Sie reden vom Netz wie Blinde vom Licht

Der gut geschützte Laptop

Als der Manager in seiner Marriott-Suite ins Internet ging, konnte er nicht ahnen, dass seine E-Mails fortan auch von der Konkurrenz aus Asien gelesen wurden. Schließlich war sein Laptop scheinbar gut geschützt. Das hilft allerdings nur bedingt, wenn der Internetanbieter selbst gehackt wird. In diesem Fall war das Opfer iBahn, ein US-Unternehmen, das Breitbandinternet in 3000 Hotels in über 40 Ländern anbietet.

DiePresse.com: Hier werden ganze Industrien gestohlen

Kommentar

Vielleicht hätte dem namenlosen „Manager“ mal jemand erzählen sollen, dass eine E-Mail standardmäßig offen wie eine Postkarte durch die beteiligten Netze geht und von jedem Server auf ihrem Weg mitgelesen und sogar inhaltlich manipuliert werden kann. Das sollte angesichts der Tatsache, dass das Internet nicht mehr so eine Angelegenheit für zwei Handvoll geeks ist, auch zur Allgemeinbildung gehören. Mit diesem Wissen ausgestattet, würde wohl kaum jemand auf die gnadenlos dumme Idee kommen, E-Mails mit Geschäftsgeheimnissen über das LAN eines Hotels zu empfangen oder zu versenden. Vermutlich würde aber jeder intelligenzbegabte Mensch auf die Idee kommen, den Mailverkehr hinreichend stark zu verschlüsseln (was in moderner Mailsoftware gar nicht schwierig ist), um sowohl das Mitlesen und Manipulieren bis an den Rand der Unmöglichkeit zu erschweren, als auch die Authentizität des Absenders jenseits jedes vernünftigen Zweifels sicher zu stellen.

Aber woher hätte dieser namenlos gebliebene Manager das auch wissen sollen? Vom Internet und seinen Protokollen versteht er gewiss weniger als von der Funktionsweise seines Autos; und aus dem Artikel der österreichischen „Qualitätsjournalisten“ geht auch nicht einmal ein kleiner Hinweis hervor, der dazu geeignet wäre, Unwissen in Wissen, ja, vielleicht sogar einmal in sichere Geläufigkeit beim Transport vertraulicher Informationen über das Internet zu verwandeln. Stattdessen wird die derart leichtgemachte Industriespionage durch die Volksrepublik China als die größte Bedrohung an die Wand gemalt, ganz so, als ob das Mitlesen offenen und leicht lesbaren Datenaustausches so eine große Bedrohung wäre.

Die wirklich größte Bedrohung ist und bleibt die systematische Verdummung durch solche Ausflüsse der Journaille. So lange überall der Eindruck erweckt wird, dass die Installation einiger „Sicherheitsprogramme“ Sicherheit herstellen könnte, so lange freuen sich vor allem die etwas lichtscheuen Gestalten, denen ihre Absichten unnötig leicht gemacht werden.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s