Sie reden vom Netz wie Blinde vom Licht

Wir haben einen Hacker, wir sprechen mit Google

Die Server wurden gehackt, erklärte der Norddeutsche Rundfunk (NDR) zunächst. Ein Unbekannter habe „alle 15.000 Server unter seine Kontrolle gebracht“, sodass sich kein anderer Mitspieler einloggen konnte, um live bei der Sendung mitzuspielen […]

Bis morgen versuchen die Verantwortlichen herauszubekommen, was genau passiert ist. Derzeit sei man „in Gesprächen mit Google“, heißt es beim NDR […]

Inzwischen spricht der NDR nicht mehr von einem „Hacker“ und hat seine Meldung in eigener Sache entsprechend geändert. „Quizduell startet mit technischen Problemen“ heißt es jetzt da, von einem Hacker-Angriff auf 15.000 Server ist nicht mehr die Rede. Auch der Hinweis auf Gespräche mit Google wurde entfernt.

Heise Online — Panne beim TV-Quizduell: „Das ging komplett in die Hose“

Kurzkommentar

So so, einzelner Unbekannter bringt also 15.000 Serverchen „unter seine Kontrolle“, und was da los ist, das muss man „mit Google klären“ — dieses Google ist ja schließlich aus Sicht der TV-Hirnversager des Norddeutschen Rundfunks und ihrer Opfer an den flackernden Volksempfängern der Fernmeldeknotenpunkt für dieses komische Neuland-Telefon mit Facebook, Shopping und Tittitainment-News¹. Vielleicht wären die Leute beim NDR (über den ich generell nichts Gutes zu sagen weiß) gut beraten, bei einer Fernsehsendung mit expliziter Beteiligungsmöglichkeit via Internet auch jemanden ins Studio zu stellen, das was von diesem Interdingsda versteht, statt sich heiter Unfug quasselnd um Kopf und Kragen zu reden und seine baffe Unkenntnis vor einer erheiterten Fernsehöffentlichkeit auszubreiten. Ach, das geht nicht, weil man ja den Pilawa nehmen muss, wegen der marktrelevanten Zielgruppe und vergleichbarem Quatsch… tja, euer Unglück, wenn ihr in eurer monströsen und deutlich überfinanzierten Sendeanstalt niemanden anders habt. Vielleicht dimensioniert ihr das nächste Mal einfach die Server ausreichend für die zu erwartende Last, dann müsst ihr auch nicht spontan irgendwelche Hackermythen erfinden. Ach, dafür braucht ihr Fachleute, also jetzt richtige Fachleute und keine Schwafelingenieure, also Leute, die ihr nicht habt… tja, Unglück, monströs überfinanzierte Sendeanstalt, ich wiederhole mich.

¹Sollten die Anfrage bei Google sinnvoll gewesen sein, weil die „Cloud“-Dienste von Google in Anspruch genommen worden sind, so können sich alle übers Handy wischenden Mitmacher beim Norddeutschen Rundfunk für die Datenlieferung an die NSA bedanken. Gruß auch an Jörg Pilawa, der zum Köder geworden ist, mit dem man die Weltüberwachungs-Datensammlungen der USA für Fernsehzuschauer schmackhaft macht. War es so, dann sage ich nur: Pilawa, du bist Stasi!

Eine Antwort

  1. Pingback: Datenschleuder des tages | Schwerdtfegr (beta)

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