Sie reden vom Netz wie Blinde vom Licht

WeBullshit mit Hokospokus

Die Nachhaltigkeitsbewertungen bei WeGreen beruhen auf mathematischen Algorithmen, die sich aus Unternehmens- und Produktbewertungen sowie einer Siegel-Datenbank zusammensetzen. Die Unternehmensbewertungen stammen dabei von 20 unabhängigen Partnern. Die Siegel-Datenbank ist von WeGreen recherchiert und beinhaltet beispielsweise das Bio-, FCS- oder Demeter-Siegel. Nutzer haben zudem die Möglichkeit, die Nachhaltigkeit selbst zu bewerten.

Sueddeutsche.de, Umwelt-Internet — Websuche mit Ökofaktor: „Grüne Suchmaschine“ WeGreen

Hinweisschild an einem Feld, auf dem Demeter-Produkte hergestellt werdenGanz kurz nur…

…zu einem von der DPA übernommenen Artikel für eine neue Nischensuchmaschine, der sich übrigens in seiner gesamten Länge wie ein einziger verdammter Reklametext liest: Dass die Bewertungen einer Suchmaschine — wie übrigens auch jeder andere Output eines Computerprogrammes — auf der Grundlage von Algorithmen zustandekommen, wird kein bisschen aussagekräftiger dadurch, dass man in pseudowisschenschaftlicher „Exaktheit“ das Adjektiv „mathematisch“ davor setzt. Rechenvorgänge sind nun einmal auch etwas Mathematisches, was vermutlich jeder aufgeweckte Zehnjährige aus seiner bisherigen Lebenserfahrung heraus bestätigen könnte… :mrgreen:

DPA-„Qualitätsjournalisten“ scheinen nicht über so viel Lebenserfahrung zu verfügen.

Aber es war genau dieses blähwütige Pseudowissenschafteln in diesem von der DPA verbreiteten und von der Website der Süddeutschen Zeitung unkritisch als „Qualitätsjournalismus“ übernommenen Reklametext (und oh Wunder: Sogar mit Linksetzung auf die „grüne Suchmaschine“ — bei anderen Internet-Themen gibts doch sonst auch keine Links und keine derart offenbaren Reklametexte), das mich ein wenig kritischer beim Lesen machte. Mit so geschärftem Sinn wurde ich auch noch im gleichen Absatz fündig.

Der unter anderem zur Bewertung herangezogene Markenname „Demeter“ wird nicht etwa ganz allgemein für „Nachhaltigkeit“ (auch so ein Wort, das ohne weitere Erläuterung auf dem Brackwasser der Beliebigkeit dahindümpelt) in der landwirtschaftlichen Produktion vergeben, sondern für die so genannte „biologisch-dynamische Landwirtschaft“ nach den Prinzipien der Anthroposophie Rudolf Steiners. Diese ist in erster Linie ein abergläubisches, astrologienahes und magisches Verfahren, das nur in seinen Randbereichen eine gewisse Überschneidung mit späteren Ideen der nachhaltigen ökologischen Landwirtschaft hat.

Um klar zu machen, was Produkte der Marke „Demeter“ für ein teuer verkaufter Bullshit sind, möchte und kann ich nicht eine vollständige Beschreibung der anthroposophischen Hintergrundes mit der Betonung so genannter „planetarischer Einflüsse“ auf das Pflanzenwachstum geben — diese möge sich der geneigte Leser mit der Suchmaschine seiner Wahl aus beliebiger Quelle holen — sondern nur ein einziges Zitat Rudolf Steiners zur in der so genannten „biologisch-dynamischen Landwirtschaft“ heute noch gepflegten magischen Praxis des Vergrabens eines mit Mist gefüllten Kuhhornes auf dem Felde geben (so genannter „Hornmist“):

[…] so daß wir also im Mist vor uns haben etwas, was ätherisch und astralisch ist. Dadurch wirkt es schon belebend und auch astralisierend auf den Erdboden, im Erdigen. Nehmen wir Dünger […] stopfen wir damit ein Kuhhorn aus und geben wir […] das Kuhhorn in die Erde […] Dadurch daß das Kuhhorn äußerlich von der Erde umgeben ist, strahlen alle Strahlen in seine innere Höhlung hinein […] und man bekommt dadurch eine außerordentlich konzentrierte, belebende Düngungskraft in dem Inhalte des Kuhhorns […] Da ist eine ungeheure Kraft darin an Astralischem und an Ätherischem

Rudolf Steiner, 4. Vortrag „Kräfte und Substanzen, die in das Geistige hineingehen: Die Düngungsfrage“, in: Geisteswissenschaftliche Grundlagen zum Gedeihen der Landwirtschaft, S. 99

Da helfen auch alle Beteuerungen nicht, dass der Algorithmus von „WeGreen“ ja „mathematisch“ sei; es gilt auch dort das ganz einfache Grundprinzip der Datenverarbeitung: Wenn der Input reiner Hokuspokus ist, dann hat der Output auch keine Beziehung zur Wirklichkeit.

Ich weiß natürlich nicht — denn eigentlich sollten ja Journalisten für mich recherchieren und mir Fakten zur Verfügung stellen, damit ich mir eine Meinung daran bilden kann — ob die anderen Kriterien zur Quantifizierung der „Nachhaltigkeit“ besser geeignet sind, und der DPA-Text ist auch recht allgemein gehalten und schweigt sich über Einzelheiten aus; aber mein Glaube an eine vernünftige ökologische Bewertung in der so von der DPA beworbenen Suchmaschine „WeGreen“ ist auch schon mit dem Wenigen zerstört, was ich auf dem ersten, gar nicht mal besonders scharfen Blick sehen konnte. Und zwar nachhaltig.

Das wird auch nicht durch die Information gerettet…

Die Server von WeGreen laufen mit Ökostrom […]

…dass für die Server offenbar eigens ein Nucleo-STOP Atomstromfilter angeschafft wurde, der ja mindestens genau so seriös und nachhaltig ist wie die magischen landwirtschaftlichen Ansätze im Dunstkreise der Anthroposophischen Gesellschaft… :mrgreen:

Quelle des Bildes sowie des Steiner-Zitates ist der Esowatch-Artikel zum Thema

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2 Antworten

  1. bio

    *rofl*
    der atomstromfilter!11! mit tachyonendetektor!!!!111!!!!! LOOL

    20. Mai 2012 um 13:05

  2. Pingback: Heise Online stiehlt saudoofe DPA-Meldung « Alarmknopf

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