Sie reden vom Netz wie Blinde vom Licht

Archiv für Mai, 2015

Die Kinder! Zensiert das Internet durch!

Screenshot Focus Online mit der Schlagzeile: 'Suizid, Ritzen, Hungern: So gefährlich sind Kinderseiten im Internet'

Ohne Worte.


Alarm! 2023 ist das Internet weg!

Experten sind überzeugt, dass in acht Jahren das Netz zusammenbricht. Laut Andrew Ellis, einem Forscher von der Aston University in Birmingham, sind steigende Nutzerzahlen und große Datenmengen die Ursache. In nur acht Jahren soll das Internet durch die irrsinnigen Datenmengen komplett überlastet sein.

Focus Online — Zu große Datenmengen: Experte kündigt Kollaps an: 2023 bricht das Internet zusammen

Hierzu nur ganz kurz angemerkt

Die vom Focus seinen dumm gehaltenen Lesern¹ mit lautem Alarmtröten vorgetragene, auf einer statistischen Betrachtung des Datendurchsatzes basierende Hochrechnung eines sonderkompetenten Spezialexperten, dass in acht Jahren das Internet vollständig und unabwendbar zusammenbrichen wird, weil der Strombedarf für die Netzwerkinfrastruktur dann die Resourcen der Erde überschritten haben wird, erinnert in ihrer „wissenschaftlichen“ Methodik stark daran, dass im Jahr 1910 London vollständig im Pferdemist versunken gehabt worden sein sollte. [Und diese dadaistisch konstruierte „Zeitform“ ist so ungrammatisch, dass man mir meinen Unernst hoffentlich anmerkt.]

Wie wir alle wissen, kam es in London anders, und zwar wegen technischer Fortschritte und gesellschaftlicher Entwicklungen. Ich persönlich würde keine Vorhersage der technischen Entwicklung (und der Entdeckung neuer Algorithmen aller Art) der Informations- und Digitaltechnik in den nächsten acht Jahren wagen — bis auf die eine und überaus triviale Prognose, dass es in den nächsten acht Jahren ganz sicher zu weiterer technischer Entwicklung und zur Entdeckung neuer Algorithmen mit teilweise tiefgreifender Wirkung auf das gesamte Internet kommen wird. Wer sich die Zeit bis zum Ablauf dieser acht Jahre ein bisschen überbrücken möchte, beschäftige sich einfach mit früheren Prognosen der Weiterentwicklung der Informationstechnik (aber bitte vorher alle Flüssigkeiten aus dem Mund entfernen, sonst gibts eine große Sauerei).

¹Dumm halten: Dies geschieht, indem alarmistische FUD-Schlagzeilen in Kombination mit einen Verzicht auf jegliche brauchbare Information ins Redaktionssystem verklappt werden — eine von Focus Online und Bildzeitung her gewohnte Methode, die leider eine ungute Strahlkraft in den gesamten Journalismus hinein entfaltet und verheerend auf die rationalen Anteile der Meinungsbildung einwirkt.


Selbst schuld, wer nicht verschlüsselt!

Schindler versuchte zu beschwichtigen: Die meisten europäischen Behörden und auch fast alle Diplomaten aus der EU würden nicht über offene E-Mails kommunizierten. Schon Verbindungen über ein sogenanntes „Virtual Private Network“ (VPN) würden zudem ein Abfangen von Mails durch den BND verhindern

Gerhard Schindler, Präsident des BRD-Geheimdienstes „Bundesnachrichtendienst“, indirekt zitiert in Spiegel Online — „Spionageaffäre: BND kann Daten-Weitergabe an NSA nicht rekonstruieren (Hier eine dauerhaft archivierte Version des Artikels)

Ganz kurz nur

Ich erspare mir die ausführliche Anmerkung und weise nur ganz kurz darauf hin, dass die vom Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland garantierten Grundrechte wie das Postgeheimnis und das Fernmeldegeheimnis auch dann Gültigkeit haben, wenn man seine Briefe nicht mit Zaubertinte verfasst und wenn man seine Telefonate nicht in einer privaten Kunstsprache führt. Herr Gerhard Schindler offenbart in seiner Einlassung ein Rechtsverständnis, das Geist und Buchstaben des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland entgegengesetzt ist, er bekennt sich mit seinen Worten offen als jemand, der aktiv daran mitarbeitet, dass die Gültigkeit dieser provisorischen Verfassung aufgehoben wird.

Gerhard Schindler, Obermacker des Auslandsgeheimdienstes der BRD, ist ein bekennender Gegner der freiheitlich-demokratischen Grundordnung. Darüber hinaus hat er sich nach §99, Abs. 2, Punkt 1 des Strafgesetzbuches mindestens ein Jahr „Urlaub“ im Gefängnis verdient, wenn die Idee des Rechtsstaates in der Bundesrepublik Deutschland überhaupt noch eine Bedeutung hat.

Ich befürchte allerdings folgendes: Weder der bekennende Verfassungsfeind und Auslandsagent Gerhard Schindler noch eine jener Gestalten aus der Classe politique, die diese fragwürdige Gestalt in Amt und Würden gebracht haben, wird in irgendeiner Weise zur Verantwortung gezogen werden. Es ist in der BRD ja auch niemand für den kriminell eingesetzten, verfassungsfeindlichen Staatstrojaner zur Verantwortung gezogen worden, sondern die „Affäre“ — was für ein Wort für klandestin durchgeführte Staatskriminalität! — wurde schön wieder vergessen.

Ja, ich möchte fast sagen: Die Deutschen hat an der DDR doch so richtig nur gestört, dass es dort keine Bananen gab, mit den anderen Dingen hatten sie weniger Probleme. Und in der BRD, in der es so viele Bananen gibt, dass man den Geschmack gar nicht mehr aus dem Mund bekommen kann, stört sich niemand an Totalüberwachung durch freidrehende Geheimdienste im Rechtsfreien Raum.