Sie reden vom Netz wie Blinde vom Licht

Branche: Internet hilft Versicherungsbetrügern

Was, eine Branche kann etwas sagen? Das ist ja eine Gruppe von Unternehmungen, die mit einem ähnlichen Produkt oder einer ähnlichen Dienstleistung am Marke auftreten, also ein Begriff für eine recht abstrakte Erscheinung. Aber das Wort „Branche“ klingt natürlich weniger auffällig als das Wort „Interessenverband“, so dass der Leser solcher Schlagzeilen über die wirkliche Bedeutung des Mitgeteilten in der gewünschten Unklarheit gelassen wird. Es wäre ja auch zu auffällig, wenn der Leser einer Zeitung neben der großen und teuren Annonce eines Versicherungsunternehmens im „redaktionellen“ Teil eine ebenfalls klar einseitige Darstellung der Versicherungsunternehmen sieht und deshalb einen Verdacht von gewissen Interessenüberschneidungen dieser Zeitung bekommen könnte.

Da will ich doch mal diesen ersten Eindruck von „journalistisch“ gewünschter Unklarheit behalten, wenn ich den Artikel der Online-Präsenz des Tiroler Tageblattes lese:

Betrug mit Hilfe des Internets wird für die deutschen Versicherer zu einem immer größeren Problem. „Sowohl beim Gelegenheitsbetrug als auch beim Versicherungsbetrug im großen Stil stellen wir deutlich gestiegene Fallzahlen fest“, sagte Thomas Lämmrich, Leiter der Kriminalitätsbekämpfung im Branchenverband GDV, im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. Gerade bei Täuschungen im Zusammenhang mit Elektronikgeräten oder Glasschäden an Autos „spielt das Netz für die Täter eine immer größere Rolle“.

Wie, Herr Lämmrich? Sie… sorry: die Unternehmen ihrer Branche… überwachen das gesamte Internet und stellen dabei immer mehr Versicherungsbetrug mit Hilfe des Internet fest? Und wie sieht das aus, wenn man eine Versicherung mit Hilfe des Internet betrügt?

Ob Flachbildfernseher oder Smartphones — elektronische Geräte sind nach Lämmrichs Worten besonders oft Gegenstand betrügerischer Absichten. „Es kommt sogar vor, dass im Netz beschädigte Geräte angeboten werden, die bereits mit der Versicherung abgerechnet wurden“, erläuterte er. Oft finde sich dann sogar der Hinweis, „dass man das Gerät ja günstig kaufen und sich erneut Geld von der Versicherung holen kann“.

Ach so, die Geräte werden über das Internet verkauft. Und nicht mehr über die teureren Kleinanzeigen in der lokalen Presse oder im Rahmen flohmarktähnlicher Ereignisse. Und besonders perfider Betrug ist es, wenn man ein kaputtes Gerät im Internet kauft, um sich den Schaden von der Versicherung bezahlen zu lassen. Das stelle ich mir besonders lustig bei den oben ebenfalls benannten „Glasschäden“ vor. Da gehe ich doch gleich auf eBay oder einen nicht minder schrottigen Anbieter aus der gleichen Branche und kaufe dort zehn Kilo Glasscherben, um den „Glasbruch“ mit der Versicherung abzurechnen. Großes Kino, Herr Lämmrich! Es klingt nur in den Details der Story ein bisschen belämmert.

Aber Hauptsache, das Internet ist mal wieder eine wesentliche Hilfe für jede nur denkbare Kriminalität.

Einen kleinen Tipp möchte ich ihnen jedoch gern geben: Sie haben Internet-Suchmaschinen zur Verfügung, und wenn so „oft“ der Hinweis neben Angeboten steht, dass man mit einem beschädigten Gerät die Versicherung betrügen kann, denn sollte es recht leicht fallen, ein paar Mitarbeiter dafür abzustellen, gezielt nach solchen Aufforderungen zum Betrug zu suchen und die in solchen Fällen völlig berechtigten Strafanzeigen zu erstatten. Angesichts der hochpreisigen Geräte, mit denen so ein Betrug gemacht wird, und angesichts der Aussage, dass derartige Betrügereien „oft“ durchgeführt werden, sollten die zusätzlichen Mitarbeiterkosten doch zu einem erheblichen ROI führen. Ja, der Vorgang lässt sich sogar in erheblichem Maße automatisieren, wenn sich jemand daran setzt, der in einer gängigen Skriptsprache programmieren kann.

Ach, das geht nicht, weil sie dann nicht über das böse Internet jammern können? Und weil sie dann nicht in ihren Presseerklärungen schreiben können, dass die ständig steigenden Versicherungskosten nicht für den Bau prächtiger, repräsentiviver Paläste für die Versicherungspaläste benötigt werden, sondern vom bösen Internet erzwungen werden? Und weil sie dann nicht so leicht immer mehr Personal entlassen können, um den Börsenwert der Versicherungen zu erhöhen? Na, das habe ich mir gleich gedacht.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s