Sie reden vom Netz wie Blinde vom Licht

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Ein Placebo für Journalismus

Der folgende Text ist ein mit Anmerkungen versehenes Vollzitat des Tagesschau-Kommentares zur anlasslosen Totalüberwachung der gesamten Welt “Ein Placebo für die besorgten Deutschen” von Mathias Zahn vom SWR. [Hier auch eine dauerhaft archivierte Version im Lande der so genannten "Depublikation" von Inhalten, die von allen Menschen in der BRD mit einer Quasisteuer bereits bezahlt wurden]

Hinweis für Journalisten: Die in anderer Farbe eingefärbten Textbestandteile sind so genannte Links, die durch einfachen Klick auf andere Texte führen. Sie wurden von mir gesetzt, um eine gewisse Weitschweifigkeit zu vermeiden, und sie sollten immer besucht werden, wenn eine derartig ausgezeichnete Behauptung für den Leser vollkommen unglaubwürdig klingt. Sarkasmus ist hingegen ungekennzeichnet und verrät sich von selbst.

Erwartet wirklich jemand, dass wir am Ende dieser Debatte schlauer sind?

Nicht eine Debatte hat “uns” — das sind übrigens viele Menschen, die es vorher nicht anders wussten, obwohl sie es bereits hätten wissen können, wenn Journalismus wenigstens im Regelfall das täte, was er vorgibt zu tun — schlauer gemacht, sondern der Entschluss von Edward Snowden, seine ansonsten gesicherte bürgerliche Existenz wegzuwerfen und nicht weiter über Unrecht, das er einmal mitgemacht hat, zu schweigen. Die so genannten “Debatten”, von denen die Tagesschau berichtet, führen nur selten dazu, dass jemand “schlauer” wird; oft hingegen führen sie dazu, dass viele dumm und unwissend bleiben und sich ihre Meinung von Experten bilden lassen, die freundlicherweise von der gleichen Tagesschau mit Seriosität aufgeladen werden.

Niemals werden die USA zugeben, dass sie millionenfach deutsche Mails und Anrufe überwachen.

Das ist jetzt ja auch nicht mehr nötig. Wer skeptisch gegenüber Edward Snowden war, was die Redaktion der Tagesschau vor ein paar Tagen ja auch gern durch reine Propaganda-Kommentare der WDR-Mietmaulhure Horst Kläuser befördert hat, hat spätestens dann seine Skepsis verloren, als von mehreren Mitgliedsstaaten der NATO in einer konzertierten Aktion auf alle diplomatische Gepflogenheit gepfiffen wurde, um das Flugzeug des bolivianischen Präsidenten Evo Morales zur Landung zu nötigen, damit es durchsucht werden konnte. Natürlich auch mit Hilfe der BRD. Dass wegen dieser dreisten Unverschämtheit mehrere südamerikanische Staaten ihre Botschafter aus Europa abgezogen haben, war natürlich keine besondere Meldung im Newsbetrieb der BRD wert.

Da wird es kein noch so kleines “Sorry” geben.

Ach! Ein “Sorry”, wie klein und niedlich!

Seit Terroristen das World Trade Center zum Einsturz gebracht haben, sehen sich die Amerikaner im Antiterrorkampf – und sie sehen sich dabei im Recht, auch beim Datensaugen in Deutschland.

Klar, erst seit dem 11. September 2001. Und nicht schon seit dem 9. September 1999, an dem bekannt wurde, dass jede Installation des Microsoft-Betriebssystemes Windows eine Abhörschnittstelle für den NSA enthält. Und nicht schon seit dem 6. Januar 1998, an dem ein umfassendes E-Mail-Abhörsystem des NSA in einer Studie des Europäischen Parlamentes behandelt wurde. Und nicht schon seit dem 20. Februar 1989, an dem der Spiegel über eine umfassende Überwachung durch die NSA berichtet hat, was zu einer Aktuellen Stunde im Deutschen Bundestag führte. Das ist alles erst seit 9/11, und die Toten des fürchterlichen Mordanschlages von New York sind die zurzeit vermutlich am häufigsten zu Propagandazwecken missbrauchten Opfer eines Verbrechens. [Hier der Link zum Text des damaligen Originalartikels im Print-Spiegel] Sie werden übrigens auch missbraucht von diesem Tagesschau-Kommentator, der sich den Fluss seiner vorsätzlich manipulativen “Argumentation” nicht durch einen kleinen Blick in Archive stören lassen will. So viel Sorgfalt sähe ja auch nach seriösem Journalismus und nicht nach Propaganda und Lüge aus.

Schließlich hat der Terrorist Mohammed Atta lange unentdeckt in Hamburg gelebt, bevor er eines der Flugzeuge ins World Trade Center steuerte.

Und aus diesem Grund müssen Lieschen Müller, Hans Normalo und Tugrul Türkoğlu in ihrer persönlichen und privaten Kommunikation permanent und anlasslos mechanisch belauscht werden: Weil einmal ein Mörder in Hamburg wohnte. Schließlich sollen wir alle verstehen gemacht werden, was der Begriff “Verhältnismäßigkeit” auf dem neu geschaffenen Überwachungsplaneten bedeuten soll.

Und die deutschen Geheimdienste? Dass der BND vom Abhörprogramm der Amerikaner wusste, will ich doch stark hoffen. Dafür ist ein Geheimdienst schließlich da.

Und dass der BND Rechtsbrüche in einem monströsen Ausmaß geheimhält, ist auch etwas, wofür so ein Geheimdienst schließlich da ist. Ist ja schließlich ein Geheimdienst, dehalb bleibt das auch alles geheim. Und so ein Kanzleramtsminister und so ein Innenminister machen dann gleich weiter mit der Geheimhaltung, denn so ein Amtseid mit “Grundgesetz wahren” und “Schaden vom deutschen Volk abwenden” ist ja eh nur eine hohle Phrase für diese Leute, so etwas Ähnliches wie die Lüge ihrer Wahlversprechen.

Dass der BND Daten von den Amerikanern bekommt – auch das eine Selbstverständlichkeit.

Ganz im Geheimen, versteht sich, und schön an diesem Grundgesetz und an der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte vorbei. Und selbstverständlich ist das, versteht sich also aus sich selbst heraus. Das hat die Aktuelle Kame… ähm… die Tagesschau doch so gesagt, also wird es wohl so stimmen.

Dass darunter Daten sind, die nicht sauber nach deutschem Recht beschafft worden sind, auch das ist ganz normal im Geheimdienstgeschäft.

Und was “ganz normal im Geheimdienstgeschäft” ist, das muss jetzt von jedem Menschen, der genug Charakters hat, um mit diesem blutigen und verachtenswerten “Geschäft” nichts zu tun haben zu wollen, ebenfalls als eine sein Leben mitbestimmende Normalität hingegenommen werden.

Und morgen im parlamentarischen Theater und in seiner journalistischen Echokammer: “Das Internet ist ein Rechtsfreier Raum“. Die Geheimdienste sind da freilich ganz anders, bei denen ist jeder Rechtsbruch normal und keiner Hinterfragung würdig.

Keine Regierung weltweit wird das jemals bestätigen.

Außer natürlich manchmal, wenn so eine Regierung einen Sprechepresser vorschickt, der allen Menschen durch seinen medial verstärkten Mund vorlügt, wie viele Terroranschläge das anlasslose Bespitzeln aller Menschen auf der Welt verhindert hat.

Was erleben wir also im Wahlkampf? Eine Kanzlerin, die treuherzig beteuert: “Wir haben nichts gewusst” – und die ernsthaft fordert, die USA sollen sich in Deutschland doch auch bitte an deutsches Recht halten!

Wir” erleben im Wahlkampf das, was “wir” in jedem Wahlkampf erleben: Lügen auf allen Kanälen. Ein einziger Reiz für den Speireflex.

Das ist Druck machen ohne Druckmittel, ein Placebo für die um ihre Daten besorgten Deutschen.

Hach, so ein bisschen Drückchen. Dabei gäbe es durchaus Druckmittel, von denen dieser öffentlich-rechtlich geadelte Qualitätsjournalist aber leider nichts sagen möchte. Zum Beispiel könnte eine entschlossene Bundesregierung mal ein paar Geheimverträge in Frage stellen, die noch unter Besatzungsrecht entstanden sind und die immer noch die Grundlage dafür sind, dass US-Einrichtungen ihr weltweites Spähprogramm auch auf dem Hoheitsgebiet der BRD in großen technischen Anlagen vorantreiben. Ja, diese Anlagen, in denen Nähe man nicht einmal gemeinschaftlich spazierengehen darf, ohne dass man Polizei und Staatsschutz kennenlernt. Und angesichts des Vertrauensbruchs, dass die Terrorgefahr sogar durch Belauschen von EU-Einrichtungen bekämpft wird, sind dies Verträge, die man in Zukunft durchaus als nichtig betrachten könnte… oder die man doch wenigstens einfach mal für die Menschen in der BRD offenlegen könnte, um etwas für die politische Willens- und Unwillensbildung zu tun. Besser, der quasibesoldete Kommentator des Staatsfernsehens tut da so, als wäre nichts über Placebo-Niveau möglich.

Und die Opposition meint, endlich fündig geworden zu sein in ihrer krampfhaften Suche nach einem Wahlkampfthema, das zieht.

Ach, wie überraschend! Was sollen die Oppositionsparteien denn sonst machen, wenn der Ball auf dem Elfmeterpunkt liegt, kein Torwart im Tor steht und der Rasen auch noch abschüssig ist? Wer eine solche Gelegenheit nicht nutzt, der wäre als “krampfhaft” zu bezeichnen.

“Merkel hat den Amtseid gebrochen”, brüllt [sic!] der SPD-Kanzlerkandidat jetzt sogar und wirkt dabei reichlich unglaubwürdig. Schließlich hat die SPD an der Regierung lange selbst die Geheimdienste gesteuert und die Sozialdemokraten hatten auch lange kein Problem mit der Vorratsdatenspeicherung.

Übrigens ist es nicht so, dass die SPD “kein Problem” mit der anlasslosen Überwachung hatte, die im manipulativen Neusprech irreführend “Vorratsdatenspeicherung” genannt wird und die offen gefordert wurde, sondern es ist so, dass die SPD kein Problem mit dieser anlasslosen Überwachung hat und diese aus dem Mund namhafter SPD-Politiker unter fadenscheinigen Vorwänden offen einfordert.

Nein, die Politik wird nicht alle unsere Daten schützen, nicht schützen können. Dafür müssen wir schon selbst sorgen.

Ganz so, wie es ein anderer Qualitätsjournalist in der Zeit sinngemäß geschrieben hat: Wer nicht kommuniziert, kann auch nicht belauscht werden, also kommuniziert nicht mehr arglos überall miteinander. So haben wir uns das mit der Freiheit alle vorgestellt! Gehen wir einfach zum Reden in den Wald! Hauptsache, die Reklame und die Propaganda kommen noch durchs Netz.

Jeder kann entscheiden, ob er die Datenkraken Facebook, Google und Co. täglich mit Persönlichstem füttert und jeder kann lernen, wie er seine E-Mails verschlüsselt.

Jeder kann selbst entscheiden, was für ein arschlochhafter Hinweis! Als ob auf einem Überwachungsplaneten Facebook und Google das Problem wären! Jeder kann selbst entscheiden, ob er Betriebssysteme mit integrierter NSA-Hintertür verwendet, die mittlerweile zum für viele Menschen unausweichlichen Standard geworden sind; jeder kann selbst entscheiden, ob er ein Handy benutzt oder lieber von seiner sozialen Bezugsgruppe abgeschnitten wird; jeder kann selbst entscheiden, ob er übers Festnetz transparent IP-telefoniert und es in Kauf nimmt, dass alles am Telefon Gesagte aufgezeichnet, automatisch verschlagwortet und von einer fernen, technokratischen Megastasi ausgewertet wird, einschließlich der problembeladenen Gespräche mit der alkoholkranken Tochter und dem sterbenden Vater. Klar, jeder kann da… entscheiden.

So spricht jemand, der mit jedem seiner Worte dokumentiert, wie sehr ihm alle Menschen gleichgültig sind, so lange es ihm selbst als journalistische Frontfresse und kleines Rädchen im Propagandabetrieb gut geht.

Und natürlich kann auch jeder lernen, wie man E-Mails verschlüsselt, gar kein Problem. Bei der Tagesschau allerdings eher weniger. Wenn man über Skype kommuniziert, soll das ja auch verschlüsselt sein, sagt zumindest Microsoft. Richtige Verschlüsselung ist da ein wenig anspruchsvoller, und dass man sich zur Erfüllung des menschlichen Grundbedürfnisses nach Kommunikation über so etwas wie Verschlüsselung überhaupt Gedanken machen muss, ist bereits ein großer Schaden am Leben des Einzelnen und an der gesamten Gesellschaft.

Ganz so leicht sollten wir es unseren amerikanischen Freunden von der NSA nicht machen!

Denn die Ursache dieser Überwachung ist es ja, dass “wir” es den Überwachern leicht machen. Es hat nichts mit den Überwachern… sorry… es hat nichts mit den Freunden zu tun, die schon am Ende der Achtziger Jahre jenen Überwachungsapparat aufgebaut haben, den sie heute als eine Reaktion auf 9/11 hinstellen, ohne dass ihnen ein mit Zwangsgebühren alimentierter Qualitätsjournalist des BRD-Quasistaatsfernsehens darin widersprechen möchte.

Mathias Zahn hatte sich mit seinem Kommentar der Aufgabe entledigt, etwas zur weltweiten Überwachung der gesamten menschlichen Kommunikation durch US-amerikanische und britische Geheimdienste zu sagen. Die Weise, in der er sich dieser Aufgabe entledigt hat, verrät, was für einen Charakter dieser Mensch hat — und sie verrät, mit welchem Charakter man es in der Tagesschau-Redaktion der ARD zu etwas bringen kann. Diese Einsicht kann auch eine Hilfe sein, die pseudoobjektive Meldungsauswahl der Tagesschau-Redaktion zu verstehen.


Wesensveränderung durch Computerspiel “Fifa”

Die Frage ist doch, verändert sich durch’s Daddeln nur die Virtuosität des Daumens, verändert sich der Hirnbereich, der den Daumen steuert, oder verändert sich durch das Daddeln auch das Wesen eines Menschens? Die Frage stellt sich nach einem prominenten Beispiel

Frank Plasberg in der gelenkten Gesprächszurschaustellung “Hart aber fair”, zitiert nach Stigma Computerspiele

Kein Kommentar

Denn alles, was zu dieser im öffentlich-schrecklichen Fernsehen, also in einem mit Zwangsgebühren bezahlten quasistaatlichen Medienapparat, so hinterfotzig aufgeführten Lüge (also bewusst und in Hinblick auf den manipulativen Effekt geäußerten Unwahrheit) zu sagen wäre, kann und sollte bei “Stigma Computerspiele” nachgelesen werden.


Der Datenklau, der Datenklau!

Privatbank Julius Bär bestätigt Diebstahl von Kundendaten
Schweizer Banker wegen Datenklau verhaftet

In der Schweiz ist ein Bankmitarbeiter unter dem Verdacht verhaftet worden, Datensätze an deutsche Steuerfahnder verkauft zu haben. Die Zürcher Privatbank Julius Bär bestätigte der Schweizer “Sonntagszeitung”, dass nach einem Fall von Datenklau ein mutmaßlicher Täter identifiziert worden sei [...]

Die Bank Julius Bär war damit bereits zum dritten Mal innerhalb von zehn Jahren Ziel eines Datendiebs [...]

Die Maßnahmen zielten darauf ab, Datendiebe zu enttarnen und die weitere Entwendung von Kundendaten so weit wie irgend möglich zu erschweren [...]

Tagesschau.de: Schweizer Banker wegen Datenklau verhaftet

Kommentar in Form eines Offenen Briefes

Werte Qualitätsjournalisten bei der ARD und andernorts,

um es euch nicht immer wieder schreiben zu müssen, was das Problem in der von euch verwendeten Nachrichtensprache ist, habe ich es heute in eine kleine, auch für gehetzte Pressetexter im Zeitdruck leicht zu erfassende Grafik zusammengefasst. Hier ist sie:

Komplizierte Themen für Journalisten erklärt: Diebstahl und Kopie

Und da ihr werten Journalisten vor lauter Kopieren von Agenturmeldungen in eure Systeme zum content management nur noch selten dazu kommt, etwas gründlich zu betrachten und auch darüber nachzudenken, noch eine wichtige Anmerkung nur für euch: Das heißt weder, dass Verstöße gegen das Urheberrecht legal sind, noch heißt es, dass der Handel mit Daten, die mit gutem Grund als schutzwürdig erachtet werden, eine unproblematische Sache wäre. Es heißt nur, dass die von euch werten Journalisten immer und immer wieder verwendete Diebstahlsmetapher in Sachen digitaler Daten zwei große Probleme hat, nämlich dass sie…

  1. …an der Natur der berichteten Vorgänge völlig vorbei geht, und dass sie
  2. …nicht im Geringsten dazu geeignet ist, beim Rezipienten eures pseudoobjektiven Nachrichtentones auch nur eine Spur von Verständnis und Bewusstsein für die Problematik der von euch berichteten Vorgänge zu schaffen, und zwar weder in Fragen des Urheberrechtes (bei der Verbreitung nicht-lizenzierter Werkkopien) noch in Fragen des Datenschutzes (beim Handel mit rechtswidrig abgegriffenen Bankdaten).

Am Ende der von euch durchgeführten täglichen Verdummung durch inadäquaten Sprachgebrauch stehen dann nicht nur eure eigenen vollumfänglichen Denkverzichte, sondern auch solche politischen Blindfische wie Siegfried Kauder (CDU), die nur auf der Grundlage ihres völligen Unverständnisses und ihrer mutmaßlichen Korruption durch finanzstarke Lobbyisten den rechtlichen Rahmen für die weitere Entwicklung der Gesellschaft in der BRD schaffen.

Wenn ihr meint, dass derartige Volksverdummungen die Aufgabe des Journalismus seien, geht bitte einfach sterben. Ansonsten verwendet sprachliche Bilder, die das Verständnis des Tagesgeschehens ermöglichen¹ und nicht verhindern!

Ach, apropos “sprachliche Bilder”:

In Züricher Bankerkreisen hieß es, die Schweizer Geldinstitute hätten ihre Kontrollmechanismen in letzter Zeit wegen des wiederholten Ankaufs von Steuer-CDs durch deutsche Behörden verschärft [...]

Glaubt ihr Journalisten eigentlich selbst, dass im Zeitalter der preiswerten Speichersticks und der ebenfalls preisgünstigen externen Festplatten das obsolete Medium CD-ROM wirklich von halbseidenen Datenhändlern verwendet wird, um massenhaft Kundendaten und Kontobewegungen zu bewegen und zu handeln? Auf so eine CD würde doch kaum etwas draufpassen, und zudem wäre dieses Medium langsam, störanfällig und empfindlich. Oder ist es nicht vielmehr so, dass nach dem Ende des Diskettenzeitalters die CD-ROM schlicht der kleinste für Laien glaubwürdige Datenträger ist; dass der Begriff “CD-ROM” also vor allem das Ausmaß des Datenhandels kleiner aussehen lässt? Von wem schreibt ihr bitte dieses ansonsten völlig schwachsinnige Wort ab? Von den PR-Spezialisten der Landesregierungen, die (vielleicht mit gutem Grund, ich werte das gar nicht weiter) gegen Datenschutzbestimmungen verstoßen, indem sie massenhaft Kontobewegungen anderer Menschen zu Fahndungszwecken einsehen? Dass ihr es euch selbst ausgedacht habt, kann ich mir nämlich nicht vorstellen. Für eine so perfide Form der Verschleierung fehlt euch Journalisten im Allgemeinen schlicht die Kompetenz.

Ach!

Euer euch immer wieder lesen und hören müssende
Nachtwächter

¹In diesem Fall ist das Wort vom “Diebstahl” gar nicht erforderlich, es geht um Datenhandel mit empfindlichen persönlichen Daten. Die Daten werden mutmaßlich durch Menschen gehandelt, die als Angestellte eines Bankhauses auf den Datenbestand Zugriff hatten und das Vertrauen ihres Arbeitgebers aus reiner Habgier missbrauchten. Solches Verhalten ist mit gutem Grund allgemein geächtet, wenn es durch die Motivation der Habgier angetrieben wird. Wenn es den Datenhändlern um eine gesellschaftlich not-wendige Aufklärung organisierter Steuerhinterziehung und nicht um ihre eigene Habgier gegangen wäre, wäre es für sie ein leichtes (und zudem sehr viel sicherer) gewesen, die Daten anonym bei einem Sharehoster abzulegen und ebenso anonym dafür zu sorgen, dass die Vorgänge in Presse und Internet die gewünschte Beachtung finden. Dass die Habgier dieser Datenhändler von Seiten einer Landesregierung der BRD mit hohen Geldzahlungen vergoldet wird, ist ein Vorgang, der ein grelles Schlaglicht auf die vollständige Amoralität des gegenwärtigen Politikbetriebes wirft. Die Konzentration auf den angeblichen “Diebstahl” von Daten lenkt von diesem eigentlichen Problem ab. Aber wen erzähle ich das? Journalisten in der BRD? Es ist eine Verschwendung von Kraft und Worten… wie jeder beim Blick in die Zeitung oder beim Anschauen einer Nachrichtensendung selbst bemerken kann.


Wer steht denn da direkt am Tatort?

Wie überhaupt der ganze Diskurs über das Netz und seine User einen hohen Ton an­schlägt und damit die Banalität von Rechtsverstößen kaschiert oder gar zum Frei­heitsakt hochjazzt. Die Grundrechte der Urheber bzw. der von ihnen beauftragten Rechteinhaber aber werden dagegen marginalisiert: Zum Beispiel das Grundrecht auf geistiges Eigentum.

Aus dem Offenen Brief von 51 Tatort-Autoren an die “lieben Grünen, lieben Piraten, lieben Linken und die liebe Netzgemeinde”

Ganz kurz nur…

…um diese großtönenden Worte ein wenig zu relativieren, sei hier verlinkt, wie ausgerechnet im Rahmen der Tatort-Produktion in mindestens einem Fall mit Immaterialgüterrechten umgegangen wird. Die Aufklärung, aus welcher Quelle die Tatort-Macher das Werk bezogen haben, gibt es im Beitrag von joerg-s. Wir brauchen ein Bild für diese Szene mit dem Overheadprojektor, haben sich die Macher gesagt, und dann haben sie ihren Browser aufgemacht, Googles Bildsuche verwendet und einfach einen der ersten Treffer genommen und nach trivialer (und übrigens für einen Schaltplan auch technisch falscher) Nachbearbeitung verwendet. Nicht aus Freude am Teilen, sondern um ein Geschäft damit zu machen, also Geld zu verdienen.

So, und nach diesem kleinen Hinweis möchte ich, der ich weder grün, noch Pirat, noch links und schon gar nicht Mitglied irgendeiner Gemeinde bin, den einundfünfzig Propagandagehilfen Tatort-Autoren nur eines erwidern: Wenn ihr mit einem Finger auf andere zeigt, weisen drei Finger auf euch selbst zurück. Eine Antwort in Form eines offenen Briefes ist da gar nicht nötig, und sie wäre übrigens auch eine Verschwendung beschränkter Lebenszeit. Das von euch für den Rest der Welt als Getränk angebotene Wasser steht deutlich genug im Widerspruch zum von euch gesoffenen Weine, um seine eigene und allgemein verständliche Sprache zu sprechen.

Oder anders gesagt, ihr wenig lieben mit GEZ-Zwangsgebühren Alimentierten, Staatsfernsehabhängigen und Mitglieder der heiligen Kirche der totalen Volksentrechtung und Kulturvermarktung unter dem wehenden Banner des “geistigen Eigentums” namens Urs Aebersold, Feo Aladag, Miguel Alexandre, Friedrich Ani, Knut Boeser, Katrin Bühlig, Fred Breinersdorfer, Leonie-Claire Breinersdorfer, Stefan Cantz + Jan Hinter, Orkun Ertener, Christoph Fromm, Klaus Gietinger, Axel Götz, Dinah Marte Golch, Jochen Greve, Harry Göckeritz, Michael Gutmann, Peter Hemmer, Peter Henning, Felix Huby, Stefanie Kremser, Wolfgang Limmer, Petra Lüschow, Daniela Mohr, Martina Mouchot, Clemens Murath, Carolin Otto, Henriette Piper, Claudia Prietzel, Peter Probst, Gerhard J. Rekel, Pim G. Richter, Johannes Rotter, Heike Rübbert, Peter Scheibler, Hartmann Schmige, Holger Karsten Schmidt, Simone Schneider, Susanne Schneider, Dorothee Schön, Thomas Schwank, Xaõ Seffcheque, Markus Stromiedel, Uwe Wilhelm, Michael Wogh, Daniel Wolf, Gerlinde Wolf, Eva Zahn, Volker A. Zahn, Peter Zingler: Ihr widert mich an und ihr könnt mich mal am Arsche lecken! Und vermutlich nicht nur mich.


Für die eigene Zerstörung eintreten

Berlin (ots) – Die ARD-Vorsitzende, Monika Piel [...] sowie ZDF-Intendant, Prof. Markus Schächter, fordern die Bundesregierung gemeinsam dazu auf, das ACTA-Abkommen zum Schutz vor Internetpiraterie ohne weitere Verzögerung wie bereits beschlossen zu unterzeichnen und mit größerem Nachdruck als bisher eine zukunftsorientierte Reform des Urheberrechtes sowie dessen Schutz im digitalen Zeitalter in Angriff zu nehmen. Hierzu zählt auch eine Verbesserung der urheberrechtlichen Rahmenbedingungen für legale Angebote.

Presseerklärung — ACTA-Abkommen: Deutsche Content Allianz fordert Bundesregierung zur konsistenten Positionierung zum Urheberrecht auf

Kurzkommentar

So so, ARD und ZDF stehen also in breiter Front zusammen mit der Contentindustrie im Kampf gegen die Menschen für die Rechte der Contentindustrie mit ein, und wenn die noch so klandestin und antidemokratisch im EU-Fischereiausschuss ausgemauschelt werden und zu einer Privatisierung und Verwillkürlichung der Rechtsdurchsetzung an so genanntem “geistigen Eigentum” führen. Damit ARD und ZDF auch weiterhin von dümmlich dreisten Sonderrechten benachteiligt werden und im Internet immer wieder einmal so aussehen:

Mit dem 01.09.2010 musste tagesschau.de rund 80 Prozent seiner Archivinhalte depublizieren

Dann “depubliziert” mal schön weiter und vertretet nicht einmal eure eigenen Interessen oder die Interessen eurer Zuschauer, sondern macht ganz deutlich, wie weit die Verbananung der Bundesrepublik schon gediehen ist!

Damit es auch jeder versteht.


Zwei Stunden für die Sicherheit im Internet

Safer Internet Day: Rat am Telefon -- Zum 'Safer Internet Day' am 7. Februar bietet die Verbraucherzentrale Sachsen (VZS) eine Hotline für Fragen rund um die Sicherheit im weltweiten Datennetz an. Experten der VZS beraten dann zu Themen wie Cybermobbing, Datenschutz in sozialen Netzwerken, Abofallen im Internet oder das Herunterladen von Filmen und Musik. Wie die VZS in Leipzig mitteilte, stehen die Experten zwischen 14 und 16 Uhr unter der Rufnummer 0180-2-556611 zur Verfügung. Der Anruf kostet aus dem deutschen Festnetz sechs Cent, Anrufe aus Mobilfunknetzen können teurer sein.

ARD-Videotext, Seite 542, Stand 5. Februar 2012, 2:30 Uhr

Kurzkommentar

Zwei Stunden Beratungsangebot an einem Tag des Jahres für das ganze Land Sachsen — diese Aufklärungsoffensive wird bestimmt einen Riesensprung für ein sichereres Internet bringen. Zumal die Themenbereiche dermaßen breit gestreut sind, dass richtige Sicherheitsfragen hinter den hunderttausendfach durchgezogenen Abofallen-Betrügereien (die es übrigens nur in der Bundesrepublik Deutschland gibt) und den besorgten Fragen zun den Gefahren von Urheberrechtsverstößen zurücktreten werden. Das wird das Internet sicherer machen! Genau so, wie ein reingeworfener Schneeball die Sonne abkühlt!

Eine kleine Sondererwähnung bekommt die ARD-Videotext-Redaktion für das tolle Wort “weltweites Datennetz” im oben erwähnten Artikel — es erinnert schon von seinem Klang her an diese staubdeutschen Behördenbriefe des Jahres 2012, in denen immer noch gedruckt steht, wann und unter welcher “Rufnummer” man den zuständigen Mitarbeiter der Behörde “fernmündlich” erreichen kann. Vermutlich saß bei der ARD ein etwas betagterer Mensch in der Schreibstube. :D


Einfach übersehen: Die einfache Möglichkeit

Blogger Doctorow verwies auf die in Web-Browsern integrierte Option zum Blockieren von lästiger Werbung über dem Text, die zum Niedergang dieser Werbeform geführt habe: “So eine einfache Möglichkeit müsste es auch gegen die Daten geben, die Webseiten-Betreiber über uns speichern.”

tagesschau.de: Google will reden, aber nichts sagen

Kommentar

Ich weiß ja nicht, welche Browser der vom quasistaatlichen Fernsehen der Bundesrepublik beim Berichten über eine Google-Reklameveranstaltung zitierte Blogger in den letzten zehn Jahren benutzt hat. Ich kann also nicht ausschließen, dass der hier zitierte Blogger immer noch mit dem Internet Explorer 6 oder dem Netscape Navigator 4.51 unterwegs ist, auch wenn dies zu einer ziemlich unbefriedigenden Internet-Erfahrung führt.

Wer hingegen einen halbwegs zeitgemäßen Browser benutzt, kann angesichts dieses Zitates nur mit dem Kopf schütteln. Die gegenwärtigen Vorgehensweisen der großen Tracker und Datensammler funktionieren entweder über Skripting oder über Seiteneffekte von Plugins. In Form des beliebten Plugins NoScript steht seit gut fünf Jahren eine einfache Möglichkeit zur Verfügung, die derartiges Tracking unterbindet, es aber aus Nutzersicht sehr einfach macht, für bestimmte Sites Ausnahmen zu definieren. Es ist für jemanden, der wirklich an seiner Privatsphäre interessiert ist, schon sehr schwierig, davon noch nichts gehört zu haben. Offensichtlich ist eine derartige Blindheit gegenüber technischen Entwicklungen aber kein Hindernis, wenn man auf einer Reklameveranstaltung des großen Werbevermarkters und Datensammlers Google spricht — auch wenn einfaches Googeln hier schnelle Abhilfe schafft. Die Verwendung ist genau so einfach wie die Benutzung eines guten Adblockers.

Eine weitere Möglichkeit, Tracking über Site-Grenzen hinweg zu machen, besteht in der Ablage von Cookies durch eingebundene Inhalte (so genannte Webbugs). Es kann in jedem mir bekannten Browser eingestellt werden, dass Cookies nur von der aufgerufenen Site akzeptiert werden sollen. Die Frage, warum diese einfache Maßnahme nicht eine Standardeinstellung aller Browser ist, klärt sich am schnellsten, wenn man schaut, welche Konzerne an der Entwicklung freier Browser beteiligt sind und naturgemäß kein so großes Interesse am Schutz der Privatsphäre der Surfer haben.

Ebenfalls schon seit Jahren gibt es den “Nischenbrowser” Opera. Dieser ermöglicht ohne jedes Plugin das globale Abschalten diverser Features (unter anderem Plugins, JavaScript, Cookies) und das explizite Zulassen der Features in jeweils Site-spezifischen Einstellungen. Das ist zwar aus Nutzersicht umständlich, aber ebenfalls wirksam.

Aber dass die ARD-Tagesschau, wenn sie über Googles Reklame berichtet über die Dinge aufklärt, die in Googles Reklame aus Eigeninteresse verschwiegen werden, wäre ja zu viel verlangt.


Dafür nimmt man kein iPhone

Screenshot tagesschau.de: Unruhestifter verabreden sich per Blackberry... Seit drei Tagen halten Krawalle London bereits in Atem. Randalierer legen Feuer und plündern. In welchem Stadtteil zugeschlagen wird, ist für die Polizei völlig unberechenbar - das Netz der Krawallmacher ist schwer zu überwachen. Premie Cameron kündigte ein hartes Durchgreifen an.

Tja, quasistaatliche Tagesschau (und natürlich auch der ganze Rest der stinkenden Journaille), ansonsten sprichst du ja viel lieber ganz explizit unter Markennennung von diesen tollen iPhones mit diesem Apfel darauf, wenn von mobilen Endgeräten mit vielen Möglichkeiten die Rede sein soll — vermutlich, weil dafür im Hintergrund jede Menge Geld und anderes Kompromat fließt. Nur in diesem Fall wäre das halt kontraproduktiv für die schleichwerbende Absicht; das ist nicht so fingerbildschiebend hipp und flutschebunt lustvoll entmündigend, das ist brennende Verzweiflung von Menschen, die ihr Leben noch vor sich haben und doch schon jede Zukunft längst hinter sich. Klar, dass für diese Meldung ein anderer Markenname herhalten muss, sonst hört die Apfelfirma noch mit ihren Zuwendungen auf!

Und zu allem Überfluss ist die Aussage vom “schwer zu überwachenden Netz” falsch. Der Blackberry-Hersteller RIM kann die den Blackberry Internet Service ausgetauschte (angeblich verschlüsselte) Kommunikation ohne Mühe mitlesen und liefert sie frei Haus, im vorauseilendem Gehorsam, ohne einen Gerichtsbeschluss oder etwas Ähnliches an die Ermittler. Die Kommunikation über Blackberries kann also ohne jeden Aufwand vollständig überwacht werden. Warum die reichweitenstarke Tagesschau des quasistaatlichen Fernsehens ARD wohl so eine mutmaßlich bewusste Falschinformation unter die Leute streut? Und ob der Glaube an so eine Falschinformation wohl auch sehr praktisch für die deutschen Polizeien wäre, wenn auch in der Bundesrepublik Deutschland einmal das immer häufigere Leben ohne Zukunft den Gelegenheit der Gegenwart ergreift? Man kann schon komische Sachen denken, wenn mans mit dem Bullshit der Tagesschau zu tun bekommt.

[via]


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