Sie reden vom Netz wie Blinde vom Licht

Beiträge mit Schlagwort “Zeit Online

Das Internet ist für Zeit Online Neuland

Bedenklich ist es, wenn der besagte Port 32764 in der Darstellung rot und als offen markiert wird […]

Zumindest dem Cisco Product Security Incident Response Team (Psirt) seien keine Fälle bekannt, in denen die Lücke in größerem Maße ausgenutzt wurde, schreibt das Unternehmen. Ausdrücklich bedankt es sich bei denjenigen, die das Einfallstor publik gemacht haben.

Zeit Online — Computersicherheit: Cisco kann die Hintertür im eigenen Router nicht schließen

Anmerkung

Was Marin Majica und die anderen Qualitätsjournalisten bei Zeit Online bei ihrer um eine durchaus erträgliche eigene Schreibe ergänzten Abschreiberei vom üblichen, verlogenen Cisco-Pressegemelde gegenüber ihren Lesern völlig verschweigen, ist die Tatsache, dass diese Backdoor bei Cisco (und übrigens bei jedem Menschen, der das Cisco-Supportforum lesen kann, also bei jedem Menschen mit Zugang zum Internet, einschließlich aller Kriminellen mit Zugang zum Internet) bereits seit dem 29. März 2010 bekannt gewesen ist. Cisco hat sich nur fast vier Jahre lang nicht für ein schweres und von Cisco selbst bewusst eingebautes Sicherheitsloch in seinen eigenen Produkten interessiert. Um diese kleine Tatsache herauszubekommen, hätte es lediglich einer einzigen Suche nach der in diesem Zusammenhang fernliegenden Zeichenkette „32764“ im Cisco-Supportforum bedurft, die lediglich durch die dafür erforderliche Benutzung eines Suchfeldes erschwert worden wäre, das auf der Startseite des Support-Forums durch offene Sichtbarkeit versteckt wurde.

Welchen Wert der „Dank“ Ciscos bei denjenigen hat, die das schwere, bewusst werksseitig eingebaute Sicherheitsloch — nein, Code schreibt sich nicht von allein und entsteht auch nicht aus Feenstaub, sondern er wird programmiert, in diesem Fall mutmaßlich im Auftrage eines Geheimdienstes der USA — publik gemacht haben, eröffnet sich aus dieser kleinen Tatsache ganz von allein. Er ist etwa damit zu vergleichen, wenn einem schleimig ins Gesicht gerotzt wird.

Aber Recherche in offen zugänglichen und leicht durchsuchbaren Quellen, wenn man auch aus einer intelligenz- und nutzerverachtenden Presseerklärung Ciscos und ein paar anderen Texten schnell etwas Content für den Raum zwischen der Reklame zusammenkleben kann, wäre ja wirklich zu viel verlangt. Das würde ja in Arbeit ausarten. In journalistische Arbeit.

Die Frage, wozu noch jemand den in jeder Sonntagsrede hochgelobten und inzwischen gar durch ein „Leistungsschutzrecht“ geschützten Journalismus benötigen sollte, wenn er die Recherche doch selbst anstellen muss, mögen sich die Qualitätsjournalisten auf ihrem Weg in die hoffentlich bald erfolgende Insolvenz des gesamten Pressewesens bitte selbst stellen.

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Schön, dass uns niemand mehr überwacht!

Zeit Online -- Deutschland -- Geheimdienste: Pofalla erklärt NSA-Affäre für beendet

Ohne Worte | Quelle des Screenshots: Internet


Kommt diese „geschlossene Anstalt“ denn niemals an ihr Ende?

Aus für Google Reader -- Kommt das offene Internet an sein Ende? -- Google stellt seinen RSS-Reader ein. Um den ist es nicht schade, wohl aber ums RSS-Protokoll. Denn jetzt verbreitet Facebook die News – und das ist nicht offen.

Kommentar in Form eines Offenen Briefes

Werter leistungsschutzrechtgeschützter Qualitätsjournalist,

ich weiß nicht, ob sie sich das vorstellen können: RSS als offener Standard für die maschinenlesbare Anforderung von aktualisierten Inhalten in Websites existiert völlig unabhängig davon, ob Google dafür einen Dienst anbietet oder nicht.

Wie ich eben gerade beim Blick in den Quelltext der Website der Zeitung, die sie für ihr unqualifiziertes Geschmiere hoffentlich nicht zu hoch entlohnt, bemerkt habe, bietet auch diese Zeitung einen RSS-Feed für ihre Leser an. Sie kommt nicht auf die gnadenlos dumme Idee, diesen Service einzustellen, weil Google jetzt, wie sie das so schön und so lächerlich schreiben, damit beginnt, das „offene Internet“ auszuknipsen. Das wäre auch ausgesprochen dumm, denn es gibt neben diesem Angebot von Google, dass ihnen in ihrer sie leider nicht vom Schreiben abhaltenden Unwissenheit die wohl einzige bekannte Nutzungsform von RSS-Feeds offeriert hat, noch eine ganze Menge weiterer Software, die ausgesprochen nützlich ist, weil sie die tägliche Lektüre durch Aufbereitung von RSS-Feeds erleichtert.

Facebook gehört übrigens nicht dazu, wie sie mit Leichtigkeit herausbekommen könnten, wenn sie sich auch für das Thema interessierten, über das sie schreiben. Dafür kann es jeder bessere Mailclient, die eine oder andere Webanwendung und auch eine Menge spezialisierter Programme und Browser-Plugins.

Aber so etwas muss man als „Redakteur im Ressort Digital“ wohl nicht wissen. Genau so wenig, wie man wissen muss, dass RSS kein Internet-Protokoll, sondern ein XML-Dokumenttyp ist und dass RSS-Feeds in diesem Dateiformat über das HTT-Protokoll abgerufen werden.

Denn im „Ressort Digital“ spielt die Digitaltechnik und das Wissen darum keine Rolle. Und Google, Facebook und das ebenfalls im weiteren Artikel benannte Twitter sind der Horizont des Internet, wenn es dort etwas nicht gibt, dann gibt es das nirgends. Weltbilder entstehen eben im Kopfe, und wenn der Kopf nicht so viel weiß, wird es halt ein bisserl eng auf der darin abgebildeten Welt. Dieses Internet, mit dem sie, Herr Biermann, sich beschäftigen, könnte übrigens ein gutes Mittel gegen diese Enge im Kopfe sein. Fangen sie doch gleich mal mit dem Wikipedia-Artikel zu RSS an.

Soll ich ihnen, Herr Biermann, mal erzählen, was wirklich zum Ende des offenen Internet führt, wenn man darunter eine technisches Netzwerk von Computern versteht, das den einzigen Nutzen hat, Menschen zusammenzubringen? Nein, interessiert sie nicht? Weil sie ihr „journalistisches“ Thema generell nicht interessiert? Ich sags ihnen trotzdem, Herr Tintenkleckser¹ Biermann: Das so genannte „Leistungsschutzrecht für Presseverleger“ hat dieses Potenzial für Deutschland. Was nützt nämlich die beste und segensreichste Technik, wenn mit klandestiner Lobbyarbeit ein juristischer Rahmen geschaffen wird, der natürliche Nutzungsformen dieser Technik kriminalisiert und zum nicht mehr tragbaren Risiko für die Menschen macht? Sehen sie, nichts. Eine öffentlich zugängliche Aufbereitung von RSS-Feeds — zum Beispiel auch der ihrer Zeitungswebsite — zu einem Webangebot wird unter den Maßgaben dieses „Rechtes“ kriminalisiert.

Ach, das ragt zu weit in ihre eigene Tintenkleckserei¹ ihre eigene schreibende Tätigkeit hinein? Und ist deshalb und nur deshalb etwas völlig anderes? Deshalb stürzen sie sich lieber auf das böse Google, das das offene Internet abschaltet?

Na gut. Tun sie das ruhig und führen sie sich wie ein Idiot¹ so auf! So wird wenigstens jedem Wissendem — also ungefähr jedem aufgeschlossenen Menschen unter 35 Jahren und zudem noch einer Menge älterer Menschen — klar, dass mies recherchierte Texte ohne die Spur wirklicher Sachkenntnis mit der Autorität des „Journalismus“ oder gar „Qualitätsjournalismus“ in einer Zeitung abgedruckt oder in einer Zeitungswebsite publiziert werden können. Und das vermutlich nicht nur im „Ressort Digital“, sondern in jedem verdammten Ressort.

Und diese Klarheit ist doch mal ein guter Anfang für die poltische Bildung. Oder können sie mir vielleicht nur einen einzigen Grund nennen, weshalb man annehmen sollte, dass Texte zu anderen Themen in ihrem Schmierblatt besser recherchiert und kenntnisreicher geschrieben wären? Mir fällt jedenfalls keiner ein.

Ihr solchen Bullshit nicht mehr ertragender
Nachtwächter

Nachtrag 24. Juni 2013: Dieser Text wurde vor über drei Monaten geschrieben, also deutlich bevor Gerüchte über Facebooks Pläne einer eigenen Aufbereitung von Nachrichten bekannt geworden sind.

Quelle des Screenshots: Internet

Fußnoten

¹Die durchgestrichenen Texte habe ich gegen weniger ruppige Formulierungen ausgetauscht, um den von Herrn Biermann als beinahe beleidigend empfundenen Charakter des Textes etwas zu entschärfen. Näheres zum Hintergrund dieser Entscheidung lässt sich in den Kommentaren nachlesen.


Fantasien

Chaos Computer Club: Aufruf zum Widerstand gegen den Überwachungsstaat -- Der Hacker Jacob Appelbaum hat beim Kongress des Chaos Computer Clubs ein sehr persönliches Plädoyer gegen ausufernde staatliche Überwachungsfantasien gehalten.

Kurzkommentar

Nein, Zeit Online, Jacob Appelbaum hat nicht über irgendwelche Fantasien gesprochen, sondern über den ständig weiter vorangetriebenen Ausbau der konkreten und mittlerweile in beinahe jedes Leben hineinragenden staatlichen Überwachungspraxis.

Aber das liest man besser in einer Primärquelle nach und nicht im Spiegelbild des „Qualitätsjournalismus“ — da wird aus jemanden, der sich mit einer großen Gefahr für Menschen- und Bürgerrechte beschäftigt, schon einmal jemand, dem es um irgendwelche Fantasien geht. Zwar nur im Anrisstext, aber dort ist diese als Meldung getarnte Bewertung schlimm genug.

Nachtrag, 28. Dezember, 17:10 Uhr: Na bitte, Zeit Online, es geht doch


Facebook-Schwurbelweltmeisterschaft (mit Satire)

Zunächst ein längeres Zitat aus Zeit Online, in dem uns Wisschenschaftler darüber aufklären, was Menschen dazu motiviert, Facebook zu benutzen:

Wer einen Ausblick auf die Zukunft [Facebooks] geben will, muss sich mit den Motiven beschäftigen, die Nutzer millionenfach zu einer Anmeldung bewegen. Der Soziologe André Hoever von der Freien Universität Berlin etwa schreibt in einem Essay, Facebook biete den Menschen die Möglichkeit, „in einer sicheren Umgebung als Individuen wahrgenommen zu werden“. Es ist die „Aufwertung der Individualität“, nicht in einer totalen, sondern in einer persönlichen Öffentlichkeit. Hoever betont dabei die Zwanglosigkeit des Sich-Mitteilens und Kommentierens.

Thorsten Benkel von der Goethe Universität Frankfurt¹ spricht von einer „Lesbarkeit des Lebens in selektiven Bildern“, allerdings ohne einen „wahrheitsversessenen Dokumentationsanspruch“. Mit dem eigenen Profil lasse sich eine kreative Ich-Konstruktion ausbuchstabieren. Facebook wurde deshalb so groß, weil es die Möglichkeit bietet, das eigene Leben in einem digitalen Raum genau so zu erzählen, wie man gerne möchte. Die Selbstinszenierung sei darauf gepolt, nur das sichtbar zu machen, was vor dem sozialen Umfeld akzeptabel und wünschenswert erscheint. Die Kulturwissenschaftlerin Sherry Turkle erklärte das Prinzip in einem Interview so: „Ich teile mich mit, also bin ich.“ Allerdings gelte dabei auch: Ich will die Kontrolle darüber haben, was ich preisgebe.

Nun wissen wir ja dank dieser großen Einsichten alle viel genauer, was die Menschen zu Facebook treibt. Und nun eine hochwissenschaftliche Untersuchung des Alarmknopfes zu den Motiven, welche Menschen dazu bringen, in eine Kneipe zu gehen — wer Satire darin findet, darf sie behalten:

Wer einen Ausblick auf die Zukunft der Gastwirtschaft mit Bierausschank geben will, muss sich mit den Motiven beschäftigten, die Kneipengänger immer wieder zum Gang in die Kneipe bewegen. Der Soziologie Hoedre Ander von der Freibier-Universität Berlin etwa schreibt in einem schlechten Versuch, die Kneipe biete den Menschen die Möglichkeit, „in einer vertrauten Umgebung als Individuen wahrgenommen zu werden“. Es ist diese „Aufwertung der Individualität“, nicht in einer totalen, sondern in einer bierselig-persönlichen Öffentlichkeit. Ander betont dabei die Zwanglosigkeit des Sich-Mitteilens und Kommentierens am Tresen.

Borsten Thenken von der Gülle-Universität Frankfurt spricht von einer „Erkennbarkeit des Lebens in einem selektiven Ausschnitt“, allerdings ganz ohne „wahrheitsversessenen Dokumentationsanspruch“ bei den Tresen- und Stammtischgesprächen. Mit dem regelmäßigen Kneipenbesuch lasse sich eine mehr oder minder kreative Ich-Konstruktion enumerieren, anzählen und in sonstige Symbolketten transformieren. Die Kneipe wird deshalb so bedeutsam, weil sie die Möglichkeit bietet, das eigene Leben in einem meist dunklen Raum so zu erzählen, wie man es gerne erzählen möchte. Die Selbstinszenierung sei darauf gepolt, nur das sichtbar zu machen, was vor den anderen Kneipengängern akzeptabel und wünschenswert erscheint. Die Kulturwissenschaftlerin Sherry Taumel erklärte dieses Prinzip in einem Interview so: „Ich teile mich am Tresen mit, also bin ich“. Allerdings gelte dabei auch: Ich will die Kontrolle darüber haben, was ich preisgebe — und wie ich hinterher nach Hause zurückkomme.

Abschließend

Mein besonderer Dank geht an die „Qualitätsjournalisten“ von Zeit Online, die diesen großartigen Schwurbeltext ins Internet gestellt haben. Er erinnert mit gebieterischem Drang an gewisse Gedichte, in denen jemand so von einer Rose spricht, dass dabei in jedem Worte klar wird, wie frei von jeder Erfahrung einer Rose sein versförmiges Gelaber ist.

¹Die Deppen Leer Zeichen sind aus dem Original.