Sie reden vom Netz wie Blinde vom Licht

Facebook-Schwurbelweltmeisterschaft (mit Satire)

Zunächst ein längeres Zitat aus Zeit Online, in dem uns Wisschenschaftler darüber aufklären, was Menschen dazu motiviert, Facebook zu benutzen:

Wer einen Ausblick auf die Zukunft [Facebooks] geben will, muss sich mit den Motiven beschäftigen, die Nutzer millionenfach zu einer Anmeldung bewegen. Der Soziologe André Hoever von der Freien Universität Berlin etwa schreibt in einem Essay, Facebook biete den Menschen die Möglichkeit, „in einer sicheren Umgebung als Individuen wahrgenommen zu werden“. Es ist die „Aufwertung der Individualität“, nicht in einer totalen, sondern in einer persönlichen Öffentlichkeit. Hoever betont dabei die Zwanglosigkeit des Sich-Mitteilens und Kommentierens.

Thorsten Benkel von der Goethe Universität Frankfurt¹ spricht von einer „Lesbarkeit des Lebens in selektiven Bildern“, allerdings ohne einen „wahrheitsversessenen Dokumentationsanspruch“. Mit dem eigenen Profil lasse sich eine kreative Ich-Konstruktion ausbuchstabieren. Facebook wurde deshalb so groß, weil es die Möglichkeit bietet, das eigene Leben in einem digitalen Raum genau so zu erzählen, wie man gerne möchte. Die Selbstinszenierung sei darauf gepolt, nur das sichtbar zu machen, was vor dem sozialen Umfeld akzeptabel und wünschenswert erscheint. Die Kulturwissenschaftlerin Sherry Turkle erklärte das Prinzip in einem Interview so: „Ich teile mich mit, also bin ich.“ Allerdings gelte dabei auch: Ich will die Kontrolle darüber haben, was ich preisgebe.

Nun wissen wir ja dank dieser großen Einsichten alle viel genauer, was die Menschen zu Facebook treibt. Und nun eine hochwissenschaftliche Untersuchung des Alarmknopfes zu den Motiven, welche Menschen dazu bringen, in eine Kneipe zu gehen — wer Satire darin findet, darf sie behalten:

Wer einen Ausblick auf die Zukunft der Gastwirtschaft mit Bierausschank geben will, muss sich mit den Motiven beschäftigten, die Kneipengänger immer wieder zum Gang in die Kneipe bewegen. Der Soziologie Hoedre Ander von der Freibier-Universität Berlin etwa schreibt in einem schlechten Versuch, die Kneipe biete den Menschen die Möglichkeit, „in einer vertrauten Umgebung als Individuen wahrgenommen zu werden“. Es ist diese „Aufwertung der Individualität“, nicht in einer totalen, sondern in einer bierselig-persönlichen Öffentlichkeit. Ander betont dabei die Zwanglosigkeit des Sich-Mitteilens und Kommentierens am Tresen.

Borsten Thenken von der Gülle-Universität Frankfurt spricht von einer „Erkennbarkeit des Lebens in einem selektiven Ausschnitt“, allerdings ganz ohne „wahrheitsversessenen Dokumentationsanspruch“ bei den Tresen- und Stammtischgesprächen. Mit dem regelmäßigen Kneipenbesuch lasse sich eine mehr oder minder kreative Ich-Konstruktion enumerieren, anzählen und in sonstige Symbolketten transformieren. Die Kneipe wird deshalb so bedeutsam, weil sie die Möglichkeit bietet, das eigene Leben in einem meist dunklen Raum so zu erzählen, wie man es gerne erzählen möchte. Die Selbstinszenierung sei darauf gepolt, nur das sichtbar zu machen, was vor den anderen Kneipengängern akzeptabel und wünschenswert erscheint. Die Kulturwissenschaftlerin Sherry Taumel erklärte dieses Prinzip in einem Interview so: „Ich teile mich am Tresen mit, also bin ich“. Allerdings gelte dabei auch: Ich will die Kontrolle darüber haben, was ich preisgebe — und wie ich hinterher nach Hause zurückkomme.

Abschließend

Mein besonderer Dank geht an die „Qualitätsjournalisten“ von Zeit Online, die diesen großartigen Schwurbeltext ins Internet gestellt haben. Er erinnert mit gebieterischem Drang an gewisse Gedichte, in denen jemand so von einer Rose spricht, dass dabei in jedem Worte klar wird, wie frei von jeder Erfahrung einer Rose sein versförmiges Gelaber ist.

¹Die Deppen Leer Zeichen sind aus dem Original.

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3 Antworten

  1. flatter

    Es heißt „Kneipenbeusch“, nicht „Kneipenbeuch“ !!1!

    25. August 2012 um 20:55

    • Ich hätte ja Lust, das als Nichtqualitätsjournalist so stehen zu lassen, aber ich korrigiere den kleinen Vertipper gleich. Danke für den Hinweis… 😉

      26. August 2012 um 11:16

  2. Der Soziologe André (W)hoever …

    … welch treffender Name, rofl

    10. September 2012 um 16:02

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