Sie reden vom Netz wie Blinde vom Licht

Zum Mitmachen

Das „Mitmach-Internet“, das so genannte Web 2.0, wird auch in Meerbusch eifrig genutzt. Während die Stadt noch beim Einstieg in Facebook & Co. zögert, sind Vereine und viele Bürger auf den diversen Plattformen aktiv.

RP Online: Internet zum Mitmachen

Kommentar

Das Internet war beinahe immer ein Internet zum Mitmachen. Dafür gab es das (im ewigen September langsam zerstörte) USENET, IRC, Mailinglisten, später Webforen und interaktive Elemente in Websites; darüber hinaus auch schon sehr früh Netzwerkspiele.

Selbst das World Wide Web, das hier von der RP Online kurzerhand und laienhaft mit „dem Internet“ gleichgestellt wurde, war von seinen ersten Entwürfen an als ein Angebot zum Mitmachen konzipiert — und es waren geschäftliche Interessen, im Wesentlichen die Verwechslung einer Website mit einem Versandhauskatalog, die diesen Teil des Konzeptes untergehen ließen. Die alten Ideen finden sich jedoch selbst heute noch als Ahnung in der Spezifikation des HTT-Protokolles in Form der Request-Methoden PUT, DELETE, LINK und UNLINK wieder. Das heute bestehende World Wide Web weicht deutlich von der ursprünglichen Intention eines Tim Berners-Lee ab, der nicht umsonst den von ihm programmierten, ersten Webbrowser mit Editorfähigkeiten ausgestattet hatte. Wer eine Ahnung von der wirklichen Absicht Berners-Lees bekommen möchte, sollte sich einmal die kurze Beschreibung der PUT-Methode in seinem Originaldokument anschauen (das natürlich in englischer Sprache verfasst ist). Daraus wurde nichts, weil es nicht zu den geschäftlichen Interessen passte, die nach der Veröffentlichung des Browsers Mosaic Netscape 0.9 beta im Herbst des Jahres 1994 maßgeblich die Absichten bei der weiteren Ausgestaltung des World Wide Web prägen sollten.

Was das so genannte Web 2.0 ausmacht, ist also nicht etwa die angeblich neue Möglichkeit zum Mitmachen, sondern die Tatsache, dass diese Möglichkeit von großen gewinnorientierten Unternehmen mit zweifelhaftem Geschäftsmodell angeboten wird, die allesamt die Eigenart haben, dass sie die Usancen und die gewachsene Kultur des Internet ihren Profitinteressen unterordnen, ihre Nutzer tendenziell enteignen und das Bedürfnis ihrer Nutzer nach Privatsphäre mit Füßen treten.

Facebook ist unter diesen Anbietern ein besonders übler und verachtenswerter Kandidat, der nicht einmal vor Spamwerbung an E-Mail-Adressen, die eher heimlich von den Nutzern übernommen werden, zurückschreckt.

Ich würde sogar glauben, dass Facebook bei Weitem nicht seine heutige Bedeutung erlangt hätte, wenn solche vollständig inkompetenten Desinformationsblätter wie RP Online nicht unentwegt darüber berichten würden, als sei diese Website die beste Erfindung seit dem Rade — oder doch zumindest das jetzt endlich fertige „Internet zum Mitmachen“. Wie viel Geld wohl im Hintergrund für diese permanente Werbung im redaktionellen Teil der Presseprodukte fließt, ist ein Geheimnis, das ich zu gern gelüftet sehen würde.

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