Sie reden vom Netz wie Blinde vom Licht

Was die dpa einen Vertrag nennt

Rezepte, Songtexte oder Gedichte — im Internet gibt es vieles kostenlos. Doch hinter manchen Angeboten verbergen sich Abofallen, die teuer werden können. „Misstrauisch sollte man immer dann werden, wenn Daten wie der Name, die Adresse oder sogar die Bankverbindung abgefragt werden“, sagt Lovis Wambach von der Verbraucherzentrale Bremen. „Denn das ist bei kostenlosen Angeboten ja eigentlich nicht nötig.“

Wer dennoch solche Angaben macht, gehe damit unter Umständen einen kostenpflichtigen Abovertrag ein […] Das ist Internetnutzern aber oft nicht bewusst, denn Gebühren sind meist in den Geschäftsbedingungen versteckt

sueddeutsche.de — Schutz vor Kostenfallen im Internet: Keine Daten preisgeben
Der Text des Artikels ist eine Übernahme von der dpa

Kurzkommentar

So sehr ich es begrüße, wenn auf breitester Front zur größtmöglichen Datensparsamkeit aufgefordert wird: Ein Vertrag kommt auf diese Weise (mit versteckten Hinweisen auf Vertragskosten und überraschenden Formulierungen in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen) nicht zustande. Die Angabe von Daten bei Irreführung über den „Vertragsgegenstand“ ist kein konkludentes Handeln. Die entgegen der mehrheitlichen Rechtsprechung in die Presse gebrachte Behauptung, dass auf diese Weise ein Vertrag zustande komme, spielt der speziellen organisierten Internet-Kriminalität in der Bundesrepublik Deutschland direkt in die Hände. Gerichtliche Entscheidungen sind etwa vom Amtsgericht Frankfurt (AZ 32 C 1742/10-48 und AZ: 29 C 2583/10) getroffen worden; darüber hinaus ermittelt zurzeit die Staatsanwaltschaft Hamburg in einer derartigen Sache wegen des Verdachts auf gewerbsmäßigen Betrug. Eine solche Äußerung eines Sprechers einer Verbraucherzentrale macht mich auf diesem Hintergrund ausgesprochen skeptisch, ob hier von der dpa korrekt zitiert wurde, da sie zur Strategie der Abzocker zur Ausbreitung von Angst, Unsicherheit und Zweifel direkt zuarbeitet. Wie die Wirklichkeit aussieht, hätte auch bei der Süddeutschen Zeitung mit einer einfachen Google-Suche und weniger als einer Viertelstunde Lesens ermittelt werden können, bevor man sich mit sich solchen Äußerungen zum journalistischen Handlanger der organisierten Internet-Kriminalität macht.

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