Sie reden vom Netz wie Blinde vom Licht

Die Süddeutsche schickt die Verfolger!

Werbebanner verfolgen Online-Shopper

Passau (dpa/tmn) – Yogamatte, Abnehmbuch oder Fernseher – wer hat sich nicht schon mal gewundert, warum die Werbung im Internet immer so gut zu den eigenen Wünschen passt? Retargeting heißt der Fachbegriff dafür. Was das für den Internetkäufer bedeutet, wird hier erklärt.

[…] „Beim Retargeting wird händlerübergreifend eine enorme Menge an Informationen gesammelt“, sagt Prof. Joachim Posegga vom Institut für IT-Sicherheit an der Universität Passau. Der Computernutzer werde so zum gläsernen Kunden.

Sueddeutsche.de: Werbebanner verfolgen Online-Shopper [bewusst nicht direkt verlinkt]

Kommentar

Was die Webpräsenz der Süddeutsche Zeitung in ihrem (nicht sehr tief gehenden) aufklärerischen Anfall über die diversen Tracker und Datensammler benannt hat, das ist die Motivation dieser Tracker und Datensammler: Möglichst umfassende Profile von Menschen erstellen, um sie so effizient wie nur möglich mit der systematischen Lüge der Reklame auf die Funktion eines Konsumtrottels zu reduzieren. Dabei wird Wert darauf gelegt, entsprechende Informationen zu erlangen, indem die heimlich arbeitende Software einer kleinen Gruppe von Anbietern in einer möglichst großen Vielzahl von Websites eingebettet wird.

Was sie nicht benannt hat, ist, dass derartige Profile noch ganz andere Anwendungen ermöglichen oder — zum Beispiel im Fall eines größeren politischen Umbruchs — sogar für die so getrackten Menschen hoch gefährlich werden könnten.

Was sie völlig verschwiegen hat, ist, dass sie den Trackern und Datensammlern selbst ganz ordentlich zuarbeitet. Der scheinbar aufklärerische Artikel ist mit den in JavaScript implementierten Tracking-Instrumenten von EyeWonder, Google AdSense, INFOnline, Right Media und Yahoo Analytics vergällt und hat sich damit vollständig selbst entwertet. (Es können durchaus noch einige mehr sein, ich habe den Quelltext der Seite nur kurz überflogen.)

Das macht aber auch nichts, denn dieser scheinbar aufklärerische Artikel stammt ja keineswegs aus Redaktion der Süddeutschen Zeitung, sondern er wurde dem NITF-Feed der Deutschen Presseagentur entnommen — nur zu dem Zweck, mit möglichst mühelos erstelltem Content ein paar Leser auf eine Website zu ziehen, innerhalb derer dieser Content von einer Flut von Reklame und Tracking-Skripten umgeben wird.

Das ist keine Satire, das ist die ganz normale Realität der Contentindustrie — die sich übrigens zurzeit durch intensive Lobbyarbeit ein paar Sonderrechte bei der gegenwärtigen Regierung abholt. Damit in Zukunft auch ja der mit Zwanggebühren aller Menschen in Deutschland finanzierte quasistaatliche Rundfunk noch weiter in seinem Informationsangebot kastriert wird, um derartigen „Qualitätsmedien“ wie der Süddeutschen Zeitung einen Vorteil im Internet zu verschaffen.

Eine Antwort

  1. Bio

    Ich finde ja, der vielleicht klügste Weg wäre es. den ÖR einfach mal auf das wesentliche zu verschlanken. Grundversorgung!

    Nicht jeder popelige 3. Lokalsender des ÖR muss ein Kammer- oder Sinfonieorchester haben.
    Die ganzen Rosamunde Pilcher, Daily Soaps, Telenovelas etc. pp. auf ein Minimum reduzieren.
    Keine Staargehälter für Moderatoren usw. usf.

    Nebeneffekt – der Konkurenzdruck sinkt und wenn man dann noch die Werbung weg lässt (die Gebühren reichen völlig), ist man da auch etwas freier um mal ein weniger populäres Bildungsprogramm zu senden.
    Weiterer Effekt – durch das verringerte Angebot sinkt auch die Konkurrenz mit den Privaten und ihrem Tittitainment-Programm; Es wären dann auch die Apps weniger problematisch, da die „Zielgruppe“ nicht mehr so groß ist.

    22. September 2011 um 17:48

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