Sie reden vom Netz wie Blinde vom Licht

Dieses SchavanPlag irgendwo im Netze

Nach Einschätzung von „SchavanPlag“ hat die Uni Düsseldorf Annette Schavan völlig zu Recht den erschlichenen Doktorgrad entzogen. Die anonymen Plagiatsjäger dokumentieren in ihrem Blog 131 Verstöße der Bildungsministerin – und das Muster ihres Plagiats.

131 Verstöße aus 45 nicht genannten Quellen auf 97 von 335 Seiten ihrer Doktorarbeit – das sind die Vorwürfe, mit denen sich Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) auseinandersetzen muss. Zitierte die Ministerin nur schlampig, wie viele Studenten in ihren Abschlussarbeiten, oder sind die Fehler, die der Blog „SchavanPlag“ dokumentiert hat, so gravierend, dass hier Absicht am Werke gewesen sein muss?

Focus Online — „SchavanPlag“ dokumentiert Plagiat: Nach diesem Muster erschlich sich Schavan den Doktor

Kurzkommentar

Focus Online bringt breite Zitate aus einer großen Sammlung von plagiatsverdächtigen Fundstellen in Frau Dr. Annette Schavans Dissertation, auf der zweiten Seite sogar einen Screenshot, aber ist zum Setzen eines Links auf seine Quelle nicht imstande.

Ich finde es immer wieder erstaunlich, wie „Qualitätsjournalisten“ eine frei im Web verfügbare Quelle referenzieren und sowohl direkt wie indirekt zitieren (nach Einschätzung von) können, ohne einen Link auf diese Quelle zu setzen. Dieses Blog ist halt irgendwo in diesem Interwebs. Der Eindruck, der durch diese Praxis beim Leser entsteht, ist, dass „Qualitätsjournalisten“ lieber nicht möchten, dass andere ebenfalls ihre Quellen lesen. Dass „Qualitätsjournalisten“ sich lieber wie eine Priesterschaft des Verlagstempels zwischen frei verfügbaren Quellen und ihrer Leserschaft stellen und den Segen des Internet verwalten und vermitteln wollen, um sich dafür bezahlen zu lassen. Ein solcher Eindruck ist tief lächerlich.

Dabei ist gerade SchavanPlag sehr interessant, weil dort zu jeder einzelnen Fundstelle recht präzise dargelegt wird, warum sie als Plagiat betrachtet wird (an einigen Stellen ist diese Betrachtung durchaus fragwürdig); einschließlich einer Gegenüberstellung mit der von Frau Dr. Schavan nicht angegebenen, aber offensichtlich verwendeten Quelle — aus der übrigens in einigen Fällen auch noch die Fehler übernommen wurden. Aus den Umformulierungen der Frau Dr. Schavan, die das Zitat verschleiern und eigene mentale Auseinandersetzung simulieren sollen, ergibt sich verhältnismäßig schnell ein Bild von Absicht und Vorsatz, mit denen Frau Dr. Schavan vorgegangen sein muss, und diese Haltung bei der Simulation wissenschaftlichen Arbeitens lässt einen tiefen Blick in den Charakter eines Menschen zu, der so vorgeht.

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