Sie reden vom Netz wie Blinde vom Licht

Angebliche Unwissenheit

Berlin (dpa/tmn) – Dumm stellen nützt nichts: Seiten wie kino.to sind offensichtlich rechtswidrig. Und wer im Internet illegal Filme oder Songs runterlädt, kann nicht so tun, als habe er das nicht gewusst.

Angebliche Unwissenheit schützt vor Strafe nicht – das gilt auch im Falle illegal heruntergeladener Dateien aus dem Internet. Denn die Justiz sagt: Bei bestimmten Webseiten muss Verbrauchern vorher klar sein, dass es sich um eine offensichtlich rechtswidrige Quelle handelt.

Sueddeutsche.de — Internet — Computer: Raubkopien aus dem Netz — Unwissenheit ist keine Ausrede

Ganz kurz nur, DPA und Süddeutsche

„Angebliches“ Unwissen ist im Falle des Streamings ein ganz schön vorsätzlich kriminalisierendes Wort.

Ich biete euch Zeitungsschmierern ein Experiment an: Macht mal eine Umfrage in eurer eigenen Redaktion, in der ja lauter gut ausgebildete „Qualitätsjornalisten“ sitzen, die sich demnächst durch das standesdünkelhafte Unrecht eines Leistungsschutzrechtes mit einer absurden Internetsteuer subventionieren lassen wollen! Lasst jeden eurer „Qualitätsjournalisten“ ein YouTube-Video schauen und fragt ihn anschließend, ob er etwas heruntergeladen hat! Und dann werft den vielen Menschen, die ihre technischen Kenntnisse vor allem aus Meldungen der Süddeutschen Zeitung und aus dem NITF-Stream der DPA haben mal schön — und nach diesem einfachen Experiment: wider besseres Wissen — vor, dass sie nur „angeblich“ unwissend sind — nur, weil sie noch nicht einmal wissen, wo denn jetzt das heruntergeladene Flash- oder MP4-Video auf ihrer Platte liegt. Ach, das weiß bei euch bei der Süddeutschen Zeitung kein einziger? Na dann…

Genau das ist nämlich das Problem bei der Beurteilung des Streamings. Es kommt aus Nutzersicht zu keinem Download. Dass technisch sehr wohl ein Download stattfindet, setzt bereits ein Verständnis voraus, das über das Wissen der meisten Anwender hinaus gehen wird — leider. Wenn sie jetzt diese Seite lesen, ist ihnen auch nicht in dem Maße klar, dass es sich um einen Download handelt, wie es ihnen klar wird, wenn sie diese Seite speichern, in einem Dateiauswahldialog einen Ordner im Dateisystem auswählen und diese Seite unter einem bestimmten Dateinamen ablegen. Dennoch befindet sich eine Kopie dieser Seite im Cache ihres Browsers — und sie fänden es sicher sehr deplatziert, wenn in diesem Zusammenhang von einer „angeblichen Unwissenheit“ die Rede wäre, einhergehend mit dem Vorwurf aus der Überschrift, dass eine „Raubkopie“ angefertigt wurde und mit einer in der Luft hängenden Drohung juristischer Konsequenzen. Der Ablauf beim Streaming ist bestechend ähnlich.

Wahr ist allerdings, dass jedem Menschen mit normaler Lebenserfahrung durch bloßes Hinschauen klar sein muss, dass Anbieter der Geschmacksrichtung kino (punkt) to illegal sind. Das macht aber niemanden zu einem „Raubkopierer“, auch nicht, wenn er mit seiner gar nicht „angeblichen“ Unwissenheit ein derartiges Angebot nutzt. Ob es sich beim Streaming um die Anfertigung einer Kopie im Sinne des Urheberrechts handelt, ist eine Frage, über die noch so mancher staubtrockene juristische Text verfasst werden wird — mit zurzeit eher offenem Ergebnis. Kriminalisierende Hirnfick- und Propagandaworte der Contentindustrie wie dieses unsägliche und in jeder Hinsicht falsche¹ Wort „Raubkopie“ werden darin allerdings nicht vorkommen.

¹Warum in jeder Hinsicht falsch? Was ich darüber schon geschrieben habe, will ich hier nicht in seiner ganzen Breite wiederholen.

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