Sie reden vom Netz wie Blinde vom Licht

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Der das Internet erfand…

Tim Berners-Lee, der das Internet mit erfunden hat […]

Berliner Morgenpost — „Internet? Ich wusste nicht, was das war“

Nur eine einzige Korinthe…

Einmal abgesehen davon, dass auch der Rest dieses Textes ein ziemlicher Strunz für die Abteilung „Tittitainment, Uninteressantes und schlecht Recherchiertes“ ist, den man vor allem deshalb in die Journaille bringt, damit die eigentliche Botschaft, die Reklame, nicht so allein steht… Tim Barners-Lee hat das Internet nicht „miterfunden“, sondern es stand ihm bereits konzipiert und bewährt zur Verfügung. Tim Barners-Lee¹ Berners-Lee hat den außerordentlich erfolgreichen Internet-Dienst World Wide Web erfunden. Das ist übrigens Leistung genug!

Warum sollten in Produkten der „Qualitätsjournalisten“, die demnächst durch das unverschämte ständische Sondergesetz „Leistungsschutzrecht“ einen besonderen Schutz bekommen, auch faktisch zutreffende Informationen stehen. Ich bin fest davon überzeugt, dass die Artikel zu Themen, in denen ich mich zufällig weniger gut auskenne, genau so vor groben sachlichen Fehlern strotzen.

¹Oops!

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Die meinungsfreudige Gemeinde

Bundespräsident
Die Internet-Gemeinde senkt den Daumen

Jetzt könnten sie ihre T-Shirts mit dem Konterfei von Joachim Gauck wieder herausholen: „Yes, we Gauck!“ Doch viele der meinungsfreudigen Internetnutzer, die sich im Sommer 2010 vehement für Christian Wulffs damaligen Gegenkandidaten ausgesprochen hatten, sehen den Ex-Pfarrer heute viel kritischer.

Berliner Morgenpost: Die Internet-Gemeinde senkt den Daumen

Kommentar

„Internet-Gemeinde“ ist in erster Linie ein dümmlicher Neusprech. Dass man den Menschen, die man hier als „Gemeindemitglieder“ — also nur notdürftig verlarvt als Sektierer — bezeichnet, schon im Teaser den hämischen Spott entgegen bringt, dass sie angesichts ständiger Zensurbestrebungen, Kriminalisierungen und Beschimpfungen durch Journaille und classe politique „meinungsfreudig“ seien, ganz so, als sei bei solchen offenen Anfeindungen die Gegenwehr und das Vertreten des eigenen Standpunktes eine Freude, ist eine qualitätsjournalistische Dreistigkeit, die ich gar nicht weiter beleuchten will — zumal hier auch ein Stück Heiterkeit in der mitschwingenden Widerspiegel liegt, dass jenes gute Viertel der Menschen in der BRD, die aus dem einen oder anderen Grund kein Internet nutzen, offenbar keine Freude an der Entwicklung einer eigenen Meinung hätten; dies vielleicht ja deshalb, weil diese Menschen allein auf den täglichen Auswurf der Glotz- und Printmedien zurückgeworfen sind.

Das Internet ist eine ganz gewöhnliche technische Vorrichtung geworden. Drei Viertel der Bevölkerung haben in der einen oder anderen Weise daran teil — und zwar in der Regel auf eine Weise, die sehr persönlich und somit individuell geprägt ist. Ob sie chatten, Web-2.0-Angebote nutzen, sich informieren, selbst Angebote im Internet machen: Sie entdecken, was sie persönlich tun können, und viele entdecken dabei auch, dass sie mit ihrem Fühlen und Erleben nicht allein dastehen, obwohl dieses Fühlen und Erleben in den Machwerken der Contentindustrie keine Rolle spielt. Hier von einer „Gemeinde“ zu sprechen, drängt sich nicht gerade von selbst auf, sondern ist schon ein ausgesprochen vorsätzlich unpassendes Bild. Weder ist es eine kleine, verschworene Sekte mit obskuren Glaubenssätzen, noch ist es ein kleines Dorf, in dem jeder jeden kennt. Es käme auch niemand auf die Idee, andere häufige Nutzungen einer verfügbaren Technik mit so einem Wort zu belegen, es spräche oder schriebe zum Beispiel niemand von einer „Telefon-Gemeinde“, einer „Autofahrer-Gemeinde“ oder von einer allgemeinen „Zeitungsleser-Gemeinde“. Bei solcher Wortwahl wäre das Absurde und latent Verunglimpfende darin so offensichtlich, dass sich noch der miesteste Schreibtischtäter bei den Zeitungen schämen würde, wenn er seinen Text vor der Veröffentlichung nur einmal kurz querläse.

Dennoch stolpere ich in den letzten Tagen immer häufiger über dieses Beispiel qualitätsjournalistischen Neusprechs. Die „Internet-Gemeinde“ — häufig mit Bindestrich geschrieben, damit das Wort „Gemeinde“ darin durch die Majuskel um so deutlicher zutage tritt — hat das inzwischen zur Lächerlichkeit abgenudelte Schmähwort von der „virtuellen Welt des Internet“ ersetzt, das übrigens einer für drei Viertel der Menschen in der BRD alltäglichen Sache die Realität abspricht — dabei wird natürlich völlig davon abgesehen, dass in dieser vorgeblich „virtuellen Welt“ von etlichen Unternehmern und einigen großen Kapitalgesellschaften ausgesprochen reale Gewinne in teilweise beträchtlicher Größenordnung erwirtschaftet werden. An die Stelle der sprachlichen Existenzleugnung ist eine in ihrem Ton unüberhörbar mürrische sprachliche Anerkennung der Existenz getreten, die jedoch mit einem Begriff, der deutliche Konnotationen des Sektiererischen und Kleinen — und damit tendenziell Pathologischen, Unwesentlichen und Unbeachtlichen — aufweist, wieder weitgehend verneint wird.

Nur eines dürfen diese drei Viertel der Menschen in der BRD für die Journalisten niemals sein, wenn sie in der im Internet üblichen Offenheit — und zugegebenermaßen: häufig auch Plumpheit und mangelnden Reflexion — ihre Gedanken austauschen und ihre Lebenssituation, ihre Hoffnungen, ihre Befürchtungen, ihre Analysen, ihre Witze mitteilen: Internetnutzer. Menschen, die das Internet nutzen. Völlig verschiedene Menschen, vom jugendlichen Nazis über intellektuelle Rechtsextreme¹ über eine breite Schicht bürgerlich gesinnter Menschen über politische Aktivisten aus allen Lagern über Kommunisten, Sozialisten und Anarchisten. Natürlich sind darunter auch die crackpots aller Coleur, auch die Sektierer, auch die Religiösen, auch einige besonders wirre Verschwörungstheoretiker — und ebenso natürlich die Menschen, die Gegenstandpunkte zu den zuweilen kruden Ansichten aus diesem Lager vertreten. Das Internet ist ein Spiegel der kompletten Vielfalt der Gesellschaft, und es steht damit in deutlichem Gegensatz zur Einfalt des redaktionell und agenturzentral gewünschten Spiegelbildes derselben Gesellschaft in der Contentindustrie. Es ist das demokratischste Medium, dass die industrielle Revolution jemals hervorgebracht hat, und genau das ist ein wünschenswerter Fortschritt.

Was im Internet freilich anders ist als vorher: Es ist den Menschen durch die gefühlte Anonymität, die allgemeine Verfügbarkeit von Inhalten und den hergerichteten Räumen für eine Stellungnahme möglich geworden, völlig andere Standpunkte, ethische Grundsätze und Weltanschauungen zu erfahren; ein Erleben, das natürlich eigene Standpunkt in Frage stellt und zum Denken, zur Selbstreflektion, zur Kritik, zum Widersprechen anstachelt. In genau dieser Eigenart ist das Internet das Gegenteil einer „kleinen, verschworenen Gemeinde“ von sich selbst untereinander bestätigenden Sektierern, es entspricht sowohl in seinen Erlebnismöglichkeiten als auch in seiner kulturellen Vielfalt eher einer großen Metropole, in deren Treiben sich beinahe die gesamte Buntheit des menschlichen Seins und Erfahrens zeigt — mit allen Freuden, allem Elend, aller nie in Galerien vermarkteten Kunst, aller Lust, aller Kraftlosigkeit, aller Krankheit.

Und deshalb ist das Wort „Internet-Gemeinde“ so unpassend — aber doch durch seine zurzeit recht häufige Verwendung in seiner hirnfickenden Absicht auch so deutlich, dass jeder halbwegs wache Mensch, der im Internet nicht nur die Websites seines Versandhauses und der Springerpresse sieht, diese Absicht auch bemerken wird.

Nachtrag 20:55 Uhr: Das Handelsblatt versucht diesen Neusprech in einem Kommentar zu rechtfertigen und schreibt dabei nichts Substanzielles, sondern nimmt einfach seine Deutungshoheit als journalistisches Produkt in Anspruch. Anders, als das Handelsblatt in seinem Kommentar deutelt, wird der Begriff nicht neuerdings „gerüffelt“, weil einige — sorry — Frontfressen aus der Alpha-Bloggeria damit angefangen haben, sondern weil dieser diffamierende Neusprech als Ersatz für die vorherige, fad gewordene Verunglimpfung „virtuelle Welt“ erst seit relativ kurzer Zeit in aktivem Gebrauch ist. Und in der Tat: In Gebrauch durch Leute, die es lieber hätten, wenn das Internet einfach wieder wegginge… das zumindest ist richtig beobachtet.

¹Ich weiß, dass das Wort „intellektuelle Rechtsextreme“ nicht glücklich gewählt ist, finde jedoch auch nach längerem Nachdenken kein besseres Wort.


Dritte und vierte Stunde: Internet

In der Gruppe der 14- bis 24-Jährigen sind 2,4 Prozent internetabhängig. Bei 13 Prozent gilt das Verhalten als problematisch. Daran ist aber nicht das Internet schuld. Das Netz ist weder gut noch böse. Es ist ein Instrument wie ein Fernseher oder ein Buch […]

Zunächst sind die Eltern für diese Interneterziehung verantwortlich. Doch heute, im Jahr 2011, gibt es grob zusammengefasst eben diese zwei Generationen: online und offline. Und leider zeigt sich diese Grenze besonders deutlich zwischen Jugendlichen im Schulalter und ihren Eltern […]

Weil viele Familien zerrüttet sind, die nötige Netz-Bildung vielen Erwachsenen fehlt und Ganztagsschulen zum Normalfall geworden sind, ist also der Schulunterricht gefragt.

Kommentar von Manuel Bewarder in der Berliner Morgenpost

Kommentar

Die Eltern sind nicht dazu imstande, ihren Kindern eine vernünftige Nutzung von Medien — es gibt gewiss mehr Menschen mit pathologischem Fernsehkonsum als Menschen mit pathologischer Internetnutzung — beizubiegen, und deshalb soll es jetzt die Schule richten. Eine tolle Idee ist das!

Sie erscheint mir auch so neu, diese tolle Idee. Denn die Schule muss ja so viele Kompetenzen vermitteln, und sie tut das mit so überragendem Erfolg. Nur ein paar Beispielchen aus der Praxis der bundesdeutschen Totalverschulung:

  • Die Schule soll den Menschen die wegen ihrer vorwiegend analytischen Grammatik sehr einfach zu beherrschende englische Sprache vermitteln und unterrichtet diese über viele Jahre hinweg. Die Menschen in der Bundesrepublik, die dazu imstande sind, sich in englischer Sprache auszudrücken, sie sind dennoch eine — übrigens dank des Internet und des davon gegebenen Ansporns zum autodidaktischen Lernen stetig wachsende — Minderheit.
  • Die Schule soll anstelle der Eltern sexuelle Aufklärung leisten und behandelt das Thema in schulischer Weise mit Querschnittszeichnungen, Informationen über Verhütungsmittel und anschließenden bewerteten Leistungskontrollen. Rund 16 Prozent der Schwangerschaften in der Bundesrepublik sind — trotz allgemein verfügbarer, relativ sicherer Verhütungsmittel — so ungewollt, dass es zu einem Schwangerschaftsabbruch kommt; die medizinische und kriminologische Indikation für einen Abort tritt dahinter deutlich zurück. Es ist davon auszugehen, dass ein gewisser Teil ungewollter Schwangerschaften nicht zu einem Abbruch führt, dass das Problem also eher größer ist.
  • Die Schule soll in den naturwissenschaftlichen Fächern einen Einblick in das naturwissenschaftliche Denken und Vorgehen geben, und sie erfüllt diesen Auftrag mit unbrauchbaren Büchern, geistloser Ödnis und anschließenden bewerteten Leistungskontrollen. Dennoch werden in der Bundesrepublik im Jahr rund 400 Millionen Euro durch apothekenpflichtige, quacksalberische Scheinmedizin erwirtschaftet, deren Nutzlosigkeit jedem Menschen, der kein wissenschaftlicher Analphabet ist, unmittelbar auffallen müsste; und 65 Prozent der Bevölkerung gehören zu den Kunden von Quacksalbern und fragwürdigen „Heilern“ ohne besondere Qualifikation*.
  • Die Schule soll im Biologieunterricht über die Risiken von Drogen aufklären und sie erfüllt diesen Auftrag mit… ach, ich wiederhole mich. Dennoch ist der Alkoholismus ein erhebliches Problem in der Bundesrepublik, das übrigens keine Erscheinung in einer Minderheit ist, sondern mitten in der Gesellschaft und ihrer vielen Rituale steht. Wer die letzte Aussage nicht glaubt, muss nur einmal auf einer Geburtstagsfeier oder bei einem vergleichbaren Anlass versuchen, einen Abend lang keine alkoholhaltigen Getränke zu trinken und kann sich über die vielen Fragen und die teilweise aufdringlichen Versuche, ihn zum Mittrinken zu überreden, wundern.

Die Beispiele ließen sich beliebig erweitern, um das zu zeigen, was in meinen Augen fest steht: Die Schule versagt, wenn dort Lehrer in ihrer Tätigkeit den Folgen menschlicher und gesellschaftlicher Missstände begegnen sollen. Bei einer Betrachtung der Situation des berufsmäßigen Lehrers, der für mehrere hundert unreife, heranwachsende Menschen — und damit Individuuen — eine Bezugsperson abgeben soll, welche die nachteiligen Folgen eines beschädigten oder aufgelösten sozialen Umfeldes auffängt, indem er dieses beschädigte oder aufgelöste Umfeld ersetzt, zeigt sich die Unmöglichkeit einer solchen Forderung. Dies würde ein individuelles, auf persönlicher Beziehung beruhendes Aufeinander-Eingehen erfordern, das den Lehrer in seiner Situation überfordert und im besten Fall nur in Einzelfällen, also durch willkürliche Bevorzugung bestimmter Schüler, zu leisten ist.

Aber einmal davon abgesehen, dass irgendwelche Autoren aus dem Bildungsbürgertum immer wieder mit idiotischer Vehemenz und entgegen allen leicht erkennbaren Fakten die Auffassung vertreten, dass die Schule die Antwort auf alle möglichen Probleme sei und zudem Bildung vermittele, sollte sich Herr Bewarder einmal eine ganz einfache Frage stellen: Wie soll ein Lehrer — der zumeist ebenfalls aus der „Generation Offline“ stammt — eigentlich trotz viel schwierigerer Bedingungen den Heranwachsenden die Kompetenz und Selbstverantwortung im Umgang mit dem Internet vermitteln, wenn im gleichen Kommentar eingeräumt wird, dass die Eltern aus der „Generation Offline“ trotz günstigerer Bedingungen daran scheitern?

Diese einfache Frage reicht bereits aus, um den Unsinn in dieser Idee zu enthüllen.

Aber Herr Bewarder hat sich mit diesem leicht durchschaubaren Unsinn der Aufgabe entledigt, einmal mehr in einem Presseprodukt von großen Gefahren des Internet zu schreiben, um die Menschen zu verunsichern und zu verängstigen. Er hat eine Scheinlösung postuliert, aber nicht einmal die Frage aufgeworfen, ob es für Sucht weitere Ursachen neben der Verfügbarkeit eines Suchtmittels geben könnte. Seine Scheinlösung ist unsinnig, hat aber den Anstrich von Sachlichkeit und überzeugt jenen Anteil der Menschen, der von der Journaille darin geschult wurde, andere für sich denken zu lassen. Ihre einzige Funktion ist es, den postulierten Anteil von 2,4 Prozent „Internetabhängigen“ unter den jungen Menschen** für die reflektierende Denken noch unangreifbarer zu machen, indem er als Fakt hingestellt wird, der schnelles Handeln erfordert. Dass Herr Bewarder hingegen kein Problem mit der medizinisch und sozial viel zerstörerischeren Alkoholsucht sieht, die für zwei Prozent der Todesfälle in der Bundesrepublik unmittelbar — also durch „Totsaufen“ — verantwortlich ist und deren mittelbarer Schaden kaum noch erfassbar, aber riesengroß ist, mag auch an den Werbekunden des Zeitungsproduktes liegen, für das Herr Bewarder schreibt. „Das Internet“ gehört jedenfall nicht zu ihnen, wie könnte es auch…

*Die auf EsoWatch gegebenen Zahlen zum Umsatz der Alternativmedizin sind in dieser Betrachtung nicht brauchbar, weil hier pharmazeutisch durchaus wirksame Naturheilmittel mit offensichtlicher Quacksalberei in einer Zahl zusammengefasst wurden. Sie zeigen allerdings dennoch, dass das Problem größer ist, als es bei der Betrachtung eines Teilbereiches der Kurpfuscherei erscheint. So etwas zu erkennen wäre übrigens die Medienkompetenz, die nicht nur fürs Internet, sondern für jedes Medium erforderlich ist, aber im Rahmen der derzeitigen Beschulung der Kinder nicht wirksam vermittelt werden kann. Denn hierfür müsste etwas geschult werden, was in der derzeitigen Frontalbeschulung der Heranwachsenden mit allen Mitteln unterdrückt wird: Eigenständiges Denken beim Umgang mit Quellen. Stattdessen werden in den Schulen Bücher aufgeschlagen, und was in diesen Büchern steht, hat niemals hinterfragt zu werden, weil es stimmt. Ein großer Teil der Dummheit vieler Menschen hat seine Wurzeln in einer Schule, die eigentlich den Geist schulen sollte.

**Die ständige Verwechslung von Abhängigkeit und Sucht in den Massenmedien ist noch ein ganz anderes Thema. Viele Menschen sind inzwischen auch deshalb „vom Internet abhängig“, weil das Auftreten im Internet zu ihrem täglichen Broterwerb geworden ist. Diese werden hier wohl kaum gemeint sein, obwohl sie eine erhebliche Zeit ihres Lebens mit diesem Medium verbringen müssen. Desweiteren ist Abhängigkeit eine ganz gewöhnliche Bedingung des Daseins eines sozialen Wesens in biologischer Form, und niemand sieht ein Problem darin, dass Menschen von Trinkwasser oder zwischenmenschlichen Kontakten abhängig sind. Sucht ist ein pathologisches Verhalten, keine Abhängigkeit. Die Verwechslung dieser Begriffe vernebelt das Denken.


Sie starren auf das große @

Mädchen sind besonders anfällig für Internetsucht: Das Internet birgt Gefahren -- unter anderem die Abhängigkeit. Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung stellte die erste repräsentative Studie zum Thema Online-Sucht vor. Danach sind 560.000 Deutsche betroffen -- vor allem junge Leute

Website der Berliner Morgenpost, Stand 27. September 2011, 23.53 Uhr

Kommentar

Gewiss, ihr Journalisten von der Berliner Morgenpost, ists ein treffliches Bild für Internetsucht, wenn jemand in einem dunklen Raum mit einer Sonnenbrille auf den Nüstern auf einen Monitor starrt, der anstelle irgendwelcher interessanter Inhalte nichts weiter als ein großes @ präsentiert. Das würde ich auch sofort als pathologisches Verhalten betrachten. Und wenn jemand so etwas Stumpfsinniges immer wieder machte, würde ich ihm auch nahelegen, professionelle Hilfe zu suchen.

Aber, ihr Journalisten von der Berliner Morgenpost, diese von euch so trefflich als krank beurteilte und porträtierte tolle Seite im Web habe ich noch nie gesehen. Wo habt ihr die gefunden? Ich habe immer nur Seiten mit so genannten „Inhalten“ gesehen, und andere Seiten, auf denen Menschen in irgendeiner Form miteinander kommunizieren. Ich kenne auch keine einzige Clientsoftware für irgendein Internetprotokoll, die ihren Anwender mit einem derart dümmlichen Splashscreen begrüßte; und ich habe schon viel gesehen, darunter auch sehr viel schlechtes.

Aber dass sich in der Brille des symbolfotohaften Netzjunkies sehr viel näher an der Wirklichkeit des Netzes etwa die Website eurer tollen Zeitung spiegelt, das wäre doch wirklich nicht drin gewesen, gelle?! :mrgreen:

Nett für jeden Leser mit Interneterfahrung ist es jedenfalls, dass ihr schon bei der Auswahl dieses Bildes völlig klar macht, dass ihr die Nutzungsmöglichkeiten (und Gefahren) des Internet so wenig kennt, dass ihr nicht einmal zu einer treffenden Illustration imstande seid und deshalb schnell ein besonders dümmliches Bild der dapd lizenziert. Oder kurz gesagt: Dass ihr vom Internet sprecht wie ein Blinder vom Lichte.

Leseempfehlung

Bitte jetzt bei Farlion Inside weiterlesen — aber Vorsicht: Satirewarnung!