Sie reden vom Netz wie Blinde vom Licht

Beiträge mit Schlagwort “Bild.de

Untersuchung

Das hier ist bislang das idiotische Symbolbild des Jahres zu einem Internet-Thema:

Ein Mensch sitzt vor insgesamt fünf Monitoren unterschiedlicher Geräte (darunter ein Notebook und ein Netbook), auf denen jeweils ein Matrix-Bildschirmschoner läuft. Darunter der Text: 'Wie die Spy-Software auf den PC kam, wird untersucht'

Bild.de — Attacke auf Landtags-Daten | Hacker-Angriff von Piraten-Rechner

Kürzstkommentar

Dass man bei der Bildzeitung den Lesern das Betrachten von Matrix-Bildschirmschonern als eine Form der ernsthaften forensischen Untersuchung verkaufen will, spiegelt vermutlich wider, wie die Recherche in der Bild-Redaktion aussieht: Ein leerer Kopf betrachtet dösig einige laufende Bildschirmschoner und denkt sich dazu seine Geschichte aus.

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Verstehen wir nichts von…

Um was es dabei geht? Ehrlich gesagt – wir haben’s bei Wikipedia nachgeschlagen und nicht verstanden. Irgendwas mit Computern.

Bild.de — Was für eine Karriere | Ex-Kellnerin wird neue Chefin von Wikipedia

Ganz kurzer Kurzkommentar

Das gleiche offene Eingeständnis völliger Unkundigkeit und völligen Desinteresseres an dem Thema, worüber man als leistungsschutzrechtsgeschützter Qualitätsjournalist gerade schreibt, würde ich mir auch in anderen Bereichen wünschen, zum Beispiel im Wirtschaftsteil, in der Berichterstattung aus Krisen- und Kriegsgebieten oder bei der Kommentierung politischer Entscheidungen… ach, das geht nicht, da muss man ja auf jeden Fall Ernst und Einsicht wenigstens simulieren, weil es da um wichtige Themen geht. Damit auch alle Menschen diese Themen (der Herrschenden und Besitzenden) für wichtige, große, ernsthafte Themen halten mögen — und natürlich auch die von uns transportierte PR und Propaganda für glaubwürdig. Nur dieses Internet- und Computerdingens, das ist kein wichtiges Thema, da kann man sich mit winkender Hand hinstellen und in stolzer Geste auf das Papier für die Dummgehaltenen drucken lassen: Nee, das kapiere ich nicht, und ich habe nicht einmal am Rande Lust, mich da reinzulesen. Ich schreibe da nur einen Artikel drüber. Da braucht ihr Leser auch nichts zu kapieren. Bleibt bitte technische Analphabeten! (Ist ja auch besser für das Geschäft der Contentindustrie.)

Ach ja, platsch!


Kann einer ohne Twitter Kanzler werden?

Dies scheint die wichtigste Frage zu sein, die sich die „Qualitätsjournalisten“ der Bildzeitung in einem klar als politische Propaganda zur nächsten Bundestagswahl erkennbaren Artikel stellen stellen:

Bundestagswahlkampf 2013: Kann ein Internet-Skeptiker Kanzler werden? SPD-Kanzlerkandidat Steinbrück will nicht twittern

Hat der Sozialdemokrat überhaupt eine Chance, wenn er im digitalen Zeitalter mit den Kommunikationskanälen und sozialen Netzwerken im Internet eher fremdelt?

Fakt ist: Steinbrück twittert nicht und machte kürzlich klar: „Es macht keinen Sinn, plötzlich in eine Welt zu treten, in der Sie nicht authentisch auftreten können. Wenn das als geschauspielert empfunden wird, verlieren sie jede Glaubwürdigkeit.“

Zu seiner Internet-Kommunikation sagte er bei einer Podiumsdiskussion laut „Spiegel.de“: „Mir wird von meinen Mitarbeitern geschildert, was dort passiert.“ [Der Link auf die Quelle fehlt auch im Bild.de-Artikel]

Weder um Facebook noch um Google+ kümmert sich Steinbrück selber. „Facebook machen meine Mitarbeiter“, so der SPD-Kanzlerkandidat. Auf Google+ ist er gar nicht vertreten.

Bild.de — Bundestagswahlkampf 2013: Kann ein Internet-Skeptiker Kanzler werden?

Ganz kurz nur

Nicht nur, dass die springersche Bildzeitung offenbar der Meinung ist, dass es für einen Bundeskanzler der BRD eine wesentliche politische Qualifikation sei, immer wieder einmal maximal 140 Zeichen kurze Textbotschaften auf einer kommerziellen Stummeltextsite abzulassen (oder von einem aus professionellen Lügnern bestehenden PR-Stab ablassen zu lassen) — die Bildzeitung stellt sich interessanterweise auch nicht die Frage, ob jemand, der wie Angela Merkel nicht twittere, Bundeskanzler sein kann:

Zu ihren Aktivitäten in sozialen Netzwerken sagte Merkel: “Ich habe ein Facebook-Profil als CDU-Vorsitzende und da auch viele ‚Freunde‘. Diese Seite selbst zu pflegen, sei ihr aber „zeitlich nicht möglich“.

Aber das ist für die tendenziöse Berichterstattung der Bildzeitung wohl etwas sehr anderes und wegen des propagandistischen Zweckes dieses Geschreibsels eben kein Grund, der Frau Kanzler in einer Schlagzeile zu unterstellen, dass sie ein Internet-Muffel und eine Internet-Skeptikerin — also flugs ins Gemeinte und auch Gemeine übertragen: ein rückwärtsgewandter und technikfeindlicher Mensch — sei. Zumal jeder menschlich empfindende Internetnutzer etwas besseres mit seiner begrenzten Aufmerksamkeit anzufangen weiß, als sich von irgendwelchen Werbeheinis vorgetragene politische Reklame in seine Timeline zu holen.


Skandal! Polizei wirbt für Kinderpornografie

Screenshot Bild.de: Trotz der Panne bei Ermittlung zu einer vermeintlich kinderpornografischen Seite will das niedersächsisches Innenministerium an Internetfahndungen via Facebook festhalten. Wir müssen sicherstellen und das wird die Polizei auch tun, das so etwas in Zukunft nicht wieder vorkommen wird, sagte eine Sprecherin am Mittwoch in Hannover. Anch anderweitige Änderungen, etwa durch weitere Schulungen für die Beamten, seien nicht geplant. Zu der Panne am Sonntag war es gekommen, weil bei den Beamten zahlreiche Hinweise auf der Seite eingegangen waren. Daraufhin posteten die Fahnder, dass die Ermittlungen bereits angelaufen seien und erwähnten dabei auch die Adresse der Seite.

So hätte die springersche Bildzeitung mutmaßlich getitelt, wenn eine solche Panne nicht unter ihrem stammtischrelevanten Hardliner-Liebling Uwe Schünemann passiert wäre, sondern unter einem weniger von der Axel Springer AG geliebten Innenminister. Natürlich hätte sie auch Verharmlosungen wie „vermeintlich kinderpornografisch“ weggelassen, und nicht von einer „Panne“, sondern von einem „Skandal“ zu sprechen — nicht ohne den Namen des bei der Axel Springer AG weniger beliebten Politikers deutlich in der Überschrift zu erwähnen, zusammen mit eindeutigen sprachlichen Markern der Inkompetenz, Nachlässigkeit und Untragbarkeit. Vor allem, wenn sich nach einem derartigen Versagen eine Sprecherin hingestellt hätte und fröhlich ins Mikrofon palavert, dass dieses Versagen in der Internetarbeit der niedersächsischen Polizei keinerlei Konsequenzen für die Ausbildung der damit beauftragten Beamten haben wird.

Aber es war ja Uwe Schünemann, einer der Lieblinge des Blutblattes aus der Axel Springer AG, da wird mit gnädigem Blick über ein derartiges Versagen der Polizei hinweggesehen.

Und es ist ein Versagen, wenn die Polizei in ihrer Internetarbeit derartige Hinweise auf Websites mit möglicherweise (es war ja noch während der Ermittlungen) kinderpornografischem Material veröffentlicht. Ein Versagen, das deutlich macht, dass man — übrigens oft mit Arbeit überlastete — Polizeibeamte nicht „mal eben so nebenbei“ und ohne besondere Schulung damit beauftragen kann, von Bürgern gegebene Hinweise in einem Facebook-Profil zu bearbeiten und darauf kommunikativ angemessen zu reagieren. Ich bin mir sicher, dass jeder Polizeibeamte, der Texte für Steckbriefe und Presseerklärungen schreibt, auch hierzu ausgebildet wurde, damit die dabei entstehenden Texte rechtssicher und sachgerecht sind. Nur für das Internet scheint man es im niedersächsischen Innenministerium nicht für nötig zu befinden, für diesen Zweck geschulte Beamte einzusetzen. Weil man mutmaßlich das Internet trotz seiner durchaus beachtlichen Reichweite für „relativ unwichtig“ hält, weil die tollen „Facebook-Polizisten“ des Herrn Schünemann wohl nichts weiter als ein populistisches Strohfeuer ohne hierfür erarbeitetes Konzept sind, das vor allem wegen seiner Reklamewirkung mit möglichst geringem materiellen und personellen Aufwand entfacht werden sollte.

Diese Idee des Herrn Schünemann ist jedenfalls gescheitert.

Übrigens: Wenn ich die URL einer Website mit kinderpornografischen Inhalten hier veröffentlichte und mir dabei über die Möglichkeit derartiger Inhalte bewusst wäre, machte ich mich strafbar. Am LKA Niedersachsen sind diesbezügliche Ermittlungen noch einmal vorbeigegangen, denn die fragliche Website enthielt kein strafrechtlich relevantes Material. Das war zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der URL allerdings noch nicht bekannt.

Quelle des Screenshots: Internet