nur deshalb bei jeder möglichen und unmöglichen Gelegenheit als „rechtsfreien Raum“ bezeichnen, um es mit dem Hebel derartiger Agitation in einen bürgerrechtsfreien Raum umzugestalten, ohne dass sich aus der so einzuschränkenden Bevölkerung nennenswerter Widerstand gegen so ein Unterfangen formiert.

Fünftens, Herr Kauder, weiß ich auch ohne Google oder eine andere klassische Suchmaschine, dass ihre Website seit mindenstens dem 31. März 2001 existiert und habe die Möglichkeit, auf viele ihrer früheren Äußerungen zuzugreifen; auch auf solche, die sie mittlerweile schon längst von ihrer Website entfernt haben. Die Tatsache, dass Inhalte langfristig im Internet zur Verfügung stehen, hat nämlich gar nichts mit Google, Facebook oder Twitter zu tun. Sie liegt darin begründet, dass Computer „Kopiermaschinen“ sind und dass das Internet ein Kopieren über die Grenzen eines einzelnen Rechners hinaus ermöglicht. Übrigens verfüge ich hier auch über Archive längst nicht mehr existierender Websites, die zu ihrer Zeit nicht vom Internet Archive archiviert wurden und die ich bei aktuellem Interesse auch weitergebe. Darunter sind auch Sites, die nicht öffentlich zugänglich waren, die ich aber mit meinen persönlichen Zugriffsrechten archiviert habe, um sie in Zukunft unter keinen Umständen zu verlieren. Kopieren ist eine natürliche Nutzung der Technik von IT-Anlagen und -Netzwerken.

Kurz zusammengefasst, Herr Kauder: Sie reden wie ein Mensch, der nicht die geringste Ahnung von dem hat, worüber er redet; sie greifen sich dabei ein paar Schlagwörter und Firmierungen auf, die eine gewisse Popularität haben, um eine möglichst große Portion Angst, Verunsicherung und Zweifel zu streuen. Es bedarf keines großen Wissens über das Internet, damit einem auffällt, dass ihre Worte beim Daraufherumklopfen recht hohl klingen, weil sie frei von jeder Substanz sind. Beinahe jeder durchschnittlich gebildete Mensch unter 25 Jahren wird ohne größere Anstrengung bemerken, dass sie vom Internet so sprechen, wie ein Blinder von Lichte spricht. Ich kenne nur wenige Beispiele für Menschen, die dermaßen dumm klingen wie sie in der oben zitierten Einlassung klangen — eigentlich fallen mir da nur noch Esoteriker ein, die über die „ganzheitliche“ Behandlung von Krankheiten sprechen. Diese nehmen es übrigens auch in Kauf, dass bei ihrer „Behandlung“ etwas stirbt…


Mobiles Internet: Grund für neue „Kopfabgabe“

Das mobile Internet und der konsequente Fortschritt der Mediengesellschaft belegen, dass ein Rundfunkbeitrag nicht mehr länger an bestimmte Endgeräte gebunden werden kann

Josef Wirtz (CDU), Landtagsabgeordneter in Nordrhein-Westfalen auf Abgeordnetenwatch

Kurzkommentar

Und morgen in diesem Theater: Die allgemeine Verfügbarkeit gut ausgebauter Straßen für jeden Menschen in der BRD belegt, dass die Kraftfahrzeugsteuer und die Mineralölsteuer nicht mehr an den Besitz eines Autos gebunden werden kann.

Ich habe immer noch keine Veranlassung, meinen Worten aus dem Jahr 2004 auch nur eine Zeile hinzuzufügen — außer der Bemerkung, dass das Internet für immer unverschämtere politische Beglückungsideen herhalten muss, jetzt sogar für die Einführung einer Quasikopfsteuer zur Finanzierung der staatlichen Politikeralimentierungsanstalten in der BRD. Dass man deswegen die so bezahlten Sendungen nahezu vollständig in hoher Qualität sehen und herunterladen können sollte, wie dies etwa in Großbritannien selbstverständlich ist, das ist natürlich nicht Teil der Argumentation.


Der gut geschützte Laptop

Als der Manager in seiner Marriott-Suite ins Internet ging, konnte er nicht ahnen, dass seine E-Mails fortan auch von der Konkurrenz aus Asien gelesen wurden. Schließlich war sein Laptop scheinbar gut geschützt. Das hilft allerdings nur bedingt, wenn der Internetanbieter selbst gehackt wird. In diesem Fall war das Opfer iBahn, ein US-Unternehmen, das Breitbandinternet in 3000 Hotels in über 40 Ländern anbietet.

DiePresse.com: Hier werden ganze Industrien gestohlen

Kommentar

Vielleicht hätte dem namenlosen „Manager“ mal jemand erzählen sollen, dass eine E-Mail standardmäßig offen wie eine Postkarte durch die beteiligten Netze geht und von jedem Server auf ihrem Weg mitgelesen und sogar inhaltlich manipuliert werden kann. Das sollte angesichts der Tatsache, dass das Internet nicht mehr so eine Angelegenheit für zwei Handvoll geeks ist, auch zur Allgemeinbildung gehören. Mit diesem Wissen ausgestattet, würde wohl kaum jemand auf die gnadenlos dumme Idee kommen, E-Mails mit Geschäftsgeheimnissen über das LAN eines Hotels zu empfangen oder zu versenden. Vermutlich würde aber jeder intelligenzbegabte Mensch auf die Idee kommen, den Mailverkehr hinreichend stark zu verschlüsseln (was in moderner Mailsoftware gar nicht schwierig ist), um sowohl das Mitlesen und Manipulieren bis an den Rand der Unmöglichkeit zu erschweren, als auch die Authentizität des Absenders jenseits jedes vernünftigen Zweifels sicher zu stellen.

Aber woher hätte dieser namenlos gebliebene Manager das auch wissen sollen? Vom Internet und seinen Protokollen versteht er gewiss weniger als von der Funktionsweise seines Autos; und aus dem Artikel der österreichischen „Qualitätsjournalisten“ geht auch nicht einmal ein kleiner Hinweis hervor, der dazu geeignet wäre, Unwissen in Wissen, ja, vielleicht sogar einmal in sichere Geläufigkeit beim Transport vertraulicher Informationen über das Internet zu verwandeln. Stattdessen wird die derart leichtgemachte Industriespionage durch die Volksrepublik China als die größte Bedrohung an die Wand gemalt, ganz so, als ob das Mitlesen offenen und leicht lesbaren Datenaustausches so eine große Bedrohung wäre.

Die wirklich größte Bedrohung ist und bleibt die systematische Verdummung durch solche Ausflüsse der Journaille. So lange überall der Eindruck erweckt wird, dass die Installation einiger „Sicherheitsprogramme“ Sicherheit herstellen könnte, so lange freuen sich vor allem die etwas lichtscheuen Gestalten, denen ihre Absichten unnötig leicht gemacht werden.


Droschkenfahrer und Kutschenbauer werben für autofreie Straßen

Achtung: Satire auf Realsatire!

Aus der Vereinigung der Kutschenbauer und Droschkenfahrer ertönt weiterhin der Appell an den Gesetzgeber, gegen die Benutzung der Verkehrswege mit so genannten „Automobilen“ mit einem System der abgestuften Erwiderung und Sanktionen bis zum Entzug der Bewegungsfreiheit vorzugehen. In vielen Ländern seien entsprechende Maßnahmen ohne Bedenken eingerichtet worden, erklärte Olivia Regnier, Leiterin des europäischen Notverbandes der Kutschenbauer und Droschkenfahrer, am Dienstag auf einer Veranstaltung des Bundesverbandes für den Erhalt gewachsener Verkehrsinfrastrukturen in Berlin. Im Königreich Tonga etwa hätte sich die Zahl der Nutzer von Droschken und Kutschen nach Inkrafttreten eines entsprechenden Gesetzes verdoppelt.

Dort und in anderen Staaten mit vergleichbaren Regelungen gebe es kaum Beschwerden und nur geringen gesellschaftlichen Widerstand gegen ein entsprechendes System, führte die Sprecherin der Fuhrwerkslenker aus. Die Bundesregierung forderte sie daher auf, einen „ganzheitlichen Ansatz bei der Bekämpfung des Kutschenmordes“ zu wählen und Autofahrer ernsthaft zu verfolgen.

Die schwarz-gelbe Korruption verabredete zum Start ihrer Zusammenarbeit, keine Initiativen für gesetzliche Straßensperren für Automobile zu ergreifen. Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Doppelname (FDP) lehnt auch den Versand von Warnhinweisen an Autofahrer ab.

Kauderwelsch: Auch Geschwindigkeitsbegrenzungen eine Option

Der CDU-Politiker Siegfried Kauder, der vor kurzem erst für ein System der abgestuften Bewegungseinschränkung plädierte, betonte dennoch nach einer Gesangseinlage des alpenländischen Chors mit dem Titel „Braunau, Stadt am Inn“, dass die Politik aufwachen müsse. „Wir machen hier die Gesetze“, konstantierte der Vorsitzende des Rechtsausschusses des Bundestages, der als Präsident der Bundesvereinigung Deutscher Kutschenbauer und Droschkenfahrer über jeden Verdacht eines Interessenkonfliktes erhaben ist. Seine Mitherrschenden forderte er auf, auch in Zukunft die Koffer der Droschkenfahrer und Kutschenbauer entgegenzunehmen und dann mitzuhelfen, dass es auch in vielen Jahren noch Kutschen auf deutschen Straßen gebe. Als Alternative zu der von ihm zunächst bevorzugten vollständigen Einschränkung der Bewegungsfähigkeit nach der dritten Benutzung eines Automobiles brachte er eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf halbe Schrittgeschwindigkeit als mildere Strafmaßnahme ins Spiel.

Droschkendienstleister plädiert für Autoentzug

Eine Lanze für das „Dreimal gefahren, nicht mehr bewegen“-Modell brach auch Thorsten Schliesche, Deutschlandchef des Droschkendienstleisters Napster. „Mit einer solchen Regel hätten wir unsere Umsätze verdoppeln können“, meinte der Chef des Droschkendienstes. Schon die zweite Verwarnung sollte dabei mit einer Geldbuße einhergehen, die nach Möglichkeit viele Autofahrer in den finanziellen Ruin führt. Derzeit seien legale Angebote, die auf eine Monatspauschale setzen, noch etwas für „Kutschensüchtige“, erläuterte Schliesche. Hierzulande kämen Napster und vergleichbare Kutschenfahrtvermittler auf kaum mehr als 150.000 Abonnenten. Dagegen werde die Gruppe der Nutzer, die den Benzinpreis günstiger findet als die oft sehr hohen Entgelte für die Droschkenfahrer, nicht kleiner.

Hinter den Fortbewegungspferdemördern stehe eine „Philosophie des ‚Fortschritts'“, wusste Gisela Schmalz zu berichten, die ein Buch über den „Modernitätswahn der Straße“ geschrieben hat. Diesen gehe es nicht nur um den „Spaß am Verbrechersein“, sondern auch um den ideologischen Hirnfurz einer freien Nutzung natürlicher technischer Möglichkeiten. Punkten könnten die Droschkenfahrer derzeit nur mit Zusatzdiensten wie dem Eingehen auf persönliche Wünsche und die Bequemlichkeit des Gefahren-Werdens, mit der man sich dort um seine persönlichen Wünsche und Vorzüge keine eigenen Gedanken mehr machen müsse. Um das Problem zu lösen, müssten alle Nichtautofahrer an einen Tisch kommen.

Droschkenunternehmer Dieter Gorny fordert Wertschätzung für Pferde ein

Eine Debatte über den Wert der Pferdehaltung und Pferdezucht sowie die Wertschätzung von Pferden hält auch BVMI-Chef Dieter Gorny für unerlässlich. „Wir brauchen einen gesellschaftlichen Konsens, dass man nicht autofahren sollte.“ Die Unternehmer, die vom explosionsartien Aufeinandertreffen von neuen technischen Möglichkeiten und einer neuen Kultur der Fortbewegung auf den Straßen zunächst überrollt worden seien, hätten mittlerweile ihre Hausaufgaben gemacht. Sie gebe es zurzeit sechzig legale Droschkenunternehmen. Nötig sei es nur, mit der ganzen Bandbreite politischer Regulierung und Kriminalisierung natürlicher technischer Möglichkeiten vorzugehen und auf diese Weise die Rahmenbedingungen für das Droschkengeschäft neu abzustecken. Dabei komme es keineswegs nur auf künstliche Bewegungseinschränkungen an, sondern es sei auch ein gerüttelt Maß an Willkür und Verunsicherung erforderlich. Zugleich zeigte sich Gorny im Gegensatz zum Napster-Vertreter zuversichtlich, dass die nachwachsende Generation schon viel klarer zur Nutzung der Droschken bereit sein würde. Um dies zu fördern, hat er an die anwesenden Politiker Köfferchen mit unbekanntem Inhalt ausgegeben.

Originalmeldung auf Heise Online: Musikindustrielle und Napster-Chef werben für Internetsperren — aber bitte die Speischale bereithalten, das ist purer Lobbyismus…


Der Blick zurück: Trainingscamp für Terroristen

Der folgende Text ist eine völlig unveränderte und unkommentierte Meldung der Tagesschau der quasistaatlichen TV-Sendeanstalt ARD vom 8. Dezember 2006. Die Quelle kann leider nicht mehr verlinkt werden, weil die alten Meldungen auf Drängen der Contentindustrie „depubliziert“ wurden und nicht mehr im Internet zur Verfügung stehen. Ich habe die Meldung aus einer lokal archivierten Version übernommen und hier als Dokumentation der Zeitgeschichte und der Kontinuitität netzpolitischer Bluthetze durch die so genannten „Innenexperten“ der CDU/CSU eingefügt. Das Urheberrecht für diese Meldung verbleibt selbstverständlich bei der Tagesschau-Redaktion.

Grundsatzrede Sicherheit
Schäuble: „Internet ist Trainingscamp für Terroristen“

Bundesinnenminister Schäuble will gegen den Missbrauch des Internets zu terroristischen Zwecken vorgehen. Ab Januar soll damit begonnen werden – auch im Rahmen der deutschen EU-Präsidentschaft. Zudem forderte Schäuble erneut eine Verfassungsänderung zum vereinfachten Einsatz der Bundeswehr im Inneren.

Das Internet wird nach Ansicht von Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble zunehmend zum Trainingscamp von Terroristen. Der islamistische Terrorismus setze für Ausbildung von Attentätern und die Vorbereitung von Anschlägen immer stärker auf das Netz, so Schäuble bei seiner Berliner Grundsatzrede zur Sicherheit. Dagegen will der Innenminister vorgehen. Es werde daher einer der Schwerpunkte der deutsche EU-Präsidentschaft sein, den Missbrauch des Internets zu terroristischen Zwecken zu verhindern, kündigte er an.

Schon ab Januar soll eine neue Einheit von Internetfahndern beim Gemeinsamen Terror-Abwehr-Zentrum von Polizei und Geheimdiensten (GTAZ) ihre Arbeit „im Kampf gegen den islamistischen Terrorismus im Internet“ aufnehmen. Die Einheit soll Videobotschaften und islamistische Propaganda im Netz schneller als bisher auswerten und Gefährdungsanalysen erstellen.

Auch die Cyber-Kriminalität sei auf dem Vormarsch, sagte Schäuble. Allein 2005 seien mehr als 16.000 neue Varianten von Computerviren und Trojanern entdeckt worden. Dies entspreche einer Zunahme von 90 Prozent. Für die Wirtschaftsspionage werde ebenfalls verstärkt das Internet genutzt. Mit Hilfe modernster Technologien würden die Computersysteme von Unternehmen, aber auch Regierungsstellen elektronisch angegriffen.

Bisher nur ein Projekt: „Kommissar Trojaner“

Das Bundeskriminalamt arbeitet bereits an einem Projekt, das verschleierte Online-Durchsuchungen ermöglichen könnte, wie neulich bekannt wurde. Wegen einer rechtlichen Bewertungsstreites innerhalb der Bundesregierung liegt das Projekt allerdings vorerst auf Eis. Mit Online-Durchsuchungen würden die staatlichen Fahnder im einfachsten Fall auf klassische Weise per E-Mail digitale trojanische Pferde und anderer Schadsoftware auf den Ziel-PC einschleusen. Möglich wäre aber auch, dass die Zielperson zum Ansurfen einer unverdächtigen Website gelockt wird, von wo sich unbemerkt im Hintergrund das Spionageprogramm installiert. In hartnäckigen Fällen könnten die BKA-Beamten den PC durch einen gezielten Internet-Angriff über undokumentierte Schwachstellen des Betriebssystems und der Browser-Software „aufhebeln“.

Schäuble dringt auf Verfassungsänderung

In seiner Grundsatzrede auf dem „Berliner Forum Zukunft“ forderte Schäuble zudem erneut eine Verfassungsänderung, die den Einsatz der Bundeswehr im Inneren vereinfache. Der Luftwaffe müsse endlich die Möglichkeit zur umfassenden Sicherung des Luftraumes gegeben werden, sagte der CDU-Politiker. „Wenn der Staat in einer existenziellen Bedrohung nicht in der Lage ist, Schutz zu gewährleisten, würde dies zur Delegitimierung des Rechtsstaates führen.“

Schäuble bestritt, dass die Regierung sich nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum Luftsicherheitsgesetz im Notfall beim Abschuss einer gekaperten Maschine auf den übergesetzlichen Notstand berufen könne. „Es kann nicht sein, dass im Ernstfall der Staat sagt, wir halten uns nicht an die Verfassung“, unterstrich Schäuble. Daher müsse man sich den Artikel 87a des Grundgesetzes „genau anschauen“ und nicht zu „feige“ sein, die Frage nach der Wehrhaftigkeit des Rechtsstaates zu beantworten.


Internet schlimmer als die NPD!

Zitat Spiegel Online:

Innenminister Friedrich plant eine schärfere Kontrolle des Internets. Dafür soll beim Bundeskriminalamt eine eigene Abteilung entstehen, um neue Überwachungstechniken zu entwickeln. Weniger forsch ist der CSU-Mann beim Thema NPD-Verbot – hier warnt er vor Schnellschüssen.

Aktionismus und Schnellschüsse werden Sie mit mir nicht erleben. Das Gegenteil von gut gemacht ist gut gemeint.

Kurzkommentar

Rechts so… ähm… recht so, Herr Bundesminister. Schließlich bringt das Internet Menschen um und nicht diese aus dem NPD-Umfeld stammenden Mörderbanden. Danke für die Klarstellung ihrer „politischen“ Schwerpunkte. Wenigstens das mit der Internetkontrolle wollen sie mit einem schnellen und guten Schuss machen, während sie es mit Mörderbanden mit einer Gesinnung, die der Ihrigen zuweilen gar nicht so fern zu stehen scheint, lieber noch ein paar Jahre gut meinen.

Dank auch an Spiegel Online, einem Blatt, in dem solchen Hetzern eine Plattform geboten wird, ohne dass den Zitaten des Hetzers aus dem Freistaat auch nur ein schwacher Widerspruch entgegengesetzt wird…


Es ist nicht real!

An der Schnittstelle zwischen einer außergewöhnlich starken Realwirtschaft und den Anwendungen im Internet, da liegt unsere große Chance

Angela Merkel (CDU), Bundeskanzlerin

Kurzkommentar

Verstehe, Frau Kanzlerin, es gibt da die muskelprotzende „Realwirtschaft“, in der deutlich das Wort „real“ drinsteckt, das wohl meinen soll, dass es sich um einen Teil der Wirklichkeit handele. Und es gibt da dies Internetdingsbumms mit so Anwendungen drin, das etwas ganz anderes sein muss, nicht? Auf alle Fälle nicht so richtig „real“. Schon klar. Die Umsätze, die von einigen Unternehmungen ausschließlich mit diesem Internetdingsbumms und irgendwelchen auf dieser Grundlage laufenden Anwendungen erzielt werden, sind wohl auch nicht so ganz „real“, sie sind ja etwas anderes als diese „Realwirtschaft“.

Ach, was rege ich mich auf… wo haben sie das gesagt, Frau Kanzlerin? Ach ja, auf einem so genannten „IT-Gipfel“. Also auf dem Hügelchen, dass in Deutschland wie ein beeindruckender Gipfel aussieht. Genau der richtige Ort für eine derartige Denke! Denn die Unternehmen, die mit dem Internet Profit erwirtschaften, kommen ja meist nicht aus Deutschland. Das liegt übrigens auch daran, dass eine Denke wie die Ihrige, Frau Kanzlerin, hier leider viel zu verbreitet ist.