Sie reden vom Netz wie Blinde vom Licht

Das Medienkonzentrationsrecht

Mit Sorge sehe der einstige Medienpolitiker die Marktmacht, die Online-Konzerne mit dem Gang an die Börsen erlangt hätten. Im Zeitalter des Internets bräuchte es „mehr koordinierte europäische Technologiepolitik“, aber auch eine Regulierung in Deutschland. „Denken Sie an Google mit seinem Dienst Youtube“, sagte Stoiber. „Müssten wir da nicht das Medienkonzentrationsrecht verändern?“

Welt Online: Internet — „Viele Politiker verstehen das Internet nicht“

Anmerkung

So zitiert die Online-Ausgabe der springerschen „Welt“ die Bedenken des ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber (CSU). Zum Beitrag mit diesem Zitat bettet die Online-Ausgabe der springerschen „Welt“ zehn verschiedene JavaScript-Fetzen großer Internetkonzerne ein, die zur Verfügung gestellt werden, um Benutzer zu tracken und große Datensammlungen über das Verhalten der Menschen im Web anzulegen, nämlich:

  1. Ein JavaScript-Schnippsel des dänischen Reklamevermarkters Emediate Ad Serving Solutions
  2. Ein JavaScript-Schnippsel für den Login mithilfe von Facebook
  3. Ein JavaScript-Schnippsel mit den so genannten „social plugins“ von Facebook
  4. Ein JavaScript-Schnippsel für die „Pluseins“-Funktion von Google
  5. Ein JavaScript-Schnippsel von Googles Reklamedienst „AdSense“
  6. Ein JavaScript-Schnippsel von Googles Webstatistikdienst „Analytics“
  7. Ein JavaScript-Schnippsel des Webstatistikdienstes „INFOnline“
  8. Ein JavaScript-Schnippsel des springerschen Reklamevermarkters „Smart Ad Server“
  9. Ein JavaScript-Schnippsel von Twitter zur Einbettung eines so genannten „Twitter-Buttons“, der natürlich kein einfacher Button ist
  10. Ein JavaScript-Schnippsel des Webstatistikdienstes „Webtrekk“

Desweiteren ist der Artikel angereichert um JavaScript-Schnippsel des deutschen Reklamevermarkters „Plista“, der allerdings anonymisierte Daten sammelt und natürlich um den in der Journaille unvermeidlichen Zählpixel der VG Wort.

Ich halte mich nicht damit zurück, Edmund Stoiber dafür zu loben, dass er durchaus vernünftig über die Erscheinungen des heutigen Internet spricht und schaue dafür auch gern über kleine Ungenauigkeiten in den Zitaten des Artikels hinweg (er ist schließlich Politiker, kein Techniker), wenn ich auch zu völlig anderen Schlüssen als Herr Stoiber komme. Aber dadurch, wie seine Bedenken bezüglich der neuen Medienkonzentration von der Journaille technisch präsentiert werden, entsteht schon eine äußerst komische Realsatire.

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