Sie reden vom Netz wie Blinde vom Licht

Das Web 2.0 als Kneipe 2.0

Auch die klassische Thekenkommunikation hat sich verschoben — in soziale Netzwerke. Insbesondere für die junge Generation sei das Internet die neue Kneipe des 21. Jahrhunderts, wo man Freunde finden kann, wie auch immer man diese definiert. „Die Thekenfreunde von früher waren ja auch keine ‚Freunde‘ in dem Sinne“, sagt der Experte.

Focus Online — Trendforscher nennt Internet als Grund: Der langsame Tod der Dorfkneipe

Kommentar

BULLSHIT: Unterschätze niemals die von den Medien transportiere Eloquenz und seriöse Mimikry der Gehirnverweigerer!Angesichts der besonderen Hirnrissigkeit dieser Studie… ach, das ist ja gar keine Studie, das ist laut Focus Online nur eine „Erklärung“ eines „Trendforschers“… also: angesichts dieser gnadenlos enthirnten Erklärung eines „Trendforschers“ mäßige ich mal mein sonstiges Bemühen um sprachliche Mäßigung und Neutralität innerhalb dieses Blogs.

Das sind ja genau die richtigen Ideen eines „Trendforschers“ — wie wird man das eigentlich, welche Ausbildung muss man neben dem Lesen im Kaffeesatz und dem Formen inhaltsleerer Phrasen aus bedeutungstragenden Wörtern noch absolvieren und was macht man in dieser tollen Wisschenschaft, wenn man „forscht“? — für den erdtümelnden Bierdunst des Stammtischs, der von der gleichen Journaille jeden Tag mit den üblichen Lügen und Hetzreden gegen beinahe jede Erscheinung des Internet (außer natürlich den Auftritten, Vorstellungen und Forderungen der News- und Contentindustrie) beliefert wird: Jetzt macht uns das Internet auch schon unseren gemütlichen Saufplatz kaputt. Prost! Auf die Leber, auf das Hirn!

Dass eine relativ hochpreisige gemeinsame Nutzung der Droge Alkohol für Menschen unattraktiv ist, die nur wenig Geld haben, spielt da für diesen „Freizeit- und Zukunftsforscher“ namens Horst Opaschowski — dem ich übrigens sofort abnehme, dass er ein ganz forscher „Freizeitforscher“ ist — trotz der zunehmenden Verarmung immer größerer Teile der Bevölkerung Deutschlands keine Rolle. Und. Dass die kommunikative Funktion einer „Dorfkneipe“ ein intaktes, und vor allem auch ein räumlich eng zusammenlebendes soziales Umfeld voraussetzt, das in der politisch und wirtschaftlich erhobenen und von allen Medien kritiklos wiedergegebenen Forderung nach totaler Mobilität aller Wirtschaftssubjekte ausgehöhlt, vielerorts gar zerstört wurde und wird, spielt für diesen extratrendigen „Trendforscher“ auch keine besondere Rolle. Sonst hätte er es mit seinem nur ungenügend als „Forschung“ verlarvten geistigen Dünnpfiff ja auch nicht in den Focus geschafft, in diese Bildzeitung für Besserverdienende. Denn diese gesellschaftlichen Entwicklungen, die zu einem zwischenmenschlichen Zerfall und zu einer weitgehenden Atomisierung der Menschen führen, wurden und werden von diesem wirtschaftsnahen Schmier- und Lügenblatt gern und immer wieder mitgefordert.

Wie gut für die von den unerquicklichen Folgen solch menschenverachtender Verwirtschaftungsrhetorik und solch herzkalten Menschenbildes betroffenen Menschen, dass sie ein Internet haben, mit dem sie Kontakte auch bei räumlicher Trennung ein bisschen, wenn auch in abstrakter und damit beschädigter Form, weiterpflegen können und gar in der Kommunikation sogar ein Bewusstsein dafür entwickeln können, dass sie in ihrem Erleben unter dem gegenwärtig über die Gesellschaft ablaufenden Prozess nicht allein sind, obwohl dieses Erleben so gar nicht in den pseudojournalistischen Auswürfen der contentindustriellen Medien vorkommt. Denn dieses Bewusstsein ist die wichtigste Voraussetzung für jene Veränderung, die unbedingt wünschenswert ist. Außer vielleicht für die Leute, die den Focus machen…

Mir bleibt abschließend nur noch, die in einem Leserkommentar zu diesem unvorstellbar miesen Focus-Artikel gestellte Frage zu beantworten:

Es ist schon interessant an was das Internet so alles Schuld sein soll. Gibt es eigentlich noch irgendetwas woran das Internet nicht Schuld ist?

Ja, es gibt etwas, woran das Internet nicht schuld ist. Das Internet ist völlig unschuldig daran, dass der Journalismus für immer mehr Menschen immer entbehrlicher wird. Denn das schafft der derzeitige Journalismus mit seinem besonderen „Qualitätsanspruch“ ganz von allein.

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