Sie reden vom Netz wie Blinde vom Licht

Archiv für März, 2013

Magerfalle Internet

Screenshot Focus Online -- Magersucht: Wenn das Internet zur Magerfalle wird -- Es scheint als gäbe es unter den jungen Mädchen heutzutage nur ein Thema: Dünnsein. Viele hungern sich für ihren Traum von der Top-Figur bis an die Grenze des Todes. Blogs im Internet können dazu gefährliche Unterstützung leisten.

Quelle des Screenshots: Internet

Kurzkommentar (sehr gereizt)

Genau, leistungsschutzrechtsgeschützter Qualitätsjournalist, Mädchen hungern sich tot, weil es Blogs im Internet gibt. Mit dem medial transportierten Frauenbild (sowohl im redaktionellen Teil als auch in der Reklame) hat das nichts zu tun — kann ja niemand ahnen, dass die Massenstanze von Glotze und Druckerpresse, die ein halbverhungertes weibliches Schönheitsideal transportiert, irgendwelche Auswirkungen haben könnte. Internet bringt Tod, Qualitätsjournalismus bringt Leben! So weiterschreiben, bis auch der letzte Denkverweigerer bemerkt, was für zynische Unmenschen es sind, die so hirnlos hetzen und wie scheißegal ihnen dabei das von ihnen selbst mitangerichtete Elend ist! Der eine Finger, mit dem der stinkende Zeitgenosse Qualitätsjournalist auf das todbringende Magernetz und seine Blogs zeigt, bewirkt nur, dass vier Finger seiner Hand auf ihn zurückzeigen. Das tolle Symbolbild zum Text, das nichts mit Blogs, aber alles mit dem Bildmaterial der Journaille zu tun hat, macht das nur noch deutlicher.


Soziale Netzwerke vergreisen

Die Nutzer von Sozialen Netzwerken werden laut einer aktuellen Berechnung immer älter.

Auf Facebook liege das sogenannte Medianalter der Nutzer bereits bei 38,7 Jahren, ergab eine Erhebung der Marktforschungsfirma ComScore im Auftrag des Magazins „Focus“. Im Jahr zuvor lag der Wert bei 38,1 Jahren.

DPA-Meldung, zitiert nach Focus Online — Internet: „Focus“: Soziale Netzwerke „vergreisen“

Kommentar

Zunächst einmal eine Erläuterung für die Menschen, die nicht wissen, was ein Median ist. Es handelt sich nicht um den sonst in solchen Zahlenspielen sehr populären Durchschnittswert. Der Median wird ermittelt, indem alle Werte sortiert werden und der Wert aus der Mitte genommen wird¹. Dieser kann je nach Verteilung der Werte mehr oder weniger stark vom vertrauteren Mittelwert abweichen. Warum hier eine Entwicklung mit dem eher unüblichen Median anstelle des allgemein vertrauten (und nicht erwähnten) Mittelwertes „belegt“ wird, bleibt das Geheimnis der Qualitätsjournalisten, die dieses Zahlenspiel als „Beleg“ für eine „Vergreisung“ [!] heranziehen.

Vor einem Jahr lag der Median also bei 38,1 Jahren, und jetzt, wo alle Leute, die vor einem Jahr in die Betrachtung einflossen, ein ganzes Jahr älter geworden sind, liegt dieser Median nicht etwa bei 39,1 Jahren (oder gar noch höher), sondern bei 38,7 Jahren. Und das soll eine „Vergreisung“ sein, obwohl in der Zahl, die das „belegen“ soll, der direkte Beweis dafür steckt, dass eine bedeutende Menge jüngerer Nutzer hinzugekommen sein muss, während die Noch-Mitglieder ganz normal biologisch altern? Faszinierend!

Nun, werte berufsmäßige Lügner beim Focus, wenn ich das sehe, bekomme ich eine Ahnung, warum ihr einen für die meisten Menschen schwer interpretierbaren Wert wie den Median herausgepickt habt, um alles andere (zum Beispiel den Durchschnitt, die Standardabweichung und die Größe der Stichprobe) zu verschweigen und damit eine Überprüfung der Datenbasis eurer Behauptungen völlig unmöglich zu machen. Fakten sind euch nämlich egal. Vermutlich wäre der Mittelwert noch ungeeigneter gewesen, um das zu transportieren, was die Wirklichkeit nicht hergibt: Eine Lügenmeldung, dass das Zeitalter der so genannten „sozialen“ Netzwerke zu Ende geht. Eure Meldung ist Propaganda, geschrieben nur, um eine psychologische Wirkung zu entfalten. Dabei stört es euch nicht, dass der kleine Faktenkrümel, den ihr dazu heranzieht, dieser Propaganda direkt widerspricht. Denn eure Leser haltet ihr für dumm, und ihr werdet alles dafür tun, dass sie dumm bleiben — und ansonsten könnt ihr fest auf den allgemeinen wissenschaftlichen und mathematischen Analphabetismus bauen, den Schule und Presse seit Jahrzehnten sicherstellen.

Die einzigen, die in der BRD vergreist, rückwärtsgewandt und auf dem absteigenden Ast sind, sind die Vertreter des Presseverlagswesens. Das bemerkt man allerdings nicht an irgendwelchen Bullshit-Zahlen, sondern an ihrem Vorgehen, ihrer Propaganda und ihrer verzweifelten politischen Einflussnahme in der Lobby des Reichstages, um das Internet in der BRD zu erwürgen. Koste es, was es wolle.

¹Technische Anmerkung: Eine Sortierung ist zur Ermittlung des Medians nicht erforderlich, es ist vollkommen hinreichend, (zum Beispiel) das Partitionierungsverfahren des Quicksort-Algorithmus geeignet anzuwenden. Der Rechenaufwand ist dabei deutlich kleiner als beim Sortieren, er liegt nicht bei n * log(n), sondern bei log(n).


Endlich! Die Glotze denkt für dich!

Ein SmartTV denkt ohne Breitband langsamer

Chip Online — Umfrage: Wie schnell ist Ihre Internet-Verbindung?

Platsch, das war ein Blindfisch.


Kommt diese „geschlossene Anstalt“ denn niemals an ihr Ende?

Aus für Google Reader -- Kommt das offene Internet an sein Ende? -- Google stellt seinen RSS-Reader ein. Um den ist es nicht schade, wohl aber ums RSS-Protokoll. Denn jetzt verbreitet Facebook die News – und das ist nicht offen.

Kommentar in Form eines Offenen Briefes

Werter leistungsschutzrechtgeschützter Qualitätsjournalist,

ich weiß nicht, ob sie sich das vorstellen können: RSS als offener Standard für die maschinenlesbare Anforderung von aktualisierten Inhalten in Websites existiert völlig unabhängig davon, ob Google dafür einen Dienst anbietet oder nicht.

Wie ich eben gerade beim Blick in den Quelltext der Website der Zeitung, die sie für ihr unqualifiziertes Geschmiere hoffentlich nicht zu hoch entlohnt, bemerkt habe, bietet auch diese Zeitung einen RSS-Feed für ihre Leser an. Sie kommt nicht auf die gnadenlos dumme Idee, diesen Service einzustellen, weil Google jetzt, wie sie das so schön und so lächerlich schreiben, damit beginnt, das „offene Internet“ auszuknipsen. Das wäre auch ausgesprochen dumm, denn es gibt neben diesem Angebot von Google, dass ihnen in ihrer sie leider nicht vom Schreiben abhaltenden Unwissenheit die wohl einzige bekannte Nutzungsform von RSS-Feeds offeriert hat, noch eine ganze Menge weiterer Software, die ausgesprochen nützlich ist, weil sie die tägliche Lektüre durch Aufbereitung von RSS-Feeds erleichtert.

Facebook gehört übrigens nicht dazu, wie sie mit Leichtigkeit herausbekommen könnten, wenn sie sich auch für das Thema interessierten, über das sie schreiben. Dafür kann es jeder bessere Mailclient, die eine oder andere Webanwendung und auch eine Menge spezialisierter Programme und Browser-Plugins.

Aber so etwas muss man als „Redakteur im Ressort Digital“ wohl nicht wissen. Genau so wenig, wie man wissen muss, dass RSS kein Internet-Protokoll, sondern ein XML-Dokumenttyp ist und dass RSS-Feeds in diesem Dateiformat über das HTT-Protokoll abgerufen werden.

Denn im „Ressort Digital“ spielt die Digitaltechnik und das Wissen darum keine Rolle. Und Google, Facebook und das ebenfalls im weiteren Artikel benannte Twitter sind der Horizont des Internet, wenn es dort etwas nicht gibt, dann gibt es das nirgends. Weltbilder entstehen eben im Kopfe, und wenn der Kopf nicht so viel weiß, wird es halt ein bisserl eng auf der darin abgebildeten Welt. Dieses Internet, mit dem sie, Herr Biermann, sich beschäftigen, könnte übrigens ein gutes Mittel gegen diese Enge im Kopfe sein. Fangen sie doch gleich mal mit dem Wikipedia-Artikel zu RSS an.

Soll ich ihnen, Herr Biermann, mal erzählen, was wirklich zum Ende des offenen Internet führt, wenn man darunter eine technisches Netzwerk von Computern versteht, das den einzigen Nutzen hat, Menschen zusammenzubringen? Nein, interessiert sie nicht? Weil sie ihr „journalistisches“ Thema generell nicht interessiert? Ich sags ihnen trotzdem, Herr Tintenkleckser¹ Biermann: Das so genannte „Leistungsschutzrecht für Presseverleger“ hat dieses Potenzial für Deutschland. Was nützt nämlich die beste und segensreichste Technik, wenn mit klandestiner Lobbyarbeit ein juristischer Rahmen geschaffen wird, der natürliche Nutzungsformen dieser Technik kriminalisiert und zum nicht mehr tragbaren Risiko für die Menschen macht? Sehen sie, nichts. Eine öffentlich zugängliche Aufbereitung von RSS-Feeds — zum Beispiel auch der ihrer Zeitungswebsite — zu einem Webangebot wird unter den Maßgaben dieses „Rechtes“ kriminalisiert.

Ach, das ragt zu weit in ihre eigene Tintenkleckserei¹ ihre eigene schreibende Tätigkeit hinein? Und ist deshalb und nur deshalb etwas völlig anderes? Deshalb stürzen sie sich lieber auf das böse Google, das das offene Internet abschaltet?

Na gut. Tun sie das ruhig und führen sie sich wie ein Idiot¹ so auf! So wird wenigstens jedem Wissendem — also ungefähr jedem aufgeschlossenen Menschen unter 35 Jahren und zudem noch einer Menge älterer Menschen — klar, dass mies recherchierte Texte ohne die Spur wirklicher Sachkenntnis mit der Autorität des „Journalismus“ oder gar „Qualitätsjournalismus“ in einer Zeitung abgedruckt oder in einer Zeitungswebsite publiziert werden können. Und das vermutlich nicht nur im „Ressort Digital“, sondern in jedem verdammten Ressort.

Und diese Klarheit ist doch mal ein guter Anfang für die poltische Bildung. Oder können sie mir vielleicht nur einen einzigen Grund nennen, weshalb man annehmen sollte, dass Texte zu anderen Themen in ihrem Schmierblatt besser recherchiert und kenntnisreicher geschrieben wären? Mir fällt jedenfalls keiner ein.

Ihr solchen Bullshit nicht mehr ertragender
Nachtwächter

Nachtrag 24. Juni 2013: Dieser Text wurde vor über drei Monaten geschrieben, also deutlich bevor Gerüchte über Facebooks Pläne einer eigenen Aufbereitung von Nachrichten bekannt geworden sind.

Quelle des Screenshots: Internet

Fußnoten

¹Die durchgestrichenen Texte habe ich gegen weniger ruppige Formulierungen ausgetauscht, um den von Herrn Biermann als beinahe beleidigend empfundenen Charakter des Textes etwas zu entschärfen. Näheres zum Hintergrund dieser Entscheidung lässt sich in den Kommentaren nachlesen.


Bundestag will Nutzung datenschutztechnisch solider Standardsoftware im Internet unmöglich machen

Nur ein Kommentar, kein Zitat, weil das Zitat zu lang würde

Wie Heise Online berichtet (bitte dort weiterlesen), hat sich die Regierungskoalition aus CDU, CSU und FDP auf eine „Neuregelung der Bestandsdatenauskunft“ geeinigt, und diese Einigung findet die Unterstützung der SPD, damit auch niemand glaube, es gäbe in Sachen vollständige Bürgerentrechtung und Kriminalisierung des gesamten Internet eine Opposition in der BRD.

Zweck dieser Gesetzgebung ist ein Regelung der Auskunftspflicht von Internet- und Telefoniedienstleistern über die Nutzung ihrer Dienste durch registrierte Anwender gegenüber den Strafverfolgern, also den Staatsanwaltschaften und den Gehilfen der Staatsanwaltschaften, den Polizeien.

Diese Auskunftspflicht gilt nicht nur für Registrierungs- und Nutzungsdaten, sondern auf richterlichen Beschluss auch für Passwörter. Immerhin soll dabei nach Auffassung von CDU, CSU, FDP und SPD keine Willkür möglich sein, da es für eine Auskunft doch mindestens zu einer Ordnungswidrigkeit gekommen sein muss, also zu so etwas wie Falschparken oder Radfahren auf einem Fußweg. Mit diesem Rechtsrahmen würden bewährte, verantwortungsvolle und allgemein übliche Methoden des Datenschutzes bei der Speicherung von Passwörtern in der Bundesrepublik Deutschland praktisch illegal, da sie die vom Gesetzgeber geforderte Auskunftspflicht unterliefen.

Was heißt das?

Es heißt zum Beispiel, dass für ein Webangebot in der Bundesrepublik Deutschland keine Standardsoftware mehr verwendet werden kann. Wer ein Webforum aufmachen möchte (und damit Dienstleister wird), wer ein Blog betreiben möchte (und damit Dienstleister wird) oder wer einen einfachen kleinen Webshop betreiben möchte (und damit Dienstleister wird), kann bewährte Software zu diesem Zweck nicht verwenden, weil ihre Programmierer selbstverständlich so viel Verantwortungsgefühl für den Datenschutz hatten, dass die Software keine Passwörter im Klartext speichert.

Diese Regelung ist also ein weiterer Hebel, um den Betrieb von privaten und kleingewerblichen Websites in der Bundesrepublik Deutschland zu erschweren oder gar mit beliebigen Sanktionen belegbar und damit praktisch unmöglich zu machen, wenn der gerade zum Gesetz werdenden Auskunftspflicht nicht Genüge getan werden kann, weil die verwendete Software guten, bewährten Grundsätzen des Datenschutzes folgt.

Es ist nicht absehbar, welche Folgen die Kriminalisierung des Datenschutzes durch den Deutschen Bundestag haben wird. Obwohl das allein schlimm genug wäre, handelt es sich nicht nur um einen Verlust von Datensicherheit für jeden Menschen, der in der Bundesrepublik Deutschland Internetdienste nutzt, denen gegenüber er sich durch ein Passwort authentifziert. Es handelt sich auch um den Verlust der Möglichkeit, einfach eine Website mit dafür geeigneter, bewährter und in jedem anderen Staat der Welt (einschließlich der VR China) problemlos verwendbarer Standardsoftware aufzusetzen und zu betreiben. Tatsächlich ist diese Gesetzgebung ein verstecker und — wenn dies vorstätzlich geschieht — ausgesprochen kryptischer und hinterhältiger Angriff auf das „Amateur-Web“, in dem sich die bunte Vielfalt des Lebens einfacher Menschen nichtkommerziellen Ausdruck verschaffen kann UND auf die kleingewerblichen Nutzungs- und Geschäftsmöglichkeiten des Internet. Die ganz besondere Hinterhältigkeit dieses Angriffs auf das Internet liegt darin, dass die meisten Menschen kein technisches Wissen darüber haben, mit welchen kryptografischen Methoden Passwörter so gespeichert werden, dass diese auch bei einem erfolgreichen Angriff nicht gegenüber dem Angreifer offengelegt werden, so dass während des Gesetzgebungsverfahrens kein breiterer Widerstand gegen diese Entrechtung zu erwarten ist. Wenn der entrechtende Unsinn dann erst einmal zu Rechtskraft gelangt ist, ist es zu spät und man kann nur noch auf eine schnelle Beendigung des Spuks durch das Bundesverfassungsgericht hoffen.

Dieser Angriff steht in einer gesetzgeberischen Kontinuität in der Bundesrepublik Deutschland, die eine Absicht und einen Vorsatz wahrscheinlich erscheinen lassen. Dem bestehenden Minenfeld juristischer Unwägbarkeiten, auf das sich Bewohner der Bundesrepublik Deutschland noch mit dem Betrieb der harmlosesten Website begeben — Unwägbarkeiten, die bis zur Gefährdung der eigenen wirtschaftlichen Existenz gehen — soll neben dem so genannten „Leistungsschutzrecht für Presseverleger“, dem bestehenden Wahnsinn des Abmahnunwesens und dem unüberschaubaren Schutz diverser Immaterialgüterrechte ein weiterer versteckter Sprengsatz hinzugefügt werden. Dass dies auf Kosten des Datenschutzes geht, wird dabei billigend in Kauf genommen.

alarmknopf-180Selten nur passt das Logo des Alarmknopfes, ein „Internet-Ausschalter“, so gut zu einer gesetzgeberischen Absicht wie in diesem Fall. Hier geht es um einen Versuch, Websites über einen bequemen Hebel ausschalten zu können — und die angeblich wachsenden polizeilichen Möglichkeiten durch eine Passwortauskunft sind nur ein billiger, fadenscheiniger Vorwand, um dieses klandestine Ziel zu erreichen. Schon jetzt können ganzen Datenbestände von Websites auf richterliche Anordnung beschlagnahmt werden, um für forensische Zwecke an Kommunikationsdaten einer kriminellen Nutzung von Internetdiensten zu gelangen, und dies geschieht in der Praxis auch. Welchen Vorzug für die Ermittlungen soll dabei eine Pflicht zur Offenlegung eines Passwortes haben? Es gibt keinen mir unmittelbar einleuchtenden Anwendungsfall, außer es geht um die Fälschung von Beweismaterial durch übereifrige Polizeibeamte.

Innenpolitiker neigen ja dazu, ihre Beglückungsideen mit den Worten „Das Internet darf kein rechtsfreier Raum sein“ zu begleiten. Was sie allerdings zu meinen scheinen, ist etwas völlig anderes: „Die Bundesrepublik Deutschland muss ein internetfreier Raum werden“.

Grüße vom Alarmknopf auch an die SPD, die so etwas im Vorfeld einer Wahl mitträgt. Dies ist ein wirksames Mittel gegen die Illusion, dass ein Austausch der Regierungspartei zu einer anderen Politik führen würde. In diesem Sinne: GASMOP! PLONK


Diese Bürger aber auch immer!

Die IT-Abteilung des EU-Parlaments blockiert die Auslieferung von E-Mails zu diesem Thema, nachdem sich einige Mitglieder des Parlaments darüber beschwert hatten, E-Mails vom Bürger zu erhalten

Christian Engström, Piratenpartei Schweden, Abgeordneter des Europäischen Parlamentes, zitiert nach Golem.de

Ohne Worte.


Unser Angebot im Internet

Screenshot der Website von OVB Online, die nur zum Registrieren und Bezahlen auffordert, ohne Inhalte zu zeigen

Ein geradezu unwiderstehliches Angebot der OVB Heimatzeitungen der Oberbayerisches Volksblatt GmbH & Co — Claim: Mein Leben. Meine Seiten. — dem doch wirklich niemand widerstehen kann. Katzen im Sack waren schon immer ein sehr begehrtes Gut, vor allem, wenn sie auch noch Geld kosten.


Ausleihe

Vielerlei Anstrengungen haben die öffentlichen Bibliotheken bereits erfolgreich unternommen, um im digitalen Wandel zeitgemäße Leseförderung zu betreiben. Sie haben sich beweglich gezeigt. Etliche bieten schon E-Books im Internet zum Ausleihen

Neue Osnabrücker Zeitung: Problematisches Tauschgeschäft

Kurzkommentar

Ich wünsche mir so sehr, dass den Baumbestemplern von der Neuen Osnabrücker Zeitung, die beliebig und verlustfrei kopierbare und damit replizierbare digitale Daten ganz selbstverständlich ausleihen und… ähm… wieder zurückbringen lassen wollen, nur ein einziges Mal ein ganz helles Licht aufgeht, damit sie verstehen können, was der größte Vorzug von vernetzter Digitaltechnik ist. Ein kleiner Tipp hierzu nur von mir: Es ist keine Autobahn. Sondern es ist eine verhältnismäßig preiswerte Infrastruktur, die verlustfreie Kopien digitaler Werke und Güter in ausreichender Anzahl schnell und mit geringem Energieaufwand erzeugen und nahezu lichtschnell verteilen kann.

Das ist übrigens auch gut für die „Leseförderung“. Wirklich. Und niemals geht Literatur verloren oder jemand muss eine Strafgebühr für das zu späte Zurückgeben bezahlen. Nein, man muss gar nicht erst seinen Körper entgegen der gebieterischen Gravitation zur Bücherei schleppen. Und wer erst einmal zu lesen gelernt hat, der bekommt auch schnell Wissen — und wird daraufhin angesichts solchen Bullshits seinen Lesehunger gewiss nicht mehr mit der intellektuellen Fastensuppe stillen, die der „Qualitätsjournalismus“ jeden Tag aus seiner Maschinerie ausspeit.


Bei Evernote wurde die Mailadresse gestohlen!

Werte leistungsschutzrechtgeschützte Qualitätsjournalisten,

es gibt da so ein paar Dinge, derer ich mittlerweile müde geworden bin, sie überhaupt noch zu erwähnen. Und doch ist es erforderlich, damit nicht die letzten Hirnfunktionen im Strom von Scheiße weggeschwemmt werden, der aus euren Contentfabriken in jedes Bewusstsein, jede Psyche und jeden Kopf dringt.

Wie würdet ihr etwa den folgenden Vorgang nennen. Ich habe eben das Kommando scp mit ein paar unfreundlich aussehenden Parametern aufgerufen, um eine Kopie einer Datei anzufertigen, die auf einem von mir betreuten Server liegt. Diese Datei liegt nun immer noch auf dem Server, und eine identische Kopie dieser Datei liegt nun auf dem Rechner, vor dem ich gerade sitze. Würdet ihr das einen „Diebstahl“ nennen, obwohl nichts fehlt? Das wäre doch ein wirklich dummes Wort dafür, findet ihr das nicht auch?

Aber wenns darum geht, dass Cracker — nein, werter Qualitätsjournalist, das sind keine Hacker — sich bei windigen Internetklitischen über offenbar nicht ausreichende Sicherungen und mangelhaft programmierte Berechtigungssysteme hinwegsetzen können und massenhaft Daten… ja… kopieren, dann nehmt ihr genau dieses wirklich dumme Wort dafür:

Evernote gehackt – Daten und Passwörter gestohlen - Hacker haben sich Zugriff auf Datenbanken des Online-Notizdienstes Evernote verschafft. Dabei wurden Nutzerzugänge und E-Mail-Adressen gestohlen. Als Maßnahme werden nun alle Passwörter zurückgesetzt.

[Quelle des Screenshots: Internet]

Ja, ihr sagt zu einer angefertigten Kopie (auf dem Server sind keine Daten verschwunden, sonst könnten die nunmehr unsicher gewordenen Passwörter auch nicht von den Evernote-Betreibern zurückgesetzt werden), dass „Nutzerzugänge und E-Mail-Adressen gestohlen“ wurden. Obwohl sie im Gegensatz zu einem geklauten Brötchen noch da sind.

Ich weiß, dass für euch leistungsschutzrechtgeschützte Qualitätsjournalisten solche Themen einfach ein bisserl zu abstrakt und schwierig sind, und deshalb helfe ich euch auch gern mit einer Grafik aus, die die wirklichen Verhältnisse zeigt:

Komplizierte Themen für Journalisten erklärt: Der Unterschied zwischen Diebstahl und Kopie

Das solltet ihr euch ausdrucken und über die Tastatur hängen, damit ihr daran denkt, wann immer ihr solche Ereignisse in Meldungen verwandelt. Vielleicht findet ihr dann wenigstens manchmal ein besseres Wort für den Vorgang. „Kopieren“ zum Beispiel, oder, wenn der völlig unerwünschte und kriminelle Charakter solcher Angriffe gewürdigt werden soll, ist „abgreifen“ (in Analogie zu ein System „angreifen“) zwar keine wirklich gute, doch immer noch eine bessere Wahl. Geklaut, gestohlen und entwendet wird dabei jedenfalls nichts. Ganz im Gegenteil, hinterher ist mehr da als vorher. Und genau das kann ein Problem sein, ihr Profiteure des Leistungsschutzrechtes.

Und einmal ganz davon abgesehen, dass das Wort „Diebstahl“ so falsch ist: Wäre es nicht besser, wenn die Menschen verstünden, dass sie teilweise weit in ihre Privatsphäre hineinreichende Daten irgendwelchen Unternehmen anvertrauen, die offenbar nicht dazu imstande sind, solche Daten hinreichend gegen unberechtigte Zugriffe und unerwünschte Anfertigungen von Kopien ganzer Datenbanken zu sichern. Die Verwendung der richtigen Begriffe schafft nämlich erst die richtige und wünschenswerte Einsicht bei euren Lesern, und erst diese kann zu richtigen Entscheidungen führen. Ich würde jedenfalls keiner gegenwärtig hochgehypten Klitsche irgendwelche Daten anvertrauen, an denen mir wirklich etwas liegt; weder einem Anbieter von Internet-Notizzetteln noch einem Anbieter für so genannte „Cloud-Dienste“ — dafür lese ich solche Meldungen nämlich viel zu häufig. Sorgt also mal dafür, werte Qualitätsjournalisten, dass eure Leser verstehen, wie sehr von aufstrebenden Unternehmen, die meist kein seriöses Geschäftsmodell haben, gepfuscht wird! Dann könnte euer so genannter „Journalismus“ noch einen gewissen Wert für eure Leser haben. Die Verwendung treffender Begriffe — ihr Zeitungsschreiber, ihr macht doch eigentlich was mit Sprache, oder? — wäre ein erster, aber noch nicht ausreichender Schritt in diese Richtung.

Euer es nicht mehr ertragender
Nachtwächter


Überraschung

Bitte nehmen Sie vor Ablauf der Sperrfristen auch keinen Kontakt mit einzelnen Städten auf. Es soll eine Überraschung bleiben.

Im öffentlich zugänglichen Internet publizierte Presseerklärung des Westdeutschen Rundfunks

Und um die Überraschung noch vollkommener zu machen, hat @WDR_Presse seine über das Web zugängliche Presseerklärung mit den total überraschten Städten auch noch getwittert! Platsch! Blindfisch!.


Dieser Beitrag ist absichtlich leer

Das so genannte „Leistungsschutzrecht“ ist eine Enteignung der Menschen, die das Internet gestalten. Das einzige, was unter der gewollten Rechtsunsicherheit dieses „Rechts“ für die kommenden Jahre im Rechtsraum der BRD noch möglich sein wird, sind Katzenfotos, diese Gartenzwerge des Internet.