Sie reden vom Netz wie Blinde vom Licht

Neueste Masche der Internet-Betrüger

Internet-Betrüger versuchen über Internetanzeigen oder Spam-Mails vermeintliche Tätigkeiten als Warenagent, Paketmanager oder Testkäufer zu vermitteln

[…]

Neueste Masche der Internet-Betrüger: „Finanzagenten“ – dabei werden Personen gesucht, die Geldbeträge auf ihrem Konto in Empfang nehmen und weiterverbuchen

Abendzeitung München — Internet-Betrüger — Polizei warnt: Abzocke durch „Paketagenten“
Originalartikel | Die Archivierung mit WebCite wurde leider technisch verhindert.

Kommentar

Die „neueste Masche“ ist das also! Als Internetnutzer habe ich mich ja daran gewöhnt, dass Presse aus einer Aufbereitung der Neuigkeiten von gestern besteht, aber dass eine kriminelle Methode noch nach vielen Jahren als „neueste Masche“ erklärt wird, ist doch ein bisschen… ähm… deppert. Hier ein Link auf ein derartiges „Jobangebot“ aus dem Jahr 2007, und hier zusätzlich noch etwas zum Lachen über das trübe Thema aus dem Jahr 2010. Der älteste Eintrag zu diesem Thema im Wiki des Antispam e.V. stammt aus dem April 2006, was einem Alter von ungefähr drei Erdzeitaltern des Internet entspricht. Wer sich aus anderen Quellen informiert, weiß also schon seit mehr als einem halben Jahrzehnt, was für diese Aktualität simulierenden „Qualitätsjournalisten“ in ihrer hysterischen Pressesprache „die neueste Masche“ ist… und ist auch wesentlich besser informiert über die aktuellen und wirklich neuen Formen der Internet-Kriminalität.

Aber um meinen Spott ein bisschen zurückzunehmen: Wenn man diese Peinlichkeit einmal überliest, ist der Artikel immerhin sachlich zutreffend, was leider keine Selbstverständlichkeit derartiger Berichterstattung ist. Er ist zudem sehr wichtig, weil er mit der Reichweite der Boulevardpresse einer Großstadt die zunehmend verarmenden Menschen erreicht, die in ihrer Situation durchaus anfällig für derartige „Jobangebote“ sein können. Wenn dieser Artikel im Internet auch noch mit einem Link auf die Quelle, eine Presseerklärung des LKA Bayern, versehen worden wäre, die in ihrer Sachlichkeit frei von derartigen qualitätsjournalistischen Peinlichkeiten ist, aber dafür einen weiteren, ganz allgemeinen und doch sehr wichtigen Hinweis gibt…

Als grundsätzlicher Hinweis gilt: Man sollte niemals sein Bankkonto oder seine Postadresse für Geschäftsabwicklungen von Fremden zur Verfügung stellen

…und ein weiterer Link auf offen im Web verfügbare, ausführliche Informationen zu „Jobangeboten“ in Spam-E-Mails gesetzt worden wäre, wäre er sogar richtig gut gewesen.

Wenn der Leser des qualitätsjournalistischen Produktes hingegen Altes als Neuigkeit präsentiert bekommt und die Recherche selbst betreiben muss, ist der Journalismus überflüssig geworden.

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