Sie reden vom Netz wie Blinde vom Licht

Kann einer ohne Twitter Kanzler werden?

Dies scheint die wichtigste Frage zu sein, die sich die „Qualitätsjournalisten“ der Bildzeitung in einem klar als politische Propaganda zur nächsten Bundestagswahl erkennbaren Artikel stellen stellen:

Bundestagswahlkampf 2013: Kann ein Internet-Skeptiker Kanzler werden? SPD-Kanzlerkandidat Steinbrück will nicht twittern

Hat der Sozialdemokrat überhaupt eine Chance, wenn er im digitalen Zeitalter mit den Kommunikationskanälen und sozialen Netzwerken im Internet eher fremdelt?

Fakt ist: Steinbrück twittert nicht und machte kürzlich klar: „Es macht keinen Sinn, plötzlich in eine Welt zu treten, in der Sie nicht authentisch auftreten können. Wenn das als geschauspielert empfunden wird, verlieren sie jede Glaubwürdigkeit.“

Zu seiner Internet-Kommunikation sagte er bei einer Podiumsdiskussion laut „Spiegel.de“: „Mir wird von meinen Mitarbeitern geschildert, was dort passiert.“ [Der Link auf die Quelle fehlt auch im Bild.de-Artikel]

Weder um Facebook noch um Google+ kümmert sich Steinbrück selber. „Facebook machen meine Mitarbeiter“, so der SPD-Kanzlerkandidat. Auf Google+ ist er gar nicht vertreten.

Bild.de — Bundestagswahlkampf 2013: Kann ein Internet-Skeptiker Kanzler werden?

Ganz kurz nur

Nicht nur, dass die springersche Bildzeitung offenbar der Meinung ist, dass es für einen Bundeskanzler der BRD eine wesentliche politische Qualifikation sei, immer wieder einmal maximal 140 Zeichen kurze Textbotschaften auf einer kommerziellen Stummeltextsite abzulassen (oder von einem aus professionellen Lügnern bestehenden PR-Stab ablassen zu lassen) — die Bildzeitung stellt sich interessanterweise auch nicht die Frage, ob jemand, der wie Angela Merkel nicht twittere, Bundeskanzler sein kann:

Zu ihren Aktivitäten in sozialen Netzwerken sagte Merkel: “Ich habe ein Facebook-Profil als CDU-Vorsitzende und da auch viele ‚Freunde‘. Diese Seite selbst zu pflegen, sei ihr aber „zeitlich nicht möglich“.

Aber das ist für die tendenziöse Berichterstattung der Bildzeitung wohl etwas sehr anderes und wegen des propagandistischen Zweckes dieses Geschreibsels eben kein Grund, der Frau Kanzler in einer Schlagzeile zu unterstellen, dass sie ein Internet-Muffel und eine Internet-Skeptikerin — also flugs ins Gemeinte und auch Gemeine übertragen: ein rückwärtsgewandter und technikfeindlicher Mensch — sei. Zumal jeder menschlich empfindende Internetnutzer etwas besseres mit seiner begrenzten Aufmerksamkeit anzufangen weiß, als sich von irgendwelchen Werbeheinis vorgetragene politische Reklame in seine Timeline zu holen.

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