Sie reden vom Netz wie Blinde vom Licht

Facebook-Terrorismus

„Facebook-Terrorismus“… in welcher „qualitätsjournalistischen“ Redaktion kann man sich so einen tollen Begriff ausdenken?

Bei der Bildzeitung? Klingt plausibel.

Bei der Kronenzeitung? Klingt auch plausibel.

Die Hamburger Morgenpost? Die tz? Die Abendzeitung? Die Hannoversche Neue Presse?

Ja, das sind alles Namen von Zeitungen, in deren Redaktionen Leute sitzen, die beim täglichen Absondern von schlagzeilenträchtigen Alarmwörtern immer wieder herzhaft in die Scheiße greifen und mit der Hand auch noch winken.

Da sind solche Entgleisungen kaum noch der Rede wert. Man weiß, dass Kleptomanen klauen, und man weiß, dass Schundjournalisten mit manipulativer, an Angst und niederer Emotion appellierender Sprache die Seelen der Leser vergewaltigen.

Aber in diesem Fall war es nicht einer der „üblichen Verdächtigen“.

Das Wort „Facebook-Terrorismus“ hat sich nämlich nicht ein „Qualitätsjournalist“ bei einem windigen Boulevard-Blatt ausgedacht, sondern es hat sich ein „Qualitätsjournalist“ bei Spiegel Online ausgedacht:

Facebook-Terrorismus: Uno fordert schärfere Internet-Überwachung

Hoffentlich legen die pösen Facebook-Terroristen jetzt keine Facebook-Bombe in die Redaktion eines nicht mehr ernst zu nehmenden Nachrichtenmagazins, das seine Leser mit solchem Bullshit beglückt.

Quelle des Screenshots: Website eines Verlagsangebotes. Die Hervorhebung durch gelbe Unterlegung ist von mir.

2 Antworten

  1. Skeptiker

    Schonmal daran gedacht, daß das sarkastisch gemeint sein könnte?

    23. Oktober 2012 um 23:13

    • Das ist nicht der Hohlspiegel, sondern der gewöhnliche redaktionelle Teil mit den politischen Meldungen. Das einzige, woran ich bei der Drecksjournaille denke, ist, dass sie für jede noch so fernliegende Nennung eines Markennamens Geld bekommen könnten, wenn nur der Markenname richtig geschrieben ist. Und dann wird eben aus „Terrorismus im Internet“ — es geht darum, dass Sympathisanten und Mitglieder organisierter Mordbanden selbstverständlich das Internet für ihre Kommunikation und wohl auch für die Anwerbung von neuen Idioten nutzen — ein „Facebook-Terrorismus“. Ohne jeden Kontext.

      In diesem Zusammenhang einen Hang zum Sarkasmus zu entwickeln, gehört nicht zur Kultur, die mir beim Spiegel vertraut wäre… 😉

      23. Oktober 2012 um 23:32

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