Sie reden vom Netz wie Blinde vom Licht

Archiv für Oktober, 2011

Überall auf der Welt

Mountain View (dpa) – Google will mit seiner Video-Plattform YouTube stärker dem Fernsehen Konkurrenz machen. YouTube kündigte mehr als 100 Video-Kanäle an, die überall auf der Welt verfügbar sein sollen.

Stern.de: Google startet neue Kanäle auf YouTube

Kommentar

Schön könnt ihr beim Stern die DPA-Meldung abschreiben und zwischen die ganze Reklame setzen, die vermutlich in ihrem Kern eine ebenfalls abgeschriebene Presseerklärung Googles zu den eigenen Fernsehplänen ist, also ebenfalls reine Reklame.

Für die Nutzer von YouTube in der Bundesrepublik Deutschland sieht es unterdessen — wenn sie nicht gerade einen Proxyserver in Großbritannien, der VR China, Frankreich, Holland, Dänemark oder in den USA verwenden — ein bisschen anders aus, als es der verlogene Werbeblah „Überall auf der Welt“ nahe legt:

Leider ist dieses Video in Deutschland nicht verfügbar, da es Musik enthalten könnte, für die die GEMA die erforderlichen Musikrechte nicht eingeräumt hat. Das tut uns leid.

Aber solche lästigen Wirklichkeiten kümmern euch beim Stern ja nicht weiter, wenn ihr ohne eine Spur von Reflexion irgendwelche Werbetexte zwischen die Werbung pflastert hochwertigen Qualitätsjournalismus betreibt.


Gute Leute

Der Bund braucht immer gute Leute

Hans-Peter Uhl (CSU) begründet seine Idee, Mitarbeiter des Unternehmens DigiTask in den Bundesdienst zu übernehmen

Kommentar

Classical Facepalm


Oh, dieses Twitter-Virus

Es gab mehrere Fake-Accounts unter meinem Namen bei Twitter und Facebook, sonst aber hatte ich bislang keine Probleme. Doch die angesprochene Gefahr ist real: Wir haben eine komplette Untergrundwirtschaft im Netz […]

Bundesinnenminister Dr. Hans-Peter Friedrich auf die Frage, ob er schon einmal einen Virus oder Trojaner auf seinem Rechner hatte.

Willkommen bei den Blindfischen


Wie in der analogen Welt

Soweit Anonymität im Internet umfassenden Charakter annimmt, führt dies u.a. zu einer Vielzahl teilweise gravierender, negativer Erscheinungen: Kriminalität, Mobbing, Bedrohungen usw. Dies kann eine rechtsstaatliche Gesellschaft auf Dauer nicht tatenlos hinnehmen. Da das Internet kein rechtsfreier Raum ist, muss auch die Möglichkeit bestehen, die Begehung von Straftaten bzw. die Verletzung von Rechten der Bürger zu ahnden. Dazu gehört wesentlich, die Identität von Rechtsverletzern – so wie in der analogen Welt auch – im Falle des Falles rekonstruieren zu können.

Dr. Hans-Peter Uhl (CSU) in einer Antwort auf abgeordnetenwatch.de

Kurzkommentar

Genau, Herr Uhl! In der von ihnen so genannten „analogen Welt“ — sagen wir mal: auf der Straße, in der Bäckerei oder in der Bankfiliale — laufen wir schließlich alle schon mit großem, deutlichen und deanonymisierenden Namensschild und leicht scanbaren QR-Code herum, damit jederzeit die Identität durch Polizeibeamte rekonstruiert werden kann. Das muss jetzt endlich auch im Internet der Fall sein, denn das ist ja kein „rechtsfreier Raum“.

In dem Bereich der „analogen Welt“, in dem sie, Herr Uhl, zu leben scheinen, würde ich mich aber sehr unwohl fühlen.


Surreale Welten

Twitter funktioniert auch in der realen Welt: Ein Aufruf mit 140 Zeichen übers Internet, und die Protest-Camper vor der Europäischen Zentralbank in Frankfurt bekommen Tee, Suppe und einen WLAN-Router.

Focus Online: Soziales: Neue Protestkultur: Human Mic und MedMob
Der Artikel ist von der dpa übernommen worden.

Kurzkommentar

Twitter — und jede andere Site im World Wide Web und darüber hinaus sogar das gesamte Internet — ist ein Bestandteil der realen Welt. Es handelt sich nicht um ein Gedankenspiel, eine Fata Morgana oder einen individuell bleibenden psychotischen Wahnsinn, sondern um eine technische Wirklichkeit, die von vielen Menschen jeden Tag erlebt wird. Übrigens auch um eine technische Wirklichkeit, die Menschen verbindet, wie du, anonymer dpa-Schreiberling, eigentlich an deinem eigenen Artikel hättest bemerken sollen. Aber nein, die ganze Zeit ziehst du in deinem Artikel eine Grenzlinie zwischen dem Internet und einer davon völlig enthobenen „realen Welt“ — und belegst damit passenderweise im Internet auf der Focus-Homepage, dass du deine im technischen Stand der frühen Achtziger Jahre eingefrorene und danach niemals mehr erweiterte Wahrnehmung mit der Wirklichkeit verwechselst.

Über Kompetenz in dem, worüber du dann zu schreiben vorgibst, anonymer dpa-Schreiberling, über diese Kompetenz braucht man da nicht mehr zu reden. Dass du auch gleich die Kompetenz des Focus entblößt, der so einen Unsinn kritiklos übernimmt, macht deine Dummheit auch nicht besser.


Hans-Peter Uhl: Five minutes of shame

Dr. Hans-Peter Uhl (CSU) spricht anlässlich der Aktuellen Stunde am 19. Oktober — Thema war die staatlich erstellte Schadsoftware, 0zapftis, Staatstrojaner oder Bundestrojaner genannt — fünf Minuten lang markant duftenden Bullshit vor dem Deutschen Bundestag und macht Kabarettisten arbeitslos | YouTube-Direktlink

Wer weiß, wo es geeignete Software dafür gibt: Bitte auch das Video bei YouTube runterladen, denn dort verschwinden solche Inhalte immer wieder einmal…

Nachtrag

Besonders interessant an den verbalen Entgleisungen des Innenexperten der Unionsfraktion ist, dass dabei auch für jeden Menschen deutlich geworden ist, dass die Protokolle des Stenografischen Dienstes des Deutschen Bundestages ohne jeden Wert für die Beurteilung der vorgebrachten „Argumente“ und der „Willensbildung“ im Plenarsaal sind. Angesichts der Tatsache, dass solche Dokumente für kommende Historiker Primärquellen sind, handelt es sich um einen Akt der systematischen Geschichtsfälschung durch den Deutschen Bundestag — der vermutlich gar nicht so selten ist, aber nur selten so eklatant auffällt wie im Falle des Herrn Uhl.


Aus dem Bildschirmtext ersprungen: Das Internet

Anfang der 80er Jahre wollte der CCC die Möglichkeiten der gerade aufkommenden elektronischen Datennetze kreativ nutzen […] Mit ihrem ersten Coup im Jahr 1984 zeigten sie die Gefahren des Internets: Sie hackten sich in den nationalen Vorläufer des World Wide Web, den Bildschirmtext BTX, und drangen in das System der Hamburger Sparkasse ein

RP Online — Der CCC: Wer dahinter steckt

Kommentar

Um zu erkennen, dass das BTX-Angebot der damaligen Deutschen Bundespost ungefähr so viel mit dem World Wide Web (oder auch nur mit dem Internet) zu tun hat wie ein Kuhfladen mit einer Pizza, hätte es nur eines Recherche-Aufwandes von weniger als fünf Minuten bedurft.

Im Jahre 1984 wurde der Vorläufer des heutigen Internet, das ARPANET, unterteilt in das MILNET für militärische Zwecke und das ARPANET für die Kommunikation von wissenschaftlichen und universitären Einrichtungen. Der zivile Teil des Netzes, der aus dieser Entscheidung hervorging, könnte vielleicht als früher Vorläufer des heutigen Internet betrachet werden, wenn es auch damals nicht wesentlich mehr als tausend Hosts gab, die am Netzwerk teilhatten.

Das so genannte World Wide Web, das die Autorin dieses nicht einmal homöopathisch kompetenzhaltigen Textes wohl auch irgendwie mit dem Internet verwechselt, obwohl es sich nur um einen einzigen Dienst im Internet handelt, war 1984 noch nicht einmal als Idee vorhanden. Diese Idee wurde 1991 erstmals von Tim Berners-Lee mit dem Start des ersten Webservers verwirklicht.

Statt auch nur fünf Minuten zu recherchieren und die Leser einer Online-Publikation mit Wissen über das Internet, seine Technik und seine Geschichte auszustatten, schreibt Jennifer Koch für die RP Online lieber im nur leicht verhohlenen Duktus einer Personality-Boulevard-Schmiererin, „wer hinterm CCC steckt“ — und belegt bei diesem eher unwichtigen Unterfangen so ganz nebenbei, dass dort bei der RP die totale Ahnungslosigkeit an der Tastatur sitzt und professionell Textbausteine zwischen die Werbeblöcke würfelt. Nicht, um Leute zu informieren, sondern nur, weil Leute nicht zur Werbung, sondern zum simulierten Inhalt (so genannter Content) kommen.

Qualitätsjournalismus eben, wie ich ihn immer wieder erleben darf.


Alternativloser Bruch des Grundgesetzes

Wir brauchen diese Nachladefunktion [im Bundestrojaner, meine Anmerkung], um uns den normalen Updates auf dem Zielcomputer anpassen zu können.

Hans-Peter Friedrich (CSU), Bundesminister des Inneren

Ohne Kommentar.


Offener Brief an Alexander Skipis

Zur Abschreckung von Internetpiraten verlangt die deutsche Buchbranche Warnhinweise im Netz. „Bei jedem illegalen Download von sogenannten Filesharing-Plattformen werden dann die Nutzer darauf hingewiesen, dass sie was Illegales tun“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Alexander Skipis, der Deutschen Presse-Agentur vor dem Beginn der Frankfurter Buchmesse […]

Diese Hinweise müssten automatisch von den Internet-Providern verschickt werden. „Diese versagen sich aber bislang. Deshalb brauchen wir die Hilfe der Politik.“

Alexander Skipis, zitiert in „Die Presse“

Offener Brief an Herrn Skipis

Werter Herr Skipis,

als ein Mensch, der seine Sozialisation im vordigitalen Zeitalter erfuhr und seine Bildung zu einem großen Teile der zivilisatorischen Großtat öffentlicher Leihbüchereien dankt, neige ich ja zum Glauben, dass Bücher als Medium ein Träger von Bildung sind.

Ein solcher Glaube ist wie jedes Glaubenssystem irrational, denn die Bildung ist ja unabhängig vom Medium, durch das sie vermittelt wird. Dennoch bringt die Irrationalität dieses Glaubens — ich vermute stark, dass selbst sie, Herr Skipis, allein deshalb wissen, wie so eine Psyche tickt, weil sie selbst eine Psyche sind — gewisse Verschiebungen mit sich. Dies hat zur Folge, dass sich die Vorstellung „Bildung“ nicht nur auf das Buch selbst, sondern auf seinen ganzen gesellschaftlichen Kontext, also die Buchhandlung, den Verlag, den Druck… genug davon, sie wissen sicherlich besser als ich, was zu einem Buche gehört.

Ich bin ihnen zu Dank dafür verpflichtet, dass sie mit ihrer Stellungnahme gegenüber der Journaille einen Beitrag dazu geleistet haben, diesen irrationalen Glauben zu zerstören. Dies gilt umso mehr, als dass ich davon ausgehe, dass ihnen diese Zerstörung nicht nur bei mir, sondern bei beinahe jedem reflexionsfähigen Leser und Hörer ihrer Worte gelungen ist. Angesichts ihrer Worte ist es geradezu ein Genuss, der von ihnen vertretenen Industrie dabei zuzuschauen, wie sie sich selbst ihr Grab schaufelt.

Das beginnt bereits mit der von ihnen herangezogenen „Studie“, die hier bereits erwähnt wurde. In dieser Studie wurde pauschal jeder Download eines PDF-Dokumentes als illegale Kopie eines so genannten E-Books gewertet, unabhängig davon, welchen Inhalt das Dokument hatte — nur mit diesem kleinen „Trick“ war es ihnen offensichtlich möglich, die gewünschten erschröcklichen Zahlen zu bekommen. Damit sie selbst eine Chance haben, zu bemerken, wie hanebüchen eine derartige Vorgehensweise ist, werde ich diesen offenen Brief auch als PDF zum Download stellen, was in ihrer „Studie“ als ein illegal kopiertes E-Book gezählt worden wäre. Sie beanspruchen für die Industrie, die sie mit derart dümmlichen Argumenten vertreten, also allen Ernstes so etwas wie das alleinige Recht, bestimmte Dateiformate zum Download — selbstverständlich zum kostenpflichtigen — zur Verfügung stellen zu dürfen und kriminalisieren jede weitere Nutzung dieses Formates als „illegal“.

Nun, man muss schon sehr bückgeistig sein, wenn man angesichts eines solchen Anspruches Dankbarkeit ob der Tatsache empfindet, dass sie diesen Anspruch nicht auf HTML-Dateien und ASCII-Texte ausweiten. Es wäre nicht nur genau so „berechtigt“ — oder besser: hirnrissig — sondern es würde die von ihnen in die Presse gebrachten Zahlen noch erschreckender machen. Zudem wäre es ihnen gelungen, das Internet zur Gänze zu kriminalisieren, da sie jede Veröffentlichung einer textuellen Information als „Raubkopie“ gebrandmarkt hätten.

Schön also, dass schon mit geringer Denkanstrengung klar wird, wie dumm und ungebildet die Grundlage ihrer rückständigen und totalitären Forderungen ist, Herr Skipis.

Auf der Grundlage dieser dummen, rückständigen und totalitären Forderungen möchten sie nun ein Sonderrecht für die von ihnen vertretene Industrie politisch durchgesetzt sehen. Sie wünschen, dass politisch erzwungen wird, dass Internet-Zugangsanbinder von ihnen in ihrer autistischen Weltsicht kriminalisierte Dateiformate ausfiltern, selbst wenn dies die Überwachung des gesamten Netzverkehres erforderte.

Finden sie es eigentlich auch manchmal schade, nicht in einem totalitären Staate wie der Volksrepublik China zu leben? Dort könnten ihre Fantasien durchaus eine gewisse gesellschaftliche Wirkung entfalten, auch wenn diese Wirkung nur von jener gesellschaftlichen Minderheit erwünscht ist, die von ihrem Mund vertreten wird.

Oder sind sie gar nicht so ein Feind eines freiheitlichen Staates, und haben sie nur einfach heute morgen vergessen, ihre Medikamente einzunehmen?

Denn wenn sie keinen totalitären Staat und die weitgehende Einschränkung grundlegender Freiheitsrechte wünschen, kann die von ihnen zum Besten gegebene Form der Propaganda beim besten Willen nur eines bedeuten: Dass sie unter massiven und dringend behandlungsbedürftigen Realitätsverlusten leiden. Wenn sie der von ihnen vertretenenen Sache nicht massiven Schaden zufügen wollen, kann ich ihnen nur empfehlen, dringend professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Hochachtungsvoll

Elias Schwerdtfeger


Fragen? Das ist doch Agitprop!

Ein Stück „Dialog“ im Internet:

Zunächst die Anfrage an Michael Brand, CDU, der am Ausschuss für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit teilhat und deshalb für eine derartige Frage wohl eine geeignete Adresse ist:

[…] Ausgehend vom (Super?)-GAU in Fukushima habe ich mich sachkundig gemacht, wie die Haftungsregelungen für Kernkraftwerke in Deutschland aussehen.

Die derzeitige Regelung macht mich fassungslos. Eine angemessene Risikoprämie sollte meiner Meinung nach mind. 10 Cent pro KW/H betragen, damit im Eintreten des Versicherungsfalls zumindest wesentliche Teilschäden abgedeckt sind.

[…] An Sie als Abgeordneter im Ausschuss Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit habe ich folgende Fragen:

1) Stimmen Sie der 1992er Prognos Studie „Abschätzung der Schäden durch einen sogenannten „Super-GAU“ zu, dass die Kosten für Deutschland in einer Größenordnung von ca. 5 Billionen EURO liegen würden?

2) Welchen Anteil könnte ungefähr davon die Deutsche Kernreaktor Versicherungsgemeinschaft tragen, wenn die Risikoprämie auf einen Betrag von 10 Cent pro KW/H Strom aus Kernkraftwerken angehoben würde? […]

Diese hier stark gekürzte Frage wurde Herr Brand am 18. März dieses Jahres gestellt. Herr Brand hat diese Frage am 11. Oktober dieses Jahres „beantwortet“, ganz so, als hätte er als Experte über diesen Sachverhalt 208 Tage nachdenken müssen. Seine „Antwort“ hinterlässt aber eher einen anderen Eindruck:

Liebe Leserinnen und Leser von abgeordnetenwatch,

Plattformen wie „abgeordnetenwatch“ wollen den Dialog zwischen Abgeordneten und Internetnutzern unterstützen. Ich meinerseits bitte um Unterstützung für die Haltung, Fragen über Plattformen grundsätzlich nicht mehr zu beantworten.

Mit anderen Kolleginnen und Kollegen teile ich die wachsende Skepsis, dass auch über abgeordnetenwatch zunehmend weniger ernsthaft konkrete Fragen gestellt werden als vielmehr auch die Plattform für Agitation und Propaganda instrumentalisiert wird.

Meine Mailadresse [hier nicht im Zitat übernommen] ist ebenso öffentlich wie die Adresse der Plattform. Über diese Mail erreichen mich weit mehr Menschen als über Plattformen, und dies sogar direkt. […]

Zum Schreiben eines Kommentares bin ich gerade zu müde — denn es sind diese Leute, die den offenen Dialog aufgeben wollen und die lieber eine Antwort auf Fragen tausendmal verdeckt in Mails schreiben. Aus welchem Grund? Vielleicht, um eine von Wahlberechtigten öffentlich einsehbare Stellungnahme zu verhindern? Natürlich schwingt — und das weiß wohl jeder Abgeordnete, der schon einmal Zwischenfragen im Plenarsaal gehört hat — in jeder Frage eine Wertung mit. Aber dass Fragen deshalb als „Agitation und Propaganda“ verunglimpft werden, nur weil sie über das Medium einer öffentlich einsehbaren Website gestellt werden, lässt schon tief blicken. Es war nicht einmal der Willen vorhanden, auf im Internet gewiss verfügbare programmatische Aussagen zu verweisen (und diese vielleicht noch etwas zu erläutern).

Ich bitte jeden Leser, sich diesen gescheiterten „Dialog“ auf dieser „Plattform für Agitation und Propaganda“ einmal anzuschauen und sich selbst ein Bild davon zu machen.


Gewünschte oberste Instanz: Verfassungsfeinde

Man muss die Experten des Chaos Computer Clubs dafür loben, dass sie Missstände wie den Staatstrojaner aufdecken. Aber der CCC darf nicht die oberste digitale Instanz Deutschlands werden – das ist die Aufgabe der Politik.

sueddeutsche.de: Kommt endlich im Internet an!

Kurzkommentar

Diese ersten beiden Sätze aus dem Teaser des Kommentares offenbaren eine beeindruckende Vorstellung des Autors davon, welche Zustände in der Bundesrepublik Deutschland herrschen sollen.

Es ist noch nicht einmal eine Woche her, dass Experten des CCC an Hand einer geleakten Schadsoftware, die politisch explizit gewünscht war und im Auftrag bundesdeutscher Behörden programmiert und eingesetzt wurde aufzeigten, in wie großem Maße das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland und Urteile des Bundesverfassungsgerichtes mit hoher krimineller Energie umgangen wurden.

In dieser Situation zu fordern, dass es Aufgabe einer in Bezug auf Internet-Angelegenheiten gerade erst als korrupt und verbrecherisch entlarvten Politik und ihres grundrechtverachtenden Herrschaftsapparates sein soll, „oberste digitale Instanz Deutschlands“ zu werden, ist etwa so, als würde man den Metzger als geeignete Instanz betrachten, die mit dem Eintreten für das Lebensrecht des Schlachtviehs zu beauftragen ist.

Im Neuen Deutschland zu DDR-Zeiten hätte mich eine derart staatstragende Haltung in einem Kommentar ja nicht weiter überrascht. Auf der Website der Süddeutschen Zeitung zeigt sich in solchen Kommentaren nur, wessen Stimme und wessen „Recht“ dort Geltung hat, und wessen „Stimme“ und wessen Recht dort als bedeutungslos erachtet wird.


Hans-Peter Uhl: Das Gesetz bin ich

Die Online-Durchsuchung (die Durchsuchung eines Rechners) und die Quellen-TKÜ (die Überwachung der Telekommunikation am Rechner vor ihrer Entschlüsselung) sind unverzichtbare Ermittlungsinstrumente der Sicherheitsbehörden – daran ändert auch die aktuelle Diskussion nichts […] Wer dagegen wie die Bundesjustizministerin eine spezialgesetzliche Rechtsgrundlage für die Quellen-TKÜ verweigert und die Strafverfolgungsbehörden damit zum Rückgriff auf die allgemeine TKÜ-Rechtsvorschrift zwingt, darf nicht beklagen, dass Vorgaben nicht eingehalten würden, die es derzeit noch nicht gibt und für deren Schaffung die Justizministerin zuständig wäre. Eine Skandalsierung legitimer Maßnahmen dagegen hilft nicht weiter.

Dr. Hans-Peter Uhl (CSU), innenpolitischer Sprecher der CDU/CSU-Fraktion im Bundestage

Kurzkommentar… ähm… zusammenfassung… ähm… satire… ähm… realsatire

Wenn uns kein Gesetz gegeben wird, das mir das Verwanzen von Computern innerhalb der vom BVerfG gesetzten Grenzen regelt, mache ichs eben ohne Gesetz, so sagte Hans-Peter, der innenpolitische Sprecher. Und wenn ichs schon ohne Gesetz mache, halte ich die Grenzen des BVerfG auch nicht ein. Ällabätsch! Und Schuld sind die anderen!

Dann wusch sich Hans-Peter seine Hände gründlich wie immer in Unschuld und ging zu seinen mafiösen Freunden aus der Regierung zurück. Dort hat er es schließlich gelernt, so zu denken, und dort hat er seine Freunde, die ihn in diesem Denken bestätigen. Freunde, die ihm immer sagen, dass er rechtschaffen sei. Da draußen aber, da stimmen ihm Menschen nur zu, wenn sie so besoffen sind, dass sie gar nicht inhaltlich auffassen können, was Hans-Peter sagt, und das findet Hans-Peter doch ein bisschen deprimierend. Gut, dass es einen geschützten Raum gibt, in dem er sich jeden Tag bestätigt fühlt, dachte Hans-Peter.

Auch, wenn da draußen einige sagen, dass eine pillenbunte Ballerburg für ihn immer noch der beste geschützte Raum wäre — weil dann auch die anderen Menschen vor ihm geschützt wären, wenn Hans-Peter dort seine heitere Zeit voller kirrer Ideen verlebte.


Bundestrojaner: Legitimiert und alternativlos

Sicherheit geht vor Freiheit – Der „Bundestrojaner“ ist durch das Verfassungsgericht legitimiert und im Kampf gegen den Terror alternativlos

Peter Hauk, Fraktionsvorsitzender der CDU Baden-Württemberg (Tweet)

Willkommen bei den Blindfischen!


Mehr als ein Hauch Polizeistaat: Der Bundestrojaner

Der Bundestrojaner ist als „Gesamtkunstwerk“ eines Blindfisches würdig, hier nur ein paar kurze Zitate aus der diesbezüglichen Mitteilung des CCC

Die Analyse des Behörden-Trojaners weist im als „Quellen-TKÜ“ getarnten „Bundestrojaner light“ bereitgestellte Funktionen nach, die über das Abhören von Kommunikation weit hinausgehen und die expliziten Vorgaben des Verfassungsgerichtes verletzen. So kann der Trojaner über das Netz weitere Programme nachladen und ferngesteuert zur Ausführung bringen. Eine Erweiterbarkeit auf die volle Funktionalität des Bundestrojaners – also das Durchsuchen, Schreiben, Lesen sowie Manipulieren von Dateien – ist von Anfang an vorgesehen. Sogar ein digitaler großer Lausch- und Spähangriff ist möglich, indem ferngesteuert auf das Mikrophon, die Kamera und die Tastatur des Computers zugegriffen wird.

[…] Der Behördentrojaner kann also auf Kommando – unkontrolliert durch den Ermittlungsrichter – Funktionserweiterungen laden, um die Schadsoftware für weitere gewünschte Aufgaben beim Ausforschen des betroffenen informationstechnischen Systems zu benutzen. Dieser Vollzugriff auf den Rechner, auch durch unautorisierte Dritte, kann etwa zum Hinterlegen gefälschten belastenden Materials oder Löschen von Dateien benutzt werden und stellt damit grundsätzlich den Sinn dieser Überwachungsmethode in Frage.

Doch schon die vorkonfigurierten Funktionen des Trojaners ohne nachgeladene Programme sind besorgniserregend. Im Rahmen des Tests hat der CCC eine Gegenstelle für den Trojaner geschrieben, mit deren Hilfe Inhalte des Webbrowsers per Bildschirmfoto ausspioniert werden konnten – inklusive privater Notizen, E-Mails oder Texten in webbasierten Cloud-Diensten.

Ich möchte nicht alles vorweg nehmen, was sich beim CCC nachlesen lässt.

Nur auf folgende Punkte möchte ich das Augenmerk lenken:

  1. Der vorliegende, mutmaßlich im Auftrag der bundesdeutschen Polizei entwickelte und mutmaßlich bereits eingesetzte Trojaner ist klar rechtswidrig. Diese Rechtswidrigkeit war allen Beiteiligten bei bisherigen Einsätzen bewusst. Sie wurde in Kauf genommen, da man offenbar davon ausging, dass Ermittlungen außerhalb des gesetzlichen Rahmens keine Folgen haben werden. Staaten, deren Polizeien derartige „rechtsfreie Räume“ bilden, nennt man für gewöhnlich Polizeistaaten. Dieser Hauch von Polizeistaat sollte auch in der Betrachtung der folgenden Punkte deutlich in der Nase gespürt werden.
  2. Der vorliegende, mutmaßlich im Auftrag der bundesdeutschen Polizei entwickelte und mutmaßlich bereits eingesetzte Trojaner ermöglicht beliebige und spurlose Beweisfälschungen in jeder nur denkbaren Form. Das geht von abgelegten Dateien, die dann später bei einer Hausdurchsuchung gefunden werden bis hin zu scheinbarem Netzwerkverkehr von strafrechtlicher oder privatrechtlicher Relevanz. Jedem Menschen, dem dieser Trojaner auf der Platte untergebracht wird, können beliebige „Beweise“ untergeschoben werden, ohne dass dies kontrolliert werden könnte.
  3. Der vorliegende, mutmaßlich im Auftrag der bundesdeutschen Polizei entwickelte und mutmaßlich bereits eingesetzte Trojaner enthält bewusst eingebaute Hintertüren. Es handelt sich um versteckte Schnittstellen, mit denen der Trojaner um beliebige Funktionalitäten erweitert werden kann. Ein Richter, der eine Ermittlung mit dem Bundestrojaner genehmigt hat, kann von diesen Hintertüren nichts gewusst haben. Ihm war der Umfang des damit möglichen Eindringens in die Privatsphäre andere Menschen und die Möglichkeit zur beliebigen Beweisfälschung nicht bewusst. Der Richtervorbehalt wurde in einer Software, die im Auftrag der Polizei für die Polizeiarbeit erstellt wurde, bewusst ausgehöhlt.
  4. Der vorliegende, mutmaßlich im Auftrag der bundesdeutschen Polizei entwickelte und mutmaßlich bereits eingesetzte Trojaner hat keine Absicherungen gegen den Missbrauch durch beliebige Dritte. Dies gilt auch für Dritte, deren technische Qualifikation eher durchschnittlich ist. Im Grunde wird ein von diesem Trojaner befallener Rechner zu einem Spielball für beliebige andere Machenschaften aus dem Internet. An Netzwerksicherheit wurde von Seiten der Programmierer kein einziger ernsthafter Gedanke verschwendet. Diese Nachlässigkeit ist in der innerbehördlichen Revision nicht aufgefallen. Beides belegt, dass hier ohne Kompetenz und maximal verantwortungslos vorgegangen wurde. Eine Polizei, die sich unter anderem um Internet-Kriminalität kümmert, sollte eigentlich wissen, dass es sich beim Internet nicht um eine flauschige Kuschelstube handelt, und dass von daher das Öffnen von sicherheitstechnischen Scheunentoren auf anderer Menschen Computer böse Folgen haben kann. Im Rahmen einer Ermittlung können diese Folgen sogar zu falschen Ergebnissen führen, wenn ein anderer Tatbeteiligter diese Situation ausnutzt, um sich selbst zu entlasten.
  5. Der vorliegende, mutmaßlich im Auftrag der bundesdeutschen Polizei entwickelte und mutmaßlich bereits eingesetzte Trojaner setzt für seine simulierte „Netzsicherheit“ auf das unsicherste denkbare Prinzip: „Security by Obscurity“. Es wurde einfach davon ausgegangen, dass der verwendete Code niemals analysiert werden würde und dass seine Schwächen deshalb irrelevant sind. Zum Glück ist er jetzt „geleakt“, so dass es in Zukunft weder durch eine Ausnutzung seiner Schwächen durch Kriminelle noch zu einer Ausnutzung seiner versteckten Features durch kriminelle Polizeibeamte kommen kann.

Der gesamte Vorgang ist von geradezu unfassbarer Blindheit.

Ich kann nur empfehlen, sich daran immer zu erinnern, wenn ein Innenminister oder sonstiger Scharfmacher riesige polizeiliche Sonderkompetenzen in Bezug auf das Internet fordert. Das Gelaber eines damaligen Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble, dass der Bundestrojaner keine Gefährdung für den Datenschutz sei, ist die entleerte Sprechblase nicht wert gewesen. Der prüfende Richter kann sich angesichts der bewusst in den Bundestrojaner eingebauten Hintertüren gar nicht über den Umfang der von ihn genehmigten Maßnahmen im Klaren sein.

Übrigens ist der Mensch, unter dessen Amtszeit als Innenminister es zu dieser unfassbaren Entgleisung kam, immer noch Bundesminister.

Nachtrag

Ein inzwischen altes Video aus aktuellem Anlass:


Vollkörperscan der Gesellschaft

Für den Präsidenten der Wirtschaftskammer Tirol, Jürgen Bodenseer, eine „unlustige und bedenkliche“ Entwicklung. „Ich frage mich, was kommt als Nächstes. Problematisch ist es, wenn irgendwann alle diese Daten zu einem großen Puzzle zusammengefügt werden.“ Dann habe man den „Vollkörperscan der Gesellschaft“. Nach dem Datenklau bei der Gebietskrankenkasse hätte man bei der WK Tirol noch einmal alles kontrolliert. Man sei durch „mehrere Klippen“ gesichert, sagte Bodenseer. Insgesamt wurden gestern 6200 Datensätze veröffentlicht, darunter sind 483 aus Tirol.

[…] In der Liste stehen die Zeitpunkte, wann die Nutzer etwas vom Server des Fachverbandes für Immobilien- und Vermögenstreuhänder bestellt haben. Die Zugriffsdaten reichen vom Jahr 2007 bis in den Sommer 2011.

Tiroler Tageszeitung Online: Wirtschaftskammer-Daten von Hackern veröffentlicht

Kommentar

Es ist schon bemerkenswert, was Herr Bodenseer für einen Unsinn von sich gibt.

Einerseits malt er eine große Dystopie an die Wand, die dadurch entstehen könnte, dass immer Datensammlungen nicht als Herrschaftswissen in Datenbanken gewisser Institutionen herumliegen, sondern abgegriffen und veröffentlicht werden. Ja, er nimmt dafür das Bild der Nacktheit einer ganzen Gesellschaft — die doch bitte bitte nur für einige Sammler unnützer Daten so ein bisserl nackert aussehen soll.

Der Ruf nach schärferen Möglichkeiten einer gesetzlichen Ahndung schwingt im Artikel der Tiroler Tageszeitung nur implizit mit, indem dieser Blah unkritisiert wiedergegeben wird und im Teaser pastellfarben das Bild einer „Rechtsfreien Raumes“ gemalt wird:

Wieder wurden persönliche Daten von Tirolern im Internet „gefunden“. Anonymous kann bei solchen Datenlecks kaum bestraft werden.

Schon schade, dass man die „Hacker“ und „Datendiebe“ gar nicht verhaften und verknasten kann, gelle?!

Und im gleichen Artikel wird mitgeteilt, dass dort Bestelldaten (mit Mailadresse, IP-Adresse, Name und Telefonnummer) abgegriffen wurden, die bis ins Jahr 2007 zurückreichen — ohne, dass dies auch nur unterschwellig kritisiert würde.

Die Geschäftsvorfälle, die zu diesen Daten gehören, sind jetzt, im Herbst des Jahres 2011, gewiss zum größten Teil abgeschlossen.

Dennoch werden diese Daten weiter vorgehalten. Auf einem Opferrechner, also einem Server mit permanenter Verbindung zum Internet, der jeden Tag allen möglichen Angriffen vom Kinderkram bis zur ernsthaften und gezielten Attacke ausgesetzt ist. Ohne, dass es einen vernünftigen Grund gibt, diese Daten überhaupt weiter zu speichern. Das wichtigste Prinzip des Datenschutzes, nämlich die größtmögliche Sparsamkeit in der Erhebung und Speicherung von Daten, wird ignoriert — was leider eine sehr gewöhnliche Haltung ist.

Diese Tatsache wird im Artikel nicht thematisiert, nicht kommentiert und nicht in Frage gestellt, sondern die unnötige und willentliche Ansammlung persönlicher Daten wird wie ein Naturgesetz hingestellt. Daten werden einfach gespeichert, auch wenn eine solche Speicherung frei von jedem Sinn ist, und wenn sie ein potenzielles Risiko für die Privatsphäre der so „verdateten“ Menschen ist. Sie werden gespeichert als Herrschaftswissen in den Händen gewisser Organisationen, weil sie irgendwann wohl doch einmal nützlich sein könnten. Sie werden gespeichert, ohne auch nur an den trivialen Schutz zu denken, diese Daten regelmäßig in eine Datenbank ohne Verbindung zum Internet zu replizieren und auf dem mit dem Internet verbundenen Server zu löschen, wenn sie dort nicht mehr nötig sind.

Diese Sorglosigkeit wird selbst dann noch an den Tag gelegt, wenn — wie es der werte Herr Bodenseer in seiner Stellungnahme ja ganz offen einräumt — Angriffe auf mit dem Internet verbundene Server regelrecht erwartet werden, wenn sogar von irgendwelchen Spezialexperten die Angreifbarkeit von Webanwendungen kontrolliert wurde. Experten für Datenschutz waren es jedenfalls nicht; und auch ihre Fähigkeiten in Bezug auf die Sicherheit von Internetanwendungen können nicht ausreichend gewesen sein, wie das erfolgreiche Abgreifen der Daten ja belegt.

Diese sorglose und verantwortungslose Haltung ist die eigentliche Bedrohung für die Privatsphäre der Menschen. Allerdings hört man in diesem Zusammenhang leider nie aus den Mündern der Scharfredner, dass ein derart sorgloser und verantwortungsloser Umgang mit den Daten anderer Menschen „leider nicht angemessen bestraft werden kann“. Obwohl das am Nötigsten wäre. Denn wer sinnlose Sammlungen von Daten anlegt, hat dafür eine Verantwortung. Und sollte zur Verantwortung gezogen werden, wenn sich die Datenhaltung als unangemessen sorglos, verantwortungslos und somit dumm erweist.

Irgendwelche „Hacker“, die solche Daten veröffentlichen, sind nämlich das kleinste Problem. Das größere Problem ist die organisierte Internet-Kriminalität, die ebenfalls immer wieder einmal Zugriff auf derartige Datensammlungen erhält, ohne dass das an die große Glocke gehängt würde. Nur die sinnlos „verdateten“ Menschen stehen dann auf einmal ziemlich nackt da, wenn Kriminelle ihre Identität für wenig erfreuliche Machenschaften missbraucht haben — ohne, dass im Nachhinein ermittelbar wäre, an welcher Stelle sich das Datenloch wohl aufgetan hat.

Auch die Internetkriminalität hat zwei Seiten. Die eine Seite sind die Betrüger, Spammer, Vorschussbetrüger, Geldwäscher. Die andere Seite sind angesehene Zeitgenossen und Organisationen, die auf die einfachsten Prinzipien des Datenschutzes scheißen und es den Kriminellen sehr leicht machen.

Für eine dieser Organisationen von der anderen Seite hat der werte Herr Bodenseer gesprochen. Ohne, dass ihm in der angemessenen Weise widersprochen wurde.

So lange die Sprecher angesehener gesellschaftlicher Organisationen in Hinsicht auf den Datenschutz in dieser Weise reden, kann ich jedem Menschen nur die immer wieder gleiche Empfehlung geben: Sei selbst sparsam mit deinen Daten, gib sie nach Möglichkeit niemanden und vertraue niemanden blind! Eine andere Möglichkeit gibt es nicht, um die eigene Privatsphäre zu schützen. Denn auf der anderen Seite ist offensichtlich niemand sparsam mit den Daten, die sinn- und verantwortungslos über Jahre hinweg gesammelt werden… einfach nur, weil es nichts kostet und weil es im Fall eines Datenlecks keinerlei Konsequenzen nach sich zieht.

Informationelle Selbstbestimmung beginnt damit, dass man seine Daten nicht in jede Fremdbestimmung gibt. So einfach ist das. Dass es vielen Geschäftemachern und Datensammlern nicht schmeckt, ist das Problem anderer Leute.


WISO? Weshalb? Warum?

WISO? Weshalb? Warum?
Was das Zweite sagt, macht dumm.

So sah heute morgen um 10:50 Uhr das Video der ZDF-WISO-Dokumentation „Die Bank gewinnt immer“, das von jemanden auf YouTube hochgeladen wurde, aus*:

Dieser Content ist in deinem Land nicht verfügbar, da er aufgrund einer Regierungsanfrage entfernt wurde. Das tut uns leid.

Ein Hauch von China mitten in der so freiheitlichen BRD zog durchs Internet — welche Regierungsstelle der Bundesrepublik kann mit welchem Recht Anfragen auf Entfernung von Inhalten bei YouTube stellen? Es ist hier ausdrücklich nicht vom Urheberrecht die Rede, wie es der Fall wäre, wenn das ZDF um Entfernung nachgefragt hätte.

Der Text scheint klar und deutlich. Vielleicht ein bisschen zu klar und deutlich, um in die Fassade der Bundesrepublik zu passen. Das quasistaatliche Zweite Deutsche Fernsehen sah sich auch prompt zu einer Stellungnahme genötigt, als sich über diverse Internetkanäle der Hinweis ausbreitete, dass es in der Bundesrepublik offenbar staatliche Stellen gäbe, die auf die Löschung von YouTube-Videos hinwirken können. Allerdings fiel dem Zweiten Deutschen Fernsehen nichts anderes ein…

Betreff: Verschwörungstheorien zur WISO-Doku „Die Bank gewinnt immer“

Hintergrund: Der Youtube-User „infopointaudimax“ hatte anscheinend die Dokumentation – ohne Wissen des ZDFs – auf Youtube gestellt. Dieses Video wurde von Youtube entfernt und mit der Information versehen „Dieser Content ist in deinem Land nicht verfügbar, da er aufgrund einer Regierungsanfrage entfernt wurde.“ Diese Betextung führt zur aktuellen Verwirrung. Warum das Video genau entfernt wurde, ist uns bisher nicht bekannt. Auch von einer „Regierungsanfrage“ wissen wir nichts. Wir versuchen das bei Google/Youtube zu klären.

…als pauschal von einer „Verschwörungstheorie“ zu sprechen, wenn Menschen in diesem Text das gelesen haben, was in diesem Text stand — und dies wohlgemerkt und nach eigenen Angaben, ohne selbst irgend etwas Konkretes zu diesem Thema sagen zu können.

Merke: Wer im Internet lesen kann, ist ein Verschwörungstheoretiker. Das wird einfach und ohne Grundlage mit der Deutungshoheit einer angesehenen Rundfunkanstalt behauptet.

Die anschließende Kommunikation mit Google und YouTube scheint jedoch einen gewissen Erfolg gebracht zu haben. Nein, nicht so, dass das ZDF oder irgendjemand anders den Hintergrund beleuchten könnte, aber der vorhin noch so deutliche und leicht verständliche Text wurde ungefähr um 14:00 Uhr gegen einen anderen Text ausgetauscht:

This content is not available in your country due to a legal complaint

Mir als jemanden, der im Internet lesen kann — in ZDF-Sprech ist das ein „Verschwörungstheoretiker“ — bleibt da nur eine Frage unverdrängbar im Kopfe: Warum hat YouTube eine fertige deutsche Übersetzung für einen sehr speziellen Text fertig, der auf einen erfüllten staatlichen Zensurwunsch hinweist, und warum steht der viel allgemeinere und in der Anwendung gewiss häufigere Textbaustein, dass es eine „rechtliche Beanstandung“ gäbe, noch nicht in deutscher Sprache zur Verfügung?

Wenn ich diese Frage beantworte, werde ich allerdings wirklich zum Verschwörungstheoretiker… 😉

*Screenshot vom oben verlinkten Kraftfuttermischwerk mitgenommen, da ich zu diesem Zeitpunkt keinen „richtigen“ Computer zur Verfügung hatte…