Sie reden vom Netz wie Blinde vom Licht

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Du willst doch unmündig bleiben!

Screenshot einer Schlagzeile von süddeutsche.de -- Werbung im Internet: Du willst es doch auch

Der Alarmknopf gratuliert dem SZ-Qualitätsjournalisten Dirk von Gehlen, der es nicht nur unter tapferem Verzicht auf jede Intelligenzleistung geschafft hat, einen Text über Werbung im Internet auf vier Seiten mit dreimal „Klicken, um zur nächsten Seite zu blättern“ zu verteilen, ganz so, als ob am Journalismus völlig vorbeigegangen wäre, dass es inzwischen an den Anzeigebereichen so genannte „Scrollbalken“ gibt, die auch einen langen Text ermöglichen, sondern er hat es zusätzlich zu dieser an sich bereits brotdummen Technikkenntnisverweigerungshaltung geschafft, nicht einmal zu erwähnen (und womöglich nicht einmal zu denken), dass es Adblocker gibt — diese werden übrigens inzwischen von einem erklecklichen Anteil der Webnutzer eingesetzt, um sich die Tracking- und Reklamepest vom Halse zu halten. Warum? Nun, ich empfehle da einfach eine Woche Selbstversuch. Der kostet nichts und tut nicht weh. Nach sieben Tagen ständiger Erfahrung eines schöneren und schnelleren (und zudem sichereren) Webs ist den meisten Menschen klar, warum Adblocker benutzt werden.

Immerhin, stattdessen erzählt dieser Dirk von Gehlen seinen Qualitätsjournalismusgenießern etwas aus der Sesamstraße. Da wächst zusammen, was zusammen gehört! Klar, dass es sich um das Ressort „Digital“ der Süddeutschen Zeitung handelt, so dass auch jeder durchschnittlich gebildete Vierzehnjährige leicht erkennen kann, wie viel fachliches Wissen und Interesse an aufgeklärten und mündigen Menschen bei den Autoren der Fachressorts der Süddeutschen Zeitung vorhanden sind. Und dieses Wissen hilft bei späteren Lese- oder gar Kaufentscheidungen journalistischer Produkte enorm.

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Keine falschen Sicherheitsgefühle

Nachdem inzwischen alle Sicherungssysteme geknackt werden können, wie der einschlägigen Presse zu entnehmen ist, wollen wir unseren Nutzern nicht falsche Sicherheitsgefühle durch Kommunikation einer vermeintlich sicheren Methode geben. Deshalb auch haben wir keinen anonymen Briefkasten etc. Nur analoge Kommunikation kann halbwegs gesichert werden

Stefan Plöchinger, Chefredakteur sueddeutsche.de, auf die für einen Journalisten, der zumindest so tut, als sei er um Informatenschutz bemüht vielleicht nicht ganz unwichtige Frage, ob man seine Redaktion auch verschlüsselt anmailen könnte.

Ich mags ja kaum noch kommentieren

Was habe ich nicht alles von diesem „Qualitätsjournalisten“ gelernt. Zum Beispiel, dass „analoge Kommunikation“ halbwegs gesichert werden kann — jeder Bürger der ehemaligen DDR wird wohl noch wissen, inwieweit die dort verwendeten analogen Telefonleitungen halbwegs abhörsicher waren. Und die Verwendung starker und mit gegenwärtiger Technik nur unter monströsem Aufwand brechbarer Kryptografie vermittelt ein „falsches Sicherheitsgefühl“, so dass man doch besser unverschlüsselt mailt. Glückwunsch, Herr Chefredakteur, sie können an diesem schönen, warmen Tag ihr wohlverdientes Bad im Aquarium der Blindfische nehmen. Platsch!

Übrigens: Ein gewisser Edward Snowden fand mit seinen Insiderkenntnissen vom NSA und mit seinem Wissen um die weltweite Totalüberwachung des E-Mail-Verkehrs PGP-verschlüsselte E-Mail hinreichend sicher. Oder, um es in der Wertung dieses extrakompetenten Spezialexperten von deutschen Presseschreiber zu sagen: Edward Snowden hatte wohl ein falsches Sicherheitsgefühl entwickelt…


Bejubelte Veränderung

Die Expertenkommission zur digitalen Gesellschaft hat die Berliner Republik verändert.

Sueddeutsche.de — Kulturwandel durch das Internet: Wie die digitale Revolution [Bingo!] die Demokratie belebt

Kürzstkommentar

Wenn diese nahezu ergebnislose Internet-Enquete die „Veränderung der Berliner Republik“ war, wie es ein „Qualitätsjournalist“ hier herausjubelt, dann möchte ich den Stillstand nicht mehr kennenlernen. Immerhin wurde nach drei Jahren Nebelblah zur Verschleierung der üblichen BRD-Parteienpolitik im Sinne der Lobbyisten, und sei es auch jenseits jeder Vernunft, empfohlen, einen weiteren Ausschuss im Bundestag einzusetzen. Die in den dunklen Ecken des Reichstags vorangetriebene Lobbyarbeit des bezahlten Lügenrs Christoph Keese hat da sehr viel mehr veränderndes Potenzial für die „Berliner Republik“ gehabt — ein Wort zur Bezeichnung der BR Deutschland übrigens, das schon trefflich verdeutlicht, wie sehr sich in Berlin eine Parallelgesellschaft gebildet hat.


CC-Lizenz? Das ist uns „Qualitätsjournalisten“ doch egal

Wie jene „Qualitätsjournalisten“, die ihr „Geistiges Eigentum“ durch ein „Leistungsschutzrecht“ genanntes Standesrecht schützen lassen wollen, ihrerseits mit Immaterialgüterrechten umgehen, ist im Blog „Metronaut“ am Beispiel einer CC-lizenzierten Grafik und ihrer Verwendung auf Zeitungswebsites dokumentiert und zur Lektüre empfohlen. Das Sahnehäubchen darauf ist:

Uns liegen Screenshots der Seiten vor, die wir wegen des Urheberrechts nicht hier zeigen können

So sind die Zustände im „Rechtsfreien Raum“, in dem die sich so bedienenden wirtschaftlichen Unternehmungen in den Dunkelkammern des Reichstages behaupten, durch des Internet enteignet zu werden.


Verweise und Zitate

Die Sprache wird flacher. Ein Großteil der Postings auf Twitter und Facebook sind Verweise und Zitate. Man „verlinkt“ ins Netz und macht darauf aufmerksam, dass etwas anderes da ist. Dieses Zeigen ist nur auf den ersten Blick reines Hinweisen. Tatsächlich belegt hier der Fund den Finder. Dieser untermauert damit, dass er originelle Informationen für seine Gruppenfreunde heranzuschaffen vermag – und somit selbst originell ist. Verweisen ist einfacher, als selbst kluge Gedanken zu entwickeln.

Sueddeutsche.de — Kommunikation im Internet: Internet-Kommunikation ist anfällig für Missverständnisse

Zwei satirische Kommentare

Zum Titel des Artikels: <loriot>Ach!</loriot>

Zur zitierten Textpassage: Die Inhalte werden flacher. Ein Großteil der Artikel in der Tagespresse sind direkte Zitate aus Presseerklärungen und dem NITF-Ticker der großen Nachrichtenagenturen. Die Zeitungen stellen Kopien dieser Texte ins Netz und machen darauf aufmerksam, dass etwas anderes da ist. Dieses Kopieren ist nur auf den ersten Blick reines Hinweisen. Tatsächlich belegt hier die Kopie der Meldung den zum Kopisten gewordenen Zeitungsmacher. Dieser untermauert damit, dass er originelle Informationen für seine Zielgruppe heranzuschaffen vermag — und somit selbst originell ist. Kopieren der Inhalte von Presseerklärungen und Agenturmeldungen ist einfacher, als selbst kluge Gedanken zu entwickeln oder gar journalistisch tätig zu werden.

Aber das Verhalten von (übrigens klar festgestellt: nicht für diese Tätigkeit bezahlten und nicht demnächst durch ein „Leistungsschutzrecht“ genanntes Standesrecht querfinanzierten) Menschen im Web ist ja etwas gaaaanz anderes… meint jedenfalls Herr Graff. Der schließt dann seinen kümmerlichen Versuch mit den Worten:

Diesen Verdacht hegte schon vor Jahren Zachary „Spokker Jones“ Gutierrez, der Autor der Comedy-Website Something Awful. Er schrieb: „In vierzig Jahren, wenn das Netz in einer gigantischen Implosion von Dummheit zusammengebrochen sein wird, möchte ich sagen können: ‚Ja, ich bin dabei gewesen!'“

Der „Qualitätsjournalismus“ in seiner ständigen plumpen Propaganda gegen das Internet wird sich allerdings deutlich vor Ablauf dieser vierzig Jahre in seiner klaffenden Dummheit selbst aufgefressen haben. Auch für Zeitungen gilt im Jahre Frankfurter Rundschau und FTD: Vor dem Aussterben kommt das Ansterben.