Sie reden vom Netz wie Blinde vom Licht

Beiträge mit Schlagwort “DPA

Illegales Herunterladen

Für eine erste Abmahnung wegen illegalen Herunterladens von Bildern oder Musik aus dem Internet dürfen Anwälte künftig in der Regel höchstens knapp 148 Euro berechnen. Bisher sind es teils mehrere hundert Euro.

Heise Online — Gesetzespaket gegen Verbraucher-Abzocke in Kraft

Da hier Material der „DPA“ verbaut wurde, gehe ich davon aus, dass der folgende Hinweis vor allem dieser stinkenden Quelle geschuldet ist.

Kurzer, pedantischer, aber durchaus wichtiger Hinweis

Es gibt im Rechtsraum der BRD kein „illegales Herunterladen“. Punkt.

Illegal ist das Verbreiten urheberrechtlich geschützter Werke. Ebenfalls illegal ist die Beschaffung aus offensichtlich illegalen Quellen, wobei das Wort „offensichtlich“ im Zweifelsfall von einem Richter ausgelegt würde und ein Download selbstverständlich auch eine Form der „Beschaffung“ sein kann.

Beides sind Formulierungen, die den meisten Menschen klar machen, um was es geht — während das hier agenturzentral-journalistisch verwendete FUD-Wort¹ vom „illegalen Herunterladen“ ohne weitere Erläuterung der Rechtslage eher dazu geeignet ist, Unklarheit auszubreiten, weil nicht deutlich wird, was damit gemeint sein könnte und woran ein „legaler“ von einem „illegalen“ Download unterschieden werden kann.

Ich halte diese Sprachwahl übrigens für vorsätzlich manipulativ. Sie tut vom Klang der Worte her objektiv und gibt durch das eingedeutschte Wort „Herunterladen“ den Eindruck von Verständlichkeit, ist aber in Wirklichkeit verdummend und ermöglicht dem Lesenden deshalb nicht, verantwortlich zu handeln — wozu übrigens auch die informierte Entscheidung zum illegalen Handeln gehören kann, wie jeder Autofahrer weiß, der schon einmal „apokryph“ geparkt hat oder schneller als erlaubt gefahren ist. An die Stelle von Aufklärung und Wissen tritt eine diffuse Ängstlichkeit vor kostenbehafteten Rechtsrisiken bei der Nutzung des Internet. Als ich beim Lesen über diese Bezeichnung gestolpert bin, habe ich sofort nach unten gescrollt, weil Heise derartige Formulierungen vermeidet (es wäre eher von „Urheberrechtsverletzungen“ die Rede); und als ich den Hinweis „mit Material der dpa“ las, ist mir die mutmaßliche Quelle dieser speziellen Formulierung deutlich geworden.

Und was ist mit den Filesharing-Abmahnungen, über die immer wieder einmal berichtet wird?

Praktisch alle Filesharing-Abmahnungen beziehen sich darauf, dass ein Werk, wenn es über ein Protokoll wie BitTorrent heruntergeladen wird, während des Downloads und eine Zeitlang danach wiederum für den Download durch andere angeboten, also „verbreitet“, wird — was übrigens der Sinn von dezentralen Filesharing ist. Diese Verbreitung urheberrechtlich geschützter Werke ist zweifelsfrei illegal, ohne dass sich ein Richter noch darum befleißigen müsste, herauszufinden, ob die Quelle eines Downloads „offensichtlich illegal“ im Sinne eines nicht lizenzierten Angebotes ist, so dass der Abmahnende auf der sicheren Seite steht, wenn seine Ansprüche gerichtlich überprüft werden sollten.

¹FUD: Fear, Uncertainty and Doubt


Web, Dein neuer Name sei Yahoo!

Scan einer DPA-Meldung mit dem hervorgehobenen Text: Yahoo betreibt bereits unter anderem Google und Facebook

DPA-Qualitätsjournalismus. Ohne Worte. | Quelle des Scans


Streaming: Kein Herunterladen mehr

Allerdings ist inzwischen immer mehr das Streaming auf dem Vormarsch, bei dem die Musik nicht mehr heruntergeladen, sondern direkt aus dem Internet abgespielt wird. Dabei gibt es zum einen Abo-Dienste wie Spotify oder Rdio, bei denen für eine Monatsgebühr uneingeschränkt Musik gehört werden kann

Die Welt — Rechteverhandlungen: Musik-Konzerne bremsen Apples Internet-Radio
Teile dieser Meldung stammen von der DPA

Kommentar

Werter Herr Qualitätsjournalist,

Es ist Bullshit!ich möchte ihnen eine einfache Frage zu ihrem Artikel stellen: Wenn die Musik nicht mehr von irgendwo aus dem Internet heruntergeladen und so zum Abspieler transportiert wird, wie kommt sie dann zum Abspieler und schließlich an die Ohren des Zuhörers? Schwebt sie auf moduliertem Feenstaub, oder handelt es sich etwa um die erste technische Anwendung von Psi-Effekten?

Sie müssen zugestehen, Herr Qualitätsjournalist, dass die beiden von mir schnell benannten „Alternativen“ zum Herunterladen höchst lächerlich sind. Und wenn sie jetzt nur drei Minuten darüber nachdenkten, müssten sie zugestehen, dass das auch für jede andere Möglichkeit gilt, wie die Daten ohne eine Datenübertragung von einem Server zu einem Abspieler gelangen könnten; eine Datenübertragung, die man allgemein als „Download“ oder auch „Herunterladen“ bezeichnet. Es ist nämlich technisch genau der gleiche Vorgang. Ein laufender Serverprozess auf einem anderen Computer im Internet bekommt über ein Protokoll die Aufforderung, Daten zu senden, und er sendet Daten zurück.

Das sollten sie als jemand, der für das Ressort „Digital“ bei einer überregionalen Zeitung schreibt, schon verstehen, Herr Qualitätsjournalist. Und da ich sie nicht als völlig inkompetent und dumm bezeichnen will, Herr Qualitätsjournalist, gehe ich davon aus, dass sie das im Prinzip auch verstehen.

Allerdings scheint es nicht ihre Aufgabe bei einem qualitätsjournalistischen Produkt aus dem Hause Axel Springer zu sein, Herr Qualitätsjournalist, dass sie ihre Leser, die dort Artikel im Ressort „Digital“ lesen, dazu befähigen sollen, ihrerseits technisches Verständnis und auf dieser Grundlage im Idealfall verantwortliches, kluges Handeln zu entwickeln. Denn sie werden ja für die Erfüllung ihrer Aufgabe bezahlt, Herr Qualitätsjournalist, nicht für irgendeine Vermittlung von Kompetenz.

Es gibt nämlich sehr wohl einen Unterschied zwischen dem, was einige Werber — also Leute, die genau wie sie, Herr Qualitätsjournalist, für das psychologisch wirksame Lügen und Verdummen von Menschen bezahlt werden — „Streaming“ nennen und dem, was Menschen bislang als gewöhnlichen Download-Vorgang kennen. Stellt man diese beiden Vorgänge des Herunterladens gegenüber, so zeigt sich dabei, dass es sich beim so genannten „Streaming“ um einen Versuch handelt, technische Möglichkeiten zu behindern, Nutzer eines Angebotes über ihren Musikkonsum (und Videokonsum) zu verdaten und zu überwachen und ihrem Dasein eine technisch nicht erforderliche, also künstlich geschaffene Abhängigkeit von einem gewinnorientierten Anbieter hinzuzufügen, der damit sein Geschäftchen machen will.

Beim Download-Vorgang können Menschen nämlich die heruntergeladenen Daten im Dateisystem an einer selbstgewählten Stelle ablegen, sie können die Daten auf beliebige Geräte übertragen, sie können die Daten mit beliebiger Software abspielen, sie können von den Daten beliebig viele Kopien anfertigen. Kurz gesagt: Menschen kommen beim Herunterladen digitaler Güter in den Genuss sämtlicher Vorteile der Digitaltechnik und der Kopierinfrastruktur vernetzter Rechner. Das digitale Gut geht in ihre Verfügungsgewalt über, durchaus ähnlich zu einer gekauften Zeitung. Heruntergeladene Musik kann zum Beispiel beliebig oft angehört werden, ohne dass irgendein Anbieter über diese Nutzung informiert wird.

Beim so genannten „Streaming“ handelt es sich natürlich auch um einen Download-Vorgang, doch wird dem Menschen dafür eine technisch eingeschränkte Software zur Verfügung gestellt, die ein Speichern an einer vom Menschen frei gewählten Stelle im Dateisystem nicht ermöglicht. Die Nutzung mit frei gewählter Software wird unterdrückt. Stattdessen wird eine für den Genuss von Musik weder sachlich noch technisch erforderliche Bindung an einen kommerziellen Anbieter vorgenommen, der im Laufe der Zeit vollständige Informationen über den gesamten Musikgeschmack des Menschen, seine Konsumzeiten und im Falle eines Smartphones sogar über die Aufenthaltsorte des Menschen sammeln kann, an denen Musik gehört wird.

Der Unterschied besteht also nicht darin, dass nichts heruntergeladen wird, sondern darin, dass der zahlende Nutzer eines Streaming-Dienstes seine mit einem selbstbestimmten Herunterladen verbundenen technischen Freiheiten verliert und dafür zum Objekt der Datensammelei eines gewinnorientierten Unternehmens wird.

Genau diese Tatsache, Herr Qualitätsjournalist, erwähnen sie nicht, und als sie sich beim Schreiben ihres Artikels vor dem Problem gestellt sahen, kurz zu erwähnen, was beim so genannten „Streaming“ jetzt anders, neu und besser ist, haben sie sich dieses Problemes mit einer gnadenlos dummen Formulierung entledigt, damit zumindest die technisch analphabetischen Leser kein Bewusstsein entwickeln können, das zu vernünftigen Entscheidungen führen kann.

Vollends lächerlich wird ihre Idee der „Datenübertragung, ohne dass eine Datenübertragung stattfindet“ übrigens, Herr Qualitätsjournalist, wenn man sie mit dem deftigst duftenden Bullshitwort der Werber aus dem letzten Jahr kombiniert: Dem „Offline-Streaming“, das von qualitätsjournalistischen Idioten ihres Schlages nach Vorlage von den Bitkomikern in die vom Unsinn müden Hirn befördert wurde.

Danke, dass sie mit ihren hoffentlich gut bezahlten Schreibtischtätigkeiten jedem aufmerksamen Leser klar machen, welche Aufgaben der „Content“ im Qualitätsjournalismus — neben der Aufgabe als Köder, der zur Reklame locken soll — noch hat. Diese Klarheit bewahrt vor der Illusion, dass man sich aus qualitätsjournalistischen Produkten informieren kann. Denn die Annahme, dass in Bereichen, in denen ich mich zufällig weniger gut auskenne, nicht manipulativ und die Tatsachen verdrehend berichtet wird, wäre doch ein bisschen dumm.

Ihr kopfschüttelnder Mitleser.


Soziale Netzwerke vergreisen

Die Nutzer von Sozialen Netzwerken werden laut einer aktuellen Berechnung immer älter.

Auf Facebook liege das sogenannte Medianalter der Nutzer bereits bei 38,7 Jahren, ergab eine Erhebung der Marktforschungsfirma ComScore im Auftrag des Magazins „Focus“. Im Jahr zuvor lag der Wert bei 38,1 Jahren.

DPA-Meldung, zitiert nach Focus Online — Internet: „Focus“: Soziale Netzwerke „vergreisen“

Kommentar

Zunächst einmal eine Erläuterung für die Menschen, die nicht wissen, was ein Median ist. Es handelt sich nicht um den sonst in solchen Zahlenspielen sehr populären Durchschnittswert. Der Median wird ermittelt, indem alle Werte sortiert werden und der Wert aus der Mitte genommen wird¹. Dieser kann je nach Verteilung der Werte mehr oder weniger stark vom vertrauteren Mittelwert abweichen. Warum hier eine Entwicklung mit dem eher unüblichen Median anstelle des allgemein vertrauten (und nicht erwähnten) Mittelwertes „belegt“ wird, bleibt das Geheimnis der Qualitätsjournalisten, die dieses Zahlenspiel als „Beleg“ für eine „Vergreisung“ [!] heranziehen.

Vor einem Jahr lag der Median also bei 38,1 Jahren, und jetzt, wo alle Leute, die vor einem Jahr in die Betrachtung einflossen, ein ganzes Jahr älter geworden sind, liegt dieser Median nicht etwa bei 39,1 Jahren (oder gar noch höher), sondern bei 38,7 Jahren. Und das soll eine „Vergreisung“ sein, obwohl in der Zahl, die das „belegen“ soll, der direkte Beweis dafür steckt, dass eine bedeutende Menge jüngerer Nutzer hinzugekommen sein muss, während die Noch-Mitglieder ganz normal biologisch altern? Faszinierend!

Nun, werte berufsmäßige Lügner beim Focus, wenn ich das sehe, bekomme ich eine Ahnung, warum ihr einen für die meisten Menschen schwer interpretierbaren Wert wie den Median herausgepickt habt, um alles andere (zum Beispiel den Durchschnitt, die Standardabweichung und die Größe der Stichprobe) zu verschweigen und damit eine Überprüfung der Datenbasis eurer Behauptungen völlig unmöglich zu machen. Fakten sind euch nämlich egal. Vermutlich wäre der Mittelwert noch ungeeigneter gewesen, um das zu transportieren, was die Wirklichkeit nicht hergibt: Eine Lügenmeldung, dass das Zeitalter der so genannten „sozialen“ Netzwerke zu Ende geht. Eure Meldung ist Propaganda, geschrieben nur, um eine psychologische Wirkung zu entfalten. Dabei stört es euch nicht, dass der kleine Faktenkrümel, den ihr dazu heranzieht, dieser Propaganda direkt widerspricht. Denn eure Leser haltet ihr für dumm, und ihr werdet alles dafür tun, dass sie dumm bleiben — und ansonsten könnt ihr fest auf den allgemeinen wissenschaftlichen und mathematischen Analphabetismus bauen, den Schule und Presse seit Jahrzehnten sicherstellen.

Die einzigen, die in der BRD vergreist, rückwärtsgewandt und auf dem absteigenden Ast sind, sind die Vertreter des Presseverlagswesens. Das bemerkt man allerdings nicht an irgendwelchen Bullshit-Zahlen, sondern an ihrem Vorgehen, ihrer Propaganda und ihrer verzweifelten politischen Einflussnahme in der Lobby des Reichstages, um das Internet in der BRD zu erwürgen. Koste es, was es wolle.

¹Technische Anmerkung: Eine Sortierung ist zur Ermittlung des Medians nicht erforderlich, es ist vollkommen hinreichend, (zum Beispiel) das Partitionierungsverfahren des Quicksort-Algorithmus geeignet anzuwenden. Der Rechenaufwand ist dabei deutlich kleiner als beim Sortieren, er liegt nicht bei n * log(n), sondern bei log(n).


SMS und Twitter: Die Sprache stirbt!

Twitter und SMS gefährden nach Meinung des Rechtschreibrats-Vorsitzenden Hans Zehetmair das deutsche Sprachgut. „Die deutsche Sprache wird immer weniger gepflegt“, beklagte Zehetmair in einem dpa-Gespräch. […]

Der Sprachverfall betreffe vor allem die junge Generation. Das Vokabular der Jugendlichen sei via SMS und Twitter generell sehr simpel, die Rechtschreibung fehlerhaft. „Alles ist super, top, geil, aber nicht mehr authentisch“, kritisierte Zehetmair. „Ich will die moderne Technik nicht verurteilen, aber die Jugend darf sich von der schwindelerregenden Entwicklung nicht vereinnahmen lassen.“ […] sagte der ehemalige bayerische Kultusminister: „Einer SMS mangelt es an Gefühl und Herzlichkeit.“ […]

Tablets, Twitter und WhatsApp sollten Kinder daher erst benutzen, wenn sie schon gefestigte Deutsch-Kenntnisse hätten – unter 14 Jahren sind diese Kommunikationsmittel nach Ansicht Zehetmairs entbehrlich. „Wenn man stundenlang vor dem iPad sitzt, färbt das eben ab.“

Sprache dürfe kein „dürres Gerippe“ sein, sondern müsse „als Schmuckstück gebraucht werden, mit Adjektiven verziert“ […]

Kinder sollten wieder mehr Gedichte lernen und Bücher lesen, um die Schönheit der Sprache zu erleben, forderte Zehetmair, der auch Vorsitzender der CSU-nahen Hanns-Seidel-Stiftung in München ist

Rechtschreibrat-Chef: Twitter und SMS schaden der Sprache

Satirischer Kommentar

Die Gespräche von Kindern auf dem Spielpaltz gefährden nach Meinung des Rechtschreibrats-Hansels-Zettelmeier der deutschen Sprache windungsreichen Formenreichtum in den Anordnungsmöglichkeiten des Wortmateriales zu gestelzten, papierhaften Mittelungen. Die deutsche Sprache, so der mahnende Zettelmeier, erfahre ein bedauernswert geringes Maß an Pflege bei ihrer Verwendung durch sprechende Menschen, insbesondere Kinder.

Der Sprache beklagenswerter Verfall betreffe vor allem den Gebrauch der Sprache durch die heranwachsende Generation. Der Wortschatz der miteinander sprechenden Jugendlichen sei im Allgemeinen sehr vereinfacht und bruchstückhaft, agrammatisch und von falschen Schreibungen geprägt. „Alles ist super, top, geil, aber es ist nicht mehr so authentisch, als spräche einer im bleischweren Essaystile wie auf vierzehn Seiten Papiers über seine Betrachtungen beim Anblick einer fallenden Schneeflocke und breitete diese vor einem geduldigen und selbst schweigenden Zuhörer aus“, kritisierte der Zettelmeier. „Ich will den Sprachgebrauch auf Spielplätzen nicht verurteilen, aber die Jugend darf sich von der schwindelerregenden Entwicklung meiner Buchsprache zu einem Mittel des unumschwiffenen menschlichen Austausches nicht vereinnahmen lassen“. Der ehemalige bayerische Kultusminister sagte ferner: „Der harschen Kindersprache mangelt es an Gefühl und Herzlichkeit“.

Deshalb sollen, so der Zettelmeier, Kinder erst dann miteinander reden, wenn sie schon gefestigte Kenntnisse im gesamten Formenreichtum der schriftdeutschen Sprache hätten — bis zum Alter von 14 Jahren sei es für Kinder vollständig entbehrlich, untereinander zu sprechen. Stattdessen sollten sie in stundenlangen Exerzitien mit Tinte und Feder auf Papier — oder besser noch: zur Erhöhung der Wertschätzung dieses Vorganges auf Pergament — schreiben, während ihnen alle anderen sprachlichen Mittel verboten werden sollten. „Wenn man stundenlang miteinander redet, färbt das eben ab“.

Kinder sollten wieder mehr Kirchenlieder auswendig lernen und Bücher lesen, um die Schönheit der Sprache zu erfahren, forderte der Zettelmeier, der auch Vorsitzender der CSU-nahen Hanns-Seidel-Stiftung in München ist.

Ach übrigens, Herr Zehetmair: GAFL! Ach, wollen sie nicht, weil sie ihren gut alimentierten Platz im Betrieb der BRD-Lach- und Sachpolitik einem richtigen Leben vorziehen? Na, dann eben ab ins Aquarium!

Nachtrag, 22. Dezember, 14:55 Uhr: Heise online — Sprachforscher rügen Zehetmairs Twitter-Schelte

Nachtrag Zwei, 22. Dezember, 15:55 Uhr: Sprachlog — Sprachbrocken 51/2012, und dort unbedingt den abschließend verlinkten Text lesen, der sich mit dem blinden Geschafel des ehemaligen bayerischen Kultusministers vor einem Jahr inhaltlich auseinandersetzt.


Fachkräftemangel

Die IT-Branche leidet unter Fachkräftemangel – und der wird sich nach Meinung von Experten künftig weiter verschärfen. Der Bitkom will dem Mangel mit einem Drei-Säulen-Modell begegnen. Dabei soll vor allem auch um weiblichen Nachwuchs geworben werden. […] Der Bitkom hat zur Behebung des Mangels eine Drei-Säulen-Strategie vorgeschlagen, die neben verstärkter Zuwanderung auch aus Nicht-EU-Ländern und einer Reform des Bildungssystems eine Qualifizierungsoffensive vorsieht, um vor allem weibliche Fachkräfte stärker zu gewinnen.

Meldung der DPA, die vermutlich vollständig auf eine Presseerklärung der BITKOM zurückgeht und von sueddeutsche.de übernommen wurde

Muss man das noch kommentieren?

Der schlimme, schlimme „Fachkräftemangel der IT-Branche“ — als Sammelbegriff ist dieses sehr allgemeine Wort ungefähr so tauglich wie eine Bezeichnung „Arbeitermangel in der holzverarbeitenden Industrie“, das dann alle Tätigkeiten vom Baumfällen über Sägewerker, Drechsler, Küfer, Wagner Zimmermann bis hin zum Musikinstrumentenbauer, Holzschuhmacher und Sargschreiner zusammenfassen soll, und es wirkt nur deshalb nicht so absurd wie meine eben probierte absurde Zusammenfassung, weil die aus solchen abgeschriebenen Presseerklärungen informierten Menschen zu Analphabeten der Informatik gemacht werden — also, dieser schlimme, schlimme Fachkräftemangel, den man mit dem Vehikel eines bewusst unscharf und nichtssagend gewählten Wortes gleich noch ein bisschen größer und erschreckender rechnen kann, er ist ja eine wirklich sehr neue Erscheinung. Und wie dieses tolle Schlagwort zu deuten ist, weiß sogar die deutschsprachige Wikipedia zu berichten:

In Deutschland gilt der Begriff „Fachkräftemangel“ primär als ein interessengeleitetes Schlagwort […] Darüber hinaus führt das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft 240.000 gemeldete Stellenangebote für Fachkräften im MINT-Bereich, also Ingenieure (79.400), Mathematiker und Naturwissenschaftler (4.400), Datenverarbeitungsfachleute (49.200) und Techniker (34.000)[9] auf, denen 74.000 Arbeitslose mit entsprechenden Qualifikation gegenüberstehen. Jedoch wird diese Studie unter anderem von Karl Brenke (DIW) scharf kritisiert, da diese Zahlen hochgerechnet würden, um auch freie Stellen zu berücksichtigen, die nicht den Arbeitsagenturen vorliegen […] In der Diskussion sind auch immer wieder zusätzliche Anwerbeanstrengungen für Fachkräfte aus dem Ausland, wobei viele eingewanderte Hochqualifizierte in Deutschland bereits in Niedriglohnjobs arbeiten und keine ihrer Qualifikation entsprechende Position erlangen

So mancher erfahrene Informatiker, der mit 38 Jahren zusammen mit etlichen anderen erfahrenen Informatikern im Wartebereich seines zuständigen Jobcenters sitzt und erlebt, dass ihn niemand für seine Arbeit angemessen bezahlen will, wird sicherlich sehr erstaunt derartige Darstellungen in der Journaille sein. Aber auch ein Mensch, dem diese leidvolle Erfahrung erspart bleibt, kann sich relativ leicht die Frage stellen, wieso es bei diesem seit fünfzehn Jahren immer wieder aus dem Rhetorikkoffer herausgeholten Schreckgespenst des so fürchterlich drückenden „Fachkräftemangels“ der IT-Branche so gar keine Versuche betrieblicher Qualifizierungsmaßnahmen gegeben hat, sondern immer nur die Forderung, billigere und wegen ihrer dann entstehenden Lebenssituation ausgeliefertere Leute aus dem Ausland beschäftigen zu können.

Neu ist jetzt allerdings, dass „weibliche Fachkräfte“ gewonnen werden sollen. Ob die sich wohl eher für den ganz speziellen Informatik-Lebensstil begeistern werden? :mrgreen:


Journalismus: Muss man eigentlich nicht lesen…

[…] wird der Präsident der Associação Nacional de Jornais (ANJ) zitiert […] Das Gegenteil sei der Fall: Oft verringere die kurze Darstellung bei Google mit nur einigen Zeilen die Chance, dass Internet-Nutzer die ganze Geschichte auf der Zeitungswebseite läsen.

Heise Online — Zeitungen in Brasilien kehren Google News den Rücken
Die Meldung ist eine von Heise übernommene DPA-Meldung

Kurzkommentar

Es ist bemerkenswert, dass hier ein Vertreter der brasilianischen Presse allen Ernstes der Auffassung ist, dass die Produkte der täglichen contentindustriellen Arbeit so inhaltsleer und in ihrer künstlichen aufgeblähten nachrichtentönenden Aufbereitung zum Füllstoff zwischen der Reklame so entbehrlich sind, dass der Zielgruppe solcher Produkte schon der Blick auf eine Überschrift und eine kurze Zusammenfassung in einem Teaser reicht. Dieser Einschätzung eines offensichtlichen Insiders bezüglich der Qualität contentindustrieller Tätigkeit habe ich auch nichts mehr hinzuzufügen.


Vorteil durch besondere Funktion

Die besondere Funktion von Jumpshare betrifft vor allem den Empfänger der Dateien: Er muss diese nämlich nur in den seltensten Fällen herunterladen, denn der Dienst kann über 150 Dateitypen direkt im Browser anzeigen. Dazu gehören unter anderem Textdokumente, PDFs, Präsentationen, Bilder, Musikdateien und Videos

Sueddeutsche.de — Internet / Computer: Große Dateien bequem teilen und direkt online anschauen

Kurzkommentar

Also dieses One-Click-Hoster „Jumpshare“, von dem ich ohne diese über DPA in den „Qualitätsjournalismus“ gebrachte „Meldung“ gar nichts wüsste und an dem ich gar nichts vermisste, hat also einen großen Vorteil: Ich „muss“ die Dateien nicht herunterladen — was eine Erleichterung ist, die ich bis jetzt auch noch nie vermisst habe. Ich soll sie mir stattdessen im Browser anschauen, der diese Dateien zu diesem Zweck natürlich herunterladen muss, damit er sie darstellen kann. Der größte Vorteil aus der Sicht „Jumpshares“ ist es dabei zweifellos (ich habe es mir nicht angeschaut), dass die Daten nicht an einem mir bekannten Speicherort auf meiner Festplatte landen¹, sondern auf dem Server bei „Jumpshare“ liegenbleiben und dort gewiss mit allerlei Reklame angereichert werden, wenn ich sie über die Sharing-URL erneut betrachten will.

Und was ist mein Vorteil daran? Ach ja, dass ich „nicht downloade“, ich verstehe schon… :mrgreen:

¹Stattdessen werden sie an einer mir unbekannten Stelle im Cache des Browsers gespeichert. Es ist also ein Download, bei dem ein „normaler“ Anwender nur hinterher nicht weiß, wohin die Daten gespeichert wurden. Natürlich muss jeder dargestellte Inhalt aus dem Internet heruntergeladen werden, um darstellbar zu sein…


Das gute Gedächtnis des Microsoft-Browsers

Seit ich wegen des Alarmknopfes auch immer wieder einmal die ganz normale Journaille verkoste, stoße ich neben Inkompetenz und allgemeiner, gegen das Internet gerichteter Propaganda auch immer wieder auf einen „Journalismus“, der sich vor allem an unerfahrene und deshalb leicht manipulierbare Menschen richtet: Verdeckte Reklame im redaktionellen Teil.

Dieses folgende, mutmaßlich von Microsoft gut bezahlte Reklame-Geschmiere einer unheiligen Arbeitsgemeinschaft aus stern (punkt) de und DPA zum Beispiel:

Besuchte Seiten im Verlauf des Internet Explorer suchen -- Wer mit dem Internet Explorer eine interessante Webseite besucht hat, sich aber nicht mehr an die konkrete Adresse erinnert, kann vom guten Gedächtnis des Microsoft-Browsers profitieren.

Natürlich mit einem prominent platzierten, großen Logo eines bekannten und berüchtigten Stückes Software, damit auch noch der Dümmste merkt, was dieser „Internet Explorer“ ist, der so beeindruckende Sachen kann:

Über den „Verlauf“ des Internet Explorer lässt sich jederzeit nachschauen, welche Webseiten in der jüngsten Vergangenheit angesteuert wurden. Dazu den Internet Explorer starten. Danach oben rechts auf das Sternchen-Symbol (Favoriten) klicken und über die Tab-Leiste zum Bereich „Verlauf“ wechseln. Hier erscheinen alle Websites, die kürzlich besucht wurden, zeitlich sortiert. Ein Klick auf einen Datumsbereich – zum Beispiel „gestern“ – öffnet die zu diesem Zeitpunkt angezeigten Website-Adressen. Ein Klick auf eine Adresse zeigt die einzelnen besuchten Unterseiten des jeweiligen Angebots.

Wer das alles liest und es nicht aus eigener Erfahrung besser wüsste, müsste angesichts dieser Schleichwerbung auf stern (punkt) de glauben, dass es hier um eine Funktionalität geht, die es in dieser Form nur auf dem Internet-Explorer gibt. Der hat ein „gutes Gedächtnis“, die anderen Browser sind dann wohl vergesslicher.

Dass das, was ein Opera als „Verlauf“ (auch erreichbar mit Strg-Umschalt-H oder als Ansicht in der Seitenleiste), ein Firefox als „Chronik“ (ebenfalls erreichbar mit Strg-Umschalt-H) und ein Chromium wiederum als „Verlauf“ (auch erreichbar mit Strg-H) im Menü anbietet, überhaupt existiert, könnte ein unvoreingenommener Leser nach Lektüre dieser offensichtlichen Reklame jedenfalls nicht vermuten. Und dass es in seiner gesamten Funktionalität identisch ist, schon gar nicht.

Welchen Nährwert eine derartige Journalismussimulation für seine irregeführten und fehlinformierten Leser hat, eröffnet sich von allein. Und dies war nur ein Beispiel. Ich sehe solche offenen Werbungen im angeblich „redaktionellen“ Teil beinahe jeden Tag, wenn ich die Websites der Verlagsangebote überfliege.


Hintergrund: Leistungsschutzrecht

Das über den NITF-Feed der DPA in den „redaktionellen“ Teil „qualitätsjournalistischer“ Erzeugnisse gepresse Stück Fehlinformation und Propaganda, das vom Online-Focus unter dem Titel „Hintergrund: Leistungsschutzrecht“ veröffentlicht wurde, ist es wert, so schnell nicht vergessen zu werden. Auch, wenn das für den Alarmknopf eher ein Randthema ist, belegt dieser Text, wie durch nur scheinbar ausgewogene, aber in Wirklichkeit verzerrende Darstellungen in den (agentur)zentral organisierten Medien Stimmung bei uninformierten Menschen gemacht und politischer Druck aufgebaut wird. Es ist ein so gutes Beispiel der subtileren Propaganda, dass ich hier ein (teilweise gallig) kommentiertes Vollzitat dieser Massenmanipulation bringe, um den Sinn für solche Techniken zu schulen.

Der von der DPA verbreitete Propagandatext (mit meinen Anmerkungen)

Wer urheberrechtlich geschützte Musik oder Filme im Internet aus dubiosen Quellen herunterlädt, muss saftige Strafen befürchten.

Wie, geht es jetzt um nicht-lizierte Nutzungen von Werken im Sinne des Urheberrechts?

Mit dem Leistungsschutzrecht sollen nun auch Zeitungs- und Zeitschriftenverlage Geld dafür verlangen können, wenn ihre Online-Artikel und andere Beiträge kommerziell genutzt werden.

Aber mitnichten! Das ist nur ein Einsteiger gewesen, um einen Zusammenhang herzustellen, den es gar nicht gibt, damit die Leser des Textes verwirrt werden. Denn den Presseverlegern reicht das vom Urheberrecht für Werke garantierte Monopolrecht nicht aus; sie haben deshalb konzertiert und über Jahre hinweg darauf hingearbeitet, dass sie ein zusätzliches Sonderrecht bekommen. Diese planvoll vorangetriebene Vorgehensweise reflektiert vermutlich auch die verlagsinterne Einsicht, dass es sich bei den aus Agenturmeldungen zusammengeklöppelten Elaboraten namens „Tageszeitungen“ und „Zeitschriften“ sowie bei den zusätzlich im Internet angebotenen Zweitverwertungen dieser Elaborate eben nicht um Werke im Sinne des Urheberrechtes handelt, da diesen Einweg- und Wegwerfprodukten jegliche hierfür erforderliche Schöpfungshöhe fehlt. Das so genannte „Leistungsschutzrecht“ spiegelt also die Einsicht der dadurch Geschützten wider, dass ihre „Leistung“ von äußerst bescheidener Qualität ist. Dieser Einsicht mag ich nicht widersprechen.

Suchmaschinen und gewerbliche Nachrichtenportale könnten dann in Zukunft zur Kasse gebeten werden, wenn sie diese Berichte aufnehmen.

Was eine Suchmaschine ist, wissen wir alle. Zum einen ist es ein automatisiertes Programm, das offen zugängliche Inhalte im Web (und teilweise auch anderen Internetdiensten) durchscannt, wenn die Sitebetreiber nicht durch das Ablegen einer einfachen Textdatei namens robots.txt darum bitten, dass ihre Inhalte ausgeschlossen werden. Mit diesen Daten wird ein sehr nützlicher Dienst angeboten. Ein Mensch kann nach Begriffen suchen und bekommt Fundstellen aus dem Web (und teilweise auch anderen Internetdiensten) präsentiert. Wer in einer Suchmaschine gelistet ist, wird also nicht geschädigt, sondern bekommt zusätzliche Leser, die er ohne Suchmaschine nicht gehabt hätte. Das wissen die Verleger übrigens genau, was sich darin zeigt, dass sie erheblichen technischen Aufwand treiben, um in Suchmaschinen besser dazustehen. Dafür auch noch Geld zu wollen, ist eine Haltung, die man sich einmal in alltäglichen Situationen vorstellen muss, um ihre infantile Absurdität genießen zu können: Beim Bäcker ein Brötchen nehmen, und auch noch Geld dafür fordern, dass man jetzt ja das Brötchen genommen hat.

Ein „gewerbliches Nachrichtenportal“ ist genau was? Richtig, das weiß keiner. Eine Website ist in der Bundesrepublik Deutschland übrigens schon gewerblich, wenn sie auch nur eine einzige Werbung, einen einzigen vergüteten Artikel oder einen einzigen gekauften Link enthält. Wann eine Website zusätzlich ein „Portal“ ist, das „Nachrichten“ transportiert (zwei äußerst unscharfe Begriffe), werden Richter mit teilweise erschütterndem technischen Kenntnisstand entscheiden. Und zwar in dubio pro lobby.

Damit wollen sich die deutschen Pressehäuser ihre Leistung bezahlen lassen — nämlich, dass sie mit einigem technischem Aufwand und Geld ihre Inhalte – für die Nutzer kostenlos — ins Netz stellen.

Wer hat die „deutschen Pressehäuser“ denn auf die Idee gebracht, ihre „Inhalte“ ins Netz zu stellen? Wurden sie dazu gezwungen? Nein, das wurden sie nicht. Gab es einen anderen Grund? Richtig, sie sind selbst darauf gekommen. Sie wurden von niemanden darum gebeten. Sie haben sich zusätzliche Profitmöglichkeiten von dieser Zweitverwertung ihrer industriell erstellten Machwerke erhofft. Wenn diese Profite ausbleiben, ist das eine ganz gewöhnliche geschäftliche Fehlentscheidung, die korrigiert werden sollte — und nicht mit Lobbyarbeit zur Erzeugung absurder Sonderrechten in einen „Erfolg“ umgewandelt werden sollte.

Bisher ist Online-Werbung nahezu die einzige Geldquelle der Verlage im Netz.

Vor rund siebzehn Jahren ist das World Wide Web massentauglich geworden und das Internet hat sich seitdem in rasendem Tempo von einer akademischen Spielwiese mit hoher Anziehungskraft für Nerds in einen Bestandteil des Alltags verwandelt. In diesen fast zwei Jahrzehnten ist es den Presseverlegern nicht gelungen, ein seriöses und tragfähiges Geschäftsmodell für das Internet zu entwickeln.

Diese Erlöse reichen aber in den meisten Fällen nicht aus, um die Einnahmeverluste durch die nachlassenden Auflagen der gedruckten Blätter zu decken. Die Verleger hatten immer wieder — auch mit Unterstützung der schwarz-gelben Koalition – ein Ende der „Gratiskultur“ im Netz gefordert.

Deshalb stellen sich die Verleger jetzt, nachdem sie über ein Jahrzehnt lang ihre „Inhalte“ gratis angeboten haben, hin und fordern ein Ende der „Gratiskultur“. Jegliche Ähnlichkeit mit Witzfiguren ist rein zufällig.

Kritiker und Internet-Aktivisten befürchten, dass mit dem neuen Recht die Informationsfreiheit im Netz eingeschränkt wird.

Informierte Menschen wissen, dass unter der in der BRD schon bestehenden rechtlichen Überregulierung zum Nachteile der Mehrzahl der Menschen ein zusätzliches Standesrecht für Presseverleger die Informationsfreiheit im Netz weiter beschädigen wird, als das schon der Fall ist. Denn schon jetzt ist in der Abmahn- und Juratroll-Hölle der BRD der Betrieb noch der harmlosesten Website ein erhebliches persönliches Risiko, das für einen „gewöhnlichen“ Menschen schnell existenzbedrohend werden kann.

Das Leistungsschutzrecht drohe den Nachrichtenfluss empfindlich zu stören. Verleger stehe es ja frei, mit einem kleinen Griff zu verhindern, dass etwa Google ihre Inhalte in die eigene Datenbank aufnimmt. Auch könnten sie ihr Angebot hinter eine Bezahlschranke stellen.

Genau! Können sie. Und dann können sie mal schauen, ob jemand dafür bezahlen will. Journalistischen Produkten wie der Neuen Zürcher Zeitung oder der Spektrum der Wissenschaft gebe ich da durchaus eine gute Chance, denn diese liefern etwas, was man im (von „Qualitätsjournalisten“) so genannten „Qualitätsjournalismus“ mit seinem Mix aus Tittitainment und übernommenen Agenturmeldungen schmerzlich vermisst: Konstante, hohe Qualität. Und diese hat einen Wert, der einen Preis rechtfertigt.

Der Haken ist dabei, dass gerade die Suchmaschinen, die auf ihren Seiten mit kurzen Auszügen („Snippets“) auf die Artikel verweisen, Millionen Nutzer auf die Presse-Webseiten leiten. Sie tragen damit entscheidend zur Attraktivität der Online-Werbung bei.

Genau! Das ist der Grund! Deshalb soll Google auch noch zusätzlich über ein so genanntes „Leistungsschutzrecht“ abkassiert werden. Weil: Siehe eingangs mit den Downloads von Filmen und Musik. :mrgreen:

Die „Attraktivität von Online-Werbung“ ist übrigens so groß, dass jeder halbwegs informierte Mensch dankbar über die verfügbaren Werbeblocker für Webbrowser ist. Eine ganz tolle „Attraktivität“, die hier von der DPA herbeiphantaisiert wird.

Ich warte übrigens darauf, dass Google genau so reagiert wie vor einem Jahr in Belgien. Wie die Verleger dann reagieren werden, haben die belgischen Verleger ja schon einmal vorgemacht. In der BRD, die noch deutlich bananiger als das Königreich Belgien ist, wird dann vermutlich auf eine Gesetzgebung hingearbeitet, die Suchmaschinen zur Aufnahme von Verlagsprodukten zwingt. Zur kostenpflichtigen Aufnahme, versteht sich.


Digitales und analoges Digital

Das Geschäft mit digitaler Musik über Downloadportale im Internet beschert der Musikindustrie in Deutschland wachsende Umsätze.

Inzwischen werde hierzulande jeder fünfte Euro aus den Musikverkäufen digital erwirtschaftet, sagte Florian Drücke, Geschäftsführer des Bundesverbandes der Musikindustrie e.V. […]

Physikalische Tonträger wie CD-Alben seien allerdings mit einem Anteil von 72 Prozent immer noch die mit Abstand wichtigste Säule des Umsatzes

Presseerklärung Bundesverband der Musikindustrie e.V.
Zitiert nach der DPA-Meldung auf sueddeutsche.de

Kurzkommentar

Es mag ein wenig korinthenkackerisch wirken, darauf hinzuweisen, aber es stimmt dennoch: Die Compact Disc ist ein digitales Medium. Das erkennt übrigens auch ein Laie daran, dass sich dieses Medium vorzüglich als allgemeiner Speicher für digitale Daten aller Art eignet. Manche Menschen sollen ja sogar Daten auf CD-Rohlinge brennen, statt sie zur Herstellung von Audio-CD-Kopien zu verwenden.

Der Herr Drücke, der sich hier eine Meldung zu den aktuellen Zahlen herausdrückte, weiß ganz offenbar nicht, dass es eine Digitaltechnik außerhalb des Internet gibt. Wenn er „digital“ sagt, meint er damit den Vertriebsweg „Internet“ in der Form „Download“ oder „Streaming“. Digitale Verbreitungsformen, die unabhängig von diesem Vertriebsweg sind, scheinen in seinem Denken von einer anderen Digitalität zu sein, die uns anderen Menschen noch völlig unbekannt ist. Vielleicht so etwas wie eine analogere Digitaltechnik… :mrgreen:


Symbolfoto: Wie die „Raubkopie“ aussieht

Von der DPA lizenziertes Symbolbild für eine Raubkopie aus dem Internet auf Focus Online

Focus Online — Internet: Bei Raubkopien schützt Unwissenheit nicht vor Strafe
Die Meldung wurde von der DPA übernommen

Ein Kandidat für das dümmste Symbolfoto des Jahres in Sachen Internet. Nur echt mit dieser schelmischen Bildunterschrift aus der Hirngruft:

Vielleicht steht es nicht überall „Raubkopie“ drauf, aber: Das Hoch- und Runterladen von urheberrechtlich geschützten Filmen, Spielen oder Liedern ist grundsätzlich verboten. Frank Rumpenhorst

Schon klar, das steht nicht überall drauf. Beim Focus scheinen also sie noch zu merken, dass die bildhafte Metapher zum (ansonsten inhaltlich durchaus annehmbaren) Artikel irgendwie hinkt, aber lassen sich deshalb nicht gleich davon abhalten, trotzdem ein dermaßen dümmliches Symbolfoto zu nehmen. Einfach nur, weil da ja ins Layout des Artikels ein Foto reingeklebt werden muss, ob es nun einen Wert für den Artikel hat oder nicht. Ein wunderbares Beispiel für den Alltag des „Qualitätsjournalismus“ im Internet: DPA-Artikel lizenzieren, damit man nicht selbst etwas schreiben muss, und dann das lächerlichste denkbare Foto drüberkleben. Es haben ja — trotz aller Kampagnen der Contentindustrie — schon erstaunlich viele Menschen mit dem verbotenen Hoch- und Runterladen von urheberrechtlich geschütztem Zeugs gemacht, aber bislang hat dabei noch niemand aus dem Internet eine gebrannte CD oder DVD mit dem Aufdruck „Raubkopie“ bekommen. Und jenen, die das Zeug auf eine CD oder DVD brennen, um es zu archivieren, wird gewiss eine trefflichere und sinnvollere Beschriftung einfallen…


Toll und Neu: Das Offline-Streaming

Beim Streaming werden die Audiodaten aus dem Internet geladen und sofort abgespielt, ohne dass vorgesehen ist, diese Daten wie bei einem Download zu speichern. „Der Trend geht auch in der Musik immer stärker weg vom Besitz von CDs oder Dateien und hin zur reinen Nutzung“, erklärte Bitkom-Präsident Dieter Kempf.

[…] Dabei ist meist auch die Möglichkeit vorgesehen, die Lieblingsmusik für Situationen offline bereitzustellen, in denen keine Internetverbindung mögliich ist.

Focus Online — Internet: Musik-Streaming aus dem Netz wird Teil des Alltags
Der Artikel auf Focus Online ist die Übernahme einer DPA-Meldung

Muss man das noch kommentieren?

Nicht nur, dass sich dieses gesamte „qualitätsjournalistische“ Meisterwerk auf Focus Online wie ein Reklametext für Streaming-Anbieter liest, bei dem Trends gemacht werden sollen, indem man sie herbeiphantasiert. Auch erfreut der ungenügend durchgequirlte Bullshit mit der wunderbaren Vorstellung, dass die Musik beim Streaming nicht lokal gespeichert wird, aber doch ganz offenbar lokal gespeichert wird, um sie hören zu können, falls man mal nicht online ist. Die nahe liegende Frage, warum man dann nicht gleich die Musik (gern auch bezahlt) herunterladen und damit zur ganz gewöhnlichen und von den Programmen irgendwelcher Dritten unabhängigen Nutzung erwerben soll, wird von diesen ganz besonders trendigen Trendsettern in Sachen DRM 2.0 allerdings nicht beantwortet. Platsch, sagte es, und ein neuer Blindfisch war im Aquarium.


Internet? Das ist doch dieses Facebook…

Während gewöhnliche „Qualitätsjournalisten“ lediglich Probleme haben, das Internet nicht mit dem Internet-Dienst World Wide Web zu verwechseln, geht die Inkompetenz bei der DPA und beim zitierenden Focus Online noch ein bisschen weiter. Denn dort…

Internet: Lehrer und Erzieher sollen für Facebook fit gemacht werden -- Der Umgang mit dem Internet soll künftig fester Bestandteil der Ausbildung von Lehrern und Erziehern sein -- mit dieser Empfehlung billigte die Enquete-Kommission Internet und Digitale Gesellschaft ein Paket von Handlungsempfehlungen für die Bildungs- und Forschungspolitik.

…verwechselt man das Internet mit der börsennotierten, Menschen ausspionierenden, spammenden, Kommunikation fälschenden und ohne seriöses Geschäftsmodell agierenden AG hinter der Website „Facebook“.

Da bleibt nur zu hoffen, dass demnächst jeder Schüler aufgeklärter als derartige „Qualitätsjournalisten“ ist.

Hallo, DPA, hat F*cebook für diesen Schwachsinn etwa bezahlt?!


Angebliche Unwissenheit

Berlin (dpa/tmn) – Dumm stellen nützt nichts: Seiten wie kino.to sind offensichtlich rechtswidrig. Und wer im Internet illegal Filme oder Songs runterlädt, kann nicht so tun, als habe er das nicht gewusst.

Angebliche Unwissenheit schützt vor Strafe nicht – das gilt auch im Falle illegal heruntergeladener Dateien aus dem Internet. Denn die Justiz sagt: Bei bestimmten Webseiten muss Verbrauchern vorher klar sein, dass es sich um eine offensichtlich rechtswidrige Quelle handelt.

Sueddeutsche.de — Internet — Computer: Raubkopien aus dem Netz — Unwissenheit ist keine Ausrede

Ganz kurz nur, DPA und Süddeutsche

„Angebliches“ Unwissen ist im Falle des Streamings ein ganz schön vorsätzlich kriminalisierendes Wort.

Ich biete euch Zeitungsschmierern ein Experiment an: Macht mal eine Umfrage in eurer eigenen Redaktion, in der ja lauter gut ausgebildete „Qualitätsjornalisten“ sitzen, die sich demnächst durch das standesdünkelhafte Unrecht eines Leistungsschutzrechtes mit einer absurden Internetsteuer subventionieren lassen wollen! Lasst jeden eurer „Qualitätsjournalisten“ ein YouTube-Video schauen und fragt ihn anschließend, ob er etwas heruntergeladen hat! Und dann werft den vielen Menschen, die ihre technischen Kenntnisse vor allem aus Meldungen der Süddeutschen Zeitung und aus dem NITF-Stream der DPA haben mal schön — und nach diesem einfachen Experiment: wider besseres Wissen — vor, dass sie nur „angeblich“ unwissend sind — nur, weil sie noch nicht einmal wissen, wo denn jetzt das heruntergeladene Flash- oder MP4-Video auf ihrer Platte liegt. Ach, das weiß bei euch bei der Süddeutschen Zeitung kein einziger? Na dann…

Genau das ist nämlich das Problem bei der Beurteilung des Streamings. Es kommt aus Nutzersicht zu keinem Download. Dass technisch sehr wohl ein Download stattfindet, setzt bereits ein Verständnis voraus, das über das Wissen der meisten Anwender hinaus gehen wird — leider. Wenn sie jetzt diese Seite lesen, ist ihnen auch nicht in dem Maße klar, dass es sich um einen Download handelt, wie es ihnen klar wird, wenn sie diese Seite speichern, in einem Dateiauswahldialog einen Ordner im Dateisystem auswählen und diese Seite unter einem bestimmten Dateinamen ablegen. Dennoch befindet sich eine Kopie dieser Seite im Cache ihres Browsers — und sie fänden es sicher sehr deplatziert, wenn in diesem Zusammenhang von einer „angeblichen Unwissenheit“ die Rede wäre, einhergehend mit dem Vorwurf aus der Überschrift, dass eine „Raubkopie“ angefertigt wurde und mit einer in der Luft hängenden Drohung juristischer Konsequenzen. Der Ablauf beim Streaming ist bestechend ähnlich.

Wahr ist allerdings, dass jedem Menschen mit normaler Lebenserfahrung durch bloßes Hinschauen klar sein muss, dass Anbieter der Geschmacksrichtung kino (punkt) to illegal sind. Das macht aber niemanden zu einem „Raubkopierer“, auch nicht, wenn er mit seiner gar nicht „angeblichen“ Unwissenheit ein derartiges Angebot nutzt. Ob es sich beim Streaming um die Anfertigung einer Kopie im Sinne des Urheberrechts handelt, ist eine Frage, über die noch so mancher staubtrockene juristische Text verfasst werden wird — mit zurzeit eher offenem Ergebnis. Kriminalisierende Hirnfick- und Propagandaworte der Contentindustrie wie dieses unsägliche und in jeder Hinsicht falsche¹ Wort „Raubkopie“ werden darin allerdings nicht vorkommen.

¹Warum in jeder Hinsicht falsch? Was ich darüber schon geschrieben habe, will ich hier nicht in seiner ganzen Breite wiederholen.


Heise Online stiehlt saudoofe DPA-Meldung

Hacker stehlen Zugangsdaten und Passwörter von SPD-Computer

Hacker sind in das Computernetz der SPD-Parteizentrale in Berlin eingedrungen und haben Zugangsdaten samt Passwörtern von Nutzern erbeutet. Zu dem Angriff kam es bereits im April, der Server wurde danach sofort vom Netz genommen, sagte ein Parteisprecher am Sonntag und bestätigte damit einen Bericht des Magazins Der Spiegel. Demnach wurden möglicherweise mindestens 1900 Zugangsdaten gestohlen und in Auszügen auf einer Internetplattform veröffentlicht. Die Staatsanwaltschaft Berlin ermittele wegen des „Ausspähens von Daten“. Unter Pseudonym habe der Täter im Kurznachrichtendienst Twitter schon vor Wochen in englischer Sprache damit geprahlt, die „Social Democratic Party of Germany“ gehackt zu haben. „Wie der Angriff erfolgt ist und welche Auswirkungen er hatte, ist Teil der Ermittlungen“, sagte der SPD-Sprecher.

Heise Online: Hacker stehlen Zugangsdaten und Passwörter von SPD-Computer
Die Meldung wurde von der DPA übernommen

Ach, dass ich das nochmal erleben darf…

…einen Heise-Artikel so zerpflücken zu können, dass fast nichts mehr von ihm übrig bleibt. Aber den hat Heise Online ja nicht selbst geschrieben, sondern von der DPA übernommen, einschließlich aller idiotischen Ausdrücke und Fehler. Hier nur das Gröbste:

  • Es waren keine Hacker, sondern Cracker. Das sieht man an der Tätigkeit, die sie ausübten. Hacker schreiben Software und begeistern sich für Technik (und können dabei durchaus auch mal einen Angriff auf ein Datenverarbeitungssystem machen), Cracker zerstören in erster Linie.
  • „Zugangsdaten samt Passwörtern von Nutzern“ ist eine Formulierung von so barocklächerlich ausgefranster Überflüssigkeit, dass man geradezu jemanden vor sich sieht, der für die bloße Menge seines Textausstoßes bezahlt wird und deshalb jede Chance nutzt, die Textmenge zu vergrößern. Leider geschah das hier ohne den Schimmer einer Ahnung von der Materie, und so hat sich der unbekannte DPA-Autor (oder Praktikant) nicht einen Moment lang gefragt, was eigentlich Zugangsdaten ohne Passwörter für einen Nutzen haben sollten und — noch lustiger — was eigentlich Zugangsdaten wären, die nicht einem Nutzer den Zugang ermöglichen. Hätte er doch nur „Zugangsdaten“ geschrieben (und vielleicht noch in Klammern: Kombinationen aus Anmeldenamen und Passwort)…
  • „[…] mindestens 1900 Zugangsdaten gestohlen“ ist typischer Pressedummsprech, den man sonst eher selten bei Heise liest. Natürlich wurde gar nichts gestohlen, es ist alles noch an seinem Platze. Sie wurden einfach nur kopiert, und dadurch, dass sie nicht mehr geheim sind, haben sie ihre vorherige Funktion verloren, einen Nutzer zuverlässig gegenüber einem Datenverarbeitungssystem zu authentifizieren. Mit Diebstahl hat das so wenig zu tun wie die Übernahme des Textes einer schwachsinnigen DPA-Meldung etwas mit Journalismus zu tun hat.
  • Klar, im Internet wurden sie veröffentlicht. Einen Link kann die Contentindustrie nur dann setzen, wenn sie als redaktionelle Artikel getarnte Schleichwerbung für irgendeinen Bullshit im Web macht, aber offenbar nie, um interessierten Lesern die Quellen aufzuschließen. Was habe ich mit diesem Stil schon für einen „Spaß“ gehabt!
  • Und was für ein pöser Täter das doch ist! Der tritt unter einem Pseudonym bei Twitter auf und prahlt. Das ist ja fast so ungewöhnlich wie der morgendliche Sonnenaufgang, es nutzt ja nur (beinahe) jeder auf Twitter Pseudonyme. Und manch einer prahlt dort auch mit Dingen, mit denen er selbst gar nicht viel zu tun hat…
  • „Wie der Angriff erfolgt ist und welche Auswirkungen er hatte, ist Teil der Ermittlungen“ — Was der namenlose SPD-Sprecher da über einen vor mindestens zwanzig Tagen (im April) geschehenen Angriff sagt, übersetzt sich für einen richtigen Journalisten folgendermaßen ins Deutsche: Die SPD hat keinen kompetenten Administrator, der sofort nach Entdeckung des Angriffs alles getan hat, um die Methode des Angreifers zu verstehen. Um das besser zu vertuschen, dass sie kein Geld für einen Fachmann ausgeben will, lässt sie lieber einen Flachmann ans Mikrofon, der von laufenden Ermittlungen faselt. Ob die Sicherheitslücke entdeckt und nach bestem Wissen und Gewissen geflickt wurde, interessiert ja keinen Menschen.

So viel nur zum Gröbsten. Das ist nicht alles. Es ist dennoch in jedem nichttrivalen Satz eine sachliche Schwäche des Ausdrucks, ein Mangel an recherchierenden und Informationen aufschließenden Journalismus oder gar ein grober propagandistischer Sprachgebrauch.

Heise Online! Hört doch bitte damit auf, DPA-Meldungen aus dem euch gelieferten NITF-Feed zu stehlen! (Hier verwende ich nur die von der DPA selbst gepflegte Sprache für die Anfertigung einer Kopie.) Sie sind minderqualitativ und reißen euren an sich guten fachjournalistischen Internetauftritt in die Scheiße. Überlasst das idiotische Halbwissen und die subtil verabreichte Propaganda (in den Worten „stehlen“ und „Hacker“) bitte einfach den anderen „Qualitätsjournalisten“ da draußen und besinnt euch auf wirkliche Qualität!

Nachtrag 15.10 Uhr: Auch Golem schreibt die Agenturmeldung ab, hat aber wenigstens das saudoofe unsägliche Propagandaverb „stehlen“ durch ein sachlich besser passendes „erbeuten“ ersetzt. Trotz dieser minimalen Überarbeitung und der Verwendung einer längeren Artikelversion mit deutlich größerem Informationsgehalt aus dem NITF-Import sind die sonstigen Schwächen genau die gleichen wie Heise-Artikel. Nur der ranzige, nichtssagende Spruch des namenlosen SPD-Sprechers sollte auf Golem nicht vor einer erheiterten Öffentlichkeit ausgebreitet werden.


WeBullshit mit Hokospokus

Die Nachhaltigkeitsbewertungen bei WeGreen beruhen auf mathematischen Algorithmen, die sich aus Unternehmens- und Produktbewertungen sowie einer Siegel-Datenbank zusammensetzen. Die Unternehmensbewertungen stammen dabei von 20 unabhängigen Partnern. Die Siegel-Datenbank ist von WeGreen recherchiert und beinhaltet beispielsweise das Bio-, FCS- oder Demeter-Siegel. Nutzer haben zudem die Möglichkeit, die Nachhaltigkeit selbst zu bewerten.

Sueddeutsche.de, Umwelt-Internet — Websuche mit Ökofaktor: „Grüne Suchmaschine“ WeGreen

Hinweisschild an einem Feld, auf dem Demeter-Produkte hergestellt werdenGanz kurz nur…

…zu einem von der DPA übernommenen Artikel für eine neue Nischensuchmaschine, der sich übrigens in seiner gesamten Länge wie ein einziger verdammter Reklametext liest: Dass die Bewertungen einer Suchmaschine — wie übrigens auch jeder andere Output eines Computerprogrammes — auf der Grundlage von Algorithmen zustandekommen, wird kein bisschen aussagekräftiger dadurch, dass man in pseudowisschenschaftlicher „Exaktheit“ das Adjektiv „mathematisch“ davor setzt. Rechenvorgänge sind nun einmal auch etwas Mathematisches, was vermutlich jeder aufgeweckte Zehnjährige aus seiner bisherigen Lebenserfahrung heraus bestätigen könnte… :mrgreen:

DPA-„Qualitätsjournalisten“ scheinen nicht über so viel Lebenserfahrung zu verfügen.

Aber es war genau dieses blähwütige Pseudowissenschafteln in diesem von der DPA verbreiteten und von der Website der Süddeutschen Zeitung unkritisch als „Qualitätsjournalismus“ übernommenen Reklametext (und oh Wunder: Sogar mit Linksetzung auf die „grüne Suchmaschine“ — bei anderen Internet-Themen gibts doch sonst auch keine Links und keine derart offenbaren Reklametexte), das mich ein wenig kritischer beim Lesen machte. Mit so geschärftem Sinn wurde ich auch noch im gleichen Absatz fündig.

Der unter anderem zur Bewertung herangezogene Markenname „Demeter“ wird nicht etwa ganz allgemein für „Nachhaltigkeit“ (auch so ein Wort, das ohne weitere Erläuterung auf dem Brackwasser der Beliebigkeit dahindümpelt) in der landwirtschaftlichen Produktion vergeben, sondern für die so genannte „biologisch-dynamische Landwirtschaft“ nach den Prinzipien der Anthroposophie Rudolf Steiners. Diese ist in erster Linie ein abergläubisches, astrologienahes und magisches Verfahren, das nur in seinen Randbereichen eine gewisse Überschneidung mit späteren Ideen der nachhaltigen ökologischen Landwirtschaft hat.

Um klar zu machen, was Produkte der Marke „Demeter“ für ein teuer verkaufter Bullshit sind, möchte und kann ich nicht eine vollständige Beschreibung der anthroposophischen Hintergrundes mit der Betonung so genannter „planetarischer Einflüsse“ auf das Pflanzenwachstum geben — diese möge sich der geneigte Leser mit der Suchmaschine seiner Wahl aus beliebiger Quelle holen — sondern nur ein einziges Zitat Rudolf Steiners zur in der so genannten „biologisch-dynamischen Landwirtschaft“ heute noch gepflegten magischen Praxis des Vergrabens eines mit Mist gefüllten Kuhhornes auf dem Felde geben (so genannter „Hornmist“):

[…] so daß wir also im Mist vor uns haben etwas, was ätherisch und astralisch ist. Dadurch wirkt es schon belebend und auch astralisierend auf den Erdboden, im Erdigen. Nehmen wir Dünger […] stopfen wir damit ein Kuhhorn aus und geben wir […] das Kuhhorn in die Erde […] Dadurch daß das Kuhhorn äußerlich von der Erde umgeben ist, strahlen alle Strahlen in seine innere Höhlung hinein […] und man bekommt dadurch eine außerordentlich konzentrierte, belebende Düngungskraft in dem Inhalte des Kuhhorns […] Da ist eine ungeheure Kraft darin an Astralischem und an Ätherischem

Rudolf Steiner, 4. Vortrag „Kräfte und Substanzen, die in das Geistige hineingehen: Die Düngungsfrage“, in: Geisteswissenschaftliche Grundlagen zum Gedeihen der Landwirtschaft, S. 99

Da helfen auch alle Beteuerungen nicht, dass der Algorithmus von „WeGreen“ ja „mathematisch“ sei; es gilt auch dort das ganz einfache Grundprinzip der Datenverarbeitung: Wenn der Input reiner Hokuspokus ist, dann hat der Output auch keine Beziehung zur Wirklichkeit.

Ich weiß natürlich nicht — denn eigentlich sollten ja Journalisten für mich recherchieren und mir Fakten zur Verfügung stellen, damit ich mir eine Meinung daran bilden kann — ob die anderen Kriterien zur Quantifizierung der „Nachhaltigkeit“ besser geeignet sind, und der DPA-Text ist auch recht allgemein gehalten und schweigt sich über Einzelheiten aus; aber mein Glaube an eine vernünftige ökologische Bewertung in der so von der DPA beworbenen Suchmaschine „WeGreen“ ist auch schon mit dem Wenigen zerstört, was ich auf dem ersten, gar nicht mal besonders scharfen Blick sehen konnte. Und zwar nachhaltig.

Das wird auch nicht durch die Information gerettet…

Die Server von WeGreen laufen mit Ökostrom […]

…dass für die Server offenbar eigens ein Nucleo-STOP Atomstromfilter angeschafft wurde, der ja mindestens genau so seriös und nachhaltig ist wie die magischen landwirtschaftlichen Ansätze im Dunstkreise der Anthroposophischen Gesellschaft… :mrgreen:

Quelle des Bildes sowie des Steiner-Zitates ist der Esowatch-Artikel zum Thema


Die geben kein Geld für Kostenloses aus!

Sie blinkt am Rand oder saust ins Blickfeld: Werbung im Internet kann schon nerven. Gegen eine Gebühr bieten manche Firmen werbefreies Surfen zum Beispiel im Mailaccount. Den meisten Kunden ist die Ruhe vom Werbesturm allerdings kein Geld wert.

Focus Online: Internet — Internetnutzer: Kein Geld für Werbefreiheit übrig
Der „Artikel“ ist eine Übernahme von der DPA

Kurzkommentar

Das liegt allerdings auch daran, dass nur Menschen mit ausgesprochen schwachen Denkmuskel Geld für etwas ausgeben werden, das ihnen in Form diverser Werbeblocker für ihren Browser völlig kostenlos zu Verfügung steht — und sogar in besserer Form: Der Werbeblocker funktioniert schließlich nicht nur bei einem Anbieter, so wie es beim hier von der DPA ernsthaft als Alternative angebotenen Bezahlmodell der Fall ist. Ein Produkt, das legal ist, das besser ist und das weniger kostet, nämlich gar nichts, wird wohl nur von denjenigen Menschen verschmäht werden, die sich lediglich mit DPA-Meldungen und aus dem Focus über das Internet informieren.


Internet: „Ich schreibe über Twitter“ — Was „Qualitätsjournalisten“ als News verkaufen…

Internet: 'Ich esse einen Apfel' - Was Promis so twittern

Nicht alles, was die DPA und vergleichbare industrielle News-Händler an so genannten „Inhalten“ liefern, ist ein geistiger Höhenflug. Das hindert die Journaille aber nicht daran, einen solchen Contentsurrogatextrakt in ihre Ressorts zum Thema „Internet“ zu kleben, auch wenn der informationelle Nährwert deutlich unter dem eines Gebrauchtapfels liegt. Hauptsache, man hat irgendeinen Köder, mit dem man die Menschen zum eigentlichen Geschäft der Contentindustrie locken kann, nämlich zur überreichlich und nervtötend dargebotenen Reklame.

Quelle des Screenshots: Focus Online. Derartiger Dreck ist weder eines Links noch einer Archivierung würdig.


Hacker: Die chatten und starten Programme

Computer – Internet: Hacker legen Website von britischer Polizeibehörde lahm

London (dpa) – Die Website der britischen Polizeibehörde zur Bekämpfung des organisierten Verbrechens (Soca) ist durch einen Hackerangriff lahmgelegt worden.

Man habe die Internet-Präsenz nach einer sogenannten DDoS-Attacke am späten Mittwochabend vom Netz genommen, sagte ein Polizeisprecher am Donnerstag in London. Bei DDoS-Angriffen (Distributed Denial of Service) werden die Server mit Anfragen überflutet, bis sie in die Knie gehen. Sie können so ohne viel Aufwand lahmgelegt werden. […]

DPA-Meldung wiedergegeben auf Süddeutsche.de

Auch, wenn das ein bisschen ermüdet: Menschen, deren wesentliche Befähigung es ist, sich in einem Chat oder einem Forum zu verabreden und die überdem ein Programm auf ihrem Rechner starten können, mögen alles mögliche sein. Eines sind sie niemals: Hacker.

Könnt ihr endlich mal damit aufhören, ihr verfluchten, stinkenden „Qualitätsjournalisten“, den Begriff „Hacker“ zur Bezeichnung eines jeden kriminellen Vandalismus an den Haaren heranzuziehen und damit die richtigen Hacker zu beleidigen!


Die geben das nicht einmal zu!

Nur wenige Internetnutzer geben offen zu, schon einmal Raubkopien von Filmen, Musik oder Software heruntergeladen zu haben. In einer Umfrage des Aris-Institutes räumten 12 Prozent der Befragten ein, schon einmal illegale Inhalte aus dem Netz gezogen zu haben. 69 Prozent sagten dagegen, noch nie Derartiges getan zu haben […]

Für die Studie waren im April 1300 Menschen ab 14 Jahren befragt worden, darunter mehr als 1000 Internetnutzer [sic!].

Focus Online — Internet: Nur wenige stehen zu illegalen Downloads
Meldung ist von der DPA übernommen worden

Kommentar

Ich kann mir das so richtig vorstellen. Die meisten derartigen Umfragen sind ja heute aus Kostenersparnisgründen diese ziemlich unseriösen Umfragen über Telefon. Da ruft also jemand, den ich nicht kenne und der seine Mitarbeit bei einem so genannten Meinungsforschungsinstitut auf keine Weise zuverlässig belegen kann, an (und kennt also bei aller zugesicherter „Anonymität“ mindestens die Telefonnummer, was bereits für eine Identifikation des Haushaltes ausreicht) und fragt am Telefon, ob man etwas Illegales gemacht habe, das eine Menge Geld kosten würde, wird man dabei erwischt. Das gibt man doch sofort, bedenkenlos und völlig offen zu! Aber nur, wenn man zu diesem ungefähren Achtel der Bevölkerung gehört, das aus vertrauensseligen und leichtgläubigen Gimpeln besteht, denen auch mit Betrügereien aller Art das Geld aus der Tasche gezogen werden kann. Was sich dieser Unternehmensverband Bitkom gedacht hat, als er diese Umfrage in Auftrag gab, weiß ich natürlich nicht — aber dass sich auf diese Weise keine Übersicht über die Größenordnung der Nutzung eines Internetzuganges für Downloads von nicht-lizenzierten Werken (in DPA-Meldungsdeutsch: „Raubkopie“ und „Piraterie“) gewinnen lässt, hätte vorher durch eine halbe Minute Gehirnbenutzung einleuchten müssen.


In eigener Sache

Wer hier häufiger einmal reinliest und sich vielleicht darüber gewundert hat, dass ich hier sehr häufig keine direkten Links auf die zitierten Quellen setze, sondern immer auf eine über WebCite archivierte Version: Das liegt keineswegs nur daran, dass ich den Web-Ausflüssen der Journaille den Link nicht gönne, es liegt auch an meiner schlechten Erfahrung. Außerordentlich häufig werden die Inhalte auf Websites von Zeitungen, Fernsehsendern und anderen für die Vermarktung bestimmten Medien nachträglich gelöscht oder so stark geändert, dass jeder Link dorthin in der Gefahr steht, wertlos zu werden.

Ein besonders übles Beispiel dieser nachträglichen Bearbeitung, bei der es keineswegs nur um kleine Korrekturen von Rechtschreibfehlern oder schlampigen Ausdrucksweisen, sondern oft auch um tiefgreifende Sinnänderungen geht, lieferten mir heute die „Qualitätsjournalisten“ von Spiegel Online.

Der Bericht über das Urteil des Landgerichtes Hamburg in Sachen YouTube gegen GEMA sah heute um 14.11 Uhr so aus [archiverte Version des Artikels]:

Gema-Prozess: YouTube darf Musiktitel im Netz lassen

Nur wenige Minuten später brachte ein Reload der Seite die folgende (und übrigens korrekte) Version der Meldung zum Vorschein, die jeden Link auf die alte Meldung in einen miesen Witz verwandelt hat [archivierte Version des Artikels]:

Gema-Prozess: YouTube muss Musiktitel löschen

Immerhin waren die Leute von Spiegel Online in diesem einen, recht peinlichen Fall so freundlich, einen Hinweis unter die „zweite Version“ der Meldung zu platzieren:

Anmerkung der Redaktion: In einer ersten Version dieses Artikels hieß es, YouTube sei nicht verpflichtet worden, Titel zu löschen. Dies war die falsche Information einer Nachrichtenagentur. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

Das ist nach meinen eigenen Erfahrungen nicht selbstverständlich, auch nicht bei Spiegel Online. Für diesen Schritt in die richtige Richtung bedanke ich mich. Wenn jetzt auch noch damit aufgehört würde, Agenturmeldungen unmittelbar aus dem NITF-Feed und unkritisch ohne die Spur eines selbst betriebenen Journalismus in die Website zu übernehmen und gleichzeitig für diese Minimalleistung im Internet — die in ihrer technischen Durchführung übrigens nur wenig aufwändiger als ein RSS-Feed-Aggregator ist — auch noch ein so genanntes „Leistungsschutzrecht“ einzufordern, dann wäre ich sogar zufrieden.


Fast ohne Worte: Das frühere Leben

Die Chronik kommt. Nach und nach wird jedes Facebook-Profil umgestellt. Die neue Darstellung verführt, mehr Daten einzustellen und macht ältere Einträge leicht auffindbar. Nutzer sollten ihr früheres Leben rechtzeitig auf den neuesten Stand bringen.

Ob der freundliche Schreibtischtäter im Auftrag der DPA, der diese Zeilen geschrieben hat, wohl vor dem Abschicken keine Zeit oder Lust mehr hatte, einmal seinen tollen Text querzulesen, oder ob es ihm völlig egal ist, was für ein sinnentleertes Gestammel er da produziert: „Nutzer sollten ihr früheres Leben rechtzeitig auf den neuesten Stand bringen“…


Acta soll Urheberrecht international durchsetzen

Internet
Darum geht’s:Acta soll Urheberrecht international durchsetzen

Das Anti-Counterfeiting Trade Agreement (Acta) ist ein internationaler Handelspakt mit dem Ziel, Urheberrechte auch international durchzusetzen. Das Abkommen gegen Produkt-Piraterie ergänzt das TRIPS-Abkommen von 1994 im Rahmen der Welthandelsorganisation (WTO).

Der Acta-Vertrag geht auf eine Initiative der USA und Japans aus dem Jahr 2006 zurück. Kritiker sehen in dem Abkommen eine Einschränkung von Freiheitsrechten im Internet. Viele User haben zum Beispiel die Sorge, dass sie nicht mehr so leicht Filme oder Musik aus dem Internet herunterladen können, dass ihre Daten dabei an Dritte weitergegeben werden oder dass sie saftige Strafen zahlen müssen.

Focus Online — Darum geht’s: Acta soll Urheberrecht international durchsetzen
Diese Meldung wurde von der DPA übernommen

Kommentar

Nein, Focus Online, nein, DPA, es geht nicht darum, „dass man nicht mehr so leicht Filme oder Musik aus dem Internet herunterladen“ kann, wie ihr es hier schambefreit schreibt, um eure Leser so richtig für dumm zu verkaufen. Es geht darum, dass unter den Bedingungen des gnadenlos unscharf formulierten ACTA-Abkommens die Zugangsprovider für eventuelle Urheberrechtsverstöße der Nutzer haftbar gemacht werden könnten. Die einzige halbwegs sichere Vorgehensweise für Zugangsprovider wäre es in solcher Situation, den gesamten Netzverkehr zu überwachen und in einer für Nutzer nicht nachvollziehbaren Weise scheinbare und wirkliche Urheberrechtsverletzungen zu unterdrücken.

Nehmen wir nur mal ein Beispiel, Focus Online und DPA. Ich habe eure sehr durchschaubare Propaganda mit einer vorsätzlich falschen und verunglimpfenden, da kriminalisierenden Behauptung hier im Alarmknopf zitiert. Das ist bereits eine Urheberrechtsverletzung. Die Dokumentation dieser… sorry… unsäglichen Lügenpropagandaschmiererei durch eine Contentindustrie, der durch den Verlust ihres Oligopols auf eine Infrastruktur zur Anfertigung von Kopien ihr Geschäftsmodell dahinschwindet, ist allerdings ohne Zitate nicht möglich. Das hier eingangs wiedergegebene Zitat einer DPA-Meldung könnte also bereits dazu führen, dass diese Website von Zugangsprovidern vorauseilend unsichtbar gemacht wird. Welche Auswirkungen ein solches Verschwinden von Inhalten auf die Möglichkeiten zur Meinungsbildung und damit zur politischen Willensbildung hat, brauche ich hoffentlich nicht weiter auszuführen.

Mag man eingestehen, dass Zitate in einem gewissen Rahmen noch möglich sein sollen, so geht es aber gleich weiter. Ein Zitat, dass ich nicht mit einer Quellenangabe belegen kann, ist wertlos. Ich könnte mir das Zitat genausogut einfach ausdenken. Beim Belegen von Druckwerken habe die bibliographischen Angaben zur Verfügung, die die verwendete Quelle so genau wie möglich dokumentieren. Im Web bliebe mir nur der Hyperlink auf eine Resource, die außerhalb meiner eigenen redaktionellen Verantwortung liegt und sowohl verändert werden kann als auch völlig verschwinden kann. Die Erfahrung lehrt mich dabei, dass gerade auf den Websites der Contentindustrie (TV-Sender, Zeitschriften und Zeitungen) Inhalte ohne Hinweis nachträglich geändert oder auch einmal völlig entfernt werden, so dass die Verwendung eines Zitates aus solcher Quelle erfordert, dass ich die Quelle archiviere. Ich verwende hier zu diesem Zweck WebCite, ein Archivierungsdienst, der nicht nur mir den Beleg eines Zitates gestattet, sondern zum Beispiel wissenschaftliches Arbeiten mit Internetquellen überhaupt erst ermöglicht. Nun ist das Angebot von WebCite — im Lichte des gegenwärtigen Rechtes betrachtet — eine reine Urheberrechtsverletzung; es wird eine Kopie eines im Web veröffentlichten Werkes angelegt, dauerhaft archiviert und im Web zur Verfügung gestellt.

Dieser in EU-Fischereiausschuss klandestin beschlossene Irrsinn namens ACTA könnte leicht zur Folge haben, dass Dienste wie WebCite gesperrt werden. Sowohl wissenschaftliche Arbeiten als auch allgemeine Dokumentationen könnten dann ihre Zitate aus Webresourcen nicht länger zuverlässig mit Quellen belegen. Es könnte also — und das ist nur ein einziges Beispiel — dazu kommen, dass wissenschaftliche Arbeiten und allgemeine Dokumentationen sich nicht mehr des riesigen Inhaltsschatzes aus dem Internet bedienen können. Eine riesige Sammlung von kollektivem Wissen würde aus dem ernsthaften Diskurs verschwinden. Und das nur, weil die Lobbyisten der Contentindustrie mit recht künstlichen Regulierungen des Internet einen längst technisch überwundenen Zustand mit gesetzgeberischer Gewalt wiederherstellen wollen, in dem eine kleine gesellschaftliche Minderheit über die Produktionsmittel zur Anfertigung von Kopien verfügt.

Welche gesellschaftlichen Folgen diese Fortschrittsverhinderung haben kann, ist an diesem kleinen Beispiel hoffentlich deutlich geworden.

Das Herunterladen von Filmen und Musik freilich, das Nutzen der billigen und allgegenwärtig gewordenen technischen Möglichkeit zur Anfertigung von Kopien, es wird sich freilich nicht ohne willkürliche, entrechtende, kriminalisierende und fortschrittsverhindernde Gewalt in Form einseitiger und absurder Gesetzgebungsverfahren und/oder internationaler „Abkommen“ unterdrücken lassen — schön an allen Menschen vorbei, denen der Fortschritt der letzten Jahre eine spürbare Verbesserung ihrer Lebens- und Arbeitsbedingungen gewährt hat. Ganz so, als hätte man damals die Kutschenbauer retten wollen, indem man Autos verbietet oder ihre Nutzung so strikt reglementiert, dass es für die Mehrzahl der Menschen einem Verbote gleich kommt.

„Schön“, wie die Contentindustrie mit so durchschaubaren Propagandalügen erkennen lässt, dass sie den Fortschritt hasst und sich in diesem Hass gegen die Menschen stellt, denen sie doch etwas verkaufen will. Damit es auch jeder bemerken kann, und damit auch jeder die richtigen persönlichen Schlüsse daraus ziehen kann.

Nachtrag 27. Februar 11:44 Uhr

Auch RP Online verarscht ihre Leser erklärt ihren Lesern die Motive der Demonstranten:

[…] Die Aktivisten fürchten, dass bei jedem heruntergeladenen Film gleich ihre Daten weitergegeben werden und ihnen saftige Strafen drohen.