Sie reden vom Netz wie Blinde vom Licht

Verweise und Zitate

Die Sprache wird flacher. Ein Großteil der Postings auf Twitter und Facebook sind Verweise und Zitate. Man „verlinkt“ ins Netz und macht darauf aufmerksam, dass etwas anderes da ist. Dieses Zeigen ist nur auf den ersten Blick reines Hinweisen. Tatsächlich belegt hier der Fund den Finder. Dieser untermauert damit, dass er originelle Informationen für seine Gruppenfreunde heranzuschaffen vermag – und somit selbst originell ist. Verweisen ist einfacher, als selbst kluge Gedanken zu entwickeln.

Sueddeutsche.de — Kommunikation im Internet: Internet-Kommunikation ist anfällig für Missverständnisse

Zwei satirische Kommentare

Zum Titel des Artikels: <loriot>Ach!</loriot>

Zur zitierten Textpassage: Die Inhalte werden flacher. Ein Großteil der Artikel in der Tagespresse sind direkte Zitate aus Presseerklärungen und dem NITF-Ticker der großen Nachrichtenagenturen. Die Zeitungen stellen Kopien dieser Texte ins Netz und machen darauf aufmerksam, dass etwas anderes da ist. Dieses Kopieren ist nur auf den ersten Blick reines Hinweisen. Tatsächlich belegt hier die Kopie der Meldung den zum Kopisten gewordenen Zeitungsmacher. Dieser untermauert damit, dass er originelle Informationen für seine Zielgruppe heranzuschaffen vermag — und somit selbst originell ist. Kopieren der Inhalte von Presseerklärungen und Agenturmeldungen ist einfacher, als selbst kluge Gedanken zu entwickeln oder gar journalistisch tätig zu werden.

Aber das Verhalten von (übrigens klar festgestellt: nicht für diese Tätigkeit bezahlten und nicht demnächst durch ein „Leistungsschutzrecht“ genanntes Standesrecht querfinanzierten) Menschen im Web ist ja etwas gaaaanz anderes… meint jedenfalls Herr Graff. Der schließt dann seinen kümmerlichen Versuch mit den Worten:

Diesen Verdacht hegte schon vor Jahren Zachary „Spokker Jones“ Gutierrez, der Autor der Comedy-Website Something Awful. Er schrieb: „In vierzig Jahren, wenn das Netz in einer gigantischen Implosion von Dummheit zusammengebrochen sein wird, möchte ich sagen können: ‚Ja, ich bin dabei gewesen!'“

Der „Qualitätsjournalismus“ in seiner ständigen plumpen Propaganda gegen das Internet wird sich allerdings deutlich vor Ablauf dieser vierzig Jahre in seiner klaffenden Dummheit selbst aufgefressen haben. Auch für Zeitungen gilt im Jahre Frankfurter Rundschau und FTD: Vor dem Aussterben kommt das Ansterben.

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