Sie reden vom Netz wie Blinde vom Licht

Das World Wide Web aus dem Jahr 1984

World Wide Web: Infografik zeigt Wachstum seit 1984 -- Gewaltiges Wachstum: Aus 130 Webseiten wurden im Lauf der letzten 20 Jahre über 630 Millionen. -- Das Internet ist heutzutage aus dem Alltagsleben nicht mehr wegzudenken. Allein in sozialen Netzwerken werden pro Minute unvorstellbar große Datenmengen geteilt, produziert und hochgeladen. Kein Wunder - schließlich hat das World Wide Web mittlerweile an die 2,7 Milliarden Nutzer. Das entspricht knapp 39 Prozent der Weltbevölkerung.

Screenshot: Chip Online — World Wide Web: Infografik zeigt Wachstum seit 1984

Ganz kurze Anmerkung

Zumindest in der Fachpresse sollte bekannt sein, was der Unterschied zwischen dem Internet und dem World Wide Web ist — und eigentlich auch, dass in der Zeit zwischen 1984 und 6. August 1991 von einem „Wachstum“ des World Wide Web nicht die Rede sein konnte. Ganz einfach deshalb nicht, weil der erste HTTP-Server am 6. August 1991 gestartet wurde. Davor gab es den beliebten Internet-Dienst World Wide Web nicht. Ein Internet hingegen sehr wohl.

Aber woher soll ein für eine Fachzeitschrift tintenklecksender Qualitätsfachjournalist auch Dinge wissen, die dem Fache entsprechen, über das er schreibt? Hauptsache, es wird schnell Content in das CMS gekloppt, weil sich irgendwo in diesem Webdingens eine tolle englischsprachige Infografik gefunden hat, die man rasch mit Reklame (dem eigentlichen Geschäft der Contentindustrie) umgeben und zum Content machen kann. Egal, was für ein Bullshit dabei herauskommt.

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3 Antworten

  1. Inet Grufti

    Auszug aus dem erwähnten Artikel
    „Doch auch das global beliebteste Medium hat einmal klein angefangen, wie eine spannende Infografik des Blogs WhoIsHostingThis? zeigt. Im Jahr 1984 war das Internet ein Verbund aus knapp 1.000 Hosts, die sich in Universitäten und Laboratorien befanden. Neun Jahre später – sprich zwei Jahre nach der Einführung des World Wide Web – waren ganze 130 Webseiten online abrufbar.“

    Verstehe die Kritik nicht? Ok die Überschrift ist nicht ganz sauber aber das kommt auch anderswo noch viel schlimmer vor…aber wenn man den Text liest ist es genau so dargestellt wie du es richtig beschreibst, oder etwa nicht?

    29. September 2013 um 16:22

    • Es ist ja nicht nur die falsche Überschrift, auch der im Bildschirmfoto mit übernommene Teaser hilft, den falschen Eindruck zu erwecken.

      Tatsächlich ist es so, dass die falsche Gleichsetzung von „Internet“ und „World Wide Web“ schon zu absurden politischen Ideen geführt hat, weil auch deutsche Qualitätspolitiker mit Bundestagszulassung das „World Wide Web“ für das Internet halten. Der Bildzeitung oder irgendwelchen… sorry… Arsch- und Tittenblättern der Marke „Bunte“ ließe ich solche Fehler auch noch durchgehen. Bei einer Publikation, die seriösen, faktenbasierten Journalismus zu betreiben vorgibt, entstünde bei mir ein Eindruck, wie sorgfältig dort recherchiert wird, und dieser Eindruck überträgt sich dann auf die anderen Artikel, wo es um Dinge geht, in denen ich mich nicht auskenne. Einem Blatt, dass sich als Fachzeitschrift verkauft, lasse ich derartig grobe Fehler gar nicht durchgehen, auch wenns nur eine Überschrift ist. Wer vom Wachstum des Web seit 1984 spricht (was übrigens schon diese ziemlich käsige Infografik tut, die „Chip Online“ den Anlass zu diesem Köder für die Reklameeinblendungen gab), der erzählt mir auch einen von der Entwicklung des elektrischen Lichtes seit Erfindung der Fackel und wirft dafür heiter die verschiedensten Begrifflichkeiten durcheinander. 😉

      30. September 2013 um 14:09

  2. Pingback: Der Alarmknopf-Jahresrückblick 2013 | Alarmknopf

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