Sie reden vom Netz wie Blinde vom Licht

Mailadresse? 40 Euro monatlich!

Auf der einen Seite hat der Verbraucher den Wunsch nach kostenlosen Diensten, zugeschnittenem Service und innovativem Internet und auf der anderen Seite auch den Wunsch nach einem hohen Datenschutz. Sie schreiben mir Ihre Email wahrscheinlich auch von einem Emaildienst, der Ihnen kostenlos zur Verfügung steht?

Sehr strenge Regelungen für die Werbewirtschaft, die die Einwilligung des Verbrauchers benötigen, können z.B. zu kostenpflichtigen Emailkonten führen. Denn auch wenn es bisher nicht so wahrgenommen wird: Der Verbraucher „zahlt“ kostenfreie Dienste mit der Möglichkeit der Anbieter zur Nutzung seiner Daten. Der Mehrwert werbefinanzierter Dienste wird auf ca. 40,- EUR pro Nutzer und Monat geschätzt. Ob im Gegenzug Nutzer bereit wären, 40,- EUR pro Monat für Online-Dienste zu bezahlen, erscheint mir sehr fraglich. Deshalb sollte man im Interesse des Nutzers einen noch ausgewogeneren Ansatz finden.

Axel Voss, CDU, Abgeordneter im Europäischen Parlament, Mitglied im Ausschuss für Bürgerliche Freiheiten, Justiz und Inneres

Kommentar

Woher der Herr Axel Voss seine absonderlichen Preisvorstellungen für eine nicht werbefinanzierte Mailadresse hat, die ihren Nutzer jeden Monat vierzig Euro kosten soll, ist etwas rätselhaft. Es ist durchaus möglich, einen leistungsfähigen virtuellen Server für einen geringeren monatlichen Preis zu mieten. Wenn es aber einfach nur um eine Mailadresse geht, ist man etwa bei HostEurope [von mir willkürlich ausgewählt] mit einer einmaligen Einrichtungsgebühr von rund 10 Euro und monatlichen Kosten für die verwendete Domain unter einem Euro dabei und hat eine vollwertige, eigene Mailadresse, die nicht den unbegrenzten Datensammelbegehrlichkeiten der Reklameindustrie dient und die selbstverständlich über IMAP, POP3 und SMTP verwendet werden kann, so dass sie mit jedem E-Mail-Programm nutzbar ist. Vermutlich gibt es bei anderen Hosting-Anbietern noch preiswertere Angebote.

Der erschröckliche Betrag, den der Herr Voss da nennt, soll — wenn es sich nicht um blanke Unkenntnis und Inkompetenz handelt, sondern „nur“ um die gewöhnliche politische Lüge — erschrecken und verängstigen, auf dass niemand mehr allzu große Bedenken hat, dass die Reklameindustrie riesige Datensammlungen aus der persönlichen Kommunikation von Menschen anlegt. Wie sehr jemand, der entweder vollkommen unwissend ist oder derart offen lobbygesteuert seine Wähler anlügt, dafür geeignet ist, den gesetzlichen Rahmen des Datenschutzes festzulegen, möge bitte jeder selbst entscheiden.

3 Antworten

  1. Anonymous

    BITTE GENAU LESEN! Wo steht denn im Text von Voss, dass sich die 40 EUR nur auf einen E-Mail-Dienst beziehen? Da steht: „Der Mehrwert werbefinanzierter Dienste wird auf ca. 40,- EUR pro Nutzer und Monat geschätzt.“ Es geht also um ALLE werbefinanzierten, kostenlosen Dienste im Netz. Also neben kostenlosen Mail-Diensten alle kostenlosen Suchmaschinen, Kartendienste, Videoportale, Musikstraeming-Portale, Spiegel-Online und so weiter und so fort…da erscheinen dann 40 EUR monatlich gar nicht mehr so unrealistisch…

    4. April 2013 um 10:54

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