Sie reden vom Netz wie Blinde vom Licht

Die Websites des Schreckens

Screenshot Spiegel Online

Allein beim Landeskriminalamt in München werden in einem ganz normalen Jahr durchschnittlich 6000 Spuren im Netz entdeckt, die dann über die IP-Adressen zu den echten Adressen der Verdächtigen führen könnten. Hochrechnungen ergeben sich aus der Zahl der Klicks, die bei Providern registriert worden sind, bevor bestimmte Seiten vom Netz genommen wurden: In Deutschland dürften es rund 250.000 pro Tag sein.

Ließen sich auch mit Tag und Nacht laufenden Suchmaschinen die Websites des Schreckens ermitteln oder gar automatisch nicht nur sperren, sondern löschen? Wirksame Bekämpfung dieser besonders widerlichen Kriminalität ist aber weder allein durch Sperren noch allein durch Löschen zu erreichen. Beides verhindert nur künftig die Sicht aufs angebotene „Material“.

Nationale Lösungen bleiben Stückwerk, weil das Internet keine Grenzen kennt. In anderen europäischen Staaten wie Italien Großbritannien, den Niederlanden, in Schweden, Finnland, Dänemark, Frankreich ist die in Deutschland so vehement geführte Debatte um Löschen oder Sperren – und die Sorge vor anderen staatlichen Eingriffen – längst entschieden. Der Zugang zu kinderpornographischen Seiten wurde gesperrt. […]

Über Umsätze und Gewinnmargen auf diesem Markt gibt es nur Vermutungen. Interpol schätzt den Umsatz mit Handel und Herstellung von Kinderpornografie auf weltweit 18 Milliarden Dollar. Das entspricht ungefähr der Summe, die mit illegalem Waffenhandel erzielt wird. Andere Schätzungen gehen eher von fünf Milliarden aus.

Ohne gespeicherte Daten sind die neu ermittelten wertlos. Ohne verwertbare Daten endet die Spur des Geldes im Niemandsland. In dem findet mit Kindern das statt, was allgemein sexuelle Gewalt genannt wird. Ohne den Vergleich mit gespeicherten Daten, dem Vorrat an Erkenntnissen, ist die Jagd auf Pädosexuelle erschwert, manchmal sogar unmöglich, weil man nur durch die IP-Adresse im Internet die nötigen Ermittlungsansätze hat, um sie zu erwischen.

Michael Jürgs auf Spiegel Online

Anmerkung

Der Screenshot ist nicht etwa Archivmaterial aus der Zeit der Debatte um das Zensursula-Gesetz, sondern zeigt die grafische Darstellung des Artikels. Und der ist ebenfalls kein Archivmaterial aus der Zeit der Debatte um das Zensursula-Gesetz, sondern von heute. Nur, dass es jetzt halt mit diesem psychischen Hebel und mit dem gleichen Duktus und mit den gleichen durchschaubaren Lügen wie damals um die Einführung einer verdachtsunabhängigen Vorratsdatenspeicherung geht.

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