Sie reden vom Netz wie Blinde vom Licht

Journalisten drehen immer schneller am Rad

Allerdings dreht sich das Rad der Browserentwicklung bei Mozilla und Google immer schneller. Google gibt dabei inzwischen mit seinem erste Ende 2008 gestarteten Browser Chrome den Takt vor – auch bei der Mozilla-Stiftung, die den Firefox entwickelt. In nicht einmal vier Jahren hat Google 18 Versionen von Chrome veröffentlicht. Firefox zog nach, seit Version 5 vom Juni 2011 wurden fünf weitere Versionen veröffentlicht, sodass der Mozilla-Browser inzwischen bei Versionsnummer 11 angekommen ist.

Zeit Online — Browser-Krieg[sic!]: Welcher Browser ist worin der beste

Kommentar

Nein, das Rad der Browserentwicklung dreht sich nicht schneller, nur das kleine Rädchen am Zählwerk für die Versionsnummern dreht sich etwas anders. Nicht, weil es in wenigen Monaten so große technische Änderungen gegeben hätte, dass in einem Jahr die Versionsnummern für ein ganzes Jahrzehnt „verbraucht“ worden wären, um darin eine unfassbar schnelle Weiterentwicklung der Software abzubilden. Sondern weil eine Versionsnummerierung verwendet wird, die relativ gewöhnliche Weiterentwicklungen mit einer neuen Hauptversionsnummer „adelt“, statt sie, wie in anderen Projekten üblich, als Nebenversion zu zählen. Angefangen hat mit diesem Streben nach hohen Versionsnummern der Chrome-Browser, und für den Firefox wurde es ohne besondere Not nachgemacht.

Es ist ungewöhnlich, nichtssagend und für Anwender verwirrend, wenn die Hauptversionsnummern keine Bedeutung mehr transportieren. Offenbar ist es auch verwirrend für jene Qualitätsjournalisten, die über die Browserentwicklung schreiben, aber die Versionsnummern nicht anders als ein Sportreporter zu deuten wissen — damit auch in Zukunft alle Menschen von dieser beim Firefox-Projekt durchaus umstrittenen Idee verwirrt bleiben. Gut, dass man nicht nur auf Zeitungen und ihre Websites angewiesen ist, wenn man sich informieren will.

Einen Extrapunkt der Kategorie „bildzeitungsmäßiger Bullshit“ bekommt die sonst so ernsthaft um Seriosität bemühte „Zeit“ für die ebenfalls an einen Sportreporter erinnernde Idee, in der gegenwärtigen Situation von einem „Browser-Krieg“ zu sprechen.

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2 Antworten

  1. Der Satz sollt lediglich auf die immer schnelleren Release-Zyklen hinweisen, mit denen Googles Chrome begonnen hat. Davon abgesehen macht die Entwicklung aber auch schneller Fortschritte wie Javascript-Benchmarks zeigen.

    6. November 2012 um 20:37

    • wie Javascript-Benchmarks zeigen

      Performance-Schraubereien und Optimierungen sind geradezu typisch für Dinge, für die es nicht eigens eine neue Version gegeben hätte. Die schnelleren Release-Zyklen sind eine Illusion, die durch eine absurde, bedeutungslos gewordene Nummerierung erzeugt wird — mit der tatsächlich Google begonnen hat.

      Vermutlich, um sich mit ständig „neuen“ Versionen immer wieder in die Presse zu bringen. Denn das Verhalten eines Journalisten ist fast so berechenbar wie das Verhalten eines gut konditionierten Pawlowschen Hundes.

      7. November 2012 um 00:36

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