Sie reden vom Netz wie Blinde vom Licht

Gestohlen? Verschwunden?

Die beiden US-Unternehmen [LinkedIn und eHarmony, meine Anmerkung] bestätigten am Mittwochabend einen millionenfachen Diebstahl von Passwörtern. Sicherheitsexperten raten den Nutzern zur sofortigen Änderung ihrer Zugangsdaten.

Welt Online — Internet: Hacker greifen soziale Netzwerke LinkedIn und eHarmony an

Gar nicht korinthenkackerischer Kurzkommentar

Nein, „Welt Online“ (und alle anderen Produkte von „Qualitätsjournalisten“), die Passwörter wurden nicht gestohlen. Das lässt sich allein daran erkennen, dass diese Passwörter weiterhin in den Datenbanken von LinkedIn und eHarmony existieren, dass es also nicht zur Wegnahme einer fremden beweglichen Sache kam. Die Passwörter wurden mutmaßlich nach Ausnutzung einer angreifbaren Programmierung kopiert und sind so in die Hände von Kriminellen gelangt. Sie erfüllen nun nicht mehr ihren Zweck, einen Menschen gegenüber einer Webanwendung zuverlässig zu authentifizieren und ermöglichen es Verbrechern, im Namen anderer Menschen aufzutreten. Mit Diebstahl hat das gar nichts zu tun, es ist ein fundamental anderer Vorgang, der übrigens auch juristisch völlig anders betrachtet wird (etwa nach §202a oder §202b StGB).

Es wäre auch für die Nutzer „qualitätsjournalistischer“ Produkte mit geringer Neigung, sich selbstständig aus offenen Quellen im Internet zu informieren, sehr hilfreich, wenn sie auch in Internetangelegenheiten seriös und korrekt über Sachverhalte aufgeklärt würden — zumal das erst einen Beitrag zu einer sinnvollen politischen Willensbildung in Fragen der Behandlung von Interneterscheinungen schafft. Dass es für den Teaser einer solchen Meldung eines knackigen, kurzen Wortes an Stelle einer langatmigen, aber juristisch korrekten Ausdrucksweise bedarf, sehe ich ein. Aber dass das Verb „stehlen“ ein in jeder Hinsicht falsches Wort ist, solltet ihr einsehen. Endlich einsehen. Und auf Grundlage dieser Einsicht schreiben.

Und bevor jemand glaubt, ich sei hier einseitig: Nein, bei Heise Online…

Passwortdiebstahl auch bei Last.fm

…wird — wider besseres technisches Wissen — genau die gleiche hirnverkäste Ausdrucksweise verwendet. Aber das ist nichts gegen den vollständigen Denkverzicht Golems beim Vermelden…

…dass die Daten von last.fm „verschwunden“ seien. Diese ist eines ganz dicken Blindfisches würdig. Willkommen im Aquarium, Golem! Wenn ihr euch da unbehaglich fühlt, dann lasst Artikel für eure „IT-News für Profis“ bitte fortan auch von Profis schreiben und nicht von Idioten.

Eine Antwort

  1. Pingback: Der Datenklau, der Datenklau! « Alarmknopf

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