Sie reden vom Netz wie Blinde vom Licht

Anlasslose Totalüberwachung wegen @PiratenOnline

In einem Gespräch mit unserer Zeitung kritisierte Friedrich: „Der Fall Özil zeigt nur die Spitze des Eisbergs.“ Die Verwahrlosung der Umgangsformen im Internet sei „erschreckend“. Skeptisch äußerte er sich über die Chance, Twitter-Täter [Bingo!] zu stellen. „Es gibt grundsätzlich Möglichkeiten, da die Täter im Netz Spuren hinterlassen. In vielen Fällen ist die Fahndung aber mangels Vorratsdatenspeicherung derzeit nicht Erfolg versprechend“, sagte der Minister.

Osnabrücker Zeitung — Solidarität echter Fans gefordert — Innenminister: Özil-Hetze ist widerwärtig

Kommentar

Das sind also nach Meinung des Herrn Bundesinnenministers die „schweren Straftaten“, um deretwillen das Kommunikationsverhalten aller Menschen in der Bundesrepublik Deutschland permanent und anlasslos überwacht werden soll: Rassistisch motivierte Beleidigungen gegen einen türkischstämmigen Spieler in der DFB-Auswahl. Mit welcher lächerlichen Behändigkeit sich dieser Fürsprecher einer Totalüberwachung auch auf jedes Thema stürzt, wenn da nur ein bisschen emotionaler Power dranhängt — und sei es Fußball! Eine ganz schlimme „Verwahrlosung der Umgangsformen im Netz“ diktiert dieses Arschloch (ich darf doch mal meine verwahrlosten Umgangsformen offenbaren) in das Journalistenmikrofon, ganz so, als sei er noch niemals einer Horde von „Fußballfans“ begegnet, die offen und von Polizisten aus der BRD beschützt menschenverachtende und auch immer wieder rassistische Parolen in die Welt brüllen. Oder sind das für Herr Friedrich etwa weniger erschreckende Umgangsformen?

Die Umgangsformen, die Herr Friedrich scheinbar nicht bemerkt hat und die ihm offenbar auch niemand von seinem Zuarbeiterstab mitteilte, konnten hingegen viele auf Twitter wahrnehmen, die irgendwie mit diesem Idioten konfrontiert wurden, der sich @PiratenOnline nannte, obwohl er mit der gleichnamigen Partei (nach Aussagen aus der Piratenpartei) nichts zu tun hat. Immer wieder wurde der im Ton völlig inakzeptable Missbrauch des Twitterkontos zur Verunglimpfung von Türken und gleichzeitig der Piratenpartei von Twitter-Nutzern an Twitter gemeldet, so dass es sich für diesen Schwachkopf ganz schnell „ausgezwitischert“ hatte, weil sein Account gesperrt wurde. Hätte es sich hingegen um einen „Fußballfan“ außerhalb des Internet gehandelt, dann hätte er sogar noch Polizeischutz für sein rassistisches Gebrüll bekommen, damit er auch ja kein negatives soziales Feedback von Betroffenen seiner Stammtischagitation erhält.

Was Herr Friedrich in seinem Idiotengelaber in ein Journaillemikrofon nicht erklärt, ist, wieso es im Privatrecht immer wieder möglich ist, Zugriff auf Logfiles zu erhalten und einen Anschlussinhaber zu ermitteln, um ihn kostenpflichtig abzumahnen, während das für die Strafverfolger gar nicht möglich sein soll.

Dank auch an die „Osnabrücker Zeitung“, die eine dermaßen schwachsinnige und plumpe Argumentation ohne jede Relativierung und frei von jeder Hintergrundinformation abdruckt. Damit auch jeder bemerke, was die Journaille unter „politischer Meinungsbildung“ versteht.

Satirische Zusammenfassung der politischen Agitation

„Wer gegen Vorratsdatenspeicherung ist, hilft Kinderschändern“ — merde!, hat nicht geklappt.

„Wer gegen Vorratsdatenspeicherung ist, ist ein Nazi“ — merde!, das klappt auch nicht.

Na gut, dann mache ich eben den dritten Versuch: „Wer gegen Vorratsdatenspeicherung ist, der ist ein Nazi und gegen Fußball“…

Fußnotenhafter Hinweis an Fußballfans

Ich bitte Fußballfans um Beachtung, dass ich „Fußballfan“ in Anführungszeichen gesetzt habe. Die meisten von euch werden wissen, was ich meine und was ich nicht meine. Wer sich trotzdem ungerecht behandelt und als Angehöriger einer Gruppe verunglimpft fühlt, kann daran vielleicht nachfühlen, wie es Nutzern und Gestaltern des Internet unter der laufenden Agitation aus Glotze, Journaille und Politik jeden Tag ergeht. Die Tweets habe ich nur aus dokumentarischen Gründen verlinkt, und sie klingen wie das dumme Geprolle eines pubertären Jungen, beinahe harmlos, wenn ich sie mit dem vergleiche, was mir von „Fußballfans“ manchmal in die wehrlosen Ohren gebrüllt wird.

Nachtrag

Weiterlesen im Lawblog.

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2 Antworten

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  2. Pingback: Die daten werden niemals verwendet! | Schwerdtfegr (beta)

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