Sie reden vom Netz wie Blinde vom Licht

Beiträge mit Schlagwort “Focus Online

Magerfalle Internet

Screenshot Focus Online -- Magersucht: Wenn das Internet zur Magerfalle wird -- Es scheint als gäbe es unter den jungen Mädchen heutzutage nur ein Thema: Dünnsein. Viele hungern sich für ihren Traum von der Top-Figur bis an die Grenze des Todes. Blogs im Internet können dazu gefährliche Unterstützung leisten.

Quelle des Screenshots: Internet

Kurzkommentar (sehr gereizt)

Genau, leistungsschutzrechtsgeschützter Qualitätsjournalist, Mädchen hungern sich tot, weil es Blogs im Internet gibt. Mit dem medial transportierten Frauenbild (sowohl im redaktionellen Teil als auch in der Reklame) hat das nichts zu tun — kann ja niemand ahnen, dass die Massenstanze von Glotze und Druckerpresse, die ein halbverhungertes weibliches Schönheitsideal transportiert, irgendwelche Auswirkungen haben könnte. Internet bringt Tod, Qualitätsjournalismus bringt Leben! So weiterschreiben, bis auch der letzte Denkverweigerer bemerkt, was für zynische Unmenschen es sind, die so hirnlos hetzen und wie scheißegal ihnen dabei das von ihnen selbst mitangerichtete Elend ist! Der eine Finger, mit dem der stinkende Zeitgenosse Qualitätsjournalist auf das todbringende Magernetz und seine Blogs zeigt, bewirkt nur, dass vier Finger seiner Hand auf ihn zurückzeigen. Das tolle Symbolbild zum Text, das nichts mit Blogs, aber alles mit dem Bildmaterial der Journaille zu tun hat, macht das nur noch deutlicher.


Soziale Netzwerke vergreisen

Die Nutzer von Sozialen Netzwerken werden laut einer aktuellen Berechnung immer älter.

Auf Facebook liege das sogenannte Medianalter der Nutzer bereits bei 38,7 Jahren, ergab eine Erhebung der Marktforschungsfirma ComScore im Auftrag des Magazins „Focus“. Im Jahr zuvor lag der Wert bei 38,1 Jahren.

DPA-Meldung, zitiert nach Focus Online — Internet: „Focus“: Soziale Netzwerke „vergreisen“

Kommentar

Zunächst einmal eine Erläuterung für die Menschen, die nicht wissen, was ein Median ist. Es handelt sich nicht um den sonst in solchen Zahlenspielen sehr populären Durchschnittswert. Der Median wird ermittelt, indem alle Werte sortiert werden und der Wert aus der Mitte genommen wird¹. Dieser kann je nach Verteilung der Werte mehr oder weniger stark vom vertrauteren Mittelwert abweichen. Warum hier eine Entwicklung mit dem eher unüblichen Median anstelle des allgemein vertrauten (und nicht erwähnten) Mittelwertes „belegt“ wird, bleibt das Geheimnis der Qualitätsjournalisten, die dieses Zahlenspiel als „Beleg“ für eine „Vergreisung“ [!] heranziehen.

Vor einem Jahr lag der Median also bei 38,1 Jahren, und jetzt, wo alle Leute, die vor einem Jahr in die Betrachtung einflossen, ein ganzes Jahr älter geworden sind, liegt dieser Median nicht etwa bei 39,1 Jahren (oder gar noch höher), sondern bei 38,7 Jahren. Und das soll eine „Vergreisung“ sein, obwohl in der Zahl, die das „belegen“ soll, der direkte Beweis dafür steckt, dass eine bedeutende Menge jüngerer Nutzer hinzugekommen sein muss, während die Noch-Mitglieder ganz normal biologisch altern? Faszinierend!

Nun, werte berufsmäßige Lügner beim Focus, wenn ich das sehe, bekomme ich eine Ahnung, warum ihr einen für die meisten Menschen schwer interpretierbaren Wert wie den Median herausgepickt habt, um alles andere (zum Beispiel den Durchschnitt, die Standardabweichung und die Größe der Stichprobe) zu verschweigen und damit eine Überprüfung der Datenbasis eurer Behauptungen völlig unmöglich zu machen. Fakten sind euch nämlich egal. Vermutlich wäre der Mittelwert noch ungeeigneter gewesen, um das zu transportieren, was die Wirklichkeit nicht hergibt: Eine Lügenmeldung, dass das Zeitalter der so genannten „sozialen“ Netzwerke zu Ende geht. Eure Meldung ist Propaganda, geschrieben nur, um eine psychologische Wirkung zu entfalten. Dabei stört es euch nicht, dass der kleine Faktenkrümel, den ihr dazu heranzieht, dieser Propaganda direkt widerspricht. Denn eure Leser haltet ihr für dumm, und ihr werdet alles dafür tun, dass sie dumm bleiben — und ansonsten könnt ihr fest auf den allgemeinen wissenschaftlichen und mathematischen Analphabetismus bauen, den Schule und Presse seit Jahrzehnten sicherstellen.

Die einzigen, die in der BRD vergreist, rückwärtsgewandt und auf dem absteigenden Ast sind, sind die Vertreter des Presseverlagswesens. Das bemerkt man allerdings nicht an irgendwelchen Bullshit-Zahlen, sondern an ihrem Vorgehen, ihrer Propaganda und ihrer verzweifelten politischen Einflussnahme in der Lobby des Reichstages, um das Internet in der BRD zu erwürgen. Koste es, was es wolle.

¹Technische Anmerkung: Eine Sortierung ist zur Ermittlung des Medians nicht erforderlich, es ist vollkommen hinreichend, (zum Beispiel) das Partitionierungsverfahren des Quicksort-Algorithmus geeignet anzuwenden. Der Rechenaufwand ist dabei deutlich kleiner als beim Sortieren, er liegt nicht bei n * log(n), sondern bei log(n).


Dieses SchavanPlag irgendwo im Netze

Nach Einschätzung von „SchavanPlag“ hat die Uni Düsseldorf Annette Schavan völlig zu Recht den erschlichenen Doktorgrad entzogen. Die anonymen Plagiatsjäger dokumentieren in ihrem Blog 131 Verstöße der Bildungsministerin – und das Muster ihres Plagiats.

131 Verstöße aus 45 nicht genannten Quellen auf 97 von 335 Seiten ihrer Doktorarbeit – das sind die Vorwürfe, mit denen sich Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) auseinandersetzen muss. Zitierte die Ministerin nur schlampig, wie viele Studenten in ihren Abschlussarbeiten, oder sind die Fehler, die der Blog „SchavanPlag“ dokumentiert hat, so gravierend, dass hier Absicht am Werke gewesen sein muss?

Focus Online — „SchavanPlag“ dokumentiert Plagiat: Nach diesem Muster erschlich sich Schavan den Doktor

Kurzkommentar

Focus Online bringt breite Zitate aus einer großen Sammlung von plagiatsverdächtigen Fundstellen in Frau Dr. Annette Schavans Dissertation, auf der zweiten Seite sogar einen Screenshot, aber ist zum Setzen eines Links auf seine Quelle nicht imstande.

Ich finde es immer wieder erstaunlich, wie „Qualitätsjournalisten“ eine frei im Web verfügbare Quelle referenzieren und sowohl direkt wie indirekt zitieren (nach Einschätzung von) können, ohne einen Link auf diese Quelle zu setzen. Dieses Blog ist halt irgendwo in diesem Interwebs. Der Eindruck, der durch diese Praxis beim Leser entsteht, ist, dass „Qualitätsjournalisten“ lieber nicht möchten, dass andere ebenfalls ihre Quellen lesen. Dass „Qualitätsjournalisten“ sich lieber wie eine Priesterschaft des Verlagstempels zwischen frei verfügbaren Quellen und ihrer Leserschaft stellen und den Segen des Internet verwalten und vermitteln wollen, um sich dafür bezahlen zu lassen. Ein solcher Eindruck ist tief lächerlich.

Dabei ist gerade SchavanPlag sehr interessant, weil dort zu jeder einzelnen Fundstelle recht präzise dargelegt wird, warum sie als Plagiat betrachtet wird (an einigen Stellen ist diese Betrachtung durchaus fragwürdig); einschließlich einer Gegenüberstellung mit der von Frau Dr. Schavan nicht angegebenen, aber offensichtlich verwendeten Quelle — aus der übrigens in einigen Fällen auch noch die Fehler übernommen wurden. Aus den Umformulierungen der Frau Dr. Schavan, die das Zitat verschleiern und eigene mentale Auseinandersetzung simulieren sollen, ergibt sich verhältnismäßig schnell ein Bild von Absicht und Vorsatz, mit denen Frau Dr. Schavan vorgegangen sein muss, und diese Haltung bei der Simulation wissenschaftlichen Arbeitens lässt einen tiefen Blick in den Charakter eines Menschen zu, der so vorgeht.


CC-Lizenz? Das ist uns „Qualitätsjournalisten“ doch egal

Wie jene „Qualitätsjournalisten“, die ihr „Geistiges Eigentum“ durch ein „Leistungsschutzrecht“ genanntes Standesrecht schützen lassen wollen, ihrerseits mit Immaterialgüterrechten umgehen, ist im Blog „Metronaut“ am Beispiel einer CC-lizenzierten Grafik und ihrer Verwendung auf Zeitungswebsites dokumentiert und zur Lektüre empfohlen. Das Sahnehäubchen darauf ist:

Uns liegen Screenshots der Seiten vor, die wir wegen des Urheberrechts nicht hier zeigen können

So sind die Zustände im „Rechtsfreien Raum“, in dem die sich so bedienenden wirtschaftlichen Unternehmungen in den Dunkelkammern des Reichstages behaupten, durch des Internet enteignet zu werden.


Eltern müssen Kinder nicht abstrafen

Gespräch zwischen „Qualitätsjournalisten“ in der Redaktion von Focus Online:

Mitmensch Großkopf: Wir haben da diese Agenturmeldung von der DPA, dieses viel zu klare Urteil vom Bundesgerichtshof, dass Eltern nicht haftbar sind für Urheberrechtsverstöße von 13jährigen Kindern, wenn sie ihnen vorher klar gemacht haben, dass man keine nicht-lizenzierte Kopien von Musikstücken ziehen darf. Und dass sie die Internetnutzung von so aufgeklärten 13jährigen Kindern auch nicht ständig überwachen müssen, wenn sie keine Anhaltspunkte für Rechtsbrüche durch ihre Kinder haben. Das passt uns gar nicht in unsere redaktionelle Linie der Angstausbreitung und verbalen Kriminalisierung jeder natürlichen Techniknutzung. Aber die Meldung müssen wir natürlich bringen, das halbe Netz twittert darüber. Hat einer von euch eine Idee?

Mitmensch Billigschreib: Die meisten Menschen mit Internet lesen doch nur schnell die Überschriften in Google News oder die Überschrift in Twitter. Und selbst, wenn sie bei uns vorbeischauen, werden die Texte nur quergelesen. Setzen wir doch einfach eine sachlich falsche und völlig irreführende Überschrift darüber, die besser in unsere Linie passt. So eine, aus der man den Kern des Urteils von der Straffreiheit für Eltern, die mit ihren 13jährigen Kindern wie mit vernünftigen Menschen sprechen, beim besten Willen nicht herauslesen kann.

Mitmensch Großkopf: Das ist eine hevorragende Idee. Was schlägst du vor?

Mitmensch Billigschreib: Moment *tackertackertacker*

Screenshot Focus Online -- BGH-Urteil zu illegalem Musiktausch: Filesharing - Eltern müssen Kinder nicht abstrafen

Mitmensch Großkopf: Sehr gut, das nehmen wir!

Dieses Posting kann Spuren von Satire enthalten…