Sie reden vom Netz wie Blinde vom Licht

FUD¹ des Tages

Lässt sich herausfinden, dass ich einen Stream gesehen habe?

Schwierig zu beantworten. Angeblich arbeiten mehrere Firmen im Auftrag der Film- und Fernsehindustrie hinter verschlossenen Türen an spezieller Software, die genau das können und die so genannte IP-Adresse ermitteln soll. Einzelheiten sind nicht bekannt.

WAZ — Downloads: Das ist bei Internet-Downloads erlaubt und verboten

Kommentar

Damit es zur Übertragung eines Streams (oder beliebiger anderer Daten über das Internet) kommt, muss mein Rechner eine Anfrage an den Rechner im Internet stellen, der den Stream bereitstellt; diese liefert daraufhin die Daten (und ein bisschen Protokollkram) zurück.

Das ist alles. Vor allem: Daran ist zunächst kein Dritter beteiligt, der die IP-Adresse eines Streamempfängers juristisch sicher mitloggen könnte.

Dass über eine bestimmte IP-Adresse ein Stream abgerufen wird, lässt sich also nur feststellen, wenn der Zugangsprovider oder eine vergleichbar zentrale Stelle den gesamten ins Internet gerouteten Netzverkehr für diese IP-Adresse überwacht und auswertet. Eine solche orwellsche Dystopie würde der sich sonst immer sehr „demokratisch“ gebenden Contentindustrie zwar sehr gut gefallen, sie ist aber in Europa zurzeit — zum Glück für uns alle, auch für alle, die das Netz ausschließlich legal zur Kommunikation, zum Wissenserwerb und zur Unterhaltung nutzen — noch nicht zur Wirklichkeit geworden. Eine weitere Möglichkeit wäre die Installation einer Überwachungssoftware auf einem Computer, was für diesen Anwendungsfall ein klarer Verstoß gegen eindeutige Urteile des Bundesverfassungsgerichtes wäre. Natürlich könnte die Inhalteindustrie auch Werbung in Websites schalten, auf denen Streams angeboten werden, um über diesen Umweg an IP-Adressen zu kommen, was aber angesichts der verbreiteten Werbeblocker von begrenztem Nutzen wäre und von jedem aufgeklärten Richter in der Luft zerrissen würde, weil eine ausgelieferte Werbung nicht im geringsten belegt, dass auch der Stream ausgeliefert wurde. Von der Imagewirkung einmal ganz abgesehen, wenn bekannt wird, dass Unternehmen der Contentindustrie über Werbung Websites mit sonst als „Raubkopien“ bezeichneten Inhalten finanzieren…

Die „spezielle Software“, die hier irgendwelche Spezialexperten und „Qualitätsjournalisten“ bei der WAZ als Gerücht durch die verschlossenen Türen herbeiphantasieren, ist also in legaler Form technisch unmöglich. Der ganze Absatz ist reiner, vor Dummheit und Unwissen schreiender Bullshit. Er steht da nur, um bei unkundigen Menschen, die gelegentlich oder häufig nicht-lizenzierte, urheberrechtlich geschützte Inhalte über das Internet genießen, Angst, Unsicherheit und Zweifel zu erwecken. In diesem Zweck ist dieser Absatz ein klares Spiegelbild der Tatsache, dass Unternehmen der Contentindustrie für das Fortbestehen ihres Geschäftsmodells im Internetzeitalter nicht auf Aufklärung, sondern auf Verängstigung der Menschen setzen wollen — und dieser Rückgriff auf nackte Angstausbreitung mag seine Ursache darin haben, dass gerade deutsche Presseverleger nach über einem Jahrzehnt gescheiterter Geschäftsmodelle im Internet genau wissen, dass immer weniger Menschen dazu bereit sind, ihre aus oft recht schäbig aus Agenturmeldungen zusammengeklebten Machwerke mit Geld zu bezahlen.

¹FUD: Abk. für englisch „fear, uncertainty, doubt“, zu Deutsch: „Angst, Unsicherheit, Zweifel“. Eine von PR-Arschlöchern² oft betriebene, psychomanipulative Kommunikationsstrategie, bei der ausgenutzt wird, dass Angst beim Menschen so irrational ist, dass selbst offensichtlich falsche Informationen zu Unsicherheiten führen können, die dann verändertes Verhalten hervorbrignen.

²PR-Arschlöcher: Wer sich dafür bezahlen lässt, dass er andere Menschen zielgerichtet und in manipulativer Absicht belügt, ist ein Arschloch. Jedes feinere Wort, das ich dafür benutzen könnte, wäre eine Lüge.

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