Sie reden vom Netz wie Blinde vom Licht

Der Expertinnentipp gegen Phishing

Die Kürzung im folgenden Zitat ist nicht sinnentstellend. Hier wird die Aufklärung über die Internetkriminalität durch die Polizei Stade vom Hamburger Abendblatt wiedergegeben:

Expertin für Internetkriminalität bei der Stader Polizei ist Kommissarin Svenja Wigger. Sie informierte die Unternehmer über die aktuellen Probleme im Internet. Dazu gehöre vor allem das sogenannte „Phishing“. Dabei verschaffen sich Kriminelle sensible Zugangsdaten wie Passwörter, indem sie unachtsame Internetnutzer austricksen. Mit Hilfe von schädigenden Computerprogrammen veranlassen sie die Nutzer, ihre Daten selbst preiszugeben.

„Phishing“-Opfer werden in der Regel Menschen, die ihre Bankgeschäfte über das Internet abwickeln. War der Angriff erfolgreich, wird Geld von den Konten der Geschädigten ins Ausland überwiesen. […]

Um es den Verbrechern schwerer zu machen, empfiehlt die Polizeikommissarin vor allen eine hochwertige Antivirensoftware, die möglichst häufig aktualisiert wird.

Hamburger Abendblatt — Polizei Stade: Kriminelle nutzen immer häufiger das Internet

Eigentlich will ich das gar nicht mehr kommentieren…

…aber wenn die „Expertin für Internetkriminalität“ allen Ernstes von sich gibt, dass eine „hochwertige“ [was immer das auch heißen mag und woran ein normaler Nutzer die Eigenschaft „Hochwertigkeit“ immer auch erkennen soll] Antivirensoftware gegen Phishing hilft, dann möchte ich die Laienkenntnisse bei der Polizei Stade gar nicht mehr kennenlernen.

Ein Extradummerchen an die „Qualitätsjournalisten“ des Hamburger Abendblattes, die so eine polizeiliche Realsatire im kühlsten Nachrichtenton ausgerechnet auf ihrer Website wiedergeben und nicht einmal merken, was für einen komplett und für jeden pubertierenden Jugendlichen durchschaubar unqualifizierten Bullshit die Frau Kommissarin da verzapft hat.

Ich kann nur hoffen, dass sich Internetnutzer an anderen Stellen Aufklärung über die Kriminalität im Netz holen als bei derartigen Spezialexperten. Sonst endet ihre Vorsicht vor Phishing beim Kauf einer hierfür nutzlosen Software und sie finden sich völlig überrascht als Opfer der Kriminellen wieder, die auf ihren Schäden sitzen bleiben.

Wer wirklich nicht weiß, wie man sich vor Phishing schützt: Selbst eigens gegen diese spezielle Form des Computerbetruges ersonnene Mechanismen werden von den Kriminellen ausgehebelt und können sogar gefährlich sein, weil sie eine „gefühlte Sicherheit“ vermitteln, die unvorsichtig macht. Das einzige, was wirklich gegen Phishing hilft, ist, dass man das Phishing sicher als solches erkennt, bevor man in der Mail herumklickt oder etwas anderes tut, von dem Kriminelle möchten, dass man es tue. Und das ist nahezu immer möglich, wenn man nur vor dem Klicken seinen Verstand gebraucht.

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