Sie reden vom Netz wie Blinde vom Licht

Schrecklich! E-Mails prallen auf das AKW!

Der nächste 11.-September-Anschlag kommt per E-Mail. Deshalb brauchen wir schnellstens mindestens 2000 Cyber-Cops […] Dass Hacker-Terroristen ein AKW zur Explosion bringen [sic!], die Stromversorgung unserer Städte kappen oder Klärwerke stoppen, um die Bevölkerung zu vergiften, sind reale Bedrohungsszenarien

Rainer Wendt, Bundesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft

Kommentar

Ich kann mir nach diesen gnadenlos angstvollen und hirnlosen Worten des Herrn Wendt sehr bildhaft vorstellen, wie die zweitausend „Cyber-Cops“ sich an die Datenleitungen zu den Atomkraftwerken stellen und in jede einzelne Mail mit dem Cyber-Röntgengerät schauen, ob da vielleicht ein Cyber-Bömbchen drin versteckt ist. Todesmutige Cops, die einen ganzen 48-Stunden-Tag lang arbeiten müssen und bei hohem Spamaufkommen auch noch die Nacht hinzunehmen.

Die für normal denkende Menschen (also Leute, die nicht in der Deutschen Polizeigewerkschaft organisiert sind) naheliegende Forderung, dass die Steuersysteme von Kernkraftwerken, Elektrizitätswerken oder Wasserwerken zur Vermeidung eines sachlich völlig unnötigen Angriffsrisikos in keinem Fall und nicht einmal indirekt mit dem Internet verbunden sein dürfen, kann dieser cybersicherheitspolitischen Kompetenzgranate allerdings nicht aufkommen — was wunder, gibt der Herr Wendt sogar zu glauben vor, dass eine E-Mail ein Kernkraftwerk zur Explosion bringen kann. Vermutlich ist er persönlich so gestrickt, dass er erstens unter Microsoft Windows arbeitet und zweitens jeden Tag auf alles klickt, was sich nur anklicken lässt und hat aus dieser Arbeitshaltung schon die eine oder andere persönliche Katastrophe erlebt.

Übrigens klingt eine saudumme „Argumentation“ und eine darin abgeleitete, eben so dumme Idee nicht intelligenter, wenn man Polizeibeamte im Fachbereich Internet krampfjugendlich als „Cybercops“ bezeichnet. Dass es angesichts einer gut organisierten Kriminalität (und angesichts existierender destruktiver Angriffe) im Internet Bedarf für gut ausgestattete, motivierte und geschulte Fachpolizisten gibt, ist nämlich unbestritten. Genau dieser relativ vernünftige Gedanke erstickt allerdings unter der prolldoofen Bildzeitungssprache dieses Großkopferten einer Organisation von Polizeibeamten, die in jeder dürren Worthülse die vollständige Inkompetenz durchblicken lässt.

Nachtrag 21. Februar: Die Stellenausschreibung für die „Cyber-Cops“ durch das BKA — eine großartige Satire, von der ich mir wünschte, sie wirkte absurder. [via Fefes Blog]

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2 Antworten

  1. Bio

    Köstlich!

    Aber. Diese Typen sagen meist auch was sie wirklich wollen.

    „[…]Der Staat darf […] sein Gewaltmonopol nicht gefährden[…]“

    Wenn dir jemand etwas von einer Moral erzählt, dann frage nicht nach der Moral, sondern wer die Ausnahme der Moral bildet.
    Was ist denn ein Gewaltmonopol? Etwa, Gewalt als Selbstverteidigung? Sicherlich nicht, denn dass nennt sich imo Notwehr und das darf jeder, (Bin jetzt zu faul das im GG nachzuschlagen), man nennt es auch das Nicht-Angiffs-Prinzip und darauf gibt es kein Monopol das ist „Free-Wehr“.
    Also. Was meint denn der wirklich?
    Die Frage lasse ich mal offen. Wer frei denken kann und will, der kommt sicherlich selbst drauf 😉

    19. Februar 2013 um 11:51

  2. Pingback: Der Alarmknopf-Jahresrückblick 2013 | Alarmknopf

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