Sie reden vom Netz wie Blinde vom Licht

Aus dem Bildschirmtext ersprungen: Das Internet

Anfang der 80er Jahre wollte der CCC die Möglichkeiten der gerade aufkommenden elektronischen Datennetze kreativ nutzen […] Mit ihrem ersten Coup im Jahr 1984 zeigten sie die Gefahren des Internets: Sie hackten sich in den nationalen Vorläufer des World Wide Web, den Bildschirmtext BTX, und drangen in das System der Hamburger Sparkasse ein

RP Online — Der CCC: Wer dahinter steckt

Kommentar

Um zu erkennen, dass das BTX-Angebot der damaligen Deutschen Bundespost ungefähr so viel mit dem World Wide Web (oder auch nur mit dem Internet) zu tun hat wie ein Kuhfladen mit einer Pizza, hätte es nur eines Recherche-Aufwandes von weniger als fünf Minuten bedurft.

Im Jahre 1984 wurde der Vorläufer des heutigen Internet, das ARPANET, unterteilt in das MILNET für militärische Zwecke und das ARPANET für die Kommunikation von wissenschaftlichen und universitären Einrichtungen. Der zivile Teil des Netzes, der aus dieser Entscheidung hervorging, könnte vielleicht als früher Vorläufer des heutigen Internet betrachet werden, wenn es auch damals nicht wesentlich mehr als tausend Hosts gab, die am Netzwerk teilhatten.

Das so genannte World Wide Web, das die Autorin dieses nicht einmal homöopathisch kompetenzhaltigen Textes wohl auch irgendwie mit dem Internet verwechselt, obwohl es sich nur um einen einzigen Dienst im Internet handelt, war 1984 noch nicht einmal als Idee vorhanden. Diese Idee wurde 1991 erstmals von Tim Berners-Lee mit dem Start des ersten Webservers verwirklicht.

Statt auch nur fünf Minuten zu recherchieren und die Leser einer Online-Publikation mit Wissen über das Internet, seine Technik und seine Geschichte auszustatten, schreibt Jennifer Koch für die RP Online lieber im nur leicht verhohlenen Duktus einer Personality-Boulevard-Schmiererin, „wer hinterm CCC steckt“ — und belegt bei diesem eher unwichtigen Unterfangen so ganz nebenbei, dass dort bei der RP die totale Ahnungslosigkeit an der Tastatur sitzt und professionell Textbausteine zwischen die Werbeblöcke würfelt. Nicht, um Leute zu informieren, sondern nur, weil Leute nicht zur Werbung, sondern zum simulierten Inhalt (so genannter Content) kommen.

Qualitätsjournalismus eben, wie ich ihn immer wieder erleben darf.

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10 Antworten

  1. Bio

    *LOL*

    Und Telegraphen waren die Vorläufer von Web 2.0 – Schließlich konnte man damit seinem Freund in Übersee etwas morsen! 😉

    17. Oktober 2011 um 10:30

  2. Blogqualitätskritisierer

    BTX einen „Vorläufer“ zu nennen, ist nicht nur irgendwie gerade noch zu rechtfertigen (insofern hinkt schonmal der Vergleich zwischen Nahrung und Scheiße), sondern drängt sich geradezu auf. Man denke mal an Online-Banking oder Nachrichten. Technisch ist der Abstand sicher groß, das ist aber nicht der einzige Aspekt, unter dem man zwei Systeme vergleichen kann. Daß es einen gesellschaftlichen Zusammenhang gibt, kann man eben am CCC erkennen, in mancher Hinsicht (zB. Anzahl der Clients) ist BTX dem Internet sicherlich ähnlicher als das frühe Arpanet.

    Ich würde auch ohne Schamgefühl behaupten, daß eine Kutsche Vorläufer eines Autos ist; ein Telegramm Vorläufer einer Email; ein früh-Tertiäres kleines Wuscheltier Vorläufer des Menschen. Das alles beschreibt eine Relation, keine Gleichsetzung.

    Da scheint eine Menge Technik-Arroganz vorhanden zu sein.

    17. Oktober 2011 um 18:05

    • Der raison d’être des Internet ist nicht Online-Banking, nicht die rundfunkartige Distribution oder dergleichen mehr… dafür bedürfte es in der Tat nicht des Internets, fürs Geschäftemachen mit künstlicher verknappter Information hat BTX völlig ausgereicht. Das Internet ist ein Netzwerk von (zumindest prinzipiell) gleichberechtigten Computern, das dazu gemacht ist, Menschen zusammenzubringen.

      Nenn mich arrogant… das gehört dazui… 😉

      17. Oktober 2011 um 18:10

      • Blogqualitätskritisierer

        Gerne nochmal: Niemand behauptet, das BTX und Internet identisch seien. (Nehme ich mal an, der Artikel ist nicht erreichbar.) Damals gab es aber nicht nur Seiten Deutscher Großbanken, sondern zB. auch den CCC.

        Andererseits: Ob die Rechner „zumindest prinzipiell“ gleichberechtigt sind, spielt im Internet eine immer geringere Rolle, zum einen durch die extrem asymetrische Nutzung, zum anderen durch geplante oder bestehende Gesetze. Dienste, die tatsächlich bei BTX nicht möglich wäre, wie zB. Usenet, haben kaum noch Bedeutung. Facebook geht auch mit BTX. (Hm, vielleicht können wir uns darauf einigen, daß BTX ein Vorläufer von Facebook ist…)

        Sorry, ist mir also viel zu technisch gedacht. Wenn Du einen Vergleich der Protokolle meinst, hast Du sicher recht, andernfalls maßlos übertrieben.

        17. Oktober 2011 um 18:38

      • Blogqualitätskritisierer

        Ganz vergessen: Man muß nur die Hauptnutzung vergleichen, dann hat man den Vorläufer schon: Porno!

        17. Oktober 2011 um 18:41

      • …daß BTX ein Vorläufer von Facebook ist

        So betrachtet… möchte ich am liebsten zustimmen. 😉

        Aber das wäre unfair gegenüber BTX, denn BTX war keineswegs eine Vorrichtung zum allumfassenden Usertracken und Datensammeln, sondern ein zentralistisch organisierter Datendienst der Deutschen Post. Und ich will doch nicht BTX gegenüber unfair werden, nur um genüsslich Facebook abzuwatschen. 😉

        17. Oktober 2011 um 18:48

  3. Bio

    BTX ein Vorläufer von Facebook *rofl* – Facebook geht auch mit Lochkarten oder mit Papier und Bleistift – Also das was man allgemein für Facebook hält und nicht die eigentliche Funktionalität (Datamining, Datenhandel etc.).

    Ok. Da ja alles irgendwie vor etwas anderem/neuen war kann auch alles ein Vorläufer von etwas anderem sein, wenn man das so schwammig definiert.

    Und die „Elektrisiermaschine“ ist der Vorläufer aller Digital- Und Analogtechnik die mit (E-)Strom funktioniert.

    Trotzdem BTX hat(te) rein gar nichts mit dem Internet/WWW zu tun, außer eben Datenfernübertragung über ein Medium mit Strom.

    Achso:
    Radio, also Rundfunk im ursprünglichen Sinn über elektromagnetische Welle war der Vorläufer von WLAN – Ich erinnere noch Sendungen im Radio bei denen man Software (meist Spiele) auf Analog-Cassette mitschneiden und diese dann im Heimcomputer nutzen konnte.
    😆

    Und der Akustikkoppler ist ein Vorläufer vom eiFön 😆

    18. Oktober 2011 um 15:04

    • Blogqualitätskritisierer

      „Da ja alles irgendwie vor etwas anderem/neuen war kann auch alles ein Vorläufer von etwas anderem sein, wenn man das so schwammig definiert.“

      Ja kann man, lohnt sich aber nicht. Es lohnt sich aber, wenn man Gemeinsamkeiten und eine Entwicklung ausmachen kann, so wie bei BTX und Internet. Oben stehen schon ein paar Dinge außer DFÜ und Strom, die Du geflissentlich ignorierst.

      Der Akustikkoppler ist natürlich der Vorläufer des DSL-Modems.

      18. Oktober 2011 um 20:24

      • Bio

        Na gut!
        BTX und das Internet haben gravierende Gemeinsamkeiten und da BTX vorher da war, war es der Vorläufer des Internet……

        Ganz klar darf man das was eben NICHT gemeinsam ist, NICHT betrachten!!

        19. Oktober 2011 um 10:25

  4. Bio

    Einen hab ich noch.

    Der Buchdruck mit beweglichen Lettern war der Vorläufer von Copy&Paste 😉 😆

    18. Oktober 2011 um 15:07

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